Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 2
2. Gott und Mensch - die unscharfe Trennung in der griechischen Welt 4
3. Die Formen des Herrscherkultes 6
4. Die Motivation des Kultes 6
5. Die Geschichte des Herrscherkultes 8
6. Die Änderungen der Machtverhältnisse 9
6.1. „Macht macht göttlich“ 9
6.2. Machtverlust der Poleis - religiöse Skepsis 11
7. Fazit 13
8. Quellenverzeichnis 13
9. Literaturverzeichnis 15
1
2
Einleitung
„Die Entstehung des Herrscherkults ist das dunkelste und umstrittenste Problem der griechischen Religion in geschichtlicher Zeit“. 1 Diese Worte beschreiben die Entstehung des griechischen Herrscherkults vortrefflich.
Die vorliegende Arbeit wird sich mit dem Phänomen der Entstehung des Herrscherkultes beschäftigen. Dabei soll vor allem analysiert werden, wie es zu der Erhebung lebender Menschen zu Göttern kommen konnte. Es wird zu klären sein, inwieweit der Herrscherkult als logische Steigerung früherer Ehren, wie die profanen Ehren für Lebende oder die kultischen Ehren für Verstorbene zu sehen ist. Darüber hinaus stellt sich die Frage ob der Herrscherkult auf den politischen oder den religiösen Wandel im 5. und 4. Jahrhundert v.Chr. zurückzuführen ist. Die indogenen Einflüsse auf den Herrscherkult sollen im Folgenden nicht angesprochen werden, da der Verfasser die Ursprünge des Herrscherkultes im griechischen Raum - und nicht etwa im orientalischen Raum - vermutet, wofür auch die geographische Ausdehnung (vor allem in Ionien) der ersten bekannten Kulte spräche. 2
Diese Arbeit orientiert sich an einer klaren Trennung zwischen dem Herrscherkult und dem Dynastiekult, der hier keine Berücksichtigung finden wird. Der Unterschied zwischen dem Herrscherkult und dem um 280 v.Chr. entstandenen Dynastiekult begründet sich hauptsächlich auf der Tatsache, dass die Ehren des Herrscherkults von den Städten ausgingen, während der Dynastiekult von den Herrschern selbst initiiert wurde. 3
Der zeitliche Rahmen dieser Arbeit wird sich von der Zeit der ersten göttlichen Verehrung eines Lebenden (Lysander um 404 v.Chr. s.u.) bis hin zur Hochzeit des griechischen Herrscherkultes während der ersten Dekaden der Diadochenzeit erstrecken. Um Zusammenhänge und Entwicklungen zu verstehen, wird es teilweise nötig sein, noch weiter in die griechische Vergangenheit zu blicken.
1 Nillson, Martin P., Geschichte der griechischen Religion. Bd. 2 Die hellenistische und römische Zeit, in: HAW, München² 1961, S. 135.
2 U.a. spricht sich auch Kaerst gegen das orientalische Gottkönigtum als „eine ursprüngliche Grundlage des hellenistischen Königskult“ aus. Es sei „in seinem Wesen von der sakralen Herrscherverehrung des Hellenismus verschieden[...]“. Kaerst, Julius, Geschichte des Hellenismus. 2. Band Das Wesen des Hellenismus, Darmstadt 1968, S. 378.
3 Vgl. u.a.: Nillson, Geschichte, S. 154.
3
Es wird zunächst zu zeigen sein, wie unscharf seit je her die Grenze zwischen den Göttern und den Menschen im griechischen Bewusstsein war. Daraufhin sollen im dritten Kapitel die konkreten Formen des Herrscherkultes betrachtet werden, um daran anschließend im vierten Kapitel die mit dem Herrscherkult verbundene Ehre als Verdienst für konkrete Taten, wie die Befreiung, Gründung, Festigung einer Stadt zu betrachten. Hierbei soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit der Herrscherkult als Steigerung der profanen Ehren sowie des Heroenkultes zu sehen ist. Danach wird die Geschichte des Herrscherkultes zu betrachten sein (5), um darauf aufbauend die politischen Umwälzungen im 5. und 4. Jahrhundert v.Chr. und ihre religiösen und machtpolitischen Auswirkungen auf den Herrscherkult zu erläutern. Im abschließenden Kapitel (7) sollen die Ergebnisse noch einmal zusammengefasst werden, um dann in Zusammenhang mit der Fragestellung bewertet zu werden.
Da der Verfasser dieser Arbeit des Griechischen nicht mächtig ist, wurden für die Quellen überwiegend Editionen mit deutscher Übersetzung verwendet.
