Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
1. Einleitung 1
1.1. Problemstellung 1
1.2. Aufbau und Aufgabenstellung der Arbeit 2
2. Überblick zum Customer Relationship Management (CRM) 3
2.1. Hintergründe und Definition von CRM 3
2.2. Struktur von CR-MSystemen 6
2.2.1. Analytisches CRM 7
2.2.2. Operatives CRM 10
2.2.3. Kollaboratives Kommunikatives CRM 13
2.3. Aktuelle Bedeutung von CRM für Unternehmen 16
3. Ansätze für eine systematische CR-MImplementierung 18
3.1. Der Ansatz von Reinhold Rapp 19
3.2. Der Business-Reengineering-Ansatz 23
3.3. Der Ansatz von Wolfgang Schwetz 29
3.4. Vergleichende Betrachtung der Ansätze und Zusammenführung in ein
eigenes praxisnahes strategisches und operatives CR-MEinführungsmodell 33
3.5. Zusammenfassende Betrachtung zur erfolgreichen Implementierung
eines CRM 43
4. Beitrag von CRM zum Unternehmenserfolg 44
4.1. Auswahl einer CR-MBewertungsmethode 46
4.2. Beitrag und Messung von CRM zum Unternehmenserfolg aus
der Lern- und Entwicklungsperspektive 50
4.2.1. Konzeption der CR-MStrategie 51
4.2.2. Veränderungen auf der Mitarbeiterebene 52
4.3. Beitrag und Messung von CRM zum Unternehmenserfolg
aus der Geschäftsprozessperspektive 54
4.3.1. CR-MSoftware mit Schwerpunkt Kundenbewertung 54
4.3.1.1. Statische Ansätze 55
4.3.1.2. Dynamische Ansätze 57
4.3.2. Optimierung der Geschäftsprozesse 61
4.4. Beitrag und Messung von CRM zum Unternehmenserfolg
aus der Kundenperspektive 63
4.4.1. Steigerung der Kundenzufriedenheit 63
4.4.2. Steigerung der Kundenbindung 65
4.5. Beitrag und Messung von CRM zum Unternehmenserfolg
aus der Finanzperspektive 68
4.6. Kosten von CRM 70
4.6.1. Implementierungskosten von CRM 70
4.6.2. Folgekosten von CRM 71
4.7. Zusammenfassende Betrachtung zum Beitrag von CRM
zum Unternehmenserfolg 73
5. Fazit 75
Literaturverzeichnis 77
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Das CR-MHaus 5
Abbildung 2: Struktur einer CR-MLösung 7
Abbildung 3: Vorgehensmodell von Reinhold Rapp 20
Abbildung 4: Neue Ideen des Business Reengineering 23
Abbildung 5: Segmentierung innerhalb von Prozessen 26
Abbildung 6: 10-Stufenplan von Wolfgang Schwetz 29
Abbildung 7: Kombination der Ansätze in ein strukturübergreifendes
Einführungsmodell 42
Abbildung 8: Dimensionen einer erfolgreichen CR-MImplementierung 43
Abbildung 9: Die vier Perspektiven der Balanced Scorecard 48
Abbildung 10: Exemplarische CR-MUrsache-Wirkungskette 49
Abbildung 11: CR-MScorecard der CR-MStrategie 51
Abbildung 12: CR-MScorecard Mitarbeiter 53
Abbildung 13: Operative Kundenportfolios 57
Abbildung 14: Unterschiedliche Sichtweisen auf den Kundenwert 58
Abbildung 15: Berechnungsformel des prospektiven CLV 59
Abbildung 16: CR-MScorecard CR-MSoftware Kundenbewertung 60
Abbildung 17: CR-MScorecard Geschäftsprozesse 62
Abbildung 18: Monetärer Nutzen langfristiger Kundenbeziehungen 66
Abbildung 19: CR-MScorecard Kunden 66
Abbildung 20: CR-MScorecard Profitabilität Unternehmenswert 67
Abbildung 21: Ursache-Wirkungszusammenhänge der Ziele einer
CR-MStrategie 68
Abbildung 22: Kosten von CRM 71
Abkürzungsverzeichnis
ACD Automatic Call Distribution
aCRM Analytisches CRM
