Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Der Roman „Sofies Welt“ von Jostein Gaarder. 4
2.1 Sachanalyse 4
2.1.1 Betrachtung der inhaltlichen Aspekte. 4
2.1.2 Untersuchung von Aufbau und Sprache 7
2.2 Didaktische Analyse. 11
2.2.1 Das Buch „Sofies Welt“ 11
2.2.2 „Sofies Lexikon“ von Otto Böhmer 13
2.2.3 Die CD-ROM 14
2.2.4 Das Arbeitsbuch zu „Sofies Welt“ 14
2.3 Einordnung der Lektüre in Schulart und Jahrgangsstufe. 15
2.4 Pädagogisch - psychologische Einschätzung. 17
2.5 Methodische Überlegungen zu „Sofies Welt“ 18
2.5.1 Gesamtkonzeption. 18
2.5.2 Die Lektüre des Buches - begleitet durch ein Lesetagebuch. 19
2.5.2.1 Theoretischer Ansatz zum Lesetagebuch 19
2.5.2.2 Unterrichtskonzeption für das Lesetagebuch 19
2.5.3 Einführende Unterrichtsstunde in die Thematik „Philosophie“ 22
2.5.3.1 Unterrichtsskizze 23
2.5.3.2 Didaktisch - methodische Begründung. 24
2.5.4 Entwurf eines abschließenden Unterrichtsprojekts zur Lektüre. 26
2.5.4.1 Didaktische Vorüberlegungen. 26
2.5.4.2 Methodische Planung. 27
3. Schlussbemerkung 29
4. Anhang 30
4.1 Ideenblatt 30
4.2 Philosophische Karteikarte 31
4.3 Kapitelübersicht 31
4.4 Titelblatt. 32
4.5 Entwurf des Tafelbildes „Philosophie“ 33
5. Literatur-/Quellenverzeichnis 34
5.1 Primärliteratur. 34
5.2 Sekundärliteratur. 34
5.3 Internet 35
5 4 Moderne Medien 35
3
1. Einführung
„Sofies Welt“ - ein literarischer Überraschungserfolg für alle, der wochenlang die Bestsellerlisten anführte und bis heute zu den erfolgreichsten modernen Jugendbüchern zählt. Selbst sein Verfasser, der Norweger Jostein Gaarder, hätte nicht mit dem immensen Erfolg seiner Philosophiegeschichte für Kinder gerechnet. Worin liegt nun das Geheimnis dieses Romans, der nicht nur bei Jugendlichen sondern vor allem bei den Erwachsenen einen derartigen Siegeszug antrat? Eine mögliche Antwort ist im Klappentext des Buches formuliert, der es folgendermaßen zu erklären versucht:
Ein Roman über zwei ungleiche Mädchen und einen geheimnisvollen
Briefeschreiber, ein Kriminal- und Abenteuerroman des Denkens, ein gescheites,
geistreiches, witziges Buch, ein großes Lesevergnügen - und zu allem eine
Geschichte der Philosophie von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1
Damit werden der Inhalt des Buches, seine Besonderheiten und seine Faszination auf eine herausragende Weise charakterisiert. Jostein Gaarder trifft mit seinem Werk in eine Marktlücke, nämlich die der philosophischen Kinderbücher. Er erklärt diese komplexe Materie nicht nur, sondern er verbindet sie mit einer spannenden Erzählung.
Somit liegt der Gedanke, dieses besondere Buch im Unterricht einzusetzen, nicht fern. Doch es stellt sich die Frage, ob dies überhaupt möglich ist und falls ja, in welcher Form dies geschehen könnte. Die vorliegende Arbeit versucht eine Antwort darauf zu finden und einige Lösungsvorschläge zu präsentieren. Dabei soll das Buch im ersten Teil der Arbeit mit Hilfe einer sachlichen Analyse auf seine literarischen und strukturellen Eigenarten untersucht werden. Anschließend sollen der Roman und einige Begleitmaterialien von einem didaktischen Blickwinkel aus betrachtet werden. Der Schwerpunkt der zweiten Hälfte der Arbeit soll auf die Erstellung eines Unterrichtskonzepts für eine neunte Klasse Gymnasium gelegt werden, wobei ein Vorschlag für die Texterschließung gemacht und anschließend exemplarische Unterrichtsideen entworfen werden sollen.
