Marco Hadem Massenmedien: Zwischen Konkurrenz und Demokratie
INHALT
1. Einleitung 3
2. Massenmedien 4
2.1 Definition(en) 4
2.2 Politische Funktionen der Massenmedien in der Demokratie 5
2.2.1 Informationsvermittlung 6
2.2.2 Meinungsbildung 7
2.2.3 Kritik und Kontrolle 8
2.2.4 Politische Funktionen vs. wirtschaftliche Eigeninteressen 9
3. Geschichte Charakteristika der Massenmedien im
Kurz überblick 1 0
3.1 Presse 10
3.2 Hörfunk / Radio 11
3.3 Fernsehen 12
3.4 Internet 13
4. Exkurs: Konkurrenz oder Koexistenz von Massenmedien? 15
4.1 Presse kontra Rundfunk 15
4.2 Öffentlich-rechtliche kontra private Massenmedien 17
5. Fazit / Resümee 2 0
6. Bibliographie 2 1
6.1 Literaturverzeichnis 21
6.2 Aufsätze 21
6.3 Internetquellen 22
2
Marco Hadem Massenmedien: Zwischen Konkurrenz und Demokratie
1. Einleitung
Medien - so weit das Auge auch reicht und wohin man auch kommt: die Medien, oder besser gesagt die Massenmedien, sind schon da. Hörfunk (Radio), Presse, Fernsehen und seit einigen Jahren auch das Internet: bis auf wenige Ausnahmen wird das Leben der Menschen weltweit durch Massenmedien aller Art geprägt. Die Bedeutung der Massenmedien für die Gesellschaft kann man aus diesem Grunde gar nicht hoch genug einschätzen. Wir leben in einer Mediengesellschaft aus Text, Bild sowie Ton und selbst wenn man es wollte, könnte man sich den Massenmedien nicht wirklich entziehen. Gegenstand der vorliegenden Ausarbeitung ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem umfangreichen Themenkomplex Massenmedien. Dabei wird zunächst in Kapitel zwei auf die Begriffsdefinition(en) sowie die wichtigen politischen Funktionen der Massenmedien in der Demokratie eingegangen. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird dann in Kapitel drei ein kurzer Überblick über das deutsche Mediensystem gegeben, indem die Charaktereigenschaften der vier Massenmedien Presse, Hörfunk, Fernsehen und Internet kurz skizziert dargestellt werden. Anschließend folgt in Kapitel vier ein Exkurs zum Thema Konkurrenz oder Koexistenz von Massenmedien. Hier soll die Fragestellung Beantwortung finden, inwieweit zum eine Presse und Rundfunk und zum anderen öffentlich-rechtlicher und privater Rundfunk sozusagen ‚friedlich’ in einer Koexistenz leben sowie. ob es theoretisch zu Konkurrenzdruck kommen kann bzw. kommt. Zum Abschluss werden die Ergebnisse der Untersuchungen nochmals in einem kurzen Fazit zusammengefasst.
Grundlage für die Untersuchung sind neben persönlichen Erfahrungen mit den allgegenwärtigen Massenmedien auch aktuelle, wissenschaftliche Abhandlungen zur modernen Medienwissenschaft von Niklas Luhmann, Helmut Schanze, Knut Hickethier, Wolfgang Hagen, Hermann Meyn, Gerhard Maletzke und Werner Faulstich. Aufgrund der zeitlichen sowie quantitativen Rahmenbedingungen der Arbeit können in den folgenden Kapiteln manche Themenbereiche jedoch nur angerissen werden. Bereits an dieser Stelle sei daher auf die für diese Arbeit verwendeten Publikationen der Publizisten und Wissenschaftler hingewiesen. In ihren umfangreichen Veröffentlichungen finden sich viele weitere Anknüpfungspunkte für weiterführende Fragestellungen und wissenschaftliche Auseinandersetzungen.