BCG Boston Consulting Group
BI Business Intelligence
BITKOM Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue
Medien
BPR Business Process Redesign
BR Business Reengineering
BSC Balance Scorecard
BtoB Business-to-Business
BtoC Business-to-Consumer
CAS Computer Aided Selling
CDW Customer Data Warehouse
CE Customer Equity
CIC Customer Interaction Centre
CIM Computer Integrated Manufacturing
CLV Customer Lifetime Value
CRM Customer Relationship Management
CTI Computer Telephony Integration
CV Customer Value
E-commerce Electronic Commerce
eCRM Elektronisches CRM
EMA Enterprise Marketing Automation
ERP Enterprise Resource Planning
FAQ Frequently Asked Questions
HTTP Hyper Text Transformation Protocol
ISS Interactive Selling System
IT Informationstechnik
IVR Interactive Voice Response
kCRM Kollaboratives/ Kommunikatives CRM
KIS Kundeninformationssystem
KW Kundenwert
mCRM Mobiles CRM
MES Marketing Enzyklopädie Systeme
oCRM Operatives CRM
OEM Original Equipment Manufacturer
OLAP Online Analytical Processing
PDA Personal Digital Assistants
ROI Return on Investment
SCM Supply Chain Management
SFA Sales Force Automation
SMS Short Message Service
UMTS Universal Mobile Telephony Standard
WAP Wireless Application Protocol
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
Die Transformation von Verkäufer- zu Käufermärkten, die Dynamisierung und Globalisierung der Märkte und der dadurch entstandene hohe Wettbewerbsdruck machen es für Unternehmen dringend erforderlich, ihre produktorientierte Unternehmenskultur in eine kundenorientierte Organisation zu verwandeln. Durch die Einführung eines Customer Relationship Management (CRM) kann dieser Schritt vollzogen werden. Die Philosophie von
CRM umfasst die Entwicklung einer kundenorientierten Unternehmensstrategie die mit
Unterstützung aktueller und modernster Informationstechnologie versucht, langfristige und profitable Kundenbeziehungen zu entwickeln. Diese Sachverhalte veranlassten Unternehmen zur Initiierung von CRM-Implementierungsprojekten. Doch die erfolgreiche Einführung eines
CRM gelang in deutschen Unternehmen innerhalb der letzten Jahre nur in jedem zweiten
Projekt. Es wird sogar behauptet, dass bisher über 50 Prozent aller Einführungsprojekte in Deutschland scheiterten (vgl. Winkelmann, 2006, S. 309). Aktuell setzen 40 bis 50 Prozent der Großunternehmen eine professionelle CRM-Lösung ein. Im Mittelstand sind es nach neueren Erhebungen sogar nur 10 bis 20 Prozent aller Firmen (vgl. Winkelmann, 2006, S. 310).
Für die Implementierung von CRM gibt es inzwischen eine Reihe von praktischen Erfahrungen und Einführungsmethoden (vgl. Schulze, 2002, S 67 ff). Eine Anzahl von Unternehmensberatungen hat sich auf die Begleitung von Unternehmen während einer CRM- Einführung spezialisiert. Es gibt in Deutschland ca. 140 CRM-Anbieter mit kleinen bis sehr umfangreichen und komplexen Softwarelösungen (vgl. Winkelmann, 2006, S. 308). Das sollten gute Voraussetzungen für die Durchführung von erfolgreichen CRM-Projekten in Unternehmen sein. Daher ist nicht sofort erkennbar, warum ein hoher prozentualer Anteil von CRM-Einführungen scheitert.
