Hannah Arendt und Hermann Broch verband eine enge Freundschaft von 1946 an bis zum Tod Brochs 1951. In diesen Jahren führten sie einen stetigen Briefwechsel, in dem sie über die Nachkriegsjahre, eigene sowie fremde Werke, private Konflikte und über das Thema Menschenrechte diskutierten und philosophierten.
Im Folgenden werden die Lebenswege der beiden näher betrachtet. Dabei werden Gemeinsamkeiten deutlich, die die Grundlage für die intensive Freundschaft darstellten. Ihre verschiedentlichen Themen und Debatten sowie ihr ambivalentes Verhältnis zueinander, das sich zwischen den Zeilen erkennen lässt, sollen einen Überblick über die mehrjährige Korrespondenz beider geben. Um einen tieferen Einblick zu verschaffen, wird ebenfalls dargestellt, wie die Korrespondenz Arendts über Broch verlief, welche in Briefwechseln mit Bekannten ihrerseits erfolgte. Da Arendt ihren Freund überlebte, schließt die Ausführung über die Wechselbeziehung beider, mit den Tätigkeiten Arendts nach Brochs Tod ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hermann Broch versus Hannah Arendt
a) Biographie Hermann Broch
b) Biographie Hannah Arendt
c) Gemeinsamkeiten
3. Die Wechselbeziehung
a) Die Begegnung
b) Der Beginn des Briefwechsels
c) Eine komplementäre oder inferiore Beziehung?
4. Der Briefwechsel
a) Liebesbeziehung
b) Gegenseitige Kritik und Diskussion eigener Werke
c) Allgemeine Kulturkritik
5. Nach Brochs Tod
a) Über die Einleitung der Essay-Bände
b) Das Thema Broch in Arendts weiteren Briefkontakten
Briefwechsel mit Heidegger
Briefwechsel mit Blumenfeld
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die intensive freundschaftliche und intellektuelle Korrespondenz zwischen Hannah Arendt und Hermann Broch von 1946 bis zu Brochs Tod 1951. Ziel ist es, das ambivalente Verhältnis der beiden Denker zu beleuchten, ihre gegenseitige Beeinflussung in literarischen und politischen Debatten nachzuzeichnen und die Rolle Brochs in Arendts spätem Denken sowie in ihren weiteren Briefnetzwerken zu analysieren.
- Biographische Parallelen und Unterschiede zwischen Arendt und Broch
- Die Dynamik der platonischen Liebesbeziehung und intellektuellen Partnerschaft
- Gegenseitige Kritik und Auseinandersetzung mit Werken wie "Der Tod des Vergil" und "The Origins of Totalitarianism"
- Gemeinsame Auseinandersetzung mit Totalitarismus und Menschenrechten
- Arendts Bewahrung des literarischen Erbes von Broch nach dessen Tod
Auszug aus dem Buch
3a) Die Begegnung
Die erste Begegnung zwischen Hermann Broch und Hannah Arendt kam durch Brochs zweite Ehefrau und Arendts Bekannte Annemarie Meier-Graefe zustande. Im Mai 1946 trafen sie sich erstmals in der New Yorker Wohnung der gemeinsamen Freundin. Broch war zu diesem Zeitpunkt im sechzigsten, Arendt im vierzigsten Lebensjahr. Sie stand damit noch am Beginn ihrer beruflich erfolgreichen Laufbahn, er hingegen hatte mit der Veröffentlichung seines Romans „Der Tod des Vergil“ den Höhepunkt seiner Karrierer erreicht.
Doch zu einer Freundschaft gehört bekanntlich mehr, als ein paralleler Lebensweg und gleiche Interessen. Die Freundschaft entwickelte sich vielleicht gerade durch die jeweils interessanten Charaktereigenschaften. Sie versprühte „jugendlich-spontane Brillanz“ und eine „von ihr ausgehende Aura“,einer Mischung von intellektuellem Wagemut und denkerischer Kompetenz“.
