Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis 4
Tabellenverzeichnis 5
Abkürzungsverzeichnis 6
1 Relevanz der Studienfinanzierung in Deutschland. 7
1.1 Problemstellung der Arbeit 7
1.2 Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit. 8
2 Modelle und Rahmenbedingungen der Studienfinanzierung 9
2.1 Theoretische Grundmuster der Studienfinanzierung. 9
2.1.1 Modell mit einkommensunabhängiger Rückzahlung 10
2.1.2 Modell mit einkommensabhängiger Rückzahlung 12
2.1.3 Hybrides Modell. 13
2.2 Studienfinanzierung in Deutschland. 14
2.2.1 Marktvolumen und Marktpotential 15
2.2.2 Studienfinanzierungsangebote aus Sicht der Studierenden. 19
2.2.3 Zielsetzungen der Anbieter im Rahmen der Studienfinanzierung 22
2.2.3.1 Zielsetzungen staatlicher Anbieter 22
2.2.3.2 Zielsetzungen privater- und öffentlich-rechtlicher Anbieter. 23
3 Darstellung und Bewertung der Studienfinanzierungsangebote in Deutschland 30
3.1 Staatliche Studienfinanzierungsangebote der KfW 31
3.1.1 Bildungskredit 32
3.1.2 Studienkredit. 33
3.1.3 Staatliche Studienbeitragsdarlehen der Bundesländer 35
3.2 Studienfinanzierungsangebote im dreisäuligen Bankensystem 36
3.2.1 Sparkassen. 37
3.2.2 Genossenschaftsbanken 40
3.2.3 Private Banken 42
3.2.3.1 Deutsche Bank AG 43
3.2.3.2 Dresdner Bank AG 45
3.3 Studienfinanzierung über Bildungsfonds. 46
3.3.1 Deutsche Kreditbank AG 47
3.3.2 CareerConcept AG 48
3.4 Kritische Zusammenfassung 52
4 Problemfelder der Studienfinanzierung und mögliche Lösungsansätze 54
4.1 Informationsasymmetrien 54
4.1.1 Adverse Selection. 55
4.1.2 Moral Hazard 56
2
4.1.3 Kreditrationierung als Reaktion auf asymmetrische Informationen 57
4.1.4 Lösungsansatz Kreditsicherheiten. 58
4.1.5 Lösungsansatz Relationship Banking. 59
4.2 Risiken in Verbindung mit dem Marktpotential 60
4.3 Wettbewerbsrisiken 60
4.4 Sonstige Risiken. 63
5 Entwicklungspotentiale der Studienfinanzierung. 63
5.1 Risikobegrenzung durch Auswahlverfahren. 64
5.1.1 Auswahlverfahren der CareerConcept AG 64
5.1.2 Student Loan Rating. 67
5.2 Erstellung eines Bildungsfonds 69
5.2.1 Bildungsfonds ohne Auswahlverfahren 69
5.2.2 Bildungsfonds mit Auswahlverfahren 74
6 Resümee und Ausblick 77
Literaturverzeichnis 80
Anhang. 89
3
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Finanzierung des Lebensunterhalts während des Studiums
ist sichergestellt - Einschätzung der Studierenden nach
sozialer Herkunft
Abbildung 2: Zusammensetzung des Einkommens der Studierenden
nach Altersgruppen
Abbildung 3: Einstiegsgehälter, Abbrecherquoten und Dauer der
Stellensuche von Absolventen ausgewählter Studiengänge
4
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Angebote der KfW-Förderbank 31 Tabelle 2: Angebote der Sparkasse Essen und Sparkasse Flensburg 38 Tabelle 3: Rahmenkonzept des bayerischen Genossenschafts- 41
verbands und Angebot der VR Bank Gräfenberg Tabelle 4: Studienfinanzierungsangebote der Deutschen Bank AG 43 und Dresdner Bank AG Tabelle 5: Effektivverzinsung des Dresdner Flexi Studienkredits 46 Tabelle 6: Prozentuale Gewichtung der Bewerbungsphasen bei der 67 CareerConcept AG Tabelle 7: Anteile der Studierenden an den Studienrichtungen 71 Tabelle 8: Aufteilung der Studierenden auf Semester und 71
Zeitpunkt des Studienabbruchs Tabelle 9: Studiengangspezifische Abbrecherquoten und Studiendauern 72
Tabelle 10: Förderbeträge von Studienabbrechern im Bildungsfonds I 72
Tabelle 11: prozentuale Rückzahlungen in Abhängigkeit vom Bruttoeinkommen 73
Tabelle 12: Bruttoeinkommen nach Studienrichtung 74
Tabelle 13: Förderbeträge der Studienabbrecher im Bildungsfonds II 76
Tabelle 14: Ergebnis der Studienabbrecher Bildungsfonds II 76
Tabelle 15: prozentuale Rückzahlungen in Abhängigkeit vom 77
Bruttoeinkommen (Bildungsfonds II)
5
Abkürzungsverzeichnis
AG Aktiengesellschaft BAföG Bundesausbildungsförderungsgesetz BGB Bürgerliches Gesetzbuch BVerfG Bundesverfassungsgericht CDU Christlich Demokratische Union CHE Centrum für Hochschulentwicklung CSU Christlich Soziale Union db Studienkredit Deutsche Bank Studienkredit DSGV Deutscher Sparkassen Gesamtverband EURIBOR Euro Interbank Offered Rate GG Grundgesetz Haspa Hamburger Sparkasse HCC Human Capital Contract HECS Higher Education Contribution Scheme KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau MaRisk Mindestanforderungen an das Risikomanage- ment MLP Marschollek, Lautenschläger und Partner AG OECD Organisation for Economic Cooperation and De- velopment ROE Return on Equity Sallie Mae Student Loan Marketing Association (USA) Schufa Schutzgemeinschaft für allgemeine Kredit- sicherung SpaFöK Sparkassen-Förderkredit (Sparkasse Flensburg) SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands VR Volksbanken-Raiffeisenbanken
6
1 Relevanz der Studienfinanzierung in Deutschland
1.1 Problemstellung der Arbeit
Eine Studentenumfrage im Jahr 2003 ergab, dass lediglich 1% der Studierenden ein Darlehen zur teilweisen Finanzierung ihres Studiums aufgenommen hat. 1 Allerdings gab es bis dahin mit dem Bildungskredit der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) auch nur ein deutschlandweit verfügbares Angebot. Seit dieser Umfrage hat sich die Situation der Studienfinanzierung allerdings grundlegend geändert. Mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) vom 26. Januar 2005 wurde die Entscheidungsbefugnis des Bundes auf den Grundsatz der Gebührenfreiheit des Studiums als nichtig erklärt 2 und ermöglichte den Bundesländern die Einführung von Studiengebühren. 3 Die Bundesländer wurden vom BVerfG aber gleichwohl in die Pflicht genommen, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, damit niemand auf Grund dieser finanziellen Mehrbelastung von der Aufnahme eines Studiums abgehalten wird. 4 Erste Statistiken erwecken allerdings den Anschein, dass sich potentielle Studierende von Studiengebühren dennoch abschrecken lassen. Die Anzahl der Erstsemester ging in Bundesländern, die bereits Studiengebühren eingeführt haben, signifikant zurück. So verzeichnen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen Rückgänge von 7,1%; in Baden-Württemberg und Niedersachsen sank die Zahl der Erstsemester um 5,4% bzw. 7,5%. Dieser Rückgang lässt sich jedoch nicht ausschließlich auf allgemein sinkende Abiturientenzahlen zurückführen, da bundesweit lediglich ein Rückgang von 3,5% zu beobachten ist. 5 Darüber hinaus weist die Tendenz von über-durchschnittlich vielen Ausbildungsverträgen mit Abiturienten im Ausbildungsjahr 2006 darauf hin 6 , dass die abschreckende Wirkung von Studiengebühren offensichtlich unterschätzt wurde, obgleich eine Kausalwirkung von Studiengebühren und steigenden Abiturientenquoten im dualen Ausbildungssystem noch nicht ausreichend zu belegen ist.
