Vorwort
Diese Abhandlung soll einen Einblick in die Spieltheorie als Theorie der strategischen Entscheidungsfindung bieten, einige Grundkonzepte vorstellen und zudem praktisch relevante Methoden auf der Suche nach der besten Alternative darstellen. Dabei erhebt sie jedoch nicht den Anspruch, die Spieltheorie als Wissenschaft in ihrer gänzlichen Breite und Tiefe abzubilden. Neben zahlreichen Beispielen im Text finden sich im Anhang einige exemplarische Erläuterungen sowie Abbildungen zu den jeweiligen Begriffen oder Theorien. Ein eindeutiger Fußnotenvermerk findet sich am jeweiligen Schlüsselbegriff bzw. der Bezeichnung der Theorie. Der Leser sei dazu angehalten, sich beim Verspüren eines über diese Abhandlung hinausgehenden Interesses zu diesem Thema im Literaturverzeichnis kundig zu machen.
Stephanie Rohac
Februar 2007
II
Gliederung
1. Ungewissheit, Komplexität und die Suche nach Orientierung 1
2. Die Spieltheorie als strategische Entscheidungsfindung 1
2.1 Von der Entscheidung zur Strategie: Eine Definition der Spieltheorie 1
2.2 Praktische Relevanz 3
2.3 Ausgewählte Systematisierungen und Methoden 3
2.3.1 Spieler, Spielregeln und Spielsituation 3
2.3.2 Kooperative und nicht-kooperative Spiele 4
2.3.3 Sequentielle und simultane Interaktionen 4
2.3.3.1 Sequentielle Interaktionen 4
2.3.3.1.1 Vorausschauen und Zurückschließen 5
2.3.3.1.2 Lösung bei finiter Anzahl von Zügen 5
2.3.3.2 Simultane Interaktionen 6
2.3.3.2.1 Dominante Strategien 6
2.3.3.2.2 Dominierte Strategien 8
2.3.3.2.3 Gleichgewichtsstrategie 8
3 R é s u m é e 9
III
Eine Einführung in die Spieltheorie
„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Friedrich SCHILLER
1. Ungewissheit, Komplexität und die Suche nach Orientierung
Eine Welt voller Ungewissheit. Informationen über die Vergangenheit liegen zumeist unvollständig vor, eine wirklich sichere Prognose über eintretende Ereignisse in der Zukunft erscheint utopisch. Selten kann sich ein Mensch sicher sein, dass er die richtige Entscheidung oder ein richtiges Urteil getroffen hat. Und doch helfen die Prozesse des Entscheidens und Urteilens, effizient mit Unsicherheit umgehen zu können. 1
In der Psychologie wird eine Entscheidung als kognitive Funktion betrachtet, bei der in einem zielgerichteten, nach Regeln operierenden Prozess eine Wahl zwischen mindestens zwei Optionen getroffen wird, indem eine den Vorzug erhält. Eine Entscheidung ist demnach eine präferentielle Wahl zwischen Alternativen. Im Rahmen der Entscheidungsfindung spielen unterschiedlichste Kriterien eine Rolle. Dazu zählen die Orientierung an bereits bewährten und bekannten Mustern, die Überlegung der Nutzenmaximierung sowie die zeitweise Notwendigkeit schneller Entscheidungsfindung. 2 Entscheidungen werden oft im Rahmen von Interaktionen getroffen, in einem Prozess, der von gegenseitiger Abhängigkeit zwischen mehreren Entscheidungsträgern geprägt ist.
Wie kann der Mensch für sich selbst die richtigen Entscheidungen treffen, wo doch „das menschliche Denkvermögen im Vergleich zur Komplexität der Umwelt, in der menschliche Wesen leben, sehr bescheiden ist“ 3 ? Was ist die Spieltheorie und inwiefern kann sie dem Menschen als Instrument bei der strategisch-zielorientierten Entscheidungsfindung hilfreich sein? Welche Methoden und Techniken können nützliche Anwendung finden?
