Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 3
1 Statistik. 4
2 Medizinische Aspekte. 6
3 Mögliche Gründe für eine späte Mutterschaft. 7
4 Späte Mutterschaft in der Diskussion. 13
Schluss. 15
Literaturverzeichnis. 17
2
Einleitung
Im Sommer 2001 wurden die Bewohner New Yorks durch eine ungewöhnliche Werbekampagne in Erstaunen versetzt. Die Amerikanische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin machte mit Plakaten, auf denen eine umgedrehte Nuckelflasche für Kleinkinder in Form einer Sanduhr zu sehen war, auf folgende Botschaft aufmerksam: Die besten Jahre zum Kinderkriegen sollte man nicht einfach verstreichen lassen, denn genau wie der Sand verrinne auch die Fruchtbarkeit. 1 Martin Spiewak, Autor der ZEIT, hält eine solche Kampagne auch in Deutschland für sinnvoll, wobei er sich auf aktuelle Entwicklungen bezieht. Nicht nur, dass sich seit Mitte der 60er Jahre vor allem in den alten Bundesländern der Trend des Geburtenrückgangs verstärkt, auch steigt die Anzahl der Mütter, die mit 35 Jahren oder später ein Kind bekommen, bundesweit an. 2 Zwar gibt es Unterschiede zwischen den alten und neuen Bundesländern, doch sowohl im Osten, als auch im Westen Deutschlands zeigt sich deutlich, dass seit den 60er Jahren bestimmte gesellschaftliche Prozesse dazu führen, dass die „Einheitlichkeit der weiblichen Normalbiographie, ihrer typischen Verläufe, Stationen und Ziele“ nicht mehr existiert und sich „eine neue Vielfalt“ innerhalb der bisher gewohnten Biographien von Frauen ergibt 3 . Das beinhaltet unter anderem, dass sich der bis dato gewohnte Zeitpunkt für eine Erst-Schwangerschaft bei vielen Frauen nach hinten verschiebt.
Diese Tatsache hat natürlich großen Einfluss auf die demographische Situation, und die Statistiken, die jenen „Gegentrend“ zur weiblichen Normalbiographie in Zahlen einfangen, lassen klar erkennen, dass das Alter der Mütter bei der Geburt ihres ersten Kindes durchschnittlich ansteigt. So entstand auf der Basis einer medizinischen Definition der Begriff der „späten Mutterschaft“, der sich auf Frauen, die ihr erstes Kind mit 35 Jahren oder später bekommen, bezieht. 4
Insgesamt handelt es sich um ein sehr junges Forschungsfeld, das bisher nur vereinzelt erforscht wurde. In der medizinischen Forschung wurde späte Mutterschaft aufgrund der
reproduktionsmedizinischen Fortschritte in den letzten 20 Jahren schon häufiger diskutiert, doch
1 Martin SPIEWAK: Mutterglück im Rentenalter. In: Die ZEIT, 05/2003. S.24.
2 Dr. Stephanie SALETH: Späte Mutterschaft - ein neuer Lebensentwurf? S.14.
3 Elisabeth BECK-GERNSHEIM: Die Kind erfrage - Frauen zwischen Kinderwunsc h und Unab hängigkeit. S.119.
4 Heribert Engstler und Kurt Lüscher weisen ihrem Aufsatz 'Späte erste Mutterschaft. Ein neues b iographisches Muster der Familiengründung?' darauf hin, dass „die in der Öffentlichkeit verbreitete Definition später Mutterschaft aus der Medizin [stammt].“ Doch „wird angesichts systematischer Forschungsergebnisse hinsichtlich der Gesundheits ris iken für Mutter und Kind d ie Bedeutung des Lebensalters für sich allein zusehends geringer gewichtet.“ (S.449). Auch in der vorliegend en Arbeit werde ich die Bezeichnung „späte Mütter“ pauschal verwenden, um einen einheitlic hen Begriff für die Gruppe der Mütter, die ab 35 Jahren ihr erstes Kind bekommen, zur Verfügung zu haben.
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gerade in den sozialwissenschaftlichen Disziplinen fand es bisher keine große Beachtung. 5 Es fehlen ausführliche Betrachtungen über die späte Mutterschaft in ihrer ganzen Tragweite, insbesondere auch die differenzierte Darstellung der vielseitigen Gründe für dieses Phänomen, sowie eine noch genauere Betrachtung der unterschiedlichen Entwicklungen in Ost -und Westdeutschland. Auch veränderte Partnerschaftsformen und die gestiegene Lebenserwartung von Frauen wurden nicht ausreichend in der bisherigen Forschung berücksichtigt. Eine der wenigen Forschungsarbeiten auf diesem Feld stammt von Ingrid Herlyn und Dorothea Krüger. In ihrer empirisch-biographischen Studie XXX beschäftigen sie sich mit den praktizierten Mustern später Erstmutterschaft und mit der Frage, ob letztere ein gänzlich neues, biographisches Muster der Familiengründung beschreibt oder ob, wie Dr. Martina Beham es formuliert „Mutterschaft nach wie vor eine selbstverständlich anerkannte Norm ist, deren Realisierung im Lebenslauf lediglich zeitlich später stattfindet“. 6 In der vorliegenden Arbeit wird zunächst auf statistische Werte und medizinische Aspekte eingegangen. Darauf folgend soll erläutert werden, welche Gründe dazu führen können, dass sich Frauen vermehrt für eine späte Familiengründung entscheiden. Am Schluss steht eine Darstellung über mögliche Vor -und Nachteile, die sich durch eine solche Form der Familiengründung ergeben können.