Die vorliegende Arbeit fokussiert hierbei jedoch nicht die ordnungspolitische Lenkungsfunktion allgemeiner Studiengebühren. 7 Vielmehr werden Entwicklungen aufgezeigt, die durch das Urteil des BVerfG im Sektor der Finanzdienstleister angestoßen wurden. Neben einer breiten öffentlichen Diskussion entwickelte sich in den vergangenen zwei Jahren ein breiter Markt für Studienfinanzierungsangebote. Dabei spielt es eine entscheidende Rolle, dass eine steigende Nachfrage nach diesen Produkten zu verzeichnen ist. Demgegenüber
1 Vgl. Isserstedt, W. et al. (2004), S. 162.
2 Vgl. Bundesverfassungsgericht (2005).
3 Einen Überblick über die aktuelle Studiengebührensituation in den einzelnen Bundesländern gibt zum Beispiel
das Deutsche Studentenwerk (2007).
4 Vgl. Bundesverfassungsgericht (2005).
5 Vgl. Statistisches Bundesamt (2006).
6 Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2007), S. 2 ff.
7 Eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Thematik findet sich zum Beispiel bei Müller-Böling, D. (2005).
7
entwickelte sich ebenfalls ein breites Angebot an entsprechenden Produkten. Neben den staatlichen Anbietern drängen in Deutschland vermehrt auch private und öffentlich-rechtliche Institute auf den relevanten Markt. Dies ist umso bemerkenswerter, da in den meisten anderen Ländern die Studienfinanzierung nahezu ausschließlich von staatlichen Institutionen übernommen wird. 8 In dieser Situation ist es von entscheidender Bedeutung, wie es den auf Renditemaximierung abzielenden privatwirtschaftlichen Instituten gelingt, im Markt der Studienfinanzierung, der durch eine hohe Dichte staatlich subventionierter Angebote charakterisiert ist, einen rentablen und zukunftsträchtigen Geschäftszweig zu etablieren. Die Aktualität der Thematik und die ausgeprägte Wettbewerbssituation bedingen permanente Veränderungen im Segment der Studienfinanzierung. Es stoßen neue Anbieter mit veränderten und neuen Angeboten in den Markt, andere wiederum ziehen ihre Angebote zurück. Diese Arbeit zeigt diesen Entwicklungsprozess auf und gibt einen Überblick über die zur Zeit bestehenden Angebote. Zudem soll neben den enormen Potentialen dieses noch jungen Geschäftsfeldes auch auf die damit verbundenen Risiken eingegangen werden.
1.2 Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit
Nach der Einleitung und Darstellung der Problematik der vorliegenden Arbeit in Kapitel 1 werden in Kapitel 2 die grundlegenden Aspekte und Rahmenbedingungen der Studienfinanzierung dargestellt. Dabei werden im ersten Teil dieses Kapitels theoretische Modelle erläutert und durch kurze internationale Anwendungsbeispiele ergänzt. Der zweite Teil dieses Kapitels thematisiert die Situation der Studienfinanzierung in Deutschland. Dazu werden zunächst die Ausgangssituation dargestellt und zukünftige Entwicklungen hinsichtlich des Marktpotentials prognostiziert. Ausgehend von diesen Bedingungen ergeben sich für die Finanzdienstleister verschiedene Vorgehensweisen innerhalb der Studienfinanzierung. So haben staatliche Anbieter andere Interessen und Zielsetzungen als private oder öffentlichrechtliche Institute. Diese unterschiedlichen Zielsetzungen der Anbieter werden dargestellt und analysiert. In Kapitel 3 folgt die Darstellung der bestehenden Angebote der Studienfinanzierung in Deutschland. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf möglicherweise erkennbaren Zielsetzungen der Studienfinanzierungsanbieter. Es wird anhand der vorliegenden Informationen über die einzelnen Angebote und vor dem Hintergrund der Konkurrenzsituation analysiert, welche Strategien die einzelnen Anbieter innerhalb der Studienfinanzierung verfolgen. Anhand erster Vertragsabschlusszahlen wird dann der Erfolg der eingeschlagenen Strategie beurteilt. Aus den hier gewonnenen Erkenntnissen ergeben sich Rückschlüsse über die grundlegenden Problemstellungen der Studienfinanzierung. Diese werden in Kapitel 4 thematisiert. Dabei wird auch darauf eingegangen, inwieweit die Studienfinanzierung im Vergleich zum Privatkredit spezielle Risiken aufweist, die von den Finanzdienstleistern ge-