Broch hingegen wurde von seiner Briefpartnerin bewundert wegen seiner „außerordentlichen Gabe für Intimität“. Außerdem war der Charme wohl einer seiner bestechendsten Eigenschaften. Während der zweiten Hälfte der vierziger Jahre hatte er bis zu sieben Intim-Verhältnisse (Jean Starr Untermeyer, Marion Canby, Gertrude Lederer, Annemarie Meier-Graefe, Fanny Colby Rogers, Irma Rothstein und Ruth Norden).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die enge Freundschaft zwischen Arendt und Broch ein und umreißt das Ziel der Untersuchung des gemeinsamen Briefwechsels.
2. Hermann Broch versus Hannah Arendt: Das Kapitel vergleicht die Biographien beider Autoren und arbeitet ihre Gemeinsamkeiten als jüdische Emigranten und Denker heraus.
3. Die Wechselbeziehung: Hier wird der Beginn der persönlichen und schriftlichen Verbindung thematisiert sowie die Art ihrer platonisch geprägten Beziehung kritisch hinterfragt.
4. Der Briefwechsel: Dieses Kapitel widmet sich dem inhaltlichen Kern der Korrespondenz, der neben persönlichen Liebesbekundungen vor allem den Austausch über eigene literarische und politische Werke sowie allgemeine Kulturkritik umfasste.
5. Nach Brochs Tod: Die Ausführungen beleuchten Arendts Engagement für das Werk des Verstorbenen sowie die Reflexion über Broch in ihrer Korrespondenz mit anderen Zeitgenossen wie Heidegger und Blumenfeld.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung der Korrespondenz als intimes, intellektuelles Bündnis zweier Schicksalsgefährten zusammen und reflektiert über die philosophische Tiefe ihres Austauschs.
Schlüsselwörter
Hermann Broch, Hannah Arendt, Briefwechsel, Exil, Freundschaft, Totalitarismus, Menschenrechte, Philosophie, Literaturkritik, Massengesellschaft, Intellectual History, Deutschsprachige Philologie, Korrespondenz, Emigration, Nachkriegszeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der intellektuellen und persönlichen Beziehung zwischen Hermann Broch und Hannah Arendt, die durch ihren Briefwechsel von 1946 bis 1951 dokumentiert ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Totalitarismus, Fragen der Menschenrechte, die gegenseitige Kritik an ihren schriftstellerischen Werken und das Leben im Exil.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Charakter ihrer "platonischen" Beziehung zu analysieren und aufzuzeigen, wie sie sich gegenseitig in ihrem Denken beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und biographiewissenschaftliche Analyse, die primär auf der Auswertung des Briefwechsels und einschlägiger biographischer Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Begegnung, die Dynamik des Briefwechsels, die kritische Diskussion ihrer Werke sowie Arendts Aktivitäten zur Bewahrung von Brochs Andenken nach dessen Tod.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Hermann Broch, Hannah Arendt, Briefwechsel, Exil, Totalitarismus, Menschenrechte und intellektuelle Freundschaft.
Wie bewertete Arendt Brochs Werk in ihren Briefen?
Arendt zeigte eine große Hochschätzung für Brochs "Der Tod des Vergil", kritisierte jedoch seine Tendenz, sein Romanwerk zugunsten essayistischer Massenwahntheorien als "überflüssig" abzutun.
Welche Rolle spielte Martin Heidegger in Arendts Briefkontakten zu diesem Thema?
Heidegger korrespondierte mit Arendt über Brochs Werke und zeigte sich interessiert an den "neuen Dingen", die Broch kurz vor seinem Tod noch verfasste.
Wie ging Arendt mit dem Tod von Hermann Broch um?
Sie half bei der Nachlassverwaltung, diskutierte intensiv mit Fachkollegen über seine Werke und verfasste Jahre später die Einleitung zu den Essay-Bänden von Broch.
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- Monique Schlömer (Author), 2004, Die Wechselbeziehung zwischen Hermann Broch und Hannah Arendt , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69700