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Marco Hadem Massenmedien: Zwischen Konkurrenz und Demokratie
2. Massenmedien
2.1 Definition(en)
Das Schlagwort Massenmedien ist aus der heutigen Medien- und Informationsgesellschaft nicht mehr wegzudenken. Häufig inflationär gebraucht, fällt jedoch bei einer näheren Betrachtung des aus „Masse“ und „Medien“ zusammengesetzten Begriffes auf, dass eine eindeutige und verbindliche Definition nicht ohne weiteres möglich ist. Traditionellerweise werden immer Presse, Hörfunk und Fernsehen zu den Massenmedien gezählt, es wäre jedoch falsch, das Internet an dieser Stelle zu verschweigen, auch wenn es sicherlich eine Sonderrolle einnimmt, da hier u.a. eine besondere Kommunikationssituation zwischen Sender und Empfänger möglich ist. 1 Unter einem Medium wird ein Mittler verstanden, etwa ein Instrument wie der Brief, eine Zeitung oder das Radio, mit dem Zeichen übermittelt und Kommunikation ermöglicht wird. Medien ist also der Sammelbegriff für alle audiovisuellen Mittel und Verfahren zur Verbreitung von Information, Bildern, Nachrichten etc. 2 Grundsätzlich kann man zunächst festhalten, dass unter dem Begriff Massenmedien all jene Kommunikationsmittel zusammengefasst werden, die mit dem Ziel einer massenhaften Verbreitung technisch produziert werden. Doch bereits dieser Versuch einer näheren Begriffseingrenzung greift auf sehr schwammige und unpräzise Attributzuschreibungen zurück, welche das latente Definitionsproblem nachhaltig unter Beweis stellen. Stellvertretend für die Vielzahl an Definitionen soll das Dilemma im Folgenden unter Zuhilfenahme von populären Begriffsbestimmungen dargelegt werden. In seiner Einführung in die Medienwissenschaft betont auch Medienwissenschaftler Knut Hickethier ausdrücklich das grundlegende Definitionsdefizit: „Der Begriff der ‚Masse’, der im einfachsten Wortsinn viele Beteiligte bzw. eine große Menge von Teilnehmern meint, ist relativ diffus, weil nicht eindeutig ist, ab wann eine große Menge von mit dem Medium Angesprochenem als ‚Masse’ zu bezeichnen ist.“ 3 Historisch geprägt 4 , ist der Begriff „Masse“ häufig negativ besetzt, was langfristig zu einem skeptischen und vorsichtigen Umgang mit den Medien geführt hat. Erinnert sei
1 Anmerkung: Für nähere Informationen siehe Kapitel 3.4 „Internet“.
2 Vgl. Schubert Klaus, Martina Klein: Das Politiklexikon. 4., aktualisierte Auflage. Bonn 2006.
3 Vgl. Hickethier, Knut: Einführung in die Medienwissenschaft, Stuttgart 2003. S. 24.
4 Anmerkung: Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Begriff „Masse“ würde an dieser Stelle die
Rahmenbedingungen der Hausarbeit sprengen. Aus diesem Grund sei an dieser Stelle explizit auf Knut
Hickethiers umfangreiche Erläuterungen verwiesen. Vgl. Hickethier: S. 24 f. _______________________________________________________________4
Marco Hadem Massenmedien: Zwischen Konkurrenz und Demokratie
an dieser Stelle nur an die zahlreichen staatlichen Reglementierungen und Beschränkungen der Medien - etwa des Hörfunks. 5
Der Definitionsansatz des Soziologen Niklas Luhmann lässt die amorphe „Masse“ ebenfalls undefiniert, wenn er festhält, dass unter Massenmedien „alle Einrichtungen der Gesellschaft erfasst werden, die sich zur Verbreitung von Kommunikation technischer Mittel der Vervielfältigung bedienen“, um eine „große[r] Zahl mit noch unbestimmten Adressaten“ zu erreichen. 6 Abgesehen von der technischen Produktion des Mediums ist für Luhmann außerdem entscheidend, dass in den Massenmedien bis auf einige „inszeniert wirkenden“ Ausnahmen „keine Interaktion unter Anwesenden zwischen Sendern und Empfängern stattfinden kann“ 7 .
Seit den 1960er Jahren hat sich im deutschsprachigen Bereich der Definitionsversuch von Kommunikationswissenschaftler Gerhard Maletzke als einflussreich und bedeutend herauskristallisiert. Er wurde aus der amerikanischen Kommunikationsforschung abgeleitet und definiert die Kommunikation in den Massenmedien als „jene Form der Kommunikation, bei der Aussagen öffentlich (also ohne begrenzte und personell definierte Empfängerschaft), durch technische Verbreitungsmittel (Medien), indirekt (also bei räumlicher oder zeitlicher oder raumzeitlicher Distanz zwischen den Kommunikationspartnern) und einseitig (also ohne Rollenwechsel zwischen Aussagendem und Aufnehmenden) an ein disperses Publikum […] gegeben werden.“ 8 2.2 Funktionen der Massenmedien in der Demokratie
Während die Definition des Begriffes Massenmedien - wie bereits dargelegt - nicht ohne diffuse Aussagen möglich ist, sind die Funktionen der Massenmedien in der Demokratie relativ klar festgelegt. In der Demokratie werden den Massenmedien Presse, Hörfunk und Fernsehen in Form von Informationsvermittlung, Meinungsbildung sowie Kritik und Kontrolle drei einander zum Teil stark überschneidende Primärfunktionen zugeordnet. Ausgangspunkt für die Funktionen der Massenmedien in der deutschen Demokratie ist die in Artikel 5 des Grundgesetzes verankerte Meinungs-und Pressefreiheit. 9 Aufbauend auf diesem Grundrecht verpflichten sich Verleger,