8 Vgl.
8
sondert betrachtet werden müssen. Anschließend werden diese Problemfelder möglichen Lösungsansätzen gegenübergestellt. Aus den gewonnenen Erkenntnissen werden in Kapitel 5 mögliche Entwicklungspotentiale der Studienfinanzierung aufgezeigt. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf Risikobewertungsverfahren, die sich speziell für die Anwendung innerhalb der Studienfinanzierung eignen. Dazu werden zwei Verfahren vorgestellt, die bereits in der Praxis umgesetzt werden. Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung eines eigenen Bildungsfonds, der aufzeigen soll, dass diese bislang selten umgesetzte Form der Bildungsfinanzierung über Fonds auch für den deutschen Markt flächendeckend und rentabel angeboten werden kann. Daran anknüpfend sollen sowohl ein Modell für staatliche Anbieter als auch ein Konzept für nicht-staatliche Anbieter entwickelt werden. Das Kapitel 6 resümiert schließlich die Kernaussagen dieser Arbeit gibt einen Ausblick über weitere Fragen, die im Rahmen der Studienfinanzierung einer näheren und intensiveren Betrachtung unterzogen werden müssen.
2 Modelle und Rahmenbedingungen der Studienfinanzierung
In diesem Kapitel werden zunächst die drei theoretischen Modelle der Studienfinanzierung vorgestellt und anhand einiger internationaler Praxisbeispiele erläutert. Anschließend wird das soziokulturelle Umfeld der Studienfinanzierung in Deutschland beleuchtet, um darauf aufbauend die Anforderungen und Bedürfnisse der Studierenden darzustellen. Anschließend werden die jeweiligen Ziele der Anbieter untersucht. Dabei werden die speziellen Eigenschaften und Bedürfnisse der Zielgruppe der Studierenden mit den individuellen Ausrichtungen der Finanzdienstleister abgestimmt und entsprechende Zielsetzungen abgeleitet.
2.1 Theoretische Grundmuster der Studienfinanzierung
Studienfinanzierungsangebote können definitorisch den Finanzkontrakten zugeordnet werden. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass ein Kapitalgeber mit einem Kapitalnehmer kooperiert, indem er dem Kapitalnehmer einen Betrag zur Verfügung stellt, um zu einem späteren Zeitpunkt eine vertraglich festgelegte Gegenleistung zu erhalten. Dabei werden zwei Eigenschaften deutlich, die typisch für Kooperationen sind. Zum einen erfolgen Leistung und Gegenleistung nicht gleichzeitig. Zum anderen bestehen eine Vielzahl von Einflussfaktoren, die die Höhe der Rückzahlung negativ beeinflussen können. Deren Ausprägungen sind dem Kapitalgeber zum Zeitpunkt seiner Zahlung allerdings nicht bekannt. 9 Diese Einflussfaktoren werden in Kapitel 4 erläutert. Zunächst aber werden die theoretischen Modelle näher erläutert.
9 Vgl. Hartmann-Wendels, T. et al. (2007), S. 86.
9
2.1.1 Modell mit einkommensunabhängiger Rückzahlung
Studienfinanzierungsmodelle mit einkommensunabhängiger Rückzahlung stellen eine Form des Kredits dar. Charakteristisch ist, dass der Kreditnehmer den erhaltenen Kreditbetrag mit einer bestimmten Verzinsung zurückzahlen muss. 10 Diese Definition entspricht den gesetzgeberischen Vorgaben eines Darlehensvertrages nach § 488 BGB. So ist der Darlehensgeber in der Pflicht, dem Darlehensnehmer einen bestimmten Betrag zu Verfügung zu stellen. Der Darlehensnehmer dagegen ist verpflichtet, den geschuldeten Zins zu zahlen sowie den zur Verfügung gestellten Betrag bei Fälligkeit an den Darlehensgeber zurückzuzahlen. 11 Ferner umfasst die einkommensunabhängige Studienfinanzierung zumeist eine festgelegte Rückzahlungsperiode, in welcher der ausbezahlte Betrag spätestens zurückbezahlt werden muss. Innerhalb der Rückzahlungsmodalitäten ist bestimmt, ob die monatlichen Rückzahlungsbeträge vom Kreditnehmer in gleichen Raten oder im Zeitverlauf ansteigend zu zahlen sind. 12 Innerhalb der Rückzahlungsmodalitäten sind weitere Abänderungen möglich. So kann den Kreditnehmern eine so genannte Karenzzeit gewährt werden, die als Überbrückung zwischen Studienende und Berufseinstieg dient. Des Weiteren ist denkbar, dass mittels Sondertilgungen größere Einmalzahlungen geleistet werden können, mit denen der Darlehensvertrag vorzeitig abgelöst wird. Diese Form der Studienfinanzierung bietet auf Grund stabiler Rückzahlungsbeträge für beide Seiten ein hohes Maß an Planungssicherheit. Für den Kreditnehmer besteht jedoch die Gefahr, dass er nach Abschluss seines Studiums auf Grund eines geringen oder fehlenden Einkommens nicht in der Lage ist, die erforderlichen Rückzahlungsbeträge zu leisten. Dies kann einen frühzeitigen Negativeintrag bei der Schufa zur Folge haben, wodurch dem Kreditnehmer erschwerte Bedingungen bei der Aufnahme weiterer Fremdfinanzierungen entstehen können. 13 Für den Kreditgeber besteht in diesem Fall der maximale Verlust in Höhe des ausbezahlten Kreditbetrags zuzüglich entgangener Zinsen. Diese Ausfallrisiken lassen sich durch Sicherheiten reduzieren. Es ist jedoch fraglich, ob Studierende in der Lage sind, Sicherheiten in einen Kreditvertrag einzubringen. Die Inanspruchnahme von elterlichen Bürgschaften wird oftmals mit Verweis auf Gerechtigkeitsaspekte abgelehnt, da so besonders Studierende aus wohlhabenden Elternhäusern bevorzugt werden und möglicherweise potentiell Studierende mit weniger reichem Hintergrund vom Studium abgehalten werden könnten. 14 Das Ausfallrisiko eines Kredits hängt erheblich vom späteren Einkommen des Studierenden ab. In diesem Zusammenhang ist es für die Finanzdienstleister daher von primärer Bedeutung Erwartungen über das künftige Einkommen des einzelnen Kreditnehmers zu bilden. Dadurch lassen sich entsprechende Risikokandidaten
10 Vgl. Hartmann-Wendels, T. et al. (2007), S. 135.
11 Vgl. Bürgerliches Gesetzbuch (2006), § 488 Abs. 1+2.
12 Vgl. Johnstone, B. D. (2000), S. 5.
13 Vgl. Chapman, B. (2005), S. 17 f.
14 Vgl. Becker, S. / Fenge, R. (2005), S. 18.
10
ausfiltern bzw. eine risikoäquivalente Bepreisung der Kredite vornehmen. Eine weiterführende Erläuterung dieser Vorgehensweise erfolgt in Kapitel 2.2.3.2.