Gleichzeitig belegen eine Vielzahl von Fallstudien und wissenschaftlicher Arbeiten den positiven Beitrag erfolgreicher CRM-Projekte zum Unternehmenserfolg (vgl. Hippner/Wilde, 2004, S. 5). Dabei spielen die Realisierung von Kostensenkungen und Umsatz- sowie Profitabilitätssteigerungen durch die Erreichung qualitativer und quantitativer CRM-Ziele eine wichtige Rolle. Es zeigt sich jedoch, dass die hohe Anzahl qualitativer Zielgrößen wie beispielsweise die Steigerung der Kundenzufriedenheit oder die Ausprägung des Unterstützungsgrades einer CRM-Software komplex und nur schwer zu quantifizieren sind.
1
Deshalb erfolgt oft eine subjektive Bewertung des Zielerreichungsgrades (vgl. Hippner/Leber/Wilde, 2004, S. 150). Doch für Unternehmen besitzt das umfassende Controlling des CRM-Erfolges, im Bezug auf die umfangreichen Investitionen für die CRM- Implementierung und auf das Ziel der Verbesserung der Kundenbeziehungen, eine hohe Relevanz und stellt somit eine notwendige Bedingung dar.
1.2. Aufbau und Aufgabenstellung der Arbeit
Diese Diplomarbeit befasst sich mit zwei grundsätzlichen Fragen in Bezug auf CRM: Wie kann ein Customer Relationship Management erfolgreich in einem Unternehmen implementiert werden? Wie kann der Beitrag von CRM zum Unternehmenserfolg gemessen werden?
Ziele der Arbeit sind die Entwicklung einer praxisnahen Herangehensweise, mit der zukünftige CRM-Projekte erfolgreich durchgeführt werden können und die Identifizierung einer Messmethode mit der CRM-Beiträge zum Unternehmenserfolg analysiert und dargestellt werden können.
Nach der Einführung in die Thematik soll das Konzept des Customer Relationship Management vorgestellt werden. In diesem Zusammenhang wird CRM definiert und dessen komplexe Struktur dargestellt. Die aktuelle Bedeutung von CRM für Unternehmen wird danach aufgezeigt.
Hieran schließt sich die Illustration bestehender Ansätze zur Implementierung von CRM. Drei Methoden werden aufgezeigt und mit eigenen Erfahrungen aus einem Projekt aus der Praxis verglichen. Auf Basis dieses Vergleichs wird aus den verschiedenen Ansätzen ein eigener praxisnaher Ansatz für die Durchführung einer CRM-Implementierung herausgearbeitet. Der Schwerpunkt der Arbeit beschäftigt sich mit dem Beitrag von CRM zum Unternehmenserfolg und der Art der Erfolgsmessung. Dabei geht es zunächst um die Identifikation und Auswahl einer Methode mit der der CRM-Beitrag gemessen werden kann. Anhand der getroffenen Auswahl werden verschiedene CRM-Ziele dargestellt und die Möglichkeit der Bewertung der Beiträge zum Unternehmenserfolg aufgezeigt. Danach erfolgt eine Analyse und Aufbereitung der Kostenfaktoren, die durch CRM entstehen, bevor abschließend die wichtigsten Erkenntnisse noch einmal zusammengefasst werden.
2
2. Überblick zum Customer Relationship Management (CRM)
Customer Relationship Management (CRM) ist ein komplexes und vielschichtiges Thema. Daher ist es notwendig zunächst auf dessen Hintergründe einzugehen, bevor die Begrifflichkeit des CRM definiert werden kann. Für die weitere Erfassung des Umfangs von
CRM müssen die Strukturen des Systems angesprochen werden. Danach erfolgt eine kurze
Beschreibung der aktuellen Bedeutung von CRM für Unternehmen.
