Inhaltsverzeichnis
I. WER,K FORSCHUNGSSTAND UND FRAGESTELLUNG 2
II. UNTERSUCHUNGEN ZUR FIGUR KRIEMHILDS IM NIBELUNGENLIED’ 4
A. Von der behüteten Königstochter zur trauernden Witwe
Die Darstellung Kriemhilds im ersten Teil des Nibelungenliedes’ (1 . bis 19. Âventiure) 4
1. Die Darstellung Kriemhilds als burgundische Königstochter sowie ihrer ersten
Begegnung mit Siegfried (1 . bis 5. Âventiure) 4
2. Die Rolle Kriemhilds gegenüber ihren Brüdern und Siegfried (1 . bis 11. Âventiure) 7
3. Der Streit der Königinnen (14. Âventiure) und seine Folgen (15 . und 16. Âventiure) 8
4. Kriemhilds Trauer um Siegfried und ihre ersten Rachegedanken (17. Âventiure) 11
5. Kriemhilds Leben nach dem Tod Siegfrieds und die Bedeutung des Hortraubes für sie 13
(18 . und 19. Âventiure) 13
B. Kriemhild als hunnische Herrscherin und burgundische Rächerin
Der zweite Teil des Nibelungenliedes’ (20 . bis 39. Âventiure) 15
1. Etzels Werbung als Anstoß zu Kriemhilds Rache (20. Âventiure) 15
2. Die Darstellung Kriemhilds auf der Fahrt ins Hunnenland bis zur Hochzeit mit Etzel
(21 . und 22. Âventiure) 16
3. Kriemhild in der Rolle als hunnische Königin und die Einladung ihrer Brüder als Teil
ihres Racheplans (23. Âventiure) 17
4. Kriemhilds Empfang der Burgunden im Hunnenland (28. Âventiure) und ihre
Provokation durch Hagen (29. Âventiure) 18
5. Kriemhilds Maßnahmen zur Rache: Werbung um Rachehelfer und Einsatz des
Königssohnes (31 . bis 33. Âventiure) 19
6. Die Folgen von Kriemhilds Racheplan: der grôze mort (34 . bis 39. Âventiure) 20
C. Schlussbetrachtung 23
III. BIBLIOGRAPHIE 25
A. Primärliteratur 25
B. Sekundärliteratur 25
1
I. Werk, Forschungsstand und Fragestellung
Die Kriemhild-Figur hat seit dem Mittelalter sehr viel Aufmerksamkeit beim Rezipienten des ‚Nibelungenliedes’ erregt. Einige Handschriften verwenden sogar ihren Namen als Titel für den ganzen Epos: so wählt der Schreiber der Prünn-Münchner Handschrift D (Cgm31) aus dem 14. Jahrhundert die Überschrift Daz ist das B$ch Chreimhilden und die Ambraser Handschrift d aus dem 16. Jahrhundert lautet Ditz Puech heysset Chrimhilt. Da Kriemhild sowohl am Anfang als auch am Ende des Epos auftaucht, wird auch beim modernen Leser der Eindruck erweckt, sie sei die Hauptfigur. Zweifelsohne ist sie eine der wichtigsten Frauengestalten der mittelhochdeutschen Literatur. Für Joseph Körner stellt sie sogar „das großartigste Charaktergemälde der gesamten mittelalterlichen Kunst“ 1 dar. Der heutige Rezipient erwartet möglicherweise, dass ein Dichter die Handlungsweisen und die Entwicklung seiner Protagonisten logisch und psychologisch untersucht und erklärt. In der Forschung ist daher oft die Rede von einer Entwicklung Kriemhilds von der zarten Jungfrau, der minneclîchen meide (Str. 3,1 2 ), im ersten Teil zur entmenschten Rächerin, zur vâlandinne (Str. 1748,4), im zweiten Teil des ‚Nibelungenliedes’. Im Unterschied dazu begreift Roswitha Wisniewski Kriemhilds Werdegang vielmehr „als eine Abfolge exemplarisch erfüllter Stadien“ 3 und auch Helmut de Boor hat der Ansicht der Entwicklung Kriemhilds im ‚Nibelungenlied’ Folgendes entgegenzusetzen:
„Die eine Kriemhild ist so wahr und ergreifend wie die andere; für den Dichter ist sie hier und
dort die exemplarische Gestalt, die der Stoff und sein Ethos erfordern. Aber sie i s t es; der Dichter
fragt nicht danach, wie sie es w u r d e.“ 4
Diese Auffassung lehnt Bert Nagel wiederum ab und hält de Boor vor, dass er sie „aus einer genealogisch auseinandergliedernden Rückschau auf die Vorstufen gewonnen“ 5 habe und unterstreicht, dass es bei Kriemhild eine Figurenentwicklung durchaus gebe:
1 Joseph Körner, zitiert nach: John Greenfield (Hrsg.): „Frau, Tod und Trauer im Nibelungenlied: Überlegungen zu Kriemhilt“, in: Das Nibelungenlied. Actas do Simpósio Internacional 27 de Outubro de 2000, Porto 2001, S. 95-114, hier S. 96.