Neben der Kreditrisikobetrachtung auf einzelvertraglicher Basis sollte zudem auch eine Risikobewertung auf Kreditportfolioebene erfolgen. So sind die deutschen Banken durch die Mindestanforderungen durch das Risikomanagement (MaRisk) innerhalb derer auch die Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft geregelt sind, dazu verpflichtet Kredite auch auf Kreditportfolioebene zu betrachten. 15 So stellt sich die Frage, inwieweit Studienkredite bei der Betrachtung des Gesamtkreditportfolios einer Bank zu einer Risikominderung beitragen können. Dazu sind Informationen notwendig, inwieweit Korrelationen zu anderen Kreditformen vorliegen. Lässt sich eine niedrige Korrelation zu einer anderen Kreditform feststellen, kann das Kreditrisiko des Gesamtbankportfolios gesenkt werden. Allerdings muss in diesem Zusammenhang auch auf das im Vergleich zu anderen Krediten sehr geringe Kreditvolumen hingewiesen werden. So machte das gesamte Konsumentenkreditengagement der Deutschen Bank AG 2005 ein Volumen von 50.569 Mio. € aus, 16 während das Kreditvolumen innerhalb der Studienfinanzierung 62 Mio. € umfasst (siehe Kapitel 3.2.3.1). Daraus errechnet sich lediglich ein Anteil der Studienfinanzierung am Gesamtkonsumentenkreditengagement von 0,1%. Viel versprechender erscheint die Möglichkeit die Studienkredite zu verbriefen. In den USA kauft die 1972 vom Staat ins Leben gerufene Student Loan Marketing Association, die unter der Kurzform „Sallie Mae“ bekannt ist, Bildungskredite von Banken und anderen Institutionen. Seit 1995 werden ebenfalls Forderungen verbrieft von der Sallie Mae angeboten und als Bildungsanleihen am Kapitalmarkt platziert. 17 In der Zwischenzeit ist das Unternehmen börsennotiert und der Staat hat sich gänzlich zurückgezogen. Das gesamte Volumen an Studienkrediten, das von der Sallie Mae verwaltet oder selbst besessen wird, beläuft sich auf über 80 Mrd. US$, wobei keinerlei staatliche Garantien für Kreditausfälle mehr existieren. 18
Diese Form der einkommensunabhängigen Studienfinanzierung wird zum Beispiel in Dänemark, den Niederlanden und Schweden angewendet. Innerhalb der Konditionengestaltung gibt es dennoch Unterschiede. So werden den Studierenden nach Abschluss des Studiums Karenzzeiten von 6 Monaten (Schweden) bis zu 2 Jahren (Niederlande) gewährt. Auch bei den Rückzahlungsdauern gibt es Unterschiede. Diese variiert zwischen 15 (Dänemark und Niederlande) und 25 Jahren (Schweden). Anbieter dieser einkommensunabhängigen Darlehen sind in allen Fällen staatliche Institutionen, die bei Rückzahlungsproblemen für den Dar-
15 Vgl.
16 Vgl. Deutsche Bank AG (2006), S. 51.
17 Vgl. Müller, R. (2005), S. 4.
18 Vgl. Hollweg, L. L. (2005) S. 30.
11
lehensnehmer einspringen. 19 Einzig in Estland, Österreich und Polen vergeben auch private Banken Kredite an Studierende. Allerdings können diese Privatbanken in allen Fällen auf staatliche Ausfallbürgschaften zurückgreifen. 20
2.1.2 Modell mit einkommensabhängiger Rückzahlung
Modelle mit einkommensabhängiger Rückzahlung finden sich besonders in der angelsächsischen Literatur. Charakteristisch für diese so genannten Human Capital Contracts (HCC) ist die Rückzahlung eines bestimmten Prozentsatzes des zukünftigen Verdienstes. Dabei werden keine Zinszahlungen an den Kapitalgeber fällig. Somit handelt es sich nicht um einen Kreditvertrag, sondern lediglich um einen Finanzkontrakt.
Theoretisch besteht für den Kapitalnehmer die Gefahr, dass er bei Erzielung eines hohen Einkommens nach Beendigung des Studiums deutlich mehr zurückbezahlt als er erhalten hat. Andererseits ist der Kapitalnehmer im Gegensatz zum einkommensunabhängigen Modell vor frühzeitiger Überschuldung geschützt, da aus einem geringen Einkommen niedrigere Rückzahlungsbeträge resultieren. Tritt der Extremfall ein, dass ein Kreditnehmer kein Einkommen erzielt, müssen auch keine Rückzahlungen geleistet werden. Diese Unsicherheiten der Rückzahlung werden oftmals durch weitere vertragliche Komponenten ergänzt. So können die Rückzahlungen einerseits auf einen maximalen Rückzahlungsbetrag (Begrenzung für hohe Einkommen) oder auf einen maximalen Rückzahlungszeitraum (Begrenzung für niedrige Einkommen) begrenzt werden. 21 Durch diese Form der Studienfinanzierung wird das Risiko des Kapitalnehmers zwar reduziert, für den Kapitalgeber besteht jedoch eine größere Unsicherheit. Allerdings ist der Kapitalgeber in einer besseren Position als der Kapitalnehmer, da er in der Lage ist, die Risiken zu diversifizieren. So decken gut verdienende Kapitalnehmer die Verluste, die durch schlecht verdienende Kapitalnehmer entstehen. 22 Hier besteht für den Kapitalgeber ein gesteigertes Interesse, sein Portfolio möglichst effizient zusammenzustellen. Durch geschickte Zusammensetzung des Portfolios lässt sich für den Kapitalgeber im Vergleich zu einer Einzelanlage sowohl das Risiko minimieren, als auch die Rendite steigern. 23 In diesem Zusammenhang ist denkbar, die Portfoliotheorie von Markowitz auch auf die Zusammensetzung von „Studentenportfolios“ anzuwenden. Dabei spielt besonders die Korrelation der einzelnen Portfoliopositionen zueinander eine entscheidende Rolle. Je geringer die Korrelation der einzelnen Positionen zueinander sind, desto stärker lässt sich das Risiko des Gesamtportfolios verringern. 24 Auf ein Studierendenportfolio bezogen, müs-
