Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Bildbeschreibung
2.1. Aussentafeln 2
2.2 Innentafeln
2.2.1 Linke Innentafel 3
2.2.2 Mitteltafel 4
2.2.3 Rechte Innentafel 5
3. Gesamthafte Interpretation des Jüngsten Gerichts 5
4. Vergleich zwischen dem „Jüngsten Gericht“ und dem „Heuwagen“ 8
5. Fazit 9
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildungen
II
1. Einleitung
Wenn man sich heutzutage ein Werk von Bosch zu Gemüte führt, erzeugt es meist die gleiche Reaktion wie noch vor hundert Jahren. All die Fratzen, Ungeheuer und Folterszenen lassen Unbehagen aufkommen und werfen Fragen auf. Was will bzw. wollte Hieronymus Bosch mit seinen mysteriösen Darstellungen mitteilen? Die Beantwortung dieser Frage ist Ziel meiner Arbeit, die sich mit der Weltgerichtsdarstellung beschäftig. Hier wird ausschliesslich die Wiener Version, da die anderen Versionen (Brügge und Venedig) und das Münchner Fragment nicht gesichert Bosch zugeschrieben werden können, behandelt. Des Weiteren wird aus Platzgründen auf viele Aspekte verzichtet, dennoch sollte eine ziemlich umfassende Analyse erfolgen können. Zuerst wird das Triptychon einzeln beschreiben und in der zweiten Hälfte der Arbeit werden die Teile, sowohl einzeln als auch gesamthaft interpretiert, um es dann am Schluss noch mit dem „Heuwagen“ zu vergleichen.
Die Anzahl der hilfreichen Quellen ist eher dürftig, denn das „Jüngste Gericht“ steht klar im Schatten von dem „Garten der Lüste“. Es finden sich keine Bücher, die sich ausschliesslich mit dem „Jüngsten Gericht“ beschäftigen und die meisten Interpretationen sind meines Erachtens sehr oberflächlich. Es gibt jedoch Ausnahmen wie z. b. Koldeweij, der sich intensiver mit dem Werk Boschs auseinandergesetzt hat, oder Fraenger, der einen komplett neuen Ansatz liefert.
1
2. Bildbeschreibung „Das Jüngste Gericht“ Öl auf Holz
Flügel jeweils 163,7 x 60cm Mitteltafel 163,7 x 127 cm
Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste, Wien
Das Herstellungsjahr lässt sich nicht klar festlegen, Koldeweij, Vandenbroeck und Vermeet (2002) gehen, gestützt auf dendrochronologische Ergebnisse, von den Jahren 1476/82 aus (S. 88), der Katalog der Gemäldegalerie der Bildenden Künste (2006) veranschlagt auch das Jahr 1508 (S. 16). Fraenger (1975) und andere Autoren nennen jedoch meistens das Jahr 1504 (S. 503).
2.1 Aussentafeln
Die Flügelaussenseiten, welche im geschlossenen Zustand des Triptychons sichtbar sind, zeigen zur Linken St. Jakobus von Compostela (Abb. 1) und zur Rechten den Heiligen Bavo (Abb. 2). Beide Figuren sind in der so genannten Grisaillemalerei dargestellt, die in verschiedenen Grautönen versucht, die Steinfassade einer Kirche zu imitieren. Der heilige Jakobus durchwandert etwas teilnahmslos die hügelige und öde Landschaft, was laut Fortunat von Schubert-Soldern (1903) ein Versuch ist, die „Elegie der Einsamkeit“ (S. 101) wiederzugeben.
Hinter ihm wird ein Reisender ausgeraubt, in einer anderen Szene führt ein Blinder einen Blinden. Jakobus trägt mit gebeugtem Rücken und gebeugten Knien einen Stock oder Stab und einen Hut, mit der Jakobsmuschel darauf als Pilgersymbol, auf dem Rücken. Des Weiteren hat er noch, laut Marijnissen (1988) etwas Seltenes für die damalige Zeit an seinem Gürtel: einen Bücherbeutel (S. 216). Marijnissen aber geht nicht weiter auf die Funktion des Bücherbeutels ein.
Das Motiv der Jakobsmuschel kommt noch ein weiteres Mal vor. Unten im Bild am Teichufer liegen zwei Jakobsmuscheln. Links daneben erkennt man eine kleine Eidechse, die den Kopf Richtung Jakobus richtet. Jakobus zu Füssen, der barfuss ist, räkelt sich eine kleine Schlange und hinter seinem Rücken sitzt ein Vogel, vermutlich eine Elster, auf einem Ast.