2 Diese und alle folgenden Strophenangaben beziehen sich auf: Das Nibelungenlied, nach der Ausgabe von Kar l Bartsch, hrsg. von Helmut de Boor, 22., revid ierte und von Roswitha Wisniewski ergänzte Auflage, Wiesbaden
1996 (= Deutsche Klassiker des Mittelalters).
3 Wisniewski [wie Anm. 2], S. XXII.
4 Einleitung von Helmut de Boor (Hrsg.): Das Nibelungenlied, 4. Auflage, Kö ln 2003, S. 9f.
5 Bert Nagel, zitiert nach: Peter Göhler: Das Nibelungenlied. Erzählweise, Figuren, Weltanschauung, literaturgeschichtliches Umfeld, Berlin 1989, S. 60.
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„So wird im Blick auf die große L i e b e n d e des Siegfriedteiles die unsäglich L e i d e n d e der Zwischenpartien und schließlich die furchtbar R ä c h e n d e der Burgundenvernichtung folgerichtig motiviert, […] so daß - wenn auch die Darstellung einer Entwicklung nicht explicite (wie in einem modernen Roman) gegeben wird - eine solche Entwicklung doch durchaus gemeint ist und vom Leser schlechterdings impliziert werden muß.“ 6
Und zusammenfassend behauptet er schließlich:
„Insgesamt wird man also nicht von unvereinbaren Widersprüchen in der Kriemhildgestalt des Nl. sprechen dürfen, sondern anerkennen müssen, dass der Dichter durch mannigfaltige Phasen einer in die Extreme ausgreifenden Entwicklung hindurch die Einheit der Person gewahrt wissen wollte.“ 7
Die Forschung ist sich in der Beurteilung der Figur Kriemhild keineswegs einig und hat sie auf die verschiedenste Art und Weise interpretiert. Diese unterschiedlichen Ansätze stehen oft in enger Verbindung zu den voneinander abweichenden Interpretationen des Werkes und dessen Gesamtkonzeption. Einige Forscher sehen im Nibelungenlied aufgrund der verschiedenen Unstimmigkeiten und manchen Leerstellen keine geschlossene Einheit. 8 Andere klammern diese Stellen aus und gehen von einem abgeschlossenen Roman aus. Werner Schröder sucht beispielsweise die Einheit des Epos in derjenigen seiner „Charaktere“ und spricht von einem „Kriemhiltroman“. 9 In der neueren Forschung werden jedoch die Widersprüche und Brüche des Nibelungenliedes als Darstellungsprinzip begriffen, welches dem Dichter ermöglichte, mit wechselnden Perspektiven zu arbeiten. 10 Im Folgenden werde ich jedoch mit meiner Analyse nicht eine neue Gesamtdeutung des ‚Nibelungenliedes’ darstellen, sondern mich vordergründig nur mit Kriemhild befassen, sie und ihr Verhalten untersuchen und sie in den jeweiligen Kontext der verschiedenen Szenen, in denen sie auftaucht, einordnen. Da ich gleichzeitig auf das Problem der „Entwicklung“ Kriemhilds im Epos eingehen möchte, bietet es sich an, meine Untersuchungen entsprechend der Chronologie des Geschehens durchzuführen.
