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Eine Frage der Perspektive

Das neurobiologische Verständnis von Willensfreiheit und Determinismus in soziologischer Bedeutung

Title: Eine Frage der Perspektive

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christian Hesse (Author)

Sociology - Miscellaneous
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Hat der Mensch einen freien Willen oder ist er in seinen Entscheidungen und Verhaltensweisen determiniert? Anders gefragt: Sind wesentliche Grundannahmen über unser menschliches Weltbild eine Illusion? Auf diese - an sich philosophische Frage - glaubt nun seit einigen Jahren die Neurowissenschaft eine Antwort gefunden zu haben.
Mit seinem Buch „Ein neues Menschenbild?“ hat der Neurophysiologe Prof. Wolf Singer eine öffentliche Diskussion entfacht, die weit über die Kreise der Wissen- schaft hinausgeht und auch in den Medien einen breiten Widerhall findet. Zusammen mit dem Biologen Prof. Gerhard Roth behauptet Singer, dass der freie Wille – im traditionellen und alltäglichen Verständnis – nicht existiert. Vielmehr sei alles Wollen, Wissen und Handeln ein Ergebnis der neurobiologischen Disposition und der Mensch damit nicht in der Lage, sein Verhalten über Einsicht und Willen zu ändern.
Naturgemäß haben diese - zum Teil bewusst provokativ formulierten - Ausführungen heftige Reaktionen hervorgerufen, insbesondere bei Philosophen und Theologen, die sich mitunter auch über den Vorstoß der Hirnforschung auf ihr ureigenes Terrain überrascht zeigten. Aber auch andere wissenschaftliche Disziplinen, wie die Psychologie, die Rechtswissenschaft und nicht zuletzt die Soziologie sind von den Konsequenzen dieser Diskussion betroffen. Im folgenden soll nun erläutert werden, welches Weltbild Singer, Roth und andere Vertreter des Determinismus propagieren, wie ihre Gegner - u.a. so prominente Persönlichkeiten wie Jürgen Habermas - darauf reagieren und wie die Diskussion in den Medien möglicherweise verkürzt und verfälscht wiedergegeben wird. Im Anschluss daran soll geklärt werden, wie die Sozialwissenschaften von dieser Debatte beeinflusst werden, welche Auswirkungen die neurobiologischen Theorien für die Konstitution unserer Gesellschaft hätten. Schlussendlich soll die Frage beleuchtet werden, ob die Ergebnisse der Hirnforschung tatsächlich im absoluten Widerspruch zu unserem menschlichen Selbstverständnis in Geschichte und Gegenwart stehen, oder ob die Aussagen dieser beiden scheinbar unversöhnlichen Lager aus der interdisziplinären Perspektive möglicherweise relativierbar sind.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1) Einführung

2) Begriffsbestimmung Determinismus

3) Die neurowissenschaftlichen Forschungsergebnisse

3.1) Das Libet-Experiment

3.2) Die Theorien von Wolf Singer und Gerhard Roth

4) Gegenreaktionen

4.1) Erwiderungen der Philosophie

4.2) Erwiderungen der Psychologie

5) Soziologische Konsequenzen

5.1) Gesellschaften und Determination

5.2) Werte, Normen und Schuld

6) Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Debatte zwischen den neurowissenschaftlichen Erkenntnissen zum Determinismus und dem traditionellen Verständnis von menschlicher Willensfreiheit. Dabei wird analysiert, inwieweit neurowissenschaftliche Thesen das gesellschaftliche Menschenbild herausfordern und welche kritischen Reaktionen dies in anderen wissenschaftlichen Disziplinen hervorruft.

  • Neurowissenschaftliche Grundlagen und das Libet-Experiment
  • Positionen der Hirnforschung (Singer/Roth) zum freien Willen
  • Interdisziplinäre Gegenpositionen aus Philosophie und Psychologie
  • Soziologische Auswirkungen der Determinismus-Debatte
  • Verhältnis von Schuld, Moral und Strafrecht im Determinismus

Auszug aus dem Buch

3.1) Das Libet-Experiment

Am Anfang der Darstellung des aktuellen Stands der Hirnforschung und der daraus gefolgerten neurophilosophischen Thesen, soll ein vieldiskutiertes Experiment aus dem Jahr 1979 dienen, welches gewissermaßen eine Art „Startschuss“ für die heutige deterministische Dekonstruktion des freien Willens mit neurologischer Argumentation geliefert hat.

