Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Entstehung und Aufbau der japanischen Schrift 3
2.1. Historischer Überblick 3
2.2. Übernahme chinesischer Schriftzeichen 4
2.3. Die phonetische Adaption Entwicklung der manyôgana-
Schrift 5
2.3.1. Die hiragana 6
2.3.2. Die katakana 7
2.4. Die semantische Adaption Entstehung der kanji 7
2.4.1. Das go-on 9
2.4.2. Das kan-on 9
2.4.3. Das tô-in bzw tô-sô-on 9
2.4.4. Piktogramme 10
2.4.5. Ideogramme 11
2.4.6. Bildkombinationen 11
2.4.7. Phono-Logogramme 12
2.5. Transkriptionssysteme 14
3. Anwendungsprobleme 15
3.1. Die Sprachstruktur des Japanischen 15
3.2. Das Problem der Homophonie 16
3.3. Verschriftlichungsproblematik 17
3.4. Die Versuche einer Schriftreform in Japan 19
4. Resümee 22
5. Bibliographie 24
1. Einleitung
Aufgrund der Tatsache, daß die Entstehung und Entwicklung der japanischen Sprache und Schrift ein komplexes Themengebiet darstellt, möchten wir uns in unserer Ausarbeitung auf die wichtigsten Aspekte beschränken. Deshalb werden wir uns zunächst mit der historischen Entwicklung der japanischen Schrift beschäftigen und dabei aufzeigen, wie es zur Entstehung der drei japanischen Schriften (kanji, hiragana und katakana) gekommen ist und uns später kurz mit den Transkriptionsschriften des Japanischen befassen. Im weiteren Verlauf werden wir auf Besonderheiten der japanischen Sprache eingehen, da Sprache und Schrift ein System bilden, sie somit eine untrennbare Einheit bilden. Danach werden wir einige Anwendungsprobleme im Japanischen aufzeigen, wie zum Beispiel das Problem der Homophonie. Abschließend werden wir uns noch mit den aktuellen Versuchen einer Schriftreform in Japan beschäftigen, wobei die Komplexität dieses eigenständigen Themenbereiches bei einer gründlichen Untersuchung den Rahmen einer derartig kurzen Arbeit zwangsläufig sprengen würde. Im Verlauf dieser Ausarbeitung soll gezeigt werden, wie stark japanische Schrift und Sprache miteinander verwoben sind.
2
2. Entstehung und Aufbau der japanischen Schrift
In diesem Kapitel soll aufgezeigt werden, wie es zur Entstehung der heutigen japanischen Schrift gekommen ist. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Übernahme chinesischer Schriftzeichen durch die Japaner gelegt.
2.1. Historischer Überblick
Die japanische Schrift basiert auf dem chinesischen Schriftsystem, welches zu Beginn des 5. Jahrhunderts im Verlauf des sich ausbreitenden japanischen Interesses am buddhistischen Glauben von koreanischen Einwanderern nach Japan getragen wurde. Dies führte jedoch nicht direkt zur Entwicklung einer eigenständigen japanischen Schrift, sondern zunächst kam es zu einer limitierten Verwendung chinesischer Schriftzeichen, da es nur der gelehrten Oberschicht vorbehalten war, diese in Wort und Schrift zu benutzen. Ein Großteil der Sprachforscher ist sich darüber einig, daß die Japaner vor der Übernahme der chinesischen Schrift kein eigenes Schriftsystem besaßen. ROY ANDREW MILLER schreibt dazu: »Not until the historical period and the introduction of Chinese script is there any written evidence bearing on the earliest stages of the
Japanese Language.« 1 Einige wenige japanische Linguisten sind von
der Existenz sogenannter »Götterschriften« überzeugt, die bereits vor der Adaption chinesischer Schriftzeichen verwendet worden sein
1 Roy Andrew Miller: The Japanese Language, Rutland/Vt. 1980, S. 27 f.
3
sollen. 2 Dies sei aber nur am Rande erwähnt, da es für diesen
Sachverhalt keine stichhaltigen Beweise gibt.