2. Die Spieltheorie als strategische Entscheidungsfindung
2.1 Von der Entscheidung zur Strategie: Eine Definition der Spieltheorie Die Spieltheorie kann als Theorie der Entscheidungsfindung angesehen werden. Ihr Zweck ist es, eine Entscheidungshilfe in komplexen Situationen zu bieten, Situationen, in denen nicht nur der Zufall und die eigenen Präferenzen eine Rolle spielen. Tagtäglich treffen Menschen Entscheidungen, manche automatisch, einige nach gründlicher Überlegung. Entscheidungen sind an Ziele gebunden. Je
1 Zimbardo/ Gerrig, Psychologie, S. 384.
2 Großes Wörterbuch Psychologie, S. 73.
3 Herbert Simon, nach Zimbardo/ Gerrig, Psychologie, S. 384
1
nachdem, welches Ziel man verfolgt, erscheint die Lösung einfach, ist man sich der Konsequenzen aller Optionen bewusst. Die Entscheidung liegt darin, den Weg zu wählen, der zu diesem Ziel gelangt. 4
Entsprechend dieser Zieldimension kann die Spieltheorie auch als Theorie der strategischen Entscheidungsfindung definiert werden. Von militärischen Wurzeln 5 des strategischen Denkens ausgehend, fand eine Übertragung des Begriffes „Strategie“ 6 in die Betriebswirtschaftslehre in der Mitte des 20. Jahrhunderts im Rahmen der Spieltheorie statt. Die Strategie eines Spielers entspricht einem vollständigen Plan, der für alle denkbaren Situationen die richtige Wahl der Alternative beinhaltet. Dementsprechend wird dieser Plan, bei dem der Spieler sowohl die eigenen Aktionen als auch die der Gegner simultan und antizipativ bezeichnet. 7 Sind Strategien im berücksichtigt, als „Strategie“
betriebswirtschaftlichen Sinne „[…]means through which firms accomplish mission and objectives.” 8 , so beschreibt der Begriff “Strategie” in der spieltheoretischen Terminologie einen kompletten Verhaltensplan, der angibt, welche Entscheidungen die Spieler in allen möglichen denkbaren Situationen und unter Berücksichtigung aller möglichen Informationszustände treffen werden. Infolgedessen werden ebenfalls Sachverhalte einbezogen, bei denen die Möglichkeit besteht, dass sie nicht eintreten können. 9
Die Spieltheorie greift somit in Situationen, die durch eine Interdependenz der Entscheidungen im Rahmen sozialer Interaktionen geprägt ist. Es handelt sich um eine Entscheidungssituation, in der mehrere vernunftbegabte Entscheidungsträger Einfluss auf das Resultat haben und ihre eigenen Interessen verfolgen müssen. Anschaulich treffend formulieren dazu DIXIT/ NALEBUFF:
„Strategisches Denken ist die Kunst, einen Gegner zu überlisten, der das gleiche mit ihnen versucht. Wir alle müssen strategisch denken, ob im Beruf oder im Privatleben, Geschäftsleute und Unternehmen brauchen Wettbewerbsstrategien, um zu überleben, Politiker müssen Wahlkampfstrategien entwickeln, um gewählt zu werden; Trainer planen Strategien, die ihre Mannschaften auf dem Spielfeld umsetzen müssen; Eltern, die wollen, daß ihre Kinder auf Sie hören, müssen zu Amateurstrategen werden (die Kinder sind Profis); vierzig Jahre lang haben die Nuklearstrategien der Supermächte über die Existenz der Supermächte entschieden. […] Gutes strategisches Denken unter
4 Davis, Spieltheorie für Nichtmathematiker, S. 15.
5 v. Clausewitz, Vom Kriege, S. 95: „Die Strategie ist der Gebrauch des Gefechts zum Zweck des
Krieges; sie muss also dem ganzen kriegerischen Akt ein Ziel setzen, welches dem Zweck desselben
entspricht, d.h. sie entwirft den Kriegsplan, und an dieses Ziel knüpft sie die Reihe der Handlungen an,
welche zu demselben führen sollen, d.h. sie macht die Entwürfe zu den einzelnen Feldzügen und
ordnet in diesen die einzelnen Gefechte an. […]“.
6 Welge/ Al-Laham, Strategisches Management, S.12: „Aus etymologischer Sicht gehen die Wurzeln
des Begriffes „Strategie“ auf das Griechische „Stratos“ (Das Heer) und „Agein“ (Führen) zurück. Das
Substantiv „Strategos“ bezeichnete zunächst die Funktion des Generals im griechischen Heer […]“.
7 Welge/ Al-Laham, Strategisches Management, S. 12.
8 Welge/ Al-Laham, Strategisches Management, Abb. I-3, S. 15.
9 Huber, Spieltheorie und Marketing, S. 24.
2
Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts in International Management (B.A.) Stephanie Rohac, 2007, Eine Einführung in die Spieltheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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