2.1. Hintergründe und Definition von CRM
Customer Relationship Management ist zunächst einmal ein rein marketing-, service- und vertriebspolitisches Thema. Erst danach folgt die informationstechnologische Konzeptunterstützung durch die Einführung und Nutzung einer entsprechenden Software. Das heißt, dass die Technik der Funktion folgen muss (vgl. Helmke/Dangelmaier, 2001, S. 3). Die Idee des CRM setzt den Fokus auf die Verbesserung der Beziehungen zwischen dem Unternehmen und seinen Kunden. Bei den heutigen Anforderungen an moderne Unternehmen, die die Arbeitsprozesse von Außen- und Innendienst, Key Account- und Produktmanagement, Service und Vertriebsleitung mit unzähligen Kunden und Produkten verbinden und abbilden müssen, sowie zeitnah und effizient im täglichen Geschäft agieren sollen, führt kein Weg an einer systematischen Vertriebsführung mit geeigneten EDV- Systemen vorbei (vgl. Winkelmann, 2006, S. 298 ff). Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, kommen verschiedene informationstechnologische Ansätze zur Anwendung. Dabei wird die Begrifflichkeit des Customer Relationship Management mit der dahinter stehenden Geschäftsphilosophie immer wieder mit andern Managementkonzepten vermischt (vgl. Schulze, 2002, S. 7 ff). Teilweise wurden und werden auch neue Bezeichnungen von Softwareanbietern kreiert mit dem Ziel, sich von Mitbewerbern im Markt abzugrenzen. Inhaltlich bleiben diese jedoch deckungsgleich mit dem eigentlichen CRM.
Zum einen gibt es Systeme die sich auf die Bereitstellung von Informationen spezialisiert haben. Darunter fällt zum Beispiel das Kundeninformationssystem (KIS) bei dem nur die Vertriebsinformationen des Kunden gesehen und die Fakturierungsdaten dem Rechnungswesen überlassen werden. Zum anderen gibt es Systeme die sich allein auf die Außendienststeuerung fokussiert haben.
3
Die bekanntesten Formen sind unter den Begrifflichkeiten Sales Force Automation (SFA) und Computer Aided Selling (CAS) zu finden. SFA kommt aus den USA und stellt den Ursprungsbegriff für die Computerisierung der Vertriebsarbeit dar. In den einfachsten Fällen geht es rein um die Verwaltung von Adressen, Vorgängen und Terminen. In Deutschland wird hierfür die Begrifflichkeit des Computer Aided Selling genutzt. CAS geht in seiner Anwendbarkeit weiter und ist insbesondere auf den Vertriebsprozess ausgerichtet. Dabei unterstützt es überwiegend den Außendienst mit gezielter Kundenansprache und Kundenbetreuung. Aus technischer Sicht entwickelte sich CRM aus CAS (vgl. Schulze, 2002, S. 7 ff).
Ideologisch betrachtet ist CRM ein komplett neuer Ansatz gegenüber dem Kunden, wobei die Prozesse des Marketings, Verkauf und Services insgesamt unterstützt werden und somit die Kundenorientierung, innerhalb eines neuen ganzheitlichen Ansatzes zur Unternehmensführung, klar im Vordergrund steht. Dabei spielt ein neues und effizienteres Management der Kundenbeziehungen, durch den Einsatz modernster CRM-Software, die wichtigste Rolle. Denn der Aufbau positiver Beziehungen zu wichtigen Mitarbeitern und Entscheidern eines Kunden, die Sammlung aller relevanten Kundendaten in einem System und die Erhöhung der Profitabilität sind Ziele von CRM. Es gilt weiterhin langfristige Lieferanten-Kunden Partnerschaften aufzubauen und in Folge dessen die Wettbewerbssituation, Gewinn und Marktanteile des eigenen Unternehmens signifikant zu verstärken und zu erhöhen (vgl. Hippner/ Wilde, 2003, S. 7 ff; Schulze, 2002, S. 14; Kotler, 2002, S. 146 ff). Mit einer geeigneten Software können alle Kundenkontakte über die unterschiedlichsten Kontakt-Kanäle abgewickelt werden. Schulze definiert CRM wie folgt (Schulze, 2002, S. 15):