19 Vgl.
20 Vgl. Hoffmann, N. / Ochel, W. (2005), S. 25.
21 Vgl. Johnstone, B. D. (2000), S. 5.
22 Vgl. Palacios, M. (2002), S. 4 f.
23 Vgl. Spreman, K. (2003), S. 185.
24 Vgl. Spremann, K. (2003), S. 185 ff.
12
sen Überlegungen angestellt werden, inwieweit zum Beispiel die Einkommenserwartungen einzelner Studiengänge miteinander korrelieren. So muss herausgefunden werden, ob es Zusammenhänge zwischen Einkommenserwartungen bestimmter Absolventen gibt. Und wenn ja, inwieweit diese miteinander korrelieren. So kann zum Beispiel ein Rückzahlungsverlust durch eine einkommensschwache Person mit Hilfe einkommensstarker Rückzahler kompensiert werden. Dazu müssen im Vorfeld aber die jeweiligen Korrelationen der Einkommen bekannt sein, um eine aktive Portfoliooptimierung vorzunehmen. Allerdings ist diese Überlegung mit Einschränkungen verbunden. Am Aktienmarkt können Korrelationen zueinander leicht festgestellt werden, zudem sind die Schwankungen sehr viel höher als am regulierten Arbeitsmarkt. So fallen die Einkommen einer Absolventengruppe nicht stark ab, wenn ein Überangebot besteht. Im entgegengesetzten Fall steigen die Einkommen bei einer Übernachfrage aber auch nicht ins unermessliche an. Die hier angedeuteten Überlegungen stellen einen interessanten Bereich dar, dessen nähere Betrachtung vielleicht weitere Erkenntnisse liefern können.
Diese Form der Studienfinanzierung ist weltweit am wenigsten verbreitet. So werden Human Capital Contracts bislang nur in Deutschland, den USA und Chile angeboten. 25
2.1.3 Hybrides Modell
Das hybride Modell der Studienfinanzierung ist eine Kombination aus den beiden bereits erläuterten Formen. Dabei werden die jeweiligen positiven Eigenschaften miteinander kombiniert. Es entsteht somit ein einkommensabhängiges Darlehen. In diesem Fall werden sowohl Zins als auch Tilgung geleistet, wodurch die gesetzliche Definition nach § 488 BGB des Darlehens gegeben ist.
Bei dieser Ausprägung sind zwei Varianten denkbar. Auf der einen Seite ist ein prozentualer Anteil des Einkommens zurückzuzahlen, bis der erhaltene Geldbetrag inklusive einer Verzinsung erreicht ist. Alternativ kann der monatliche Rückzahlungsbetrag auf einen maximalen Betrag begrenzt werden. Dabei muss immer nur der absolut kleinste Betrag zurückbezahlt werden: entweder der prozentuale Anteil vom Einkommen oder der festgelegte maximale Rückzahlungsbetrag. 26 Entsprechend der einkommensabhängigen Rückzahlung leistet der Kreditnehmer erst dann Rückzahlungen, wenn sein Einkommen positiv ist. Dadurch ist gewährleistet, dass ein Kreditnehmer nicht bereits frühzeitig in Zahlungsrückstand gerät. In der Praxis sind oftmals weitere Rückzahlungsbegrenzungen vorgesehen. Dies kann sowohl über eine maximale Rückzahlungsdauer als auch über eine festgelegte Altersgrenze, bis zu der
25 Vgl. O´Halloran, E. F. et al. (2004), S. 106 ff.
26 Vgl. Palacios, M. (2001), S. 8.
13
Rückzahlungen geleistet werden müssen, geschehen. 27 Für den Kreditgeber besteht der maximale Ausfall, wie auch beim Darlehen, im Kreditbetrag zuzüglich den entgangenen Zinsen. Allerdings ist der Kreditgeber zusätzlich unmittelbar vom Einkommen des Kreditnehmers abhängig. Es besteht weniger Planungssicherheit, da die Zahlungen im Zeitverlauf erheblich variieren können. Zudem besteht bei geringen Einkommen die Gefahr, dass der Kreditnehmer nicht in der Lage ist, den Kreditbetrag vollständig zurückzubezahlen. In diesem Fall muss der Kreditgeber die ausstehenden Beträge abschreiben. 28
Diese Form der Studienfinanzierung findet sich in der Praxis zum Beispiel in Australien wieder. Das seit 1989 geltende „Higher Education Contribution Scheme (HECS)“ verpflichtet den Studierenden zur Zahlung von Studiengebühren in Abhängigkeit vom gewählten Studiengang von bis zu 3.500 € pro Jahr. Der Staat bietet jedoch jedem Studierenden einen Kredit in gleicher Höhe an, der nach Abschluss des Studiums einkommensabhängig zurückbezahlt werden muss. Die Rückzahlung setzt ein, sobald das Bruttoeinkommen des Studierenden umgerechnet 23.196 € pro Jahr übersteigt. Je nach Einkommenshöhe müssen dann zwischen 5 und 8% des Einkommens zurückbezahlt werden. Fällt das Einkommen unter diesen Wert, werden die Rückzahlungen ausgesetzt. Eine maximale Rückzahlungsdauer ist nicht festgelegt, so dass solange getilgt werden muss, bis das Darlehen zurückbezahlt ist. 29 Ein ähnliches Modell gibt es in England, allerdings müssen hier nach Überschreiten einer Einkommensschwelle pauschal 9% des Einkommens als Rückzahlung geleistet werden. Besteht nach 25 Jahren noch eine Restschuld, wird diese erlassen. 30 In beiden Fällen tritt der Staat als Kreditgeber auf, der auch die Ausfallabsicherung übernimmt. Die Rückzahlungen erfolgen direkt mit der jährlichen Steuererklärung über das jeweilige Steuersystem des Landes. Private Modelle dieser Finanzierungsform gibt es bislang nicht.