2
Insgesamt ist die Landschaft karg bewachsen, vereinzelt stecken Kreuze in der Erde und auf dem vordersten Fels meint man einen Erhängten zu erkennen.
Auf der rechten Aussentafel sehen wir den Heiligen Bavo von Gent wie er Almosen an einen leprösen Bettler und an eine Mutter mit ihren zwei Kindern verteilt. Der Leprakranke hat seinen abgestorbenen Fuss auf ein weisses Tuch vor sich hin gestellt und in seiner linken Hand hält er den Becher für die Almosen bereit. Sein Gesichtsausdruck ist kaum identifizierbar, Marijnissen geht von einem Grinsen aus (S. 216). Die Bettlerin mit ihren zwei Kindern ist sehr klein dargestellt. Eines ihrer Kinder sitzt nackt und mit einem Schüsselchen auf dem Kopf auf ihrer rechten Schulter, sie hält sein Bein mit der rechten Hand. Mit der linken Hand bittet sie um Almosen, genauso wie ihr zweites Kind, das ein viel zu grosses Obergewand trägt. Bavo holt mit seiner rechten Hand das Geld aus einem Beutel, den er am Körper trägt, auf der linken Hand sitzt ein Falke mit Augenklappen.
Die Heiligenbilder sind unten horizontal durch ein Masswerk abgeschlossen und darin befindet sich jeweils ein hängendes asymmetrisches Wappen, welches leer geblieben ist.
2.2 Innentafeln
2.2.1 Linke Innentafel
Auf der linken Innenseite wird das Paradies wiedergegeben (Abb. 3). Die Schöpfung des ersten Menschenpaares ist in den Vordergrund gerückt. Dahinter sieht man den Sündenfall (Abb.4) und im Mittelgrund vertreibt der Erzengel Michael Adam und Eva aus dem Paradies. Hoch oben im Himmel thront der Schöpfer in einer Mandorla und vor seinen Augen spielen sich der Sturz der aufständischen Engel und deren Vertreibung aus dem Himmel durch Michael und seiner Engelsschar ab (Abb. 5).
Innerhalb dieser doch eher kargen Paradieslandschaft lassen sich zahlreiche Tiere finden. Auf dem linken Felsen sieht man insektenähnliches Ungeziefer, davor reisst ein Fuchs ein Reh und links neben dem Sündenfall tummeln sich auf einem Ast eine Eule und darunter auf der Wiese zwei andere Vögel. In der Nähe von Adam, der seitlich auf dem Boden liegt, hat sich ein Schwein oder Hund vor einem Gebüsch zusammengerollt um zu schlafen. Zahlreiche andere Tiere sind noch auf dem Bild, so z.B. ein weidendes Reh im Hintergrund und im Dickicht versteckte Tiere, die sich aber kaum bis sehr schwer identifizieren lassen.
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2.2.2 Mitteltafel
Die Mitteltafel stellt einen Reigen von Folterszenen dar und über all dem thront Christus als Weltenrichter (Abb. 7). Wo immer das Auge stehen bleibt, werden Messer gezückt, wird verstümmelt, erstochen und gequält. Links wird ein nackter Mann festgehalten und zwangsernährt (Abb. 8), dahinter mahlt eine Höllenhausfrau einen Menschen zu einem blutigen Saft und zu Füssen des Gefütterten brutzelt eine Krötendame in Nonnentracht geschnetzelten Mensch (Abb. 9). Hinter ihr brät ein Warzenmonster mit blauen Riesenfüssen einen Menschen am Spiess und beträufelt ihn wie ein Brathähnchen mit Fett.