„…Das CRM ist ein kundenorientierter Managementansatz, bei dem
Informationssysteme (CRM-Systeme) das erforderliche Wissen zur Unterstützung der
Front-office-Prozesse im Marketing, Verkauf und Service sammeln, analysieren und
integriert bereitstellen. Unternehmen verwenden das Wissen zur Verbesserung der
Kundengewinnung, der Kundenbindung, zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit sowie
zur Verbesserung der Interaktionsmöglichkeiten mit den Kunden…“
Der CRM-Expertenrat definiert CRM im Jahresgutachten 2004 wie folgt (Winkelmann, 2006, S. 300 zitiert CRM-Expertenrat, 2004):
„…integriert CRM alle Prozesse zum und vom Kunden mit dem Ziel, eine Balance
zwischen Kunden- und Kostenorientierung zu erreichen…“
4
Die Gartner Group definiert CRM aus Sicht des Unternehmens- und Kundenutzens (Stengl/Sommer/Ematinger, 2001, S. 25 zitiert die Gartner Group, http://www.gartner.com/):
„…CRM is a business strategy built around the concept of the customer, and designed to enhance revenue and improve service…“
Helmke und Dangelmaier definieren CRM entscheidungsorientiert (Helmke/Dangelmaier, 2001, S. 4):
„…Unter Customer Relationship Management ist die ganzheitliche Bearbeitung der Beziehung eines Unternehmens zu seinen Kunden zu verstehen. Kommunikations-, Distributions- und Angebotspolitik sind nicht weiterhin losgelöst voneinander zu betrachten, sondern integriert an den Kundenbedürfnissen auszurichten, um auf eine höhere Kundenzufriedenheit hinzuwirken, die einen Gradmesser für die Kundenbindung und damit den Unternehmenswert darstellt…“ Die folgende Abbildung veranschaulicht in einem CRM-Haus zehn wichtige Faktoren, die wichtig für ein erfolgreiches CRM sind.
Abbildung 1: Das CRM-Haus (Quelle: Winkelmann, 2006, S. 301)
5
2.2. Struktur von CRM-Systemen
urch ein CRM-System werden Insellösungen 1 innerhalb eines Unternehmens in einer
D Systemlandschaft vereint. Über zusätzlich eingerichtete Schnittstellen kommuniziert die CRM-Software außerdem mit Enterprise Resource Planning- (ERP), Computer Integrated Manufacturing- (CIM) oder Supply Chain Management- (SCM) Systemen.
n einem Ort ge- Es wird gewährleistet, dass alle relevanten Informationen über Kunden a sammelt und eingesehen werden können (vgl. Hippner/Wilde, 2003, S. 13 ff). Dies erlaubt eine ganzheitliche Sicht und eine in sich abgestimmte Kommunikation mit den Kunden. Die integrative Aufgabenstellung von CRM-Systemen umfasst deshalb die Integration und Steuerung aller Kommunikationskanäle zwischen Unternehmen und Kunden und die hierzu notwendige Zusammenführung und Analyse aller Kundeninformationen. Außerdem ermöglicht es im Einzelnen die Synchronisation und operative Unterstützung der zentralen Kundenberührungspunkte, wie z. B. Service, Vertrieb und Marketing. Eine CRM-Software ist daher sehr komplex und prinzipiell in drei zentrale Aufgabenbereiche gegliedert, die sich fortlaufend untereinander austauschen und bildlich wie folgt dargestellt werden kann.
1 Unterschiedliche IT-Lösungen in den einzelnen Unternehmensbereichen.
6
Abbildung 2: Struktur einer CRM-Lösung (Quelle: Hippner/Wilde, 2003, S. 14)
.2.1. Analytisches CRM 2
as analytische CRM wird meist im Bereich Marketing (Marktforschung) eingeordnet und D beinhaltet alle Anwendungen zur Analyse des Kundenverhaltens und zur Ableitung von Zielgruppen und Kaufprofilen, wie z.B. Vertriebsplanung und –controlling, Marktpotenziale sowie Kundenwert- und Kundezufriedenheitsanalysen (vgl. Winkelmann, 2006, S. 302 ff). Ziel des analytischen CRM ist es, jede Ansprache von Kunden und die Gestaltung von Angeboten so individuell wie möglich zu gestalten. Den inhaltlichen Schwerpunkt bilden Customer Data Warehouse, Online Analytical Processing und Datamining.
