1 Einleitung
Im Folgenden möchte ich die Strukturen der Schuldnerberatung und die Möglichkeiten der Schuldensanierung durch die neu geschaffenen Verbraucherinsolvenzgesetze in den beiden Ländern Deutschland und Niederlande darstellen und vergleichen. Hierzu stelle ich die Verschuldungssituation deutscher und niederländischer Haushalte, die Gründe und das Ausmaß von Überschuldung in einem gemeinsamen Kapitel für die beiden Länder vor. In getrennten Kapiteln beschreibe ich die Schuldnerberatungslandschaft der beiden Länder. Auch die neuen Verbraucherinsolvenzregelungen werden für jedes Land in einem separaten Kapitel dargestellt. Das Schlußkapitel führt dann die gewonnenen Erkenntnisse zusammen: An ausgewählten Beispielen sollen gravierende Unterschiede der Schuldnerberatung und Verbraucherinsolvenz in den beiden Ländern und die damit verbundenen Folgen für die Chancen Überschuldeter auf einen wirtschaftlichen Neubeginn und eine Verbesserung ihrer persönlichen Lage aufgezeigt werden. Geprüft werden soll, inwieweit die Schuldnerberatung und die Gesetzgeber der beiden Länder von den Erfahrungen des anderen Landes profitieren können.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Auswahl des Vergleichslandes
1.1.1 Niederländische Begriffe
1.1.2 Währungsangaben
1.2 Abgrenzung
2 Verschuldungssituation privater Haushalte in Deutschland und den Niederlanden
2.1 Verschuldung
2.2 Gründe für Überschuldung
2.3 Ausmaß der Überschuldung
2.4 Bedeutung von Überschuldung
2.4.1 ... für den Betroffenen
2.4.2 ...für die Gesellschaft
2.4.3 ...für die Ökonomie
2.5 Bedarf der Schuldnerberatung und ihre Aufgaben
3 Formen der Schuldnerberatung in Deutschland
3.1 Anbieter von Schuldnerberatung und ihre Aufgabenverteilung
3.1.1 Öffentliche Träger
3.1.2 Freie Träger der Wohlfahrtspflege
3.1.3 Verbraucherzentralen
3.1.4 Andere Träger und „schwarze Schafe“ der Schuldnerberatung
3.2 Gesetzlicher Rahmen der Schuldnerberatung
3.3 Finanzierung
3.4 Bedarfsdeckung durch Schuldnerberatung
4 Formen der Schuldnerberatung in den Niederlanden
4.1 Anbieter von Schuldnerberatung und ihre Aufgabenverteilung
4.1.1 Die Kommunen
4.1.2 Kommunale Kreditbanken (GKB)
4.1.3 AMW - Algemeen Maatschapelijk Werk
4.1.4 Private und Kommerzielle Anbieter
4.2 Integrale Schuldenhilfe
4.3 Gesetzlicher Rahmen der Schuldnerberatung
4.3.1 Höhe der Vergütung
4.4 Finanzierung
4.5 Bedarfsdeckung durch Schuldnerberatung
5 Neue Möglichkeiten der Schuldenregulierung in Deutschland
5.1 Verbraucherinsolvenzverfahren und Restschuldbefreiung nach der InsO
5.1.1 Gründe für die Schaffung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens
5.1.2 Merkmal des Verbraucherinsolvenzverfahrens
5.1.3 Angesprochener Personenkreis
5.1.4 Zuständiges Gericht
5.2 Struktur und Ablauf des Verbraucherinsolvenzverfahren und der Restschuldbefreiung nach der InsO
5.2.1 Erste Stufe: Außergerichtlicher Schuldenbereinigungsversuch
5.2.2 Zweite Stufe: Gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren
5.2.3 Dritte Stufe : Vereinfachtes Insolvenzverfahren
5.2.4 Vierte Stufe: Restschuldbefreibungsverfahren
5.2.5 Die Wohlverhaltensperiode
5.3 Deckung der Beratungs- und Verfahrenskosten
6 Neue Möglichkeiten der Schuldenregulierung in den Niederlanden
6.1 WSNP
6.1.1 Gründe für die Einführung des WSNP
6.1.2 Merkmal des WSNP
6.1.3 Angesprochener Personenkreis
6.1.4 Zuständiges Gericht für die Durchführung des WSNP