6 Nagel [wie Anm. 5], S. 60f.
7 Ebd., S. 61.
8 Vgl. dazu Andreas Heus ler: Nibelungensage und Nibelungenlied. Die Stoffgeschichte des deutschen Heldenepos, 6. Auflage, Dortmund 1965.
9 Vgl. dazu Werner Schröder: „Die Tragödie Kriemhilts im Nibelungenlied“, in: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 90 (1960/61), S. 41-80; 123-160.
10 Vgl. dazu Jan-Dirk Müller: Spielregeln für den Untergang. Die Welt des Nibelungenliedes, Tübingen 1998.
3
II. Untersuchungen zur Figur Kriemhilds im ‚Nibelungenlied’
A. Von der behüteten Königstochter zur trauernden Witwe -Die Darstellung Kriemhilds im ersten Teil des ‚Nibelungenliedes’ (1. bis 19. Âventiure)
1. Die Darstellung Kriemhilds als burgundische Königstochter sowie ihrer ersten Begegnung mit Siegfried (1. bis 5. Âventiure)
Das ‚Nibelungenlied’ beginnt mit der Vorstellung Kriemhilds inmitten der burgundischen Königssippe. Dabei wird sie zunächst aus einer objektivierenden Distanz dargestellt: Ez wuohs in Búrgónden […] (Str. 2,1). Sie wird als ein vil édel magedîn, daz in allen landen niht schœners mohte sîn (Str. 2,1f.) und als scœne wîp (Str. 2,3) bezeichnet. Neben dieser Schönheit Kriemhilds fügt der Dichter hier gleichzeitig schon eine Vorausdeutung auf das fatale Ende dieses Epos ein, nämlich dass gerade wegen dieser Eigenschaft degene vil verlíesén den lîp (Str. 2,4).
„Schönheit und Gewalt sind korreliert und, über Schönheit und Minne, auch Weiblichkeit und Gewalt. Das ‚Nibelungenlied’ präsentiert ja mehr als andere mittelalterliche Dichtungen Frauen, die Gewalt ausüben: die kämpfende Frau Brünhild und Kriemhild, deren Rache Völker in den Untergang reißt, die schließlich eigenhändig tötet.“ 11
Anschließend zählt der Dichter wieder weitere positive Attribute Kriemhilds auf. Viele Recken begehren sie (Vgl. Str. 3,1f.), sie ist von hohem Adel (Vgl. Str. 3,3) und zeichnet sich auch durch ethische Qualitäten aus (Vgl. Str. 3,4). Diese Typisierung macht Kriemhild zu einer höfischen jungen Dame am Wormser Hof, welcher zunächst als ein Lebensraum dargestellt wird, in dem höfische Werte gelten. Sie ist die streng behütete und von den Brüdern bevormundete Königstochter, die in der Stille des Frauengemachs aufwächst. Leitbegriffe für den ritterlichen Repräsentationsrahmen sind unter anderem Schönheit, Ehre und schließlich die Minne. Diese spielt in Form von Kriemhilds Falkentraum 12 eine große Rolle. Kriemhild träumt von einem schönen und starken Falken, den sie zähmt, der aber
11 Elisabeth Lienert : „Geschlecht und Gewalt im ‚ Nibelungenlied’ “, in: Zeitschr ift f ür deutsches Altertum und deutsche Literatur 132 (2003), S. 2-23, hier S. 7.
12 Dieser Falkentraum (Vgl. Str. 13) weist der späteren Minne zwischen Kriemhild und Siegfried (vgl. dazu S.4f.) ihren Stellenwert und ihre Herkunft an. Der Falke stellt den frei schweifenden Geliebten der Falkenlieder der donauländ ischen Lyrik dar, nach dem die von dem Zwang der Sitte abhängige Frau sehnsüchtig Ausschau hält. So ist Kriemhild zu vergleichen, wie sie Ende der dritten Âventiure vom Fenster aus zu Siegfried auf den Hof hinunterblickt (Vgl. Str. 133). Siegfried ist der aus der Ferne Wählende und Werbende: sô wil ich Kriemhilden nemen (Str. 48,4), der keck ins Land reitet.