7
In einem Customer Data Warehouse (CDW) werden alle kundenbezogenen Daten zusammengezogen, selektiert, aufbereitet und in Folge für Analysen bereitgestellt (vgl. Hippner/Wilde, 2003, S. 15). Die zur Verfügung gestellten Informationen sollen die Verantwortlichen umfassend unterstützen und als Basis dienen Entscheidungen treffen zu können. Typische Informationen eines Customer Data Warehouse sind z. B.: interne Daten, wie Kunden- und Interessentenstammdaten (Adressdaten, Demographie etc.), Vertriebshistorien (Wann, was, wie oft hat ein Kunde gekauft?), Aktionsdaten (Wer, wann, wurde wie kontaktiert?), Reaktionsdaten (Wer hat wie auf Kontakt reagiert, sich beschwert?) sowie externe Daten, wie Marktforschungen, Lifestyle und Panel Daten.
Zur Aufdeckung der im CDW gesammelten relevanten Daten wird ein spezielles Werkzeug benötigt, welches umfangreiche und mehrdimensionale Datenbestände analysieren kann. Dazu wurde das Verfahren des Online Analytical Processing (OLAP) von Codd entwickelt (vgl. Hippner/Wilde, 2003, S. 16 ff). Das System bildet alle betriebswirtschaftlich wichtigen quantitativen Schlüsselwerte, wie z.B. Absatz, Umsatz, Deckungsbeiträge und Marktanteile ab. Diese Darstellung kann sich in einer Art Würfel vorstellt werden, der je nach Fragestellung aufgehebelt (drill down), aggregiert (roll up), gedreht (dice) oder in „Scheiben“ zerlegt (slice) werden kann. Die dreidimensionale Form der Darstellung gibt mehr Aufschluss über Zusammenhänge, als zweidimensionale Standards wie z.B. eine Tabellenkalkulation oder ein Datenbankprogramm. Jedoch kann OLAP nur Fragestellungen analysieren, die zuvor eindeutig formuliert wurden. Beispiele hierfür sind: Welcher Absatz wurde für alle Produkte, innerhalb aller Monate in einem Gebiet generiert? Welcher Umsatz wurde für ein Produkt, innerhalb eines Monats in allen Gebieten generiert? Werden allerdings diese detaillierten Fragestellungen mit weniger konkret formulierten Fragen erweitert, erhöht sich die Komplexität der Analyse in hohem Maße, da diese neue relevante und weichere Dimension der Beziehungskomponenten gefunden werden muss. Das ist zentrale Aufgabe des Data Mining und erfolgt dort automatisiert.
Wie im Bergbau (Mining), wo mit hohem technologischen Aufwand große Mengen von Gestein abgebaut und aufbereitet werden, werden analog hierzu im Data Mining große Datenmengen mit automatisierten und sehr komplexen Methoden nach neuen und entscheidungsrelevanten Kundendaten durchsucht (vgl. Hippner/Wilde, 2003, S. 18). Beim Data Mining werden hohe Anforderungen an den Analysten gestellt. Dieser muss methodische Kenntnisse, Erfahrungen im Umgang mit Datenbanken und einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund besitzen, da der Prozess des Data Mining die Auswahl, Bereinigung, Transformation und Analyse der Daten beinhaltet.
8
Die Interpretation dieser Ergebnisse erfolgt abschließend durch den Analysten. Die Felder des Data Mining sind z.B. Sortimentsanalysen, wo mittels Untersuchung von Warenkörben, Cross Selling Aktionen bezüglich Zeitpunkt und Inhalt gestaltet werden können. Weiterhin beispielhaft innerhalb des Data Mining sind Kundenanalysen, bei denen die Kunden - neben der klassischen Kundensegmentierung – hinsichtlich ihrer langfristigen Profitabiliät (Customer Lifetime Value) klassifiziert und mit Hilfe des Ergebnisses sinnvolle Kundenbindungsmaßnahmen aufgebaut werden können. Dabei ist an die frühzeitige Identifikation von Kunden zu denken, die zukünftig möglicherweise, bei einem Mitbewerber des Unternehmens kaufen wollen. Mit der sogenannten Churn-Analyse werden diese Kunden identifiziert und durch geeignete Maßnahmen zum Bleiben bewegt (vgl. Hippner/Wilde, 2003, S. 19). Weitere Felder des Data Mining sind Marktreaktionsanalysen und Prognosen, die beispielsweise auf Absatzreihen und entsprechenden kausalen Zusammenhängen basieren und zum Beispiel der Optimierung der Produktionsmengen oder des Aufbaus einer optimalen Bevorratung dienen.
