Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 03
2. Allgemeine Definition des Ahnenkults 04
2.1 Traditionelle Vorstellung 04
2.2 Begrifflichkeiten 07
2.3 Symbole 07
3. Die Ahnen 09
3.1 Voraussetzungen 09
3.2 Macht und Aufgaben 10
3.3 Gemeinschaft zwischen Menschen und Ahnen 11
4. Ahnenkult und Christentum 14
5. Resümee 16
6. Literaturverzeichnis 17
2
1. Einleitung
Was erwartet uns Menschen nach dem Tod? Wir wissen es nicht. Auf der Suche nach Antworten hat jedoch jede Religion ihre ganz eigene Vorstellung davon entwickelt.
In Afrika herrscht der Glaube vor, dass die Verstorbenen und die Lebenden eine Gemeinschaft bilden und der Tod nur der Übergang zu einem höheren Leben ist. 1 Nach dieser Auffassung können die Menschen nach dem Tod unter bestimmten Voraussetzungen zu Ahnen werden.
Im Folgenden werden die wesentlichen Elemente des Ahnenkultes in Afrika, Namen und Symbole der Ahnen, ihre Macht- und Aufgabenbereiche und ihre Begegnung mit den Menschen dargestellt. Darüber hinaus wird untersucht, inwieweit der gelebte Ahnenkult mit dem christlichen Glauben vereinbar ist und ob eine Verknüpfung von Ahnenkult und Christentum möglich ist.
1 Ntetem, Marc: Die negro-afrikanische Stammesinitiation. Religionsgeschichtliche Darstellung, Theologische Wertung, Möglichkeit der Christianisierung. Münsterschwarzach: Vier-Türme 1983, S. 22.
3
2. Allgemeine Definition des Ahnenkultes
2.1 Traditionelle Vorstellung
Nach afrikanischem Weltbild gliedert sich das Universum in drei Bereiche: die Welt Gottes, die Welt der Geister und die Welt des Menschen. 2
Die Geisterwelt unterteilt sich in die Welt der Geister und die der Ahnen. Letztere stehen dabei den Menschen näher als die Geister. Sie sind verstorbene Vorfahren, die durch Blutsbande und verwandtschaftliche Beziehungen mit den Menschen in Verbindung stehen. Tiere und Pflanzen verbinden als Opfergaben die Welt des Menschen mit der der Geister. 3
In der afrikanischen Vorstellung sind die Toten bei ihren Familien. Sie stellen das Bindeglied zwischen den Menschen und der Geisterwelt dar. Dementsprechend wissen die Ahnen über alle Vorgänge in ihrer Familie Bescheid und nehmen lebhaft Anteil daran. Sie beschützen die Lebenden, kümmern sich um sie und handeln als Mittler für sie. 4 So gesehen sind Gebete an Ahnen eigentlich auch eine Mitteilung an Gott, der jedoch zu erhaben ist, als dass man das Wort direkt an ihn richten würde. 5
Die Ahnenvorstellung hilft, sowohl Gefahren als auch die Angst vor dem Tod zu überwinden. 6
Die Geister dagegen sind nicht menschlich. Sie sind den Menschen überlegen und können von außen auf diese einwirken. Nach afrikanischer Auffassung sind sie göttliche
2 Vgl. Sanon, Anselme Titianma: Die traditionelle afrikanische Religion und ihre Spiritualität. In: V. Mulago gwa Cikala Musharmina (Hrsg.): Afrikanische Spiritualität und christlicher Glaube. Erfahrungen der Inkulturation. In: Wiedemann, Ludwig (Hrsg.): Theologie der Dritten Welt. Band 8. Freiburg/Basel/Wien: Herder 1986, S. 19.
3 Vgl. Ders., S. 17.
4 Vgl. Oyibo, Innocent: Aspekte afrikanischer Eschatologie aufgezeigt am Beispiel des Ahnenkultes bei den Igala von Nigeria. Ein Kernelement afrikanischer Religiosität als Anfrage an den christlichen Glauben. Münster u.a :LIT 2004, S.109.
5 Vgl. Ntetem, Marc: Die negro-afrikanische Stammesinitiation. Religionsgeschichtliche Darstellung, Theologische Wertung, Möglichkeit der Christianisierung. Münsterschwarzach: Vier-Türme 1983, S.266.
6 Vgl. Sundermeier, Theo: Nur gemeinsam können wir leben. Das Menschenbild schwarzafrikanischer Religionen. In: Gründer, Horst (Hrsg.): Europa-Übersee. Historische Studien. Band 8. Hamburg: LIT
3 1997 , S. 145.
4
Wesen, die mit unterschiedlichen Naturerscheinungen in Verbindung stehen können. Die Afrikaner gehen davon aus, dass es sowohl gute als auch böse Geister gibt. 7
Allgemein wird angenommen, dass ein Ahnenreich existiert, das nur den guten Ahnen vorbehalten ist.
