II
Darstellungsverzeichnis
Darst 01: Arten von Kennzahlen 2
Darst 03: Vereinfachtes DuPont-System 10
Darst 04: Rentabilitätsteil des RL-Kennzahlensystems 16
Darst 05: Liquiditätsteil des RL-Kennzahlensystems 17
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1 Einzelkennzahlen
1.1 Begriffskennzeichnung In der Literatur existiert kein einheitlich definierter Kennzahlenbegriff. Es werden verschiedene mehr oder weniger eng gefasste Definitionen verwendet. Der Hauptstreitpunkt liegt dabei in der Frage, ob nur relative Zahlen 1 oder auch absolute Zahlen 2 in die jeweilige Kennzahlendefinition einbezogen werden. Bei der Kennza hlendefinition i.e.S. wird der Nichteinbezug der absoluten Zahlen damit begründet, dass diese erst durch den Vergleich einen Erkenntniswert erlangen. 3 Die Aussagekraft einer isolierten Verhältniszahl ist jedoch ebenfalls nicht unumstritten. 4 Auch diese erhalten durch den Vergleich einen höheren Erkenntniswert. 5
Unbestritten ist jedoch die Tatsache, dass absolute Zahlen, wie z.B. Umsatz, Auftragsbestand, Gewinn oder Cash Flow, für die Beurteilung der wirtschaftlichen Unternehmenssituation von zentraler Bedeutung sind.
Die vorliegende Arbeit orientiert sich daher an der praxisbezogenen Anwendung und definiert Kennzahlen als „Verhältniszahlen und absolute Zahlen, die in konzentrierter Form über einen zahlenmäßig erfaßbaren betrieblichen Tatbestand informieren.“ 6
1.2 Kennzahlensystematisierung Eine Systematisierung der vielfältigen Kennzahlen erfolgt in der Literatur nach unterschiedlichen Kriterien. 7 Die in der betrieblichen Praxis verwendeten Kennzahlen lassen sich zum überwiegenden Teil in die schon diskutierte Unterteilung in absolute und relative Kennzahlen einordnen.
1 Vgl. Wissenbach (1967), S. 33; ebenso ZVEI (1989), S. 13.
2 Vgl. Merkle (1982), S. 325 f.; ebenso März (1983), S. 10; auch Meyer (1994), S. 4. 3 Vgl. Kern (1971), S. 702; ebenso Groll (1991), S. 11; auch Jacobs (1994), S. 79. 4 Vgl. Staudt et al. (1985), S. 22 ff.
5 Vgl. Lachnit (1979), S. 17.
6 Staehle (1973), S. 222.
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Darst. 01: Arten von Kennzahlen 8
Ergänzend zu dieser Unterteilung erfolgt häufig eine Systematisierung nach inhaltlichen, zeitlichen und quantitativen Strukturmerkmalen einer Kennzahl: 9
• Bei der inhaltlichen Struktur findet eine Differenzierung nach Mengen- und Wertgrößen statt. Unter Wertgrößen werden dabei monetäre und unter Mengengrößen nicht monetäre Größen subsumiert.
• Nach der zeitlichen Struktur lassen sich Kennzahlen unterscheiden, welche sich auf einen Zeitpunkt oder auf einen Zeitraum beziehen.
• Bei der quantitativen Struktur wird der Aufbau der Kennzahl untersucht. Dabei sind bei der Bildung einer Verhältniszahl Kombinationen aus Gesamt- und Teilgrößen möglich.
Durch die beschriebenen Kriterien lassen sich Kennzahlen eindeutig charakterisieren. Dies ist besonders bei der Ermittlung, Beschreibung und Analyse
7 Vgl. Geiß (1986), S. 41 f.; ebenso Meyer (1994), S. 6 f.
8 Vgl. Siegwart (1992), S. 23; ebenso Küpper (2001), S. 342.
9 Vgl. Merkle (1982), S. 326; ebenso Geiß (1986), S. 41 f.; auch Meyer (1994), S. 6 f.
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von Kennza hlen hilfreich. Der Inhalt einer Kennzahl wird exakt abgegrenzt, wodurch Fehlinterpretationen bei der Analyse vorgebeugt werden.
1.3 Grenzen Die Aufgabe einer Einzelkennzahl besteht darin, eine konzentrierte Information über einen betrieblichen Sachverhalt wiederzugeben. 10 Dies birgt besonders bei der Ermittlung und Auswertung von Kennzahlen, welche über einen komplexen Sachverhalt informieren, Gefahren in sich. Durch den notwendigen Reduktions- prozess bei der Kennzahlenbildung gehen u.U. wichtige Informationen verloren. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass die Kennzahl den jeweiligen komplexen Sachverhalt unzutreffend abbildet. 11
Voraussetzung für die Anwendung einer Kennzahl als Entscheidungsgrundlage ist eine Quantifizierungsmöglichkeit des zu betrachtenden Sachverhaltes. 12 Dabei ist die Wahl einer korrekt ermittelten Datengrundlage, we lche im Hinblick auf die Frage- stellung eine urteilsfähige Aussage zulässt, von entscheidender Bedeutung. 13
Bei der Verwendung von Kennzahlen besteht in der Praxis die Frage nach dem Umfang der Kennzahlenermittlung. Einerseits existiert der Anspruch, dass alle Bereiche des Unternehmens abgebildet und analysiert werden. Anderseits besteht die Gefahr, dass eine unüberschaubare Menge von Informationen entsteht. 14
Der Informationsnutzen ergibt sich nicht durch die Kennzahl an sich, sondern erst durch deren Interpretation. 15 In diesem Zusammenhang muss neben der Qualität der Datengrundlage auch beachtet werden, dass eine differenzierte Beurteilung zusätzlicher Einflussgrößen während des Interpretationsprozesses zu unter-