2. Gott und Mensch - die unscharfe Trennung in der griechischen Welt
Im griechischen Bewusstsein kann von je her keine klare Grenze zwischen Gott und
Mensch gezogen werden. 4 Dies scheint uns, die wir vom Monotheismus des Christentums oder des Judentums geprägt sind, schwierig nachzuvollziehen. Die Götter des griechischen Mythos besitzen allesamt bekanntlich starke anthropomorphe Züge, was die Grenze zwischen Göttern und Menschen
verschwimmen lässt. 5
Jene Tatsache lässt sich auch in den literarischen und philosophischen Überlieferungen erkennen: Schon Homer sah große und wichtige Persönlichkeiten -
wie beispielsweise Hektor - als „Gott inmitten der Sterblichen“. 6 Der Philosophenkönig von Sokrates, „der mit Göttlichen und Wohlgeordneten
4 Der folgende Abschnitt orientiert sich an den Betrachtunen von Taeger, Fritz, Charisma. Studien zur Geschichte des Antiken Herrscherkults, 1. Band, Stuttgart 1957, S. 49. sowie Walbank, Frank W., Könige als Götter. Überlegungen zum Herrscherkult von Alexander bis Augustus, in: Chiron. Mitteilungen der Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik des Deutschen Archäologischen Instituts, Band 17, München 1987, S. 371f. und Ehrenberg, Victor, Polis und Imperium. Beiträge zur Alten Geschichte, Zürich 1965, S. 509f.
5 vgl.: Ehrenberg, Polis, S.510.
6 Homer Il. 24,258-259.
4
umgehende Jünger [...] wird demnach auch wohlgeordnet und göttlich“ 7 , wobei hier
von Platon einschränkend hinzugefügt wird: “soweit es einem Menschen möglich ist“ 8 . Nach dem Sieg Phillips II. bei Chaironeia, bei dem dieser die Hegemonie über
Griechenland erlangte, schrieb ihm Isokrates, dass wenn er jetzt auch noch die Barbaren und den persischen Großkönig unterwürfe, es ihm „nur noch [bliebe], ein Gott zu werden“ 9 .
All diese Formulierungen sind sicherlich nicht ganz wörtlich zu verstehen 10 , zumal wir
auch Zeugnisse finden, die eine klare Trennung zwischen Gott und Mensch vorweisen, wie beispielsweise die Inschrift an der Tempelwand von Delphi, die von den Menschen forderte: „Erkenne dich selbst!“. Ehrenberg deutet dies als „Erkenne dich als Menschen und gehorch dem Gotte!“ 11 Eine ähnliche Position vertritt Pindar,
von dem folgender Ausspruch überliefert ist: „Eines der Menschen, eines der Götter Geschlecht[...]es trennt die ganz verschiedene Kraft, da das eine nichts ist[...]“ 12
Doch nur in wenigen überlieferten Äußerungen wird die Grenze so scharf wie bei Pindar gezogen, so dass durchaus von der Verwischung der Grenze zwischen Gott und Menschen gesprochen werden darf.
Der Heroenkult, also die posthume kultische Verehrung und Anbetung von verdienstvollen Personen, wie z.B. Städtegründern oder Kriegshelden, ist als weiteres Beispiel für die Verschmelzung der beiden Bereiche zu sehen. 13 So machte es keinen großen Unterschied, ob Götter oder die Heroen angerufen wurden. 14 Als
Beispiel dient hier Perikles, der die Athener, die in der Schlacht Samos (434/33 v.Chr.) starben, nicht mit den Heroen, sondern mit den Göttern verglich. 15
7 Plat. Staat 6,500 C-D.
8 Ebenda.
9 Isokr. Epist. 3,5.
10 Vgl.: Walbank, Könige, S. 372.
11 Vgl.: Ehrenberg, Polis, S. 510.
12 Pind.,Nem.6, 1 ff.
13 Vgl.: Taeger, Charisma, S. 48.
14 Vgl.: Ebenda
15 „Denn wir sehen die Götter nicht selbst, schließen aber aus den Ehren, die sie genießen, und aus den Wohltaten, die sie erweisen, auf ihre Unsterblichkeit. So ist es auch bei den Bürgern, die für das Vaterland ihr Leben gelassen haben.“ (Plut.vit.Per. 8)
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Quote paper:
Jochen Brandt, 2004, Die Entstehung des Herrscherkultes, Munich, GRIN Publishing GmbH
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