Marco Hadem - Analyse einer Parteitagsrede von Joschka Fischer
INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 3
2. DER REDNER: BUNDESAUßENMINISTER JOSCHKA FISCHER 4
3. WORTLAUT DER REDE 4
4. ANALYSE DER REDE 1 2
4.1.REDEGATTUNG UND STILART 12
4.2. STRUKTUR UND AUFBAU 13
3.3. RHETORISCHE STILMITTEL, GRAMMATI,K
TROPEN UND FIGUREN 16
5.SCHLUSSBEMERKUNGEN UND
EINORDNUNG IN DEN HISTORISCHEN KONTEXT 1 7
6. QUELLENVERZEICHNIS 1 9
7. LITERATURVERZEICHNIS 1 9
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Marco Hadem - Analyse einer Parteitagsrede von Joschka Fischer
1. Einleitung
„Es wäre angebracht, Männer von Athen, wenn alle, die hier reden, sich weder von Feindschaft noch von Parteilichkeit in ihren Worten leiten ließen, sondern jeder das, was er für das Beste hält, vortragen würde, gerade bei der Beratung gemeinsamer und so wichtiger Fragen; da aber einige aus dem Parteienstreit heraus oder aus irgendeinem anderen Grund dazu getrieben werden, das Wort zu ergreifen, liegt es, Männer von Athen, an euch, dem Volke, ohne Rücksicht auf alles andere nur das, was eurer Meinung nach für die Stadt von Nutzen ist, zu beschließen und durchzuführen.“ Mit diesen Worten sprach der Rhetor Demosthenes im Frühjahr 341 vor Christus und umriss damit die Tugenden - aber auch die Gefährdungendes politischen Redners und seiner Ideale.
Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist es, die Parteitagsrede Joschka Fischers zum Auslandseinsatz der Bundeswehr im Kosovo aus dem Jahr 1999 im Hinblick auf Aufbau, Struktur, Redegattung, Stilart, sowie der verwendeten rhetorischen Stilmittel, um Gestaltung, Gehalt, Aussage und Textintention zu analysieren. Die politische Rhetorik zielt ganz unmittelbar auf ein zuhörendes Kollektiv, welches es zu überzeugen gilt. Die öffentliche und politische Rede vermag dabei im Idealfall, einen Wende- oder Höhepunkt im Handeln der Adressaten zu antizipieren. Die Rede Joschka Fischers erschien mir als besonders geeignet, da es sich in meinen Augen um ein sehr gutes Beispiel für „demokratische Beredsamkeit" handelt. Wohl nur wenige deutsche Politiker beherrschen mit solcher Sicherheit die gesamte rhetorische Ausdrucksskala, von drastischer Anschaulichkeit bis zu höchstem Pathos.
Aufgrund der zeitlichen sowie quantitativen Rahmenbedingungen der Hausarbeit soll es weniger um eine detaillierte Untersuchung der gesamten Rede gehen, als um den Versuch, das Werk anhand einzelner, exemplarisch ausgewählter Untersuchungen beispielhaft zu analysieren. In der
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Marco Hadem - Analyse einer Parteitagsrede von Joschka Fischer anschließenden Schlussfolgerung folgt außerdem noch eine Einordnung der Rede in ihren historischen Kontext. Grundlage für die Analyse ist neben dem Text auch ein Hörfunkmitschnitt der Rede.
2. Der Redner: Bundesaußenminister Joschka Fischer
Joschka Fischer (geboren 1948 in Gerabronn/Baden-Württemberg) ist seit 1982 Mitglied bei den Grünen. Seit dem Wahlsieg von Rot-Grün im Jahr 1998 ist er Außenminister und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland. 1983 wurde er erstmals für die Grünen in den Bundestag gewählt, 1985 wechselte er in den hessischen Landtag und wurde Umweltminister. Von 1994 bis 1998 war er Fraktionsvorsitzender der Grünen-Opposition im Bundestag.
3. Wortlaut der Rede
Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Gegner, geliebte Gegner, ein halbes Jahr sind wir jetzt hier in der Bundesregierung, ein halbes Jahr - ja ich hab nur drauf gewartet - hier spricht ein Kriegshetzer und Herrn Milosevic schlagt ihr demnächst für den Friedensnobelpreis vor. Wenn die Parteifreundin sich hinstellte und sagte, die Parteiführung spricht über ihre Zerrissenheit, ich weiß ja nicht, wie es euch geht, wenn ihr die Bilder seht. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass wir hier einen Grünen-Parteitag nach einem halben Jahr ...