10 Vgl. Küting (1983a), S. 237; ebenso Horváth (2001), S. 568; auch Weber (2001), S. 13. 11 Vgl. Geiß (1986), S. 76 f.
12 Vgl. Lachnit (1979), S. 19.
13 Vgl. Wolf (1977), S. 56 f.; ebenso Siegwart (1992), S. 148.
14 Vgl. Staehle (1969), S. 66.
15 Vgl. März (1983), S. 81.
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schiedlichen Annahmen der Entscheidungsträger führen kann. 16 Diese unzureichende Objektivität einer Kennzahl 17 zeigt sich vor allem bei zwischen- betrieblichen Vergleichen. 18 Zusätzlich wird die Interpretation einer Einzelkennzahl dadurch erschwert, dass aus ihr nicht ersichtlich ist, wie sich die zugrundeliegenden Größen der Kennzahl verändert haben. 19
Die Problematik der Interpretation belegt die beschränkte Aussagekraft einer einze lnen, für sich betrachteten Kennzahl. 20 Diese lässt die Zusammenhänge, welche sich hinter dem abgebildeten Sachverhalt verbergen, nicht erkennen. 21 Erst der Vergleich der Relationen im Zusammenhang mit anderen Kennzahlen und deren Einbettung in den betrieblichen Gesamtzusammenhang erlaubt eine aussagekräftige Entscheidungsfindung. 22
2. Kennzahlensysteme
2.1 Begriffskennzeichnung und Aufbau Die dargestellten Probleme und Grenzen von Einzelkennzahlen zeigen die Notwe ndigkeit einer Integration von Kennzahlen in ein geschlossenes Kennzahlen- system. 23 Dadurch wird eine höhere Aussagefähigkeit der einzelnen Kennzahlen erreicht und die Interpretationsfreiheit eingeschränkt. 24
Nach herrschender Meinung kann ein Kennzahlensystem definiert werden als „eine geordnete Gesamtheit von Kennzahlen, die in sachlich sinnvoller Beziehung zueinander stehen, sich gegenseitig ergänzen und als Gesamtheit dem Zweck dienen, den Betrachtungsgegenstand möglichst ausgewogen und vollständig zu
16 Vgl. Gaitanides (1979), S. 57 ff.
17 Vgl. Wissbach (1967), S. 55 f.
18 Vgl. Staehle (1969), S. 67; ebenso Wolf (1977), S. 55 f.
19 Vgl. Nowak (1966), S. 704 f.
20 Vgl. Merkle (1982), S. 326.
21 Vgl. Lachnit (1976), S. 216.
22 Vgl. Nowak (1966), S. 711.
23 Vgl. Staehle (1969), S. 69; ebenso Kern (1971), S. 702 f.
24 Vgl. Groll (1991), S. 19.
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erfassen.“ 25 Diese Definition bezieht damit nicht nur rechentechnisch miteinander verknüpfte Kennzahlen, 26 sondern auch solche mit ein, zwischen denen lediglich ein sachlogischer Zusammenhang existiert. 27
Besteht zwischen den einzelnen Kennzahlen eines Systems eine mathematische Verknüpfung, so wird dies als Rechensystem bezeichnet. 28 Dabei wird eine Spitzenkennzahl durch stufenweise Aufgliederung, Substitution oder Erweiterung des Nenners oder des Zählers in weitere Unterkennzahlen zerlegt. 29 „ Die Spitzen- kennzahl soll die betriebswirtschaftlich wichtigste Aussage des Systems in komprimierter Form vermitteln.“ 30
Bei dieser Vorgehensweise entsteht eine Kennzahlenpyramide, welche die Beziehungen zwischen den Kennzahlen darstellt und durch die mathematische Verknüpfung die Art dieser Beziehung aufzeigt. 31 Diese Verdeutlichung des Zusammenha nges von Ursache und Wirkung erleichtert die Analyse. 32
Zur Aufrechterhaltung der mathematischen Verknüpfung ist zumeist die Verwendung von sogenannten Hilfskennzahlen erforderlich. Diese dienen der rechentechnischen Verknüpfung, besitzen jedoch keine oder nur geringe Aussagekraft und führen somit zu einer unnötigen Aufblähung des Kennzahlensystems. 33
Jedoch lassen sich nicht zwischen allen wichtigen betriebswirtschaftlichen Sach- verhalten mathematische Verknüpfungen herstellen. 34 Werden Kennzahlen ohne rechentechnische Verknüpfung in ein Kennzahlensystem integriert, so wird dies als
25 Lachnit (1976), S. 216.
26 Vgl. Staehle (1969), S. 97 ff.; derselbe (1973), S. 223.
27 Vgl. März (1983), S. 65; ebenso Siegwart (1992), S. 39; auch Meyer (1994), S. 9. 28 Vgl. Staudt et al. (1985), S. 31; ebenso Wöhe (1997), S. 865.
29 Vgl. Küting (1983a), S. 237 f.; ebenso ZVEI (1989), S. 24 ff.
30 Horváth (2001), S. 570.
31 Vgl. Groll (1991), S. 21.
32 Vgl. März (1983), S. 66; ebenso Botta et al. (2002), S. 443.
33 Vgl. Groll (1991), S. 31.
34 Vgl. Lachnit (1976), S. 221.
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Sascha Arnold, 2002, Kennzahlen und Kennzahlensysteme, Munich, GRIN Publishing GmbH
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