Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Zentrale Begriffe und Konzepte Ibn Khalduns. 6
2.1. Was ist „asabiyya“? 6
2.1.1 Asabiyya und die Phasen der Herrschaft 7
2.2. Herrschaft und Hegemonie. 9
2.3. Beziehung der Ökonomie zur Herrschaft. 9
3. Exkurs: Ibn Khaldun in Saudi-Arabien 10
3.1. Etablierung der saudischen Herrschaft. 10
3.2. Politische und gesellschaftliche Entwicklung Saudi-Arabiens 10
3.3. Stabilisierung staatlicher Macht über die Ökonomie. 11
4. Ibn Khaldun in Syrien 11
4.1. Machtübernahme Assads 1970 oder die zweite Phase der
Herrschaft. 11
4.2. Die syrische Fabrik 13
5. Kein Fazit - Einige letzte Worte 16
Literaturverzeichnis 17
2
Editorischer Hinweis
Bei der Übertragung der arabischen Begriffe und Namen wird zugunsten der Lesbarkeit auf diakritische Zeichen, so etwa auf das umgekehrte Apostroph für ayn ( ‘ ) und das Apostroph für hamza ( ’ ), verzichtet.
Ebenso wird zugunsten der Lesbarkeit statt des vollständigen Namens „Wali al-Din 'Abd al-Rahman bin Muhammad bin Muhammad bin Abi Bakr Muhammad bin al-Hasan“ 1 die gekürzte Schreibweise „Ibn Khaldun“ verwendet.
Die Zitate aus Ibn Khalduns Werken sind z.T. aus Sekundärwerken anderer Autoren entnommen. Hier wird dann die jeweilige Sekundärquelle mit angegeben.
1 The Encyclopedia of Islam (Band 3): 825
3
1. Einleitung
Die politikwissenschaftliche Debatte über die Staaten des Nahen und Mittleren Ostens ist geprägt von Beschreibungen der Entwicklungshemmnisse und Forderungen nach „Good Governance“. „Good Governance“ bedeutet, dass staatliche Politik nach dem Leitbild des demokratischen Rechtsstaats organisiert werden muss: Gleiches Recht, Partizipationsmöglichkeit und Schaffung von Wohlfahrt für alle Bevölkerungsgruppen, unabhängig von Geschlecht oder sozialen, ethnischen und religiösen Kategorien. Das offensichtliche Fehlen von „Good Governance“ wird (parallel zu früheren Debatten zwischen Anhängern der Modernisierungs- und der Dependenz-theorien) mit internen oder externen Faktoren erklärt 2 . So sind es in der modernisierungstheoretischen Vorstellung die korrupten staatlichen Eliten, die eine Demokratisierung verhindern, um sich weiter zu bereichern. Dies wird von einigen Autoren in Bezug auf Max Weber 3 als (Neo-)Patrimonialismus 4 bezeichnet. Die Strategien zur Aufrechterhaltung des Patrimonialismus (und damit zur Verhinderung von Demokratisierung) werden hier unter Klientelismus 5 zusammengefasst. Klientelismus bezeichnet die Gewährung des Zugangs zu staatlichen Ressourcen gegen politische Unterstützung, bzw. Loyalität. Die dependenztheoretische Perspektive stellt dagegen die Möglichkeiten der politischen Systeme im Nahen und Mittleren Osten zur Demokratisierung im Rahmen des ungleichen Tausches in der kapitalistischen Weltökonomie und der politischen Beeinflussung (bis hin zum Regimewechsel) durch externe Mächte in Frage. Für die Region des Nahen und Mittleren Ostens wird die USA als die zentrale externe Macht bezeichnet.