Die Möglichkeiten von Data Mining werden durch aktuelle technologische Fortschritte weiter ausgebaut. So ist es möglich, innerhalb des Web Mining, durch die Nutzung des Internet als Kommunikations- und Vertriebskanal, mittels Logfiles, Cookies, Kundendatenbanken etc. das Verhalten der Webseiten-Besucher zu untersuchen und diese zum Beispiel, aufgrund der gesammelten Daten, nach ihrem Informations- und Einkaufsverhalten zu klassifizieren oder die Webseite aufgrund der Kundenansprüche entsprechend zu personalisieren (vgl. Gawlik/Kellner/Seifert, 2002, S. 45). Mehr als 80 Prozent der Kundeninformationen liegen dabei in unstrukturiertem Text vor. Mit Text Mining wird dieser Text analysiert und aufgrund von gesetzten Parametern automatisiert an die verantwortliche Stelle im Unternehmen weitergeleitet. Das betrifft zum Beispiel Beschwerden und Reklamationen, die so schnell und effizient an die richtige Stelle zur Bearbeitung gelangen.
Unter der Berücksichtigung und systematischen Anwendung eines „closed loop“ ist es immanent, dass das gesammelte Wissen und die Erkenntnisse des analytischen CRM wieder zurück an das operative CRM gegeben werden.
9
2.2.2. Operatives CRM
Alle Anwendungen, die im direkten Kontakt mit dem Kunden stehen, werden durch das operative CRM umfasst (vgl. Hippner/Wilde, 2003, S. 20 ff). Dies beinhaltet Lösungen zur Vertrieb-, Marketing- und Service-Automation. Durch die Anpassung der Geschäftsprozesse mittels Anbindung an Back-Office-Lösungen wie z. B. Enterprise Resource Planning oder Supply Chain Management, wird der Dialog zwischen Kunde und Unternehmen gestärkt und unterstützt. Mittels der im analytischen CRM gewonnenen Daten und Erkenntnisse soll das operative CRM in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Service jeweils administrative, analytische und Kontakt unterstützende Aufgaben bewältigen.
Unter Marketing Automation wird die Steuerung und Unterstützung der kundenbezogenen Geschäftsprozesse im Marketing verstanden (vgl. Hippner/Wilde, 2003, S. 20 ff). Schwerpunkt ist dabei die koordinierte Gestaltung der Kundenkontakte mit Hilfe des Kampagnenmanagements sowie analytischer und Kontakt unterstützender Aufgaben. Mit einem Kampagnenmanagement soll dem richtigen Kunden, das richtige Informations- und Leistungsangebot, im richtigen Kommunikationsstil, über den richtigen Kommunikationskanal, zum richtigen Zeitpunkt vermittelt werden. Dabei wird zwischen dem aktionsorientierten und dem kundenorientierten Ansatz unterschieden.
Bei aktionsorientierten Ansätzen innerhalb einer Marketingaktion werden die Kunden ausgewählt, die aufgrund ihrer Geschichte die beste Reaktion erwarten lassen. Haben die Kunden in der Vergangenheit bereits bei ähnlichen Aktionen möglichst optimal reagiert, so sind sie auch hier wieder Hauptziel der Kampagne. Jedoch wird die Aktion für alle Kunden des ausgewählten Segments gleichzeitig gestartet, so dass aus Kundensicht nur wenige zum optimalen Zeitpunkt angesprochen werden. Im kundenorientierten Ansatz wird hingegen aufgrund der Kundenhistorie, die optimale (Folge-) Aktion und der optimale Zeitpunkt bestimmt. Die Aktion orientiert sich dabei an den Bedürfnissen der Kunden und stellt den eigentlichen Kern des Kampagnenmanagements dar. Weiterhin gilt es bei einer Kampagne diese zu planen, zu steuern sowie deren Wirkung (Akzeptanz der Kommunikationskanäle,
ROI der Kampagne, Verlauf der Kauf- und Kontakthistorie von Kunden die positiv/ negativ
auf die Kampagne reagiert haben) zu ermitteln (vgl. Hippner/Wilde, 2003, S. 21).