1 Gaarder, Jostein: Sofies Welt - Ein Roman über die Geschichte der Philosophie. München,
Wien: Carl Hanser Verlag 1993, vordere Umschlagsklappe
4
2. Der Roman „Sofies Welt“ von Jostein Gaarder
2.1 Sachanalyse
2.1.1 Betrachtung der inhaltlichen Aspekte
Das Buch „Sofies Welt“ wird von Jostein Gaarder selbst im Untertitel als „ein Roman über die Geschichte der Philosophie“ 2 bezeichnet. Dies gibt dem Leser einen ersten Anhaltspunkt in Bezug auf Thema und Gattung des Buches. Dennoch gibt es in der Sekundärliteratur widersprüchliche Meinungen über das Genre des Buches. Es wurde sogar eine neue Bezeichnung für diese Art der Gattungsmischung erfunden: „Querbuch“ 3 Der überwiegende Teil der Fachwelt stimmt allerdings darin überein, dass „Sofies Welt“ ein Roman ist, der mit den Elementen eines Sachbuchs verbunden wurde. So wird in romanhafter Form die Geschichte von Sofie und Hilde erzählt, deren Leben auf überraschende Weise miteinander verwoben ist. Dadurch erzeugt Gaarder immer wieder Spannung und es entstehen häufig Fragen nach dem Täter oder Motiv. Dies löst das Buch von einer reinen Kategorisierung als Roman, denn es hat durchaus Bestandteile einer Abenteuer - oder Kriminalgeschichte. Auf der anderen Seite wird die europäische Philosophiegeschichte in die Romanhandlung eingebettet, sodass „Sofies Welt“ auch als Sachbuch bezeichnet werden kann. Astrid Wolf erwägt in ihrer Arbeit über „Sofies Welt“ 4 sogar die Möglichkeit eines Entwicklungsromans, denn „die Veränderung, die Sofie erfährt, spiegelt ein Stück der Entwicklung [...] vom Kind zum Erwachsenen wieder“ 5 . Diese Einordnung sollte jedoch kritisch gesehen werden, denn es ist fraglich, ob die Darstellung der Entwicklung Sofies das Hauptziel Gaarders war und sie letztendlich als erwachsene Person zu sehen ist.
Thematisch steht die Darstellung der Hauptströmungen der europäischen Philosophiegeschichte im Mittelpunkt. Diese erfolgt durch die exemplarische Beschäftigung mit einzelnen Philosophen, wobei die Vorgehensweise chronologisch ist. Begonnen wird mit dem Übergang vom mythischen Zeitalter
2 Ebd., S. 3
3 Rank, Bernhard: Philosophie als Thema von Kinder - und Jugendliteratur. In: Taschenbuch der
Kinder- und Jugendliteratur, Bd. 2. Hrsg. von Günter Lange. 2., korrigierte Auflage.
Baltmannsweiler: Schneider Verlag 2000, S. 800
4 Wolf, Astrid: Kann man Philosophie Kindern nahe bringen? - Eine Untersuchung am Beispiel
von „Sofies Welt“ von Jostein Gaarder. Köln: Kölner Arbeitspapiere zur Bibliotheks- und
Informationswissenschaft (Bd. 18) 1999
5 Ebd., S. 31
5
zur Antike. Darauf folgen Mittelalter, Renaissance, Barock, Aufklärung, Romantik und abschließend das 19. und 20. Jahrhundert. Neben dem zentralem Thema ‚Philosophiegeschichte’ werden Fragen nach der eigenen Identität und Existenz aufgeworfen und nach dem Verhältnis von Wirklichkeit und Fantasie geforscht 6 . Zusätzlich werden im Roman die Lebensweisen zweier junger Mädchen angesprochen und aktuelle Themen wie die Rolle der UNO oder der Konflikt zwischen den verschiedenen Weltreligionen