2 Auf die Debatte in den 1980ern um die Frage, ob Syrien eine Entwicklungsdiktatur ist, soll
hier nicht näher eingegangen werden. Vgl. hierzu: Ma’oz 1986: 30f. Die zentrale These dieser
Debatte, dass die Entwicklungsdiktatur eine Möglichkeit der Durchsetzung von
Modernisierungsmaßnahmen in traditionellen Gesellschaften durch autoritäre Herrschaft ist,
scheint inzwischen durch die Modernisierungsdefizite und -blockaden Syriens in den letzten 20-
30 Jahren fragwürdig geworden zu sein. Ebenso wird die These von der „Volksdemokratie in
der Dritten Welt“ von realsozialistischen Autoren nicht näher diskutiert. Vgl. hierzu Petzold
1975: 76-77.
3 Vgl. hierzu: Weber 1922: §7a. Sowohl Webers Begriffsbildungen um den Sultanismus,
definiert als eine Subkategorie von Patrimonialismus, als auch sein Bild von Orient, Islam und
islamischer Gesellschaft werden von einigen Autoren kritisiert. „As a critique of Islam, Weber’s
sociology reflects all the ideological prejudices of the 19th century and earlier“, Turner
1974:140. Für eine Zusammenfassung der Kritik an Weber bzgl. Patrimonialismus, Islam und
Orient siehe Simon 2002: 179-184.
4 Vgl. Perthes 1990: 224-242.
5 Vgl. Erdmann 2001: 294-297.
4
Es ist - innerhalb der Dependenztheorie - schwierig zu erklären, warum, bei gleichen Bedingungen der Weltökonomie und dem Druck von externen Mächten, die politischen Systeme des Nahen und Mittleren Ostens Differenzen aufweisen. Dagegen bietet die Patrimonialismus-Theorie zwar Erklärungsansätze für die internen Prozesse der politischen Systeme. Aber Webers eurozentristischer Ausgangspunkt 6 bei der Formulierung der Theorie und der normativen Bewertung des Patrimonialismus als Defekt, bzw. als Hindernis für eine richtige Entwicklung 7 und Staatlichkeit, weist Schwachstellen auf. Es kann so nicht erklärt werden, warum die Regime sich weiterhin an der Macht halten können, M.a.W. warum „die Regime in der Dauerkrise stabil sind“ 8 . Insofern soll hier untersucht werden, ob die Konzepte über Staat und Herrschaft von Ibn Khaldun ähnliche Erscheinungen erklären können, die unter Patrimonialismus und Klientelismus zusammengefasst werden, mit dem Unterschied, dass sie nicht als Defekt, sondern vielmehr als die Funktionsweise von Staatlichkeit angesehen werden.
Dazu sollen einige Konzepte Ibn Khalduns selektiv dargestellt und erläutert werden. Selektiv bedeutet hier, dass auf eine umfassende Darstellung der gesamten Theorie und eine genaue Einordnung der hier dargestellten Konzepte in die Gesamttheorie verzichtet wird, nicht zuletzt aufgrund des Textumfangs, der dazu nötig wäre.
Danach soll in einem Exkurs der Versuch von Ghassan Salamé dargestellt werden, der mit Bezug auf Ibn Khaldun die Etablierung und Entwicklung der saudischen Herrschaft erklären will.
6 Inwiefern der Eurozentrismus der früheren Autoren überwunden ist, oder ob
eurozentristische Muster nach wie vor - also auch bei aktuellen Publikationen - zu finden sind,
ist eine Frage, die hier nicht diskutiert werden kann. Für die Beantwortung dieser Frage wäre
eine Untersuchung über die deutschsprachigen politikwissenschaftlichen Publikationen über
den Nahen und Mittleren Osten anhand der Frage, ob hier eurozentristische und
„orientalistische“ Muster vorliegen, nötig. Eine solche Untersuchung ist nicht bekannt.
7 Vgl. Perthes 1990: 231, 244
8 Harders: 2005: 290
5
Arbeit zitieren:
Ismail Küpeli, 2006, Ibn Khaldun und das politische System Syriens - Eine Gegenüberstellung, München, GRIN Verlag GmbH
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