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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 3
2. Fragestellung und Abgrenzung. 3
3. Großbritannien. 4
3.1. Geschichtliche Entwicklung. 5
3.2 Aktuelle Situation. 5
4. Frankreich. 6
4.1. Geschichtliche Entwicklung. 6
4.2. Aktuelle Situation. 7
5. Deutschland. 8
5.1. Geschichtliche Entwicklung. 8
5.1.1. Situation vor 1989. 8
5.1.2. Situation nach 1989 9
5.2. Aktuelle Situation. 9
6. Schweden 10
6.1. Geschichtliche Entwicklung. 10
6.2. Aktuelle Situation. 11
7. Italien 12
7.1. Geschichtliche Entwicklung. 12
7.2. Aktuelle Situation. 13
8. Spanien. 14
8.1. Geschichtliche Entwicklung. 14
8.2. Aktuelle Situation. 15
9. Europäischer Vergleich. 15
10. Fazit und Ausblick. 17
11 Literaturverzeichnis 18
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1. Einleitung
Das Zusammenwachsen Europas schreitet immer weiter voran und in diesem Rahmen kommen immer wieder Fragen nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der einzelnen europäischen Staaten auf. Ebenso in der Frage des Sozialkapitals. Nach der Neo-Tocqueville’schen Auffassung ist bürgerschaftliches Engagement und Teilhabe an der Öffentlichkeit die Grundlage eines funktionierenden demokratischen Gemeinwesens. 1 Somit ist es auch ein wichtiger Faktor im Rahmen der immer enger werdenden Verbindung zwischen den europäischen Demokratien. Wie haben sich in den einzelnen Ländern Europas die Zivilgesellschaften entwickelt? Sind die Länder in Europa alle auf dem gleichen Niveau des Sozialkapitals? Welche Unterschiede gibt es in den Vereinslandschaften der einzelnen Länder? Und welches sind die Ursachen für die Unterschiede? Diesen Fragestellungen soll in der folgenden Arbeit nachgegangen werden. Die Länder Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Spanien und Schweden stehen hierbei im Mittelpunkt.
Nach einer Abgrenzung der Begriffe Zivilgesellschaft und Sozialkapital wird die Entwicklung der Zivilgesellschaften in jedem Land und die aktuelle Situation beschrieben. Es wird hierbei vor allem untersucht werden, wie stark das Engagement der Bürger in Vereinigungen war und ist, welche Arten von Vereinigungen im Mittelpunkt des Interesses standen und welche politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eventuell eine Rolle spielten. Hier sollen die wichtigsten Charakteristika ausgearbeitet werden, welche zur jetzigen Situation geführt haben.
Anschließend wird das aktuelle Niveau des Sozialkapitals in den einzelnen Ländern anhand der Charakteristika verglichen und Gründe für die Unterschiede festgestellt. Den Abschluss bildet ein Ausblick auf die Entwicklung eines gesamt-europäischen Sozialkapitals.
2. Fragestellung und Abgrenzung
Zivilgesellschaften und Sozialkapital. Wie hängen diese zwei Begriffe zusammen? Unter Zivilgesellschaften versteht man alle Arten von bürgerlichen Vereinigungen. Zivile Gesellschaften, also bürgerliche Vereinigungen, sind sowohl reine Freizeit- und Sportvereine, als auch Gewerkschaften, soziale Vereinigungen oder politische Parteien. Kennzeichnend für Zivilgesellschaften ist die ehrenamtliche Tätigkeit, das bürgerliche Engagement. Nur durch das Ehrenamt von den Bürgern können die Vereinigungen ihren eigentlichen Zweck erfüllen. Ziel ist die Versammlung von Bürgern und die Verfolgung gemeinsamer Interessen in der Gruppe.