Ich dachte, wir wollen hier diskutieren und dass die Friedensfreunde vor allen am Frieden Interesse haben. Und wenn ihr euch so sicher seid, dann solltet ihr doch die Argumente wenigstens anhören und eure Argumente dagegen setzen. Mit Sprechchören, mit Farbbeuteln wird diese Frage nicht gelöst werden, nicht unter uns und auch nicht außerhalb. Und wir erleben es ja bei
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Marco Hadem - Analyse einer Parteitagsrede von Joschka Fischer diesem Parteitag, und insofern ist es keine innere Zerrissenheit, sondern eine äußere Zerrissenheit. Ich hätte mir auch nicht träumen lassen, dass wir Grüne unter Polizeischutz einen Parteitag abhalten müssen. Aber warum müssen wir unter Polizeischutz diskutieren? Doch nicht, weil wir diskutieren wollen, sondern weil hier offensichtlich welche nicht diskutieren wollen, wie wir gerade erlebt haben. Das ist doch der Punkt! Ich weiß, als Bundesaußenminister muss ich mich zurückhalten, darf da zu bestimmten Dingen aus wohlerwogenen Gründen nichts sagen. Nicht so, wie mir wirklich das Maul am liebsten übergehen würde von dem, was ich in letzter Zeit gehört habe: Ja, „der Diplomatie eine Chance“, ich kann das nur nachdrücklich unterstützen. Nur ich sage euch: Ich war bei Milosevic, ich habe mit ihm 2 1/2 Stunden diskutiert, ich habe ihn angefleht, drauf zu verzichten, dass die Gewalt eingesetzt wird im Kosovo. Jetzt ist Krieg, ja. Und ich hätte mir nie träumen lassen, das Rot/Grün mit im Krieg ist. Aber dieser Krieg geht nicht erst seit 51 Tagen, sondern seit 1992, liebe Freundinnen und Freunde, seit 1992 ! Und ich sage euch, er hat mittlerweile Hunderttausenden das Leben gekostet und das ist der Punkt, wo Bündnis 90/Die Grünen nicht mehr Protestpartei sind. Wir haben uns entschieden, in die Bundesregierung zu gehen, in einer Situation, als klar war, dass hier die endgültige Zuspitzung der jugoslawischen Erbfolgekriege stattfinden kann. Ich erinnere mich noch ... - Nein, ich höre nicht auf! Den Gefallen tue ich euch nicht ! - ... Ich kann mich noch erinnern: Die Bundestagswahlen waren gerade vorbei. Da sind Schröder und ich nach Washington geflogen. Wir waren noch in der Opposition, da war schon klar, dass wir ein Erbe mit bekommen, dass unter Umständen in eine blutige Konfrontation, in einen Krieg führen kann. Und ich kann euch an diesem Punkt nur sagen: schon damals, als wir die Koalition beschlossen haben, war uns klar, dass wir in einer schwierigen Situation antreten.
Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass wir im ersten halben Jahr nicht nur die Agenda 2000, nicht nur die Frage der Krise der Kommission, sondern
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Marco Hadem - Analyse einer Parteitagsrede von Joschka Fischer auch die Frage Rambouillet und schließlich das Scheitern von Rambouillet und den Krieg dort haben. Nur ich kann euch nochmals sagen, was ich nicht bereit bin zu akzeptieren: Frieden setzt voraus, dass Menschen nicht ermordet, dass Menschen nicht vertrieben, dass Frauen nicht vergewaltigt werden. Das setzt Frieden voraus! Und ich bin der Letzte, der nicht sagen würde, dass ich keine Fehler gemacht habe. Auch gerade in letzter Zeit, wenn darauf hingewiesen wird auf die Lageberichte. Ja, das war ein Fehler, den muss ich akzeptieren. Ich konnte im ersten halben Jahr vor allem unter dem Druck nicht alles machen, aber ich trage dafür die Verantwortung und werde zu Recht deswegen kritisiert. Andere Fehler sind gemacht worden. Nur auf der anderen Seite möchte ich euch sagen, und da möchte ich auch mal der Partei meine persönliche Situation berichten. Der entscheidende Punkt ist doch, dass wir wirklich alles versucht haben, um diese Konfrontation zu verhindern. Und da sage ich euch, ich bin ja nun weiß Gott kein zartes Pflänzchen beim Nehmen und beim Geben, weiß Gott nicht, aber es hat wehgetan, wenn der persönliche Vorwurf erhoben wurde, ich hätte da die Bundesrepublik Deutschland in den Krieg gefingert. Ich kann euch nur eines sagen: Die G8 hat jetzt beschlossen, eine gemeinsame Grundlage, eine Prinzipienerklärung auf der vollen Grundlage von Rambouillet. Und ich kann euch nur versichern, ich habe alles getan, was in meinen Kräften stand, um diese Konfrontation zu verhindern. Und wenn einer in dieser Frage meint, er könne eine Position einnehmen, die unschuldig wäre, dann müssen wir die Position mal durchdeklinieren. Mir wurde moralischer Overkill vorgeworfen und ich würde da eine Entsorgung der deutschen Geschichte betreiben und ähnliches. Ich will euch sagen: Für mich spielten zwei zentrale Punkte in meiner Biografie eine entscheidende Rolle und ich kann meine Biografie da nicht ausblenden. Ich frage mich, wer das kann in dieser Frage! In Solingen, als es damals zu diesem furchtbaren mörderischen Anschlag auf eine ausländische Familie, auf eine türkische Familie, kam, die rassistischen Übergriffe, der Neonazismus, die Skinheads. Natürlich steckt da auch bei mir
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Marco Hadem, 2004, Analyse einer Parteitagsrede von Bundesaußenminister Joschka Fischer, München, GRIN Verlag GmbH
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