2.2. Übernahme chinesischer Schriftzeichen
Mit der Entwicklung von chinesisch-japanischen Beziehungen im
5. Jahrhundert wurde das Interesse der Japaner für die chinesische
Schrift geweckt. Als Übersetzer fungierten hierbei eingewanderte Altkoreaner (s.o.), die in ihrer Heimat schon über Generationen mit dem Chinesischen vertraut waren, da das Chinesische bereits im 1. Jahrhundert in Korea verbreitet war und als Lehnsprache für die Entwicklung der koreanischen Schrift verwendet worden war. Diese fubito (Schriftkundige) bildeten während der Yamato-Dynastie (3. bis
6. Jahrhundert) sogenannte fumibe (Schreibergilden) und sahen es als
ihre Aufgabe an, den Japanern das Chinesische nahezubringen. Wegen ihrer Kenntnisse des Chinesischen erledigten sie auch den aufgrund entstehender diplomatischer Beziehungen wachsenden Schriftverkehr
zwischen Japan und China. 3 Zur Erforschung der chinesischen Kultur
schickte Japan ab 604 wiederholt Missionen nach China. Diese Unternehmungen waren jedoch der gebildeten Oberschicht vorbehalten, was dazu führte, daß die japanische Oberschicht zu Beginn des 7. Jahrhunderts problemlos chinesisch lesen und schreiben
konnte und Chinesisch bald zur japanischen Amtssprache avancierte. 4
2 Vgl. Marion Grein: Einführung in die Entwicklungsgeschichte der japanischen Schrift, Mainz 1994, S. 9. Siehe auch Hans Jensen: Die Schrift in Vergangenheit und Gegenwart, Berlin (Ost) 1984, S. 190 f. 3 Vgl. Bruno Lewin: Sprachbetrachtung und Sprachwissenschaft im vormodernen Japan, hrsg. v. d. Rheinisch-Westfälischen Akademie der Wissenschaften, Opladen 1982 (= Vorträge Geisteswissenschaften, Nr. 258), S. 15.
4 Vgl. Grein, S. 30 f.
4
2.3. Die phonetische Adaption – Entwicklung der
manyôgana-Schrift
Parallel zum Chinesisch-Studium der Oberschicht suchte die weniger gebildete »breite Masse« eine Möglichkeit zur Verschriftlichung der japanischen Sprache. Diese wurde in der manyôgana-Schrift gefunden, welche chinesische Schriftzeichen lediglich aufgrund ihrer Lautung verwendete. Der Name manyôgana wurde aus dem Titel der um 765 entstandenen Gedichtsammlung Manyôshû, die teilweise in manyôgana geschrieben ist, abgeleitet. Das Manyôshû (»Zehntausend-Blätter-Sammlung«) stellt die älteste erhaltene Sammlung von insgesamt 4.500 japanischen Gedichten dar. Den zugrundeliegenden Prozeß bezeichnet man als phonetische Adaption. Dabei blieb die Bedeutung der zu adaptierenden chinesischen Schriftzeichen völlig unberücksichtigt. Aufgrund der starken Homophonie der chinesischen Sprache gab es verschiedene Schriftzeichen, die zur Bezeichnung einer japanischen Silbe verwendet werden konnten. Da der weniger gebildeten Schicht jedoch die notwendigen Kenntnisse der chinesischen Sprache fehlten, wurde die Auswahl an homophonen Varianten stark eingeschränkt. Durchgesetzt haben sich schließlich nur eine begrenzte Anzahl an
manyôgana. 5
5 Ebd., S. 35.
5
Zur Verdeutlichung der phonetischen Adaption sollen folgende Beispiele genügen:
2.3.1. Die hiragana
Aus dem Zeichensatz der manyôgana entstand zu Beginn des 9. Jahrhunderts zunächst der hiragana-Zeichensatz, etwas später der katakana-Zeichensatz. Der manyôgana-Schreibstil verlor mit Beginn der Heian-Zeit (794 bis 1186) allmählich seine Vormachtstellung. Während dieser Epoche war es den Frauen untersagt, andere chinesische Schriftzeichen außer den manyôgana zu erlernen. Die ursprünglichen manyôgana-Zeichen waren allerdings sehr komplex und daher für ein schnelles, schwungvolles, kursives Schreiben mit einem Pinsel ungeeignet, so daß sie im Laufe der Zeit von ihren Benutzerinnen durch alltäglichen Gebrauch vereinfacht wurden. Weil die hiragana eine reine Schreibschrift bildeten, wurde das Kursive der Schriftzeichen immer stärker betont und somit zum differenzierenden Merkmal. Die neuentstandene Schrift wurde als onamoji (»Frauenschrift«) bezeichnet. Erst im 17. Jahrhundert setzte sich der heute gebräuchliche Terminus hiragana durch.
6
Arbeit zitieren:
Dirk Bessell, 1995, Die japanische Schrift, München, GRIN Verlag GmbH
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