In der rechten unteren Bildhälfte versuchen drei nackte Menschen ihre Leiber zu schützen, da ein Riesenmesser auf sie gerichtet ist. Der Vierte der Gruppe ist bereits tot - erschossen von einem explosiven Geschoss, die von dem Haus direkt daneben abgefeuert wurde. Unten in der Mitte wird ein Mensch als geschossene Trophäe von einem Höllenwesen auf dem Rücken getragen, daneben sitzt ein äusserst korpulenter Mann auf einer Bank und wird von Monstern bedrängt. Auf dem Dach des Hauses auf der linken Seite liegt ein Mann auf einer Bank und schaut scheinbar gleichgültig, aber um ihn herum versammeln sich Monster. Nebenan wird eine Frau, auf deren Beinen sich eine echsenartige Gottesanbeterin aufhält, von einem Drachen mit Umhang weggeführt. Auf der Brücke werden Menschen auf Schandwagen zu einem Krug geführt. Es handelt sich, laut Katalog der Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste (2006) um Angeklagte, die zum Gericht geführt werden (S.12). Jenseits der Brücke gibt es eine Schmiedewerkstatt, wo den Menschen von Mönchen Hufeisen an die Füsse genagelt werden. Hinter der Werkstatt erstreckt sich eine dunkle Feuerwüste. Über all dem sitzt Christus in der Mitte auf zwei Regenbögen. Er, der sehr klein dargestellt ist, zeigt mit seiner linken Hand nach unten und mit der rechten nach oben. Neben ihm sind auf beiden Seiten die 12 Apostel. Oberhalb von Christus steht Maria zu seiner Linken und schaut hinab und ihr gegenüber schaut Johannes nachdenklich auf Christus und stützt sich dabei auf einer Wolkenbank ab. Dieser Teil der Mitteltafel ist durch einen sich nach oben öffnenden Halbkreis mit jeweils zwei Engeln mit Posaunen am Rand des Halbkreises vom restlichen Geschehen abgetrennt.
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2.2.3 Rechte Innentafel
Die rechte Innentafel (Abb. 10) ist eine Fortsetzung der Mitteltafel. Was hier besonders ins Auge sticht, ist der Teufel. Er ist gekleidet wie ein König aus dem Orient und hat einen glühenden Ofen im Bauch. Er steht vor seinem Harem und wohnt der Verlesung des Sündenregisters bei. In seiner rechten Hand hält er eine Gabel mit Widerhaken um die Seelen einzufangen.
Oberhalb dehnt sich wiederum die lodernde Brandlandschaft aus und auffallend sind hier die übermässigen Proportionen. So hat es z.B. am rechten Bildrand zwei überdimensionierte Menschenköpfe und im Mittelgrund eine Hexe.
Der Horizont, der bei allen Tafeln sehr hoch angesetzt ist, verschwindet hier vollends in der bedrohlichen Dunkelheit.
3. Gesamthafte Interpretation des Jüngsten Gerichts
Gemäss Holländer (1988) passen die Aussenseiten weder zueinander, noch enthalten sie irgendeinen Hinweis auf das Innere (S.62). Meines Erachtens gibt das Äussere sehr wohl einen Vorgeschmack auf das Innere, so sehen wir z.B. bei dem Heiligen Jakobus einen Raubüberfall im Hintergrund als Symbol für einen gefahrvollen Weg und die Elster auf dem toten Baum als Symbol für Diebstahl und Geschwätzigkeit. Der Blinde, der einen Blinden führt, ist ein Sinnbild für den umherirrenden Menschen. Das Negative ist vielleicht nicht sehr drastisch abgebildet, es erschliesst sich erst bei genauerem Hinschauen, wie z.B. auch die Szene auf dem Fels, die, auch wenn nicht mit letzter Sicherheit, eine Hängung darstellt. Bosch gibt somit, zumindest auf der linken Seite, Hinweise auf das zu Erwartende. Die zwei Heiligen verkörpern ein streng tugendhaftes Leben, gegenüber dem Bösen und Sündhaften, was einerseits subtil bei Jakobus im Hintergrund erkennbar ist und andererseits in den Innenseiten seine volle Entfaltung findet. Die Kontrastwirkung ist somit ungemein.
Jakobus, einer der zwölf Apostel, bestreitet unbeirrbar seinen Weg, denn er hat, Harris (1996) zufolge, an Pfingsten die Geisttaufe empfangen und somit ist er gefeit gegen alle weltlichen Versuchungen (S. 153). Sein Stock gibt ihm Halt und Sicherheit, um einerseits nicht vom rechten Weg abzukommen und um sich andererseits vor Gefahren zu schützen. Er geht gebückt, weil er, so erklärt es Koldeweij „unter der Last seines irdischen Daseins, seinem Lebensweg folgen muss“ (S. 65). Koldeweij erwähnt in diesem Zusammenhang den Begriff „Devotio moderna“, da er davon ausgeht, dass Bosch stark von deren Gedankengut geprägt
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Arbeit zitieren:
Christian Wirtz, 2007, Das Jüngste Gericht von Hieronymus Bosch, München, GRIN Verlag GmbH
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