6.1.5 Der RvR den ´Bosch
6.2 Struktur und Ablauf des Schuldenbereinigungsverfahrens
6.2.1 Vorbedingung: Gütlicher Einigungsversuch
6.2.2 Antrag auf Gesetzliche Schuldensanierung
6.2.3 Phase der Bestandsaufnahme
6.2.4 Beschlußfassung über einen gesetzlichen Schuldensanierungsplan
6.2.5 Ausführungsphase
6.2.6 Restschuldbefreiung - schone lei
6.3 Deckung der Beratungs- und Verfahrenskosten
7 Schlußbetrachtung
7.1 Praxisrelevanz der Kritik
7.2 Unterschiede in der Schuldnerberatungsstruktur
7.2.1 Fehlendes Element: Die GKB´s
7.2.2 Regelung gewerblicher Schuldnerberatung
7.2.3 Integrative Hilfe mit klaren Aufgabenzuweisungen und zentralen Anlaufpunkten
7.2.4 Deckung des Beratungsbedarfes und Finanzierung
7.3 Unterschiede der Verbraucherinsolvenzverfahren
7.3.1 Unterschiedliche Grundgedanken
7.3.2 Zentrale Organisation der Einführung und einheitliche Regelung
7.3.3 Beratungsangebot
7.3.4 Verfahrensregularien, Antragsformulare und Software
7.3.5 Kompliziertheit des Verfahrens
7.3.6 Laufzeiten des Verfahrens
7.3.7 Flexibilität des Schuldenbereinigungsplanes und der Abtretungserklärung
7.3.8 Verfahrenskosten
7.3.9 Vergütung und Qualifikation Treuhänder
7.3.10 Umgang mit „aussichtslosen“ Fällen
7.4 Schlußwort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht und vergleicht die Strukturen der Schuldnerberatung sowie die Möglichkeiten der Schuldensanierung durch Verbraucherinsolvenzgesetze in Deutschland und den Niederlanden. Ziel ist es, auf Basis einer Analyse der Verschuldungssituation, der Beratungslandschaften und der gesetzlichen Insolvenzrahmenbedingungen zu prüfen, inwieweit die Gesetzgeber und Beratungseinrichtungen beider Länder von den Erfahrungen des jeweils anderen profitieren können.
- Vergleichende Analyse der Überschuldungssituation in Deutschland und den Niederlanden.
- Untersuchung der institutionellen Schuldnerberatungsstrukturen (kommunale versus freie Träger).
- Gegenüberstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen für Schuldnerberatung und Verbraucherinsolvenz.
- Evaluierung der Wirksamkeit von Sanierungsmodellen und Restschuldbefreiungs-Instrumenten.
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für die Optimierung der Schuldnerberatungspraxis.
Auszug aus dem Buch
1.1 Auswahl des Vergleichslandes
Die Niederlande wurden von mir aus den folgenden Gründen als Vergleichsland herangezogen:
Nahezu zeitgleich zur deutschen Insolvenzordnung (1. Januar 1999) trat in den Niederlanden am 1. Dezember 1998 mit dem WSNP (Wet schuldsanering natuurlijke personen / Gesetz zur Schuldenregulierung natürlicher Personen) eine vergleichbare Regelung der Verbraucherinsolvenz mit nachfolgender Restschuldbefreiung für natürliche Personen in Kraft.
Die Niederlande werden häufig als beispielhaft für die soziale Absicherung der Bürger angesehen. Ob dies im Bereich Schuldnerberatung und Schuldenregulierung nur ein Vorurteil ist oder Realität, stellt eine interessante Fragestellung dar.
Bestätigt sich, dass die Niederlande eine bessere Schuldnerberatungspolitik als Deutschland betreibt, so lassen sich möglicherweise für die deutsche Schuldnerberatung Verbesserungsmöglichkeiten und Forderungen an die Gesetzgebung formulieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der Zielsetzung der Arbeit, der Relevanz des Zwei-Länder-Vergleichs zwischen Deutschland und den Niederlanden sowie der methodischen Abgrenzung.