Für eine genaueste Analyse des Falkentraumes siehe auch Jerold C. Frakes: „Kriemhild’s Three Dreams. A Structural Interpretation“, in: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 113 (1984), S. 173-187.
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schließlich von zwei Adlern getötet wird. Dieser Traum deutet die spätere Ermordung Siegfrieds durch Hagen und Gunther voraus. Nach dem Gespräch darüber mit ihrer Mutter Ute (Vgl. Str. 14-18), weist Kriemhild den Gedanken an Minne jedoch zurück, um vom Unglück verschont zu bleiben, da es sich schon oft gezeigt hätte, „wie líebé mit leide ze jungest lônen kann“ (Str. 17,3). Da dies schließlich zu einem Leitsatz im ‚Nibelungenlied’ wird, erfolgt auch hier der Verweis auf Kriemhilds spätere Rache (Vgl. Str. 19,2-3). Nach Siegfrieds Vorstellung in der zweiten Âventiure, setzt die Handlung mit dessen Entschluss, um Kriemhild zu werben, ein. Siegfrieds Liebe entsteht nur durch das Hörensagen von der Schönheit und Anmut Kriemhilds (Vgl. Str. 44f.). Bei dieser Fernminne ist Kriemhild nicht körperlich präsent. Überhaupt ist sie in der Zeit der Brautwerbung nie für Siegfried sichtbar, was eigentlich befremdlich für den heutigen Leser wirkt, da sie ja das Ziel seines Strebens ist. Zeitweise scheint Siegfried sein Ziel ganz aus den Augen zu verlieren, nämlich im Rahmen der Herausforderungsszene (Vgl. Str. 106-127), und will Land und Leute unterwerfen statt um die Braut zu werben. Nicht Kriemhild steht im Mittelpunkt, sondern die burgundische Herrschaftsspitze als Partner neben Siegfried. Als die Zuspitzung zwischen Siegfried und den Wormsern überwunden ist, wird Kriemhild wieder sichtbar, indem sie am Fenster stehend Siegfried bei Ritterspielen am Hofe beobachtet (Vgl. Str. 133). Aber erst nach der Kriegserklärung durch die Sachsen und Dänen erhält Kriemhild erstmals seit der ersten Âventiure eine eigene Szene (Vgl. Str. 224-242). Sie lässt heimlich einen Boten kommen, der ihr von der Schlacht erzählen soll. Dies soll nicht öffentlich geschehen, da si hete dar under ir vil liebez herzen trût (Str. 224,4). 13 Sie darf es nicht wagen, nach dem Geliebten zu fragen, fragt nur nach den Brüdern, schafft es aber auf Umwegen, dass der Bote von Siegfrieds Taten redet. In dieser Hinsicht gleicht Kriemhild den Frauen der frühen österreichischen Liebeslyrik aufgrund der gebundenen Sehnsucht, die nach dem freien Flug des Falken ausschaut. Die Handlung ist darauf angelegt, Siegfried und Kriemhild zusammenzuführen, was in der fünften Âventiure im Rahmen des burgundischen Pfingstfestes in mehreren Schritten geschieht. Die erste Begegnung zwischen ihnen zeigt die Frau im Mittelpunkt, jedoch spielt sie hier „die Rolle eines durch die Augen der Männer wahrgenommenen Minneobjekts.“ 14 Dies wird schon in der Rede Ortwins deutlich, der den König bittet, dass Kriemhild und die edlen burgundischen Jungfrauen den Gästen gezeigt werden sollen: „[…] sô sult ir lâzen scouwen diu wünneclîchen kint, di mit sô grôßen êren hie zen Búrgónden sint. Waz wære
13 Diese Gegenüberstellung von Heimlichkeit und Öffentlichkeit ist ein typ isches Begriffspaar von Minned ichtung und wird sehr oft im ‚Nibelungenlied’ angewendet (Vgl. dazu auch Str. 293,3f.).