angeschnitten. Im Gegensatz zu den sehr komplexen Themen der Philosophie sind die Figuren bzw. Personen im Roman sehr natürlich gestaltet. Gaarder versucht eine normale Familie nachzuzeichnen, in der der Vater durch seinen Beruf nur sehr selten zu Hause ist und die Mutter tagsüber arbeitet, sodass das Mädchen sehr oft sich selbst überlassen ist. Sofie, eine der Hauptpersonen, ist ein 14-jähriges Mädchen, das bereits sehr reif und intellektuell aufgeschlossen ist. Sie lässt sich auf den Philosophiekurs bereitwillig ein und ist für Gaarder eine ideale Schülerin. Sie macht auch eine Entwicklung im Laufe der Handlung mit, sodass der oben erwähnte Ansatz von Astrid Wolf doch auch Sinn machen kann. Die Parallelfigur zu Sofie ist Hilde, an die der Philosophiekurs eigentlich gerichtet ist. Sie scheint Sofie in ihrem Charakter sehr ähnlich, ist jedoch äußerlich verschieden. Die Freundin Sofies, Jorunn, wird dagegen wie ein typisches junges Mädchen dargestellt, deren Interessen nicht unbedingt im intellektuellen Bereich liegen. Insgesamt entwirft Gaarder ein positives Bild der Jugendlichen, doch es erscheint manchmal sehr realitätsfern. „Sofies Welt“ ist dennoch kein typisches Jugendbuch, das sich mit den Problemen der Jugendlichen auseinander setzt. Die Erwachsenen im Buch sind sehr gegensätzlich. Der Vater von Hilde schreibt den Philosophiekurs für sie, um sie für die Welt zu interessieren. Er übernimmt damit eine Art Lehrrolle. Die Mütter erscheinen als Typen, das bedeutet, sie leben ein alltägliches Leben und interessieren sich nicht für tiefer gehende Probleme. Als Charaktere sind eigentlich nur Sofie und Hilde zu bezeichnen, während die anderen Figuren lediglich auf ihre Rolle beschränkte Eigenschaften aufweisen. Es gibt keine geschlechterspezifischen Unterschiede im Buch, Männer und Frauen erscheinen in Bezug auf Intellekt und Möglichkeiten gleichberechtigt im Roman. Die Familie ist als Wert durchaus hoch angesetzt, denn für die Mädchen ist es selbstverständlich, Vater und Mutter zu haben. Dennoch ist es wichtig zu sehen,
6 Vgl. Wolf: Kann man Philosophie Kindern nahe bringen? - Eine Untersuchung am Beispiel von
„Sofies Welt“ von Jostein Gaarder, S. 33f
6
dass Geschlechter- und Familienrollen im Roman nicht explizit thematisiert werden. Interessant ausgestaltet ist dagegen die Rollenverteilung im Philosophiekurs. Bernhard Rank bezeichnet es als „idealisiertes Lehrer-Schüler-Verhältnis, das [...] etwas von der Bewunderung jugendlich-weiblicher Schülerinnen für die Intelligenz und Väterlichkeit ihrer männlichen Lehrer an sich hat“ 7 . Für Sofie wird Alberto, bedingt durch das Fehlen ihres Vaters, zu einer Ersatzfigur, die durch den Kurs und einige verrückte Aktionen ihr Leben bestimmt. Er übernimmt zudem die Aufgabe des Philosophielehrers, der mit Hilfe von Fragen und Briefen durch die europäische Geistes- und Kulturgeschichte führt. Es gibt es keine negativen Personen im Buch, einzig der Vater von Hilde wird manchmal als zu dominant charakterisiert, da er das Leben von Alberto und Sofie bestimmt.