2.2 Studienfinanzierung in Deutschland
Studienfinanzierung in Deutschland ist erst durch die Entscheidung des BVerfG aus dem Jahr 2005 verstärkt in den Blickwinkel der Öffentlichkeit gerückt. Bevor aber auf die Ausprägungen der bestehenden Angebote eingegangen wird, werden zunächst die Rahmenbedingungen der Studienfinanzierung näher betrachtet. Neben den soziokulturellen Komponenten werden hierbei auch die Anforderungen der Marktakteure -die Studierenden auf der einen Seite und die Anbieter auf der anderen Seite - untersucht.
27 Vgl. Johnstone, D. B. (2001), S. 10.
28 Vgl. Johnstone, D. B. (2003), S. 6 ff.
29 Vgl. Brenken, A. / Schmidt-Boch, A. (2005), S. 47.
30 Vgl. Hoffmann, N. / Ochel, W. (2005), S. 25.
14
2.2.1 Marktvolumen und Marktpotential
Die Anzahl der Studierenden an deutschen Universitäten und Fachhochschulen betrug zum Wintersemester 2006/2007 1.979.102. 31 Studierende an Berufsakademien werden hier bewusst nicht berücksichtigt, da sie durch ein bestehendes Angestelltenverhältnis mit regelmäßigem Einkommen keine Rolle für die Studienfinanzierung spielen. Nach einer Prognose der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 2005 wird sich die Anzahl der Studierenden bis ins Jahr 2014 insbesondere auf Grund der Verkürzung des Abiturs auf 2.703.900 erhöhen und bis 2020 wieder auf eine Anzahl von 2.304.600 zurückgehen. 32 So werden bis zum Jahre 2011 aus verschiedenen Bundesländern doppelte Abiturjahrgänge verabschiedet, die dann bis 2014 das Wachstum der Studierendenzahlen verstärken bzw. den Rückgang ab 2015 verringern werden. 33 Diese Daten sind jedoch noch nicht ausreichend, um wesentliche Aussagen über das zu erwartende Marktvolumen von Studienkrediten treffen zu können. Dazu wird im Folgenden die Einnahmen- und Ausgabensituation eines einzelnen Normalstudenten dargestellt, um ausgehend von dieser Einzelperson Rückschlüsse auf den Finanzierungsbedarf der Gesamtheit potentieller Studienkreditempfänger zu ziehen. Die im Sprachgebrauch des Bundesministeriums für Bildung und Forschung als Normalstudent bezeichnete Person umfasst 65% aller Studierenden. Zu ihr zählen Studierende, die nicht mehr im Elternhaus wohnen, ledig sind und sich im Erststudium befinden. 34
Ein Normalstudent bezog im Jahr 2003 ausgehend vom arithmetischen Mittel ein monatliches Einkommen von 767 €. Hierbei stellen Unterhaltsleistungen der Eltern (51%), der eigene Verdienst (27%) sowie BAföG-Bezüge (13%) den überwiegenden Anteil am Durchschnittsbudget dar. 35 Die Finanzierung über Darlehen spielt bislang nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich 1% aller Studierenden haben im Jahr 2003 diese Finanzierungsform in Anspruch genommen. 36 Dies ist auf das bis dato nur rudimentäre Angebot an derartigen Finanzierungsformen zurückzuführen. Darüber hinaus bestand bisher auch noch keine intensivere Nachfrage nach einer kreditbasierten Studienfinanzierung. Dies hat erst in der letzten Jahren, insbesondere auch durch die Einführung von allgemeinen Studiengebühren zugenommen. So zeigt eine Studie der KfW, dass die Bereitschaft der Studierenden unter bestimmten Voraussetzungen einen Kredit für das Studium aufzunehmen mit 90% sehr hoch ist (siehe Kapitel 2.2.2). Dies widerspricht allerdings einer Umfrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, die ausweist, dass lediglich 21,5% der Befragten bereit sind, einen Kredit zur
31 Vgl. Statistisches Bundesamt (2006).
32 Vgl. Kultusministerkonferenz (2005) S. 8 (unter Annahme einer Bandbreite bei der Übergangsquote der Stu- auf die Hochschulen von 75% - 85%).
33 Vgl. Kultusministerkonferenz (2005), S. 2 f.
34 Vgl. Isserstedt, W. et al. (2004), S. 156.
35 Vgl. Isserstedt, W. et al. (2004), S. 162.
36 Vgl. Isserstedt, W. et al. (2004), S. 162.
15
Finanzierung ihres Studiums aufzunehmen. 37 Allerdings sind im Rahmen dieser Umfrage auch Schüler ab 16 Jahren befragt worden, die sich mit dieser Thematik sicherlich noch nicht abschließend auseinandergesetzt haben.
Ausgehend von der Einnahmensituation der Studierenden werden im Folgenden die Ausgaben eines Studierenden analysiert. So betragen die durchschnittlichen monatlichen Ausgaben eines Normalstudenten 694 €, 38 wobei deutliche regionale Unterschiede festzustellen sind. Die Mietkosten etwa in Frankfurt oder München weichen um mehr als 25% vom arithmetischen Mittel (250 €) ab und auch die allgemeinen Lebenshaltungskosten unterscheiden sich regional deutlich. 39
Darauf aufbauend muss erörtert werden, über welchen Zeitraum eine Finanzierung benötigt wird. Die durchschnittliche Dauer eines Studiums in Deutschland betrug im Jahr 2004 12,3 Semester an der Universität und 8,7 Semester an der Fachhochschule. 40 Allerdings sind hier deutliche Unterschiede in den einzelnen Studiengängen festzustellen. Während ein Universitätsstudium der Kunstwissenschaften durchschnittlich 14 Semester in Anspruch nimmt, dauert ein Pharmaziestudium nur etwa 10,6 Semester. 41 Unter Annahme einer Vollfinanzierung ergibt sich für einen Normalstudenten an einer Universität demnach ein Finanzbedarf von 51.000 €, an der Fachhochschule von 36.000 € für das gesamte Studium. 42 Es ist jedoch davon auszugehen, dass Studierende ihr Studium auch zukünftig mit einem Finanzierungsmix bestreiten werden und nur einen Teil der Gesamtkosten über ein Darlehen finanzieren werden. So gaben 2003 nur 18% der Studierenden an, ihr Studium aus nur einer Finanzierungsquelle bestreiten zu können. Dagegen benötigen 36% sogar drei oder mehr Einkommensquellen. 43 Findet die Einführung von Studiengebühren von 1000 € pro Jahr in diesen Berechnungen zusätzlich Berücksichtigung, wird sich der Finanzierungsbedarf weiter erhöhen. Es wird aber davon ausgegangen, dass mit der Einführung von allgemeinen Studiengebühren die Studiendauer verkürzt werden kann. 44 Dies entspricht dem Trend der vergangenen Jahre, dass die Studierenden erhöhte Priorität auf eine kurze Studiendauer legen. Während 1990 lediglich 30% der Universitätsstudenten angegeben haben, dass ihnen ein rasches Studium sehr wichtig ist, beurteilten 2004 bereits 42% eine kurze Studiendauer als sehr wichtig. 45