Von dieser Vorstellung des Ahnenreiches weicht die der Bantu in Süd-Kamerun ab. Diese glauben, dass sich das Reich der Ahnen in zwei Gebiete unterteilt, die durch den Fluss Itara“ voneinander getrennt sind. Der eine Teil ist der der guten Ahnen. Hier wohnt der König der Ahnen, der Geist „Ndje“. Die guten Ahnen kennen nur Freude und Glück und wollen den Menschen nur Gutes. Ndje erlaubt ihnen überall hinzugehen (ins Wasser, Feuer, Steine, Menschen,…). Sie inspirieren die Menschen zu guten Gedanken. Der andere Teil ist der kalte und dunkle Bereich der bösen Ahnen. Böse Ahnen sind diejenigen, die als Menschen ein schlechtes und skandalöses Leben geführt haben. Sie werden von Ndje dazu veranlasst, böse Menschen zu bestrafen. 8
Darüber hinaus existiert neben verschiedenen Gottheiten ein Hochgott. Dieser Schöpfergott herrscht über alles und jeden 9 und gilt als „Symbol für kosmische Totalität“ 10 . Ihm wird so großer Respekt entgegen gebracht, dass er nicht direkt angerufen werden darf. Kontakt zu ihm wird indirekt über die Ahnen aufgenommen. 11 Die Afrikaner glauben, dass „Gott die Sorge um den Menschen an die Ahnen delegiert hat“ „Ihr Handeln wird durch seine Autorität gestützt, sie sind seine Agenten, wenn sie Segen, Fruchtbarkeit und Glück spenden, aber auch wenn sie zur Warnung Krankheit und Unglück oder zur Strafe Tod senden.“ 12 .
Die anderen Gottheiten werden in den verschiedenen Stämmen wie die Ahnen als Mittler zwischen Gott und den Menschen angesehen. Gleichzeitig aber auch als deren Richter und als Naturgottheiten. 13
7 Vgl. Ntetem 1983, S. 21.
8 Vgl. Ntetem 1983, S. 35f.
9 Vgl. Ntetem 1983, S. 20.
10 Link-Wieczorek, Ulrike: Reden von Gott in Afrika und Asien, Darstellung und Interpretation afrikanischer Theologie im Vergleich mit der koreanischen Minjung-Theologie. In: Pannenberg, Wolfhart/ Slenczka, Reinhard (Hrsg.): Forschungen zur systematischen und ökumenischen Theologie. Band 60. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1991, S. 29.
11 Vgl. Link-Wieczorek 1991, S. 28.
12 Oyibo 2004, S. 110.
13 Vgl. Ntetem 1983, S. 21.
5
Arbeit zitieren:
Juliane Hartmann, 2006, Der afrikanische Ahnenkult - Das Verhältnis zu den Ältesten und Ahnen als Angelpunkt afrikanischer religiöser Identität, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Nationalismus und Gewerkschaftsbewegung in Nigeria - vor der Unabhängi...
Hausarbeit, 30 Seiten
Probleme und völkerrechtliche ...
Politik - Internationale Politik - Thema: Völkerrecht und Menschenrechte
Hausarbeit, 22 Seiten
Ist die Partnerschaft der Afrikanischen Union und der Europäischen Uni...
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Sprachenpolitik in Afrika – Was unternimmt die African Union?
Hausarbeit, 19 Seiten
Aerobic mit Handgeräten - Einführung in Aerobic mit einem Gymnastikbal...
Sport - Sportpädagogik, Didaktik
Unterrichtsentwurf, 14 Seiten
Die kulturelle und sprachliche Integration junger Migranten in Deutsch...
Unter besonderer Berücksichtig...
Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation
Magisterarbeit, 152 Seiten
Die Nato als Instrument deutscher Sicherheitspolitik
Politik - Internationale Politik - Thema: Deutsche Außenpolitik
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
African Solutions to African Problems - Friedenssicherung durch Region...
Politik - Internationale Politik - Region: Sonstige Staaten
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Ethnizität und Tribalismus in Afrika südlich der Sahara in ihrer sozia...
Theoretische Aspekte und empir...
Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Kästner, Erich - Der Kinderbuchautor / Emil und die Detektive
Referat / Aufsatz (Schule), 7 Seiten
Der Bertelsmann Transformation Index - Innovation oder nur ein weitere...
Politik - Internationale Politik - Thema: Entwicklungspolitik
Seminararbeit, 23 Seiten
Probleme des Nationalismus in ...
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Seminararbeit, 16 Seiten
Der Darfur-Konflikt - Was waren seine Ursachen und warum sollte die Af...
Politik - Internationale Politik - Region: Afrika
Hausarbeit, 25 Seiten
Juliane Hartmann hat den Text Der afrikanische Ahnenkult - Das Verhältnis zu den Ältesten und Ahnen als Angelpunkt afrikanischer religiöser Identität veröffentlicht
Juliane Hartmann hat einen neuen Text hochgeladen
Afrikanische Puppen - African Dolls
The Dulger-Collection
Frank Jolles, Joan Clough, Claudia Fritzsche
Afrikanische Buntbarsche 2. Tanganjika 1. Tropheus
Die Arten der Gattung Tropheus
Peter Schupke
Afrikanische und europäische Mentalitäten im Vergleich
Mit Beispielen aus der Beratun...
Julien K. Kita
Afrikanische Cichliden 2. Buntbarsche aus Ostafrika
Ein Handbuch für Bestimmung, P...
Horst Linke, Wolfgang Staeck
0 Kommentare