14 Edward R. Haymes: Das Nibelungenlied. Geschichte und Interpretation, München 1999 (=UTB 2070), S. 118.
5
mannes wünne, des vreute sich sîn lîp, ez entÙten scœne mägede und hêrlîchiu wîp? lâzet iuwer swester für iuwer geste gân“ (Str. 273,3-274,4). Kriemhilds anschließender Auftritt vor der Hofgesellschaft wird sehr kunstvoll inszeniert (Vgl. Str. 276-284). Sie und ihre Mutter Ute kommen mit einem Zug von über hundert schönen Frauen und Mädchen in prächtigen Kleidern und Schmuck. Voll freudiger Erwartung drängen sich die Helden, um Kriemhild zu sehen. Sie tritt in ihrer ganzen Herrlichkeit auf (Vgl. Str. 281,4), trägt edles Gestein an ihren Kleidern und strahlt in rosenrotem Schein (Vgl. Str. 282). Sie wird vom Dichter mit Naturbildern verglichen, die auch schon in der frühhöfischen Lyrik verwendet wurden. So erscheint sie wie das Morgenrot, das aus trüben Wolken aufgeht (Vgl. Str. 281,1f.) oder das helle Mondlicht, das den Schein der Sterne übertrifft (Vgl. Str. 283). Bei der Annäherung Kriemhilds an Siegfried werden viele Motive des Minnesangs rezipiert. Kriemhild ist geprägt von der sanften Schönheit des Minnesangs (Vgl. Str. 2,2f.; 3,3; 45,1; 281-283), so dass sich Siegfried ihrer zunächst unwürdig fühlt (Vgl. Str. 285). Als sich nun beide das erste Mal sehen, begrüßt sie ihn (Vgl. Str. 292,3), was eine höfische Auszeichnung und auch ein angestrebtes Ziel des Minnedienstes darstellt. 15 Wie bereits in Strophe 3,4 sind auch hier die äußere Erzogenheit und der innere Takt Kriemhilds in der Art ihres Grußes zusammengefügt, indem er mit minneclîchen tugenden (Str. 291,4) erfolgt. Zwischen Kriemhild und Siegfried entfaltet sich sofort eine gegenseitige Zuneigung (Vgl. Str. 291-295). Mit Liebesblicken sehen sie sich an, was jedoch heimlich geschieht (Vgl. Str. 293,3f.) und dem Motiv der tougen minne aus dem Minnesang entlehnt ist. Beide gehen Hand in Hand und ziehen alle Blicke auf sich (Vgl. Str. 297,1f.). Wie es beim Brautwerbungsschema der mittelalterlichen Literatur üblich ist, wird mit dieser Darstellung demonstriert, dass der beste Mann und die schönste Frau zusammengehören. 16 Im Unterschied zu der späteren Minnewerbung Gunthers um Brünhild, bei der die höfische Verehrung der Frau sogar lebensgefährlich wird, ist die Minne zwischen Kriemhild und Siegfried eher im Sinne der Liebe als freudiges Gefühl und Qual (Vgl. Str. 136,3; 137,4; 194,2; 324,3) zu verstehen: „Nur hier gibt es heimliche Liebe, stille Sehnsucht, Hoffen und Verzagen. Diese Liebe ist von Anfang an (Str. 132) wechselseitig, sie überdauert den Tod, ihr gilt das letzte wehmütige Wort der aus allem menschlichen Maß getretenen Rächerin (Str. 2372,3/4).“ 17
15 Kriemhild hatte diese Huld vorher noch nie vergeben (Vgl. Str. 289,3), was die Auszeichnung steigert, zudem sie noch in der Öffentlichkeit geschieht (Vgl. Str. 288,4).
16 Vgl. dazu Peter Strohschneider: „Einfache Regeln-komplexe Strukturen. Ein strukturanalytisches Experiment zum ‚Nibelungenlied’“, in: Med iävistische Ko mparatistik. Festschrift für Franz Josef Worstbrock zum 60. Geburtstag, hrsg. von Wolfgang Harms und Jan-Dirk Müller, Stuttgart, Leipzig 1997, S. 43-75.
17 Wisniewski [wie Anm. 2], S. XVI.
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Annie Schoppe, 2006, Von der behüteten Königstochter zur bösen Rächerin? Die Darstellung Kriemhilds im 'Nibelungenlied', Munich, GRIN Publishing GmbH
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