37 Vgl. Deutscher Sparkassen- und Giroverband (2005).
38 Vgl. Deutsches Studentenwerk (2006a).
39 Vgl. Isserstedt, W. et al. (2004), S. 222.
40 Vgl. Statistisches Bundesamt (2004), S. 373.
41 Vgl. Statistisches Bundesamt (2004), S. 342 ff.
42 Eigene Berechnung auf Basis der Ausgaben eines Normalstudenten bei durchschnittlicher Studiendauer.
43 Vgl. Isserstedt, W. et al. (2004), S. 161.
44 Vgl. zum Beispiel Lang, T. (2005) S. 12 oder Müller, U. et al. (2004), S. 9.
45 Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2005); S. 74 f.
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Zudem dürfte - so zumindest die zugrunde liegende Annahme der Studienreformer - die mittelfristige Umstellung der Abschlüsse auf Bachelor und Master die Studiendauer reduzieren. 46 So dauert momentan ein Bachelorstudium durchschnittlich nur 6,7 Semester. 47 Zudem werden die aufbauenden Masterstudiengänge nicht die Absolventenzahlen erreichen, wie die jetzigen Diplomstudiengänge. 48
Neben der bereits aufgezeigten Bereitschaft der Studierenden sich für ihr Studium zu verschulden, stellt sich die Frage, wie hoch der Anteil der Studierenden ist, deren finanzielle Lage eine Finanzierung des Studiums über externe Quellen nötig macht. Die folgende Abbildung 1 zeigt, inwieweit die Studierenden abhängig von ihrer sozialen Herkunft ihre finanzielle Lage einschätzen. Die soziale Herkunft wird in vier Gruppen unterteilt, die mit hoch, gehoben, mittel und niedrig bezeichnet werden. 49 Für die Gruppenzuteilung werden die berufliche Stellung sowie der Bildungshintergrund des Elternhauses berücksichtigt. 50 Dabei wird zwar nicht direkt das Einkommen des Elternhauses einbezogen, dennoch lässt diese Einteilung indirekt Rückschlüsse auch auf die Einkommenssituation der Elternhäuser zu, 51 da zwischen beruflicher Stellung und dem Bildungshintergrund auf der einen Seite sowie dem Einkommen auf der anderen Seite, ein enger Zusammenhang besteht.
Abbildung 1: Finanzierung des Lebensunterhalts während des Studiums ist sichergestellt - Einschätzung der Studierenden nach sozialer Herkunft
50% trifft eher nicht zu
40% unentschieden
30% trifft eher zu
trifft völlig zu 20% 10%
0%
niedrig 12% mittel 27% gehoben hoch 37%
24%
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Isserstedt, W. et al. (2003), S. 122 und S. 212.
46 Vgl. Witte, J. et al. (2003), S. 2.
47 Vgl. Statistisches Bundesamt (2004), S. 373.
48 Vgl. Hochschulrektorenkonferenz (2006), S. 6.
49 Diese Gruppeneinteilung wird allgemein verwendet und geht auf das Bundesministerium für Bildung und For- zurück.
50 Vgl. Isserstedt, W. et al. (2004), S. 123.
51 Vgl. Isserstedt, W. et al. (2004), S. 471.
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Dabei lässt sich feststellen, dass rund 50% der Studierenden aus der niedrigen und mittleren Schicht und immer noch 25% der Studierenden aus der hohen Schicht ihre finanzielle Lage als nicht optimal ansehen. Die KfW-Bankengruppe hat in ihrer „Trendstudie Studienfinanzierung 2006“ sogar herausgefunden, dass für rund 80% der Studierenden zumindest gelegentlich finanzielle Engpässe auftreten. 52 Diese Studierenden kommen als mögliche Darlehensnehmer in Betracht.
Bei der Quantifizierung des Marktvolumens gehen die Berechnungen weit auseinander. So wenden Hummel/Gersch eine Szenarioanalyse an, die auf Basis der oben erwähnten zukünftigen Studierendenzahlen unterschiedliche Marktszenarien und Finanzierungsbedarfe der Studierenden simuliert. Dabei wird ein Neukreditvolumen bis ins Jahr 2020 zwischen 0,45 Mrd. € bei schwacher Marktentwicklung und geringem Finanzierungsbedarf der Studierenden sowie 9,43 Mrd. € bei starker Marktentwicklung und hohem Finanzierungsbedarf ermittelt. 53 Der Hamburger Wissenschaftssenator Dräger unterstellt in einer Modellrechnung aus dem Jahr 2003 sogar ein Kreditvolumen in Höhe von 24 Mrd. € bis ins Jahr 2020. Dabei setzt er voraus, dass ein Drittel der Studienanfänger für fünf Jahre ein Darlehen in Höhe von 6500 € pro Jahr aufnimmt. 54 Eine Studie der Sparkassen-Finanzgruppe aus dem Jahr 2005 geht davon aus, dass der Bedarf an Bildungsfinanzierung in Deutschland ein Volumen von mindestens 10 Mrd. € im Jahr 2010 erreichen wird, im Jahr 2020 sogar 31 Mrd. €. 55 Diese Berechnung beinhaltet allerdings sowohl Studienkredite als auch Finanzierungsformen des Vorsparens. 56 Die errechneten Bandbreiten dieser Studien zeigen deutlich, dass eine exakte Quantifizierung des Finanzierungsbedarfs der Studierenden nur schwer möglich ist. Dabei spielt eine Vielzahl von Einflussfaktoren eine Rolle, deren Ausprägungen nicht vorhergesagt werden können. Demnach können die genannten Werte nur als grober Richtwert angesehen werden.