1 Statistik
Seit Mitte der 60er Jahre ist ein Rückgang der Geburtenraten im gesamten Westeuropa festzustellen. Zwar sind die Geburtenzahlen seit den 80er Jahren wieder leicht angestiegen, doch näherten sich diese nicht im Entferntesten den Raten der 60er Jahre an. Wolfgang Ochel betont in seinem Aufsatz 'Familiengründung trotz Studium', dass eine von vielen Erklärungen dafür sei, dass Frauen ihr erstes Kind immer später bekommen. Bezogen auf das westliche Europa zeigt sich, dass sich zwischen 1965 und 2003 das durchschnittliche Erstgebärendenalter, abhängig vom Land, um 2 bis 5 Jahre erhöhte und 2003 im Durchschnitt bei knapp 28 Jahren lag. 7 Betrachtet man die demographische Lage innerhalb Deutschlands, zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. 1970 waren Mütter bei der Geburt ihres ersten Kindes durchschnittlich 23,1 Jahre 8 ,
5 Ingrid HERLYN / Dorothea KRÜGER: Späte Mütter. Eine emp irisch-biograp hische Untersuchung in West -und Ostdeutschland. S.18.
6 aus Zus.fassung über Herlyns und Krügers Buch --> Internet!
7 Wolfgang ORCHEL: Familiengründung trotz Studium. S.7.
8 Ingrid HERLYN / Dorothea KRÜGER: Späte Mütter. Eine emp irisch-biograp hische Untersuchung in West -und
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1991 26,9 Jahre und im Jahr 2003 29,4 Jahre alt. Anders ausgedrückt nimmt der Anteil später ehelicher Erstgeburten von Frauen über 35 stetig zu, er hat sich zwischen 1991 und 2003 von 5,7% auf 16,9% fast verdreifacht. 9 Dies ist, beachtet man den relativ kurzen Zeitraum von 12 Jahren, tatsächlich ein enormer Anstieg.
Jedoch bestehen zwischen den alten und neuen Bundesländern erhebliche Unterschiede. Eine zuverlässige Grundlage für diese These bieten Daten des Statistischen Bundesamtes. Demnach lag 2003 der Anteil der älteren Mütter an der Gesamtzahl der Mütter von Neugeborenen in drei Viertel aller ostdeutschen Landkreise klar unter dem Bundesdurchschnitt. 10 Dem gegenübergestellt lagen ungefähr die Hälfte aller Kreise in den alten Bundesländern über dem bundesdurchschnittlichen Wert von 16,9%. 11 Besonders im Südwesten und dort speziell in den Ballungszentren ist das Phänomen der späten Mutterschaft sehr ausgeprägt. 12 Nun stellt sich die Frage, wie solche regionalen Unterschiede zu erklären sind, wozu eine umfangreiche Analyse der sozialen und infrastrukturellen Gegebenheiten von Nöten wäre. Aufgrund des begrenzten Rahmens dieser Arbeit soll nur kurz auf zwei wichtige Punkte eingegangen werden: Die Frauen haben natürlich in den städtischen Gebieten viel mehr Möglichkeiten, was ihre Ausbildung und Berufschancen betrifft und schon allein deshalb verschiebt sich der Geburtenzeitpunkt hier eher nach hinten als in den ostdeutschen Gebieten, in denen die Arbeitslosenquote bekanntermaßen weitaus höher ist. Und während in den neuen Bundesländern 2004 jedes zweite Kind unter 3 Jahren durch eine öffentliche Einrichtung betreut werden konnte, konnte im Westen Deutschlands nur jedes 10. Kind einen Krippenplatz oder eine Tagesmutter in Anspruch nehmen. Das führt natürlich dazu, dass sich Mütter im Osten verhältnismäßig eher für ein Kind entscheiden, da sie ihr Kind gut betreut wissen. Auch in der ehemaligen DDR bekamen die Frauen ihr erstes Kind zu einem relativ frühen Zeitpunkt, weil sie die Möglichkeit bekamen, weiterhin berufstätig zu bleiben und nach einer kurzen Pause relativ schnell wieder in ihrem Beruf arbeiten zu können. Zwar hat sich die Situation im Osten mittlerweile etwas an die des westdeutschen Bundesgebietes angenähert, doch wirkt diese Tradition weiterhin fort. 13
Ostdeutschland. S.15.
9 tabelle Stat.Bundesamt (Folie); Ebenfalls eine gute Übers icht über die Zunahme der späten ersten, ehelich lebendgeborenen Kind er b ietet die Tabelle bei Herib ert ENGSTLER / Kurt LÜSCHER: Späte erste Mutterschaft. Ein neues biographisches Muster der Familiengründung? S.437.
10 Dr. Stephanie SALETH: Späte Mutterschaft - ein neuer Lebensentwurf? S.14.
11 Im Statistischen Mo natsheft Baden-Württemberg 11/2005 wird mit 19% d ie Anzahl älterer Mütter hö her eingestuft als in der vorher zitierten Geburtenstatistik des Statistischen Bundesamtes (16,9%). Siehe: Dr. Stephanie SALETH: Späte Mutterschaft - ein neuer Lebensentwurf? S.14. Bei der Recherche zu dieser Arbeit bin ich des öfteren auf ähnliche, jedoch nicht völlig gleiche Werte gestoßen, was sicherlich in den unterschiedlichen Methoden und Definitio nen der einzelnen Forscher begründet liegt. Ich verzichte aufgrund der Übers ichtlichkeit aber darauf, bei geringfügig voneinand er ab weic henden Werten diese auch immer mit anzugeben.
12 ebd. S.14.
13 ebd. S.17
5
Arbeit zitieren:
Julia Lubierski, 2006, Späte Mutterschaft - ein neues biographisches Muster?, München, GRIN Verlag GmbH
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