5 Vgl. Hickethier: S. 25.
6 Vgl. Luhmann, Niklas: Die Realität der Massenmedien. Wiesbaden 2004. S. 10.
7 Vgl. Luhmann: S. 11.
8 Vgl. Maletzke, Gerhard: Psychologie der Massenkommunikation, Hamburg 1963. S.32.
9 Vgl. Artikel 5, Absatz 1: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern
und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die
Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. _______________________________________________________________5
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Hörfunk- und TV-Anstalten sowie Journalisten in der Präambel des 1973 erstmals beschlossenen Pressekodex, ihre „Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit und ihrer Verpflichtung für das Ansehen der Presse bewusst zu sein“ 10 , also ihren moralischen und gesellschaftlichen Funktionen entsprechend zu handeln und publizieren. Komplettiert wird das breit gestreute Funktionsspektrum durch die Sekundäraufgaben Bildung und Unterhaltung. 11
2.2.1 Informationsvermittlung
Nur wer sachkundig über politische und gesellschaftliche Sachverhalte informiert ist, kann sich ein seriöses Bild über die Geschehnisse im demokratischen Alltag machen. Informationen sind, wenn man so will, also der Schlüssel zum mündigen Bürger bzw. Demokraten. Berücksichtigt man diese Tatsache, so ist es nur logisch, dass den Massenmedien in diesem Punkt eine (ge)wichtige Rolle zukommt, ja zukommen muss. Ihre große Reichweite und breite Streuung gestattet es, möglichst viele Staatsbürger mit politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fragestellungen zu konfrontieren. Getreu dem Motto „Demokratie ist Regierung durch Konflikt“ 12 werden die Massenmedien zu einer Plattform, einer geschaffenen Öffentlichkeit, auf der Auseinandersetzungen zu gesellschaftsrelevanten Fragen für jeden Bürger zugänglich und diskutierbar sind. Die streitenden Protagonisten (Regierung und Opposition, Gesellschaftsverbände, Lobbyisten etc.) müssen demzufolge immer damit rechnen, in den Fokus der Massenmedien und der Öffentlichkeit zu geraten. Grundvoraussetzung hierfür ist natürlich immer die Freiheit von Presse, Hörfunk und Fernsehen. Um ihrer Informationsfunktion gerecht werden zu können, müssen die Massenmedien so vollständig, sachlich und verständlich wie möglich informieren, damit ihre Nutzer in der Lage sind, das öffentliche Geschehen zu verfolgen. Nur dann ist es den Bürgern möglich, wirtschaftliche, soziale und politische Zusammenhänge zu begreifen und im
Eine Zensur findet nicht statt.“ (aus: Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Textausgabe der
Bundeszentrale für politische Bildung. Bonn: Clausen & Bosse, Leck. 1988. S. 19).
10 Informationen entnommen aus: La Roche, Walther von: Einführung in den praktischen Journalismus.
16., völlig neu überarbeitete Auflage. München: List Verlag 2003. S. 176 ff.
11 Anmerkung: Da die Funktionen Bildung und Unterhaltung keine Bedeutung für die politischen
Aufgaben der Massenmedien besitzen, wird in dieser Arbeit nicht weiter auf die Sekundäraufgaben
eingegangen. Erwähnenswert ist aber noch, dass die Grenzen zwischen Primär- und Sekundärfunktionen
bisweilen fließend sind - etwa in den Feuilletons der Süddeutschen Zeitung oder der FAZ.
12 Meyn Hermann: Massenmedien in Deutschland. Neuauflage. Konstanz 2004. S. 23. _______________________________________________________________6
Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Marco Hadem, 2007, Massenmedien - Zwischen Konkurrenz und Demokratie, München, GRIN Verlag GmbH
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