Zusammenfassend kann aber davon ausgegangen werden, dass die Anzahl der Studierenden in den nächsten Jahren deutlich ansteigen wird, die durchschnittliche Studiendauer allerdings zurückgehen wird. Zudem ist eine erhöhte Bereitschaft unter den Studierenden zu erkennen, für ihre Bildung ein Darlehen aufzunehmen. So wird Bildung als ein kostbares Gut angesehen und hat deshalb auch einen monetär bewertbaren Preis. Die Erkenntnis, dass Bildung als immaterielles Gut eine Investition rechtfertigt, für die gegebenenfalls eine individuelle Kreditaufnahme notwendig ist, dürfte sukzessive steigen.
52 Vgl. KfW Bankengruppe (2006c), S. 20.
53 Vgl. Hummel, D. / Gersch, J. (2006), S.72.
54 Vgl. Dräger, J. (2003).
55 Vgl. Reifner, U., Turner, A. (2005), S. 15.
56 Das Vorsparen im Rahmen der Bildungsfinanzierung wird besonders von den Sparkassen und Genossen- angeboten. Eine Darstellung dieser Thematik folgt in Kapitel 3.2.1.
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2.2.2 Studienfinanzierungsangebote aus Sicht der Studierenden
Die wichtigsten Kriterien für Finanzierungsangebote aus Sicht der Studierenden sind nach einer Umfrage der KfW aus dem Jahr 2006: niedrige Zinsen (88,7%), Flexibilität bei den Auszahlungs- und Rückzahlungsraten (79,2%) sowie individuelle Kreditrückzahlungen bzw. Sondertilgungen (76%). Darüber hinaus wurden vermehrt auch folgende Kriterien genannt: Bank verlangt keine Sicherheiten (58,3%), die Rückzahlungssumme verringert sich bei schnellem Studium/guten Noten (50,7%). 57 Aus diesem Anforderungsprofil wird deutlich, dass es nicht möglich ist, das Segment der Studienfinanzierung mit nur einem umfassenden Angebot abzudecken. So lässt sich zum Beispiel im Umkehrschluss aus der angegebenen Quelle feststellen, dass rund 40% der Studierenden bereit sind, Sicherheiten zur Absicherung eines Studienkredites abzugeben. Ebenso sind 50% der Studierenden nicht daran interessiert, durch gute Leistungen oder ein schnelles Studium Verringerungen der Rückzahlungssumme zu erreichen.
Hinsichtlich der Ausprägung des Studienfinanzierungsmodells werden von den Studierenden keine Präferenzen genannt. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Studierenden zunächst risikoavers auftreten, da sie ihr individuelles Leistungsvermögen und die damit verbundenen zukünftigen Einkommenserwartungen nur schwer einschätzen können. Demnach bietet die einkommensabhängige Rückzahlung für risikoscheue Studierende entscheidende Vorteile. So besteht hier bei geringem Einkommen nicht die Gefahr, dass der Kreditnehmer bereits frühzeitig seine Kreditwürdigkeit verliert. Die Rückzahlungsmodalitäten passen sich den jeweiligen Einkommensverhältnissen an. 58 Erzielt ein Absolvent jedoch ein relativ hohes Einkommen können die Rückzahlungsbeträge die erhaltenen Zahlungen während des Studiums deutlich übersteigen. Die CareerConcept AG, ein deutscher Anbieter eines einkommensabhängigen Rückzahlungsmodells, unterstreicht den Gerechtigkeitsaspekt dieser Variante. In seinem Verkaufsprospekt wird, allerdings ohne Quellenangabe, darauf hingewiesen, dass viele Studierenden den Wunsch äußern, verdienstabhängige Rückzahlungen zu leisten. 59 Diese Aussage ist in diesem Zusammenhang auf Grund einseitiger Interessen allerdings mit Vorsicht zu genießen.
Die Gruppe der Studierenden kann nicht als homogenes Kundensegment angesehen werden. Dies wird besonders deutlich, wenn man die Zusammensetzung der Studierenden und ihre spezifischen Einkommenssituationen näher betrachtet. Dabei spielt zum einen das Alter der Studierenden eine entscheidende Rolle, aber auch die bereits erwähnte soziale Herkunft. Dementsprechend unterscheiden sich auch die Anforderungen an Studienfinanzierungsan-
57 Vgl.
58 Vgl. Chapman, B. (2005), S. 30.
59 Vgl. CareerConcept (2006), S. 22.
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gebote. Die folgende Grafik zeigt die Einnahmensituation der Studierenden unter Berücksichtigung des Alters und der Zusammensetzung des Einkommens.
Abbildung 2: Zusammensetzung des Einkommens der Studierenden nach Altersgruppen
60%
Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Isserstedt, W. et al. (2003), S. 167 f.
Dabei wird deutlich, dass mit zunehmenden Alter der Elternbeitrag von 62% bei den bis 21 jährigen auf 17% bei der ältesten Altersgruppe (>30) abnimmt. Entsprechend steigt der Anteil des eigenen Verdienstes signifikant an. Hieraus kann abgeleitet werden, dass mit zunehmendem Alter das Streben nach Elternunabhängigkeit deutlich zunimmt. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass parallel auch die Nachfrage nach Studienfinanzierungsangeboten größer wird.
Neben der Einkommenssituation während des Studiums ist von entscheidender Bedeutung, wie die Studierenden ihre zukünftige Einkommenssituation einschätzen. So ist ein Studierender, der seine Einkommenserwartungen optimistisch einschätzt, eher bereit, sich schon während des Studiums zu verschulden. 60 In diesem Zusammenhang wurde auch festgestellt, dass Studierende mit einem sozial besseren Hintergrund eher einen Kredit aufnehmen als sozial schwächer gestellte Studierende. Sozial schwächere Studierende werden durch ein
60 Vgl. KfW Bankengruppe (2006c), S. 58.
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Arbeit zitieren:
Andreas Varnholt, 2007, Studienfinanzierung in Deutschland - Herausforderung für deutsche Finanzdienstleister und ihre Grenzen, München, GRIN Verlag GmbH
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