Interessant dürfte in diesem Zusammenhang die Frage sein, welche Intention der Autor damit verfolgt. Die Antwort darauf hat er selbst folgendermaßen gegeben: „Mein Buch „Sofies Welt“ ist kein Lehrbuch der Philosophie [...]. Doch ist es durchaus eine Einführung in die Philosophie [...].“ 8 Dies gibt den Lesern einen Hinweis auf seine Absichten. „Sofies Welt“ soll den Rezipienten zwar Einblicke in die europäische Philosophiegeschichte geben, aber nicht in Form eines belehrenden Sachbuchs sondern vielmehr als unterhaltsamer Roman, der zusätzlich die wichtigsten sachlichen Informationen über Philosophie liefert. Ob dies Gaarder ganz gelungen ist, bleibt der Einschätzung eines jeden Lesers selbst überlassen. Dennoch kann man feststellen, dass der Autor sein Ziel erreicht hat und den Rezipienten auf einem indirekten Weg viel Wissen mitgibt. Dies geschieht auf geschickte Weise, indem er die Sachinformationen in das spannende Geschehen um Sofie und Hilde einbettet. So entwickelt sich die Geschichte oft nur dann weiter, wenn der Leser und Sofie bzw. Hilde sich mit der nächsten philosophischen Strömung beschäftigt haben. Auch die Lösungen auf die immer wieder auftretenden Rätsel und seltsamen Vorkommnisse erhält man nur durch die Philosophie. Daher wird nie der Eindruck vermittelt, dass Gaarder seinen Leser über die Philosophie belehren will. Aus diesem Grund ist die folgende Aussage einer Lehrerhandreichung 9 über die Intention Gaarders sehr kritisch zu
7 Rank: Philosophie als Thema von Kinder - und Jugendliteratur, S. 815
8 Olsen, Peer: Ein Arbeitsbuch zu „Sofies Welt“. Mühlheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr 1995,
S. 4
9 Urban, Cerstin: Erläuterungen zu Jostein Gaarder - Sofies Welt. Hollfeld: C. Bange Verlag 2001
7
sehen. So stellt die Autorin fest, dass „[...] Gaarder in seinen Romanen nicht nur zu unterhalten, sondern unterhaltsam zu belehren [versteht].“ 10 Gaarder hat gar nicht die Absicht so offenkundig zu belehren, sondern er will den Lesern ein Lesevergnügen auf hohem Niveau bereiten, bei dem es letztendlich jedem selbst überlassen bleibt, wie viel ‚Belehrung’ man sich aneignet. Um beim Leser diese Intention durchzusetzen, stellt er nur die Grundzüge der Philosophie dar und arbeitet mit humoristischen Elementen und dem spannendem Aufbau eines Abenteuerromans. So erklärt sich auch die bereits erwähnte Mischung von Gattungen in diesem Buch, da Gaarder darin einen Weg sah, seine Absichten zu verwirklichen.
Es sollte auf keinem Fall der Eindruck entstehen, „Sofies Welt“ wäre eine anspruchslose Lektüre, die rein der Unterhaltung dienen soll. Der Autor setzt ein großes Weltwissen voraus und hat ein sehr hohes Anspruchsdenken an seine Leser. Deshalb richtet er das Buch an „Erwachsene ab 14 Jahre“ 11 . Durch seine Themenauswahl fordert er von seinen Rezipienten großes Interesse an Philosophie, Politik und Kulturgeschichte. Er bemüht sich zwar die wichtigsten Sachverhalte ausführlich zu erklären und auf das Wesentliche zu reduzieren, andererseits schneidet er immer wieder weiterführende Themen an. Es stellt sich die Frage, ob Gaarder nicht zuviel Wissen bei den Jugendlichen voraussetzt. Diese kann vielleicht durch die Untersuchung des Aufbaus von „Sofies Welt“ beantwortet werden.
2.1.2 Untersuchung von Aufbau und Sprache
Jostein Gaarder hat nicht nur inhaltlich durch das Mischen von sachlichen mit erzählenden Elementen ein sehr komplexes Buch geschaffen, sondern er unterstützt diese Vielschichtigkeit auch auf interessante Weise durch die Struktur seines Buches.
„Sofies Welt“ ist in mehrere Handlungsstränge unterteilt, die ineinander verschachtelt sind. Es gibt zum einen die romanhafte Rahmenhandlung, die sich in zwei fiktionale Ebenen aufteilen und zum anderen die Binnenhandlung. Die fiktionale Rahmenhandlung besteht aus zwei Erzählsträngen, die die Lebenswelten der Protagonistinnen enthalten. So handelt die erste Ebene von Sofie und ihrem Philosophielehrer Alberto Knox. Gaarder beschreibt darin die
10 Ebd., S. 10
11 Gaarder, Jostein: Sofies Welt - Ein Roman über die Geschichte der Philosophie. München,
Wien: Carl Hanser Verlag 1993, Rückseite
Arbeit zitieren:
2006, Der Roman Sofies Welt als Lektüre im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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