Der amerikanische Neurophysiologie Benjamin Libet verfolgte mit seinem Versuch das Ziel, möglichst exakt festzustellen, in welchem Verhältnis die bewusste Intention - also die Willensentscheidung - zur zerebralen Aktivität (dem sog. Bereitschaftspotential) steht. Dabei ging er folgendermaßen vor: Seine Versuchspersonen erhielten die Instruktion, einen Finger ihrer rechten Hand zu einem selbst gewählten Zeitpunkt zu krümmen, während Libet mittels eines Elektroenzephalogramm (EEG) die Hirnströme und durch ein Elektromyogramm (EMG) die Muskelaktivität der Probanden überwachte. Dabei sollten diese sich auf einer mitlaufenden Uhr exakt den Zeitpunkt merken, zu der sie die Entscheidung getroffen, bzw. den Befehl gegeben hatten. Das unerwartete Resultat: Bereits eine halbe Sekunde vor der bewussten Entscheidung registrierte das EEG im entsprechenden motorischen Areal des Gehirns Aktivitäten. „Der Willensentschluss konnte daher nicht die Ursache der Bewegung sein, die schon zuvor durch das Bereitschaftspotential eingeleitet worden ist.“

Zusammenfassung der Kapitel

1) Einführung: Die Einleitung skizziert die wissenschaftliche Kontroverse um die Existenz eines freien Willens, angestoßen durch neurowissenschaftliche Thesen zur biologischen Determinierung menschlichen Handelns.

2) Begriffsbestimmung Determinismus: Dieses Kapitel differenziert zwischen einem allgemeinen Determinismus des Weltgeschehens und einem persönlichen Determinismus, der die Vorherbestimmtheit menschlichen Verhaltens durch innere und äußere Einflüsse beschreibt.

3) Die neurowissenschaftlichen Forschungsergebnisse: Hier werden zentrale Experimente wie das Libet-Experiment sowie die theoretischen Ansätze von Wolf Singer und Gerhard Roth dargestellt, die menschliches Wollen als Ergebnis neurobiologischer Dispositionen interpretieren.

4) Gegenreaktionen: Das Kapitel fasst die Kritik an den neurowissenschaftlichen Thesen zusammen, wobei insbesondere philosophische Argumente zum Kategorienfehler und psychologische Einwände hinsichtlich der Aussagekraft experimenteller Ergebnisse hervorgehoben werden.

5) Soziologische Konsequenzen: Es wird untersucht, wie deterministische Menschenbilder das gesellschaftliche Zusammenleben, das Rechtssystem sowie Konzepte wie Moral, Schuld und Verantwortung beeinflussen könnten.

6) Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung ordnet den interdisziplinären Streit ein und diskutiert, ob eine Reduktion des Menschen auf eine biologische Maschine mit dem menschlichen Selbstverständnis und der Menschenwürde vereinbar ist.

Schlüsselwörter

Willensfreiheit, Determinismus, Neurowissenschaften, Hirnforschung, Libet-Experiment, Wolf Singer, Gerhard Roth, Jürgen Habermas, Bewusstsein, Schuldprinzip, Strafrecht, Neurophilosophie, Dualismus, Sozialwissenschaften, menschliches Selbstverständnis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die spannungsgeladene Debatte zwischen Vertretern der Neurowissenschaften, die den freien Willen als Illusion betrachten, und Vertretern der Geisteswissenschaften, die an der Bedeutung von Subjektivität und Verantwortung festhalten.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit befasst sich mit den neurowissenschaftlichen Grundlagen des Determinismus, den darauf folgenden kritischen Erwiderungen aus Philosophie und Psychologie sowie den soziologischen und rechtlichen Auswirkungen dieser Diskussion.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die interdisziplinären Argumente darzulegen und zu untersuchen, ob die Ergebnisse der Hirnforschung tatsächlich im absoluten Widerspruch zu unserem menschlichen Selbstverständnis stehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung aktueller Fachliteratur, wissenschaftlicher Debatten und medialer Diskursbeiträge basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der neurowissenschaftlichen Positionen, die Kritik daran durch Philosophen und Psychologen sowie die Diskussion soziologischer Folgen für Gesellschaft und Recht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Willensfreiheit, Determinismus, Hirnforschung, Neurophilosophie, Schuldprinzip und das menschliche Selbstverständnis.

Welche Bedeutung misst Libet dem Bewusstsein trotz des Determinismus bei?

Benjamin Libet räumte dem Bewusstsein eine „Vetofunktion“ ein, durch die eine bereits eingeleitete Bewegung kurz vor der Ausführung noch unterbunden werden könnte.

Wie steht die Rechtswissenschaft laut der Arbeit zum Schuldprinzip?

Das Schuldprinzip ist nach herrschender Auffassung und Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs untrennbar mit der Voraussetzung der Willensfreiheit verbunden.

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Details

Title
Eine Frage der Perspektive
Subtitle
Das neurobiologische Verständnis von Willensfreiheit und Determinismus in soziologischer Bedeutung
College
University of Münster  (Institut für Soziologie)
Course
Soziologie des Hirns
Grade
1,0
Author
Christian Hesse (Author)
Publication Year
2007
Pages
24
Catalog Number
V70084
ISBN (eBook)
9783638624190
ISBN (Book)
9783638674010
Language
German
Tags
Eine Frage Perspektive Soziologie Hirns
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Hesse (Author), 2007, Eine Frage der Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70084
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