Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1
1 Zur Begründung der Thematik. 2
2 Marquis de Sades Werk als Apologie des Bösen 3
3 Marquis de Sade und die Tugend. 7
3.1 Tugend. 7
3.2 Menschliche Freiheit 9
3 Schlussbetrachtung 10
Literaturverzeichnis 12
Prim ärliteratur 12
Sekund ärliteratur. 12
Andere Medien. 12
1
1 Zur Begründung der Thematik
„Soll man de Sade verbrennen?“ 1 fragte sich die Schriftstellerin und Philosophin Simone de Beauvoir in ihrem gleichnamigen Essay und scheint damit eine zentrale Frage zur Figur des Marquis de Sade 2 aufgeworfen zu haben, dessen Manuskripte zur Hälfte tatsächlich von seinen Erben und anderen den Flammen übergeben, zensiert, gestohlen und konfisziert worden sind. Von den einen als „einer der nichtswürdigsten Menschen, die je gelebt haben“ 3 und den anderen als genialer Prophet 4 betrachtet, wird der französische Schriftsteller des 18. Jahrhunderts meist einem Extrem zugeordnet, das ihm nicht gerecht zu werden vermag. Ziel dieser Arbeit soll es daher sein, das skandalträchtige Leben und Werk des berüchtigtsten Verfassers pornographischer Schriften eher ernst als übel zu nehmen, um somit eine objektivere Perspektive auf de Sade erlangen und vermitteln zu können. Ohne Zweifel spielt die Faszination von dem, das im gegenwärtigen Zeitalter als das Böse schlechthin bezeichnet werden würde, bei de Sade eine zentrale Rolle und wird durch die Verknüpfung von philosophischen und pornographischen Elementen in seinem Werk sichtbar gemacht, was es zu untersuchen gilt. Ferner soll sich diese Arbeit der Frage stellen, ob dasjenige, was de Sade verschriftlichte, wirklich als böse gelten kann. Eine Frage, die gewagt scheint, wenn man bedenkt, dass de Sade Mord, Nekrophilie, Folter, Kannibalismus und undenkbares mehr zu den vorherrschenden Themen seiner literarischen Tätigkeit machte. Darüber hinaus erfolgt eine Auseinandersetzung damit, inwiefern man de Sades Werk als Apologie des Bösen bezeichnen könnte und mündet in einem Abriss über de Sades philosophisches Verständnis von der Tugend und der menschlichen Freiheit. Schwerpunkt und somit Thema dieser Arbeit soll es sein, die Faszination des Bösen bei de Sade zu ergründen und zu beweisen, dass de Sade mehr ist als ein Lüstling, der Gewalt und Perversion proklamierte und enttabuisieren versuchte. Auf die Frage von Simone de Beauvoir sollten die nächstfolgenden Betrachtungen also ein klares Nein als Antwort geben können.
1 Vgl. Beauvoir, Simone de: Soll man de Sade verbrennen? Hamburg 1983.
2 Eigentlich Donatien Alphonse François de Sade.
3 Weiske, Johannes: Allgemeines deutsches Conversations-Lexicon für die Gebildeten eines jeden Standes. Bd.
6. Leipzig 1837. S. 204.
4 Vgl. Beauvoir, Simone de: Soll man de Sade verbrennen? Hamburg 1983. S. 9.
2
2 Marquis de Sades Werk als Apologie des Bösen
„Die unzüchtigste Erzählung, die erfunden wurde, seit die Welt besteht“ 5 meinte de Sade mit seinem unvollendeten Roman „Die hundertzwanzig Tage von Sodom“ (1904) geschaffen zu haben. Mit Recht kann hier neben seinen bekanntesten Schriften „Justine“ und „Juliette“ 6 von einem Höhepunkt literarisch manifestierter Ausschweifung gesprochen werden, wie sie die Welt zuvor tatsächlich noch nicht kennen gelernt hatte.
Doch was die Sade-Lektüre von einem seichten erotischen Roman unterscheidet, ist das Wechselspiel von Pornographie und philosophischen Feststellungen, die durch die Darstellung gewalttätiger sadistischer Handlungen begleitet werden. Dass de Sade sich in seiner schriftstellerischen Tätigkeit, die sich zum größten Teil in seiner Gefangenschaft etablierte, nun in dem Maße denkbaren und undenkbaren Extremen zuwandte und somit bis heute bestehende Tabus wie Inzest oder Kannibalismus zu Spielarten der Lustbefriedigung avancieren ließ, scheint umso mehr etwas unterstreichen zu wollen, was außerhalb des Extremen nicht deutlich genug hätte erkannt werden können. Er ließ das Böse triumphieren, um eigentlich etwas ganz anderes darstellen zu wollen. So begnügt sich de Sade nicht mit der Darstellung des Bösen, dass sich bei ihm in Verbrechen aller Art manifestiert und „fast immer der eigentliche Reiz der Sinneslust ist“ 7 , sondern gibt ihm einen Sinn. Er erhebt das Böse zu einem Prinzip, das laut ihm gerechtfertigt werden kann. Zumindest versucht sich de Sade an einer Apologie des Bösen, indem er den ausschweifenden Handlungen moral-philosophische Exkurse folgen lässt. Wie eine solche Theorie der Rechtfertigung des kriminellen oder sexuellen Verbrechens von de Sade begründet wurde, soll an nächster Stelle erläutert werden. Um den Status des Bösen bei de Sade näher beschreiben zu können, spielen de Sades grundlegende Ansichten hinsichtlich verbrecherischer Handlungen eine immanente Rolle. Noirceuil erwidert auf Juliettes Frage, was ein Verbrechen ist: „Man nennt Verbrechen jede bewußte oder unbewußte Übertretung desjenigen, was die
5 Sade, Marquis de: Die hundertzwanzig Tage von Sodom oder Die Schule der Ausschweifungen. Werke 1. Köln
1995. S. 73.
6 Erschienen 1791 und 1797. Vollständig überarbeitet erschienen im selben Jahr beide Romane vereint in einer
zehnbändigen Ausgabe: „Die neue Justine“ und „Die Geschichte von Juliette“.
7 Sade, Marquis de: Die hundertzwanzig Tage von Sodom, in: Beauvoir, Simone de: Soll man de Sade
verbrennen? Hamburg 1983. S. 32.
3
Arbeit zitieren:
Susanne Becker, 2007, Die Faszination des Bösen bei Marquis de Sade - Zwischen Philosophie und Pornographie, München, GRIN Verlag GmbH
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Mariana
Danke.
Vielen Dank, eine ausführliche und unterhaltsame Arbeit zugleich!
am Thursday, July 26, 2007-