2 Verschuldungssituation privater Haushalte in Deutschland und den Niederlanden: Analyse der Verschuldungsgründe und -ausmaße sowie der sozioökonomischen Bedeutung von Überschuldung für Betroffene, Gesellschaft und Ökonomie.
3 Formen der Schuldnerberatung in Deutschland: Detaillierte Vorstellung der verschiedenen Anbietertypen, deren Finanzierungsstrukturen und der bestehenden Defizite in der Bedarfsdeckung.
4 Formen der Schuldnerberatung in den Niederlanden: Untersuchung des niederländischen Systems mit Fokus auf kommunale Kreditbanken (GKB), integrale Schuldnerhilfe und private Anbieter.
5 Neue Möglichkeiten der Schuldenregulierung in Deutschland: Eingehende Erläuterung der Insolvenzordnung (InsO), des Ablaufs des Verbraucherinsolvenzverfahrens und der Restschuldbefreiung.
6 Neue Möglichkeiten der Schuldenregulierung in den Niederlanden: Beschreibung des Gesetzes zur Schuldsanierung natürlicher Personen (WSNP) und dessen Verfahrensstruktur inklusive der Rolle des Treuhänders.
7 Schlußbetrachtung: Synthese der Ergebnisse, kritische Würdigung der deutschen Gesetzgebung im Vergleich zum niederländischen Modell und Ausblick auf Verbesserungspotenziale.
Schlüsselwörter
Schuldnerberatung, Schuldenregulierung, Verbraucherinsolvenz, InsO, WSNP, Restschuldbefreiung, Überschuldung, Sozialhilfe, Kommunale Kreditbanken, GKB, Schuldensanierung, Haushaltsfinanzierung, Wohlverhaltensperiode, Treuhänder, Vergleichsland
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit einem rechtsvergleichenden Ansatz der Schuldnerberatungs- und Schuldenregulierungsstrukturen in Deutschland und den Niederlanden unter besonderer Berücksichtigung der neuen Verbraucherinsolvenzregelungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Verschuldungsursachen, der verschiedenen Beratungsangebote (öffentlich, frei-gemeinnützig, privat), der Finanzierung der Schuldnerberatung sowie den Verfahrensabläufen der jeweiligen Insolvenzgesetze.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Evaluierung der deutschen und niederländischen Ansätze, um zu prüfen, ob das niederländische Modell der Schuldensanierung Verbesserungsmöglichkeiten für die deutsche Schuldnerberatungspraxis bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Untersuchung gewählt?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturstudie, ergänzt durch eine empirische Erhebung in Form einer telefonischen Befragung von acht Schuldnerberatungseinrichtungen im Raum Rhein-Main-Neckar.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Schuldensituation beider Länder, die detaillierte Beschreibung der Schuldnerberatungsorganisationen sowie eine tiefgehende Analyse der jeweiligen Insolvenzverfahren (InsO in Deutschland vs. WSNP in den Niederlanden).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Schuldnerberatung, Restschuldbefreiung, Verbraucherinsolvenz, GKB (Kommunale Kreditbanken), Treuhänder, WSNP und Insolvenzordnung (InsO).
Welche Rolle spielen die Kommunalen Kreditbanken (GKB) in den Niederlanden?
Die GKB nehmen eine zentrale Rolle ein, da sie neben der Schuldnerberatung als kommunale Einrichtungen auch Sanierungskredite vergeben, was in Deutschland in dieser organisierten Form weitgehend fehlt.
Warum kritisiert der Autor die deutsche siebenjährige Wohlverhaltensperiode?
Der Autor argumentiert, dass eine Dauer von sieben Jahren zu lang ist, um den Schuldnern eine wirtschaftliche Zukunftsperspektive zu bieten, und sieht darin ein demotivierendes Hindernis, das die Gläubigerbefriedigung über den "Fresh-Start"-Gedanken stellt.
- Quote paper
- Stefan Baumgardt (Author), 1999, Schuldnerberatung und Schuldenregulierung im Zwei-Länder-Vergleich Niederlande - Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70