10
Marketing Automation hat auch analytische Aufgaben, innerhalb dessen die zuvor beschriebenen Werkzeuge des OLAP und Data Mining unterstützen (vgl. Hippner/Wilde, 2003, S. 23). Je nach verfolgter Zielsetzung kann es eine Aufgabe sein, eine
Kundensegmentierung 2 durchzuführen um diese differenzierter ansprechen zu können. Auch die Ermittlung von Kundenbewertungsmodellen mit Orientierung an den Customer Lifetime Value kann eine Aufgabe des analytischen Bereichs werden. Ziele hierbei sind die Ermittlung von Kundenpotentialen und die darauf basierende effiziente Durchführung von Aktionen.
Die Erstellung, Verwaltung, Bereitstellung und Aktualisierung von Marketingmaterialien fällt unter die Kontakt unterstützenden Aufgaben der Marketing Automation. In diesem Zusammenhang werden Marketing-Enzyklopädie-Systeme (MES) eingesetzt, welche eine Art Wissensdatenbank darstellen die den Kunden an den Customer Touch Points (z.B. Internet, Messen, Verkaufsbereichen etc.) und den eigenen Mitarbeitern intern (z.B. Intranet) zur Verfügung gestellt werden. Sie beinhalten alle möglichen Informationen bezüglich Produkte, Werbematerialien, Schulungsunterlagen etc.
Wird vom Vertrieb oder auch Sales Automation gesprochen, geht es zunächst um den Vertrieb, der als Bindeglied zwischen Kunden und Unternehmen fungiert (vgl. Hippner/Wilde, 2003, S. 25 ff). Dabei kennen die Vertriebsmitarbeiter mit persönlichem Kundenkontakt eher die Bedürfnisse, Anforderungen und Erwartungen der Kunden als alle anderen Mitarbeiter im Unternehmen. Deshalb ist hier nicht nur eine Differenzierung, sondern auch eine Individualisierung der Kommunikation möglich. Administrative Aufgaben innerhalb der Sales Automation beinhalten z.B. Besuchsberichterfassung, Termin- und Routenplanung, Unterstützung bei der Zielplanung und Budgetierung sowie bei der Angebotserstellung, Verkaufsübersichten, Kundendatenverwaltung etc.
In der Analyse von Sales Automation geht es vor allen Dingen um Lost Order, Sales Cycle Analysen und Opportunity Mananagement (vgl. Hippner/Wilde, 2003, S. 26). Warum aus dem Angebot kein Auftrag wurde, ist die wichtigste Frage bei der Lost Order Analyse. Kann die Antwort ermittelt werden, ist es möglich zukünftig wettbewerbsfähiger zu agieren und wenn nötig ganze Strategien zu ändern. Bei Sales Cycle Analysen geht es um die Ermittlung von Wiederbeschaffungszeiten bei Kunden. Beispielsfrage: Wann macht der bestehende Kunde einen Ersatzkauf? Ist die Antwort auf diese Frage bekannt, ist der Vertrieb in der Lage dem Kunden noch vor dem Ersatzkauf (verbunden mit einer möglichen Abwanderung zu einem Mitbewerber) ein individuelles Angebot zu unterbreiten und den Auftrag zu zeichnen.
2 Die Bildung von möglichst homogenen Kundengruppen.
11
Quote paper:
Diplom-Kaufmann (FH) Stefan Schnurre, 2007, Die erfolgreiche Implementierung eines Customer Relationship Management , Munich, GRIN Publishing GmbH
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