1 Vgl. Anheier/Töpler (2002) S. 31
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Sozialkapital besteht nun zu einem Teil aus dem zivilgesellschaftlichen Engagement. Zivilgesellschaften stellen aber nur einen Faktor des Sozialkapitals dar. Neben der Gruppenaktivität und dem Engagement in zivilgesellschaftlichen Vereinigungen wirken auch das Vertrauen zu Mitbürgern und Staat und informelle Netzwerke wie Familien und Freundeskreise verstärkend auf das Sozialkapital. Es umfasst damit den Bestand an sämtlichen sozialen Beziehungen und Faktoren in einem Land. Somit kann ein Staat trotz geringer Vereinsaktivität einen hohen Stand an Sozialkapital erreichen. Ausgehend von der Diskussion über das Social Capital in den USA wandten sich viele Autoren schließlich auch den Demokratien in Europa zu und untersuchten das Sozialkapital in den unterschiedlichen Ländern. Nach eingehendem Studium der Literatur lassen sich folgende Hypothesen aufstellen:
o
Die Ausbildung von Zivilgesellschaften hängt mit dem Alter der Demokratie zusammen. Da sich die Demokratien in Europa sehr unterschiedlich entwickelt haben, in den
o In der Betrachtung des Sozialkapitals werden allerdings noch andere Faktoren betrachtet,
o Schon in den USA wurde eine negative Entwicklung der Zivilgesellschaften festgestellt.
o Mit dem Rückgang der Bedeutung von Zivilgesellschaften muss aber nicht automatisch ein
Diese Thesen sollen nun anhand des Vergleichs der sechs europäischen Staaten belegt werden.
3. Großbritannien
Großbritannien ist im europäischen Vergleich eine der ältesten Demokratien und ging auch im Vereinswesen seinen europäischen Kollegen lange Zeit mit gutem Beispiel voran. Es galt lange Zeit als das Land in Europa mit einem der dichtesten Netzwerke bürgergesellschaftlicher Vereinigungen. Doch in den letzten Jahrzehnten stellten sich einige Veränderungen ein.
3.1. Geschichtliche Entwicklung
Schon im 19. Jahrhundert blühten in Großbritannien die bürgergesellschaftlichen Vereinigungen, während andere Länder noch im vollen Kampf mit Revolution und neuen Regierungsformen waren. Durch die dauerhaft recht stabile interne politische Situation konnte sich in Großbritannien dagegen schon früh ein guter Bestand an Sozialkapital entwickeln. Auch in die Nachkriegszeit startete der Inselstaat mit einem hohen Sozialkapitalniveau und bei einem Vergleich von Staaten mit gut entwickeltem sozialen Vertrauen, vielen zivilen Organisationen und einem hohen politischen Engagement in den 1960ern konnte Großbritannien die „beste bürgergesellschaftliche Kultur“ neben den USA nachgewiesen werden 2 .
Die Vereinslandschaft in Großbritannien entwickelte sich nicht nur sehr früh, sondern war auch schon von Anfang an sehr vielfältig. Gewerkschaften, wohltätige Gesellschaften und Komitees für sämtliche Zwecke waren vorhanden.
Somit waren die Briten schon früh in ein vielfältiges Vereinsleben eingebunden. Auch das ehrenamtliche Engagement in den Vereinigungen war bei den Briten sehr verbreitet. Gründe für das stetige Niveau an Sozialkapital und Engagement sind sicher die Bemühungen der Regierung, einem Verlust von Sozialkapital vorzubeugen. Zum einen wurde zwischen 1950 und 1990 das Bildungssystem radikal transformiert und somit das Bildungsniveau in Großbritannien dauerhaft erhöht. Da höhere Bildung zu einem größeren Engagement in Vereinigungen führt, lässt sich hier eine enge Verbindung zum Sozialkapital herstellen. Die britische Regierung stützt sich außerdem bis heute bei der Umsetzung ihrer Sozialprogramme in außerordentlich starkem Maß auf die Mitarbeit von lokalen Ehrenamtlichen, was das bürgerliche Engagement stark fördert, da man als Ehrenamtlicher Einfluss auf die Sozialpolitik ausüben kann. Dank dieser Förderung seitens der Regierung ist das bürgerliche Engagement konstant hoch geblieben.
3.2 Aktuelle Situation
Trotz der schon frühen Ausbildung von bürgergesellschaftlichen Vereinigungen hat Großbritannien seine Vorreiterposition in Europa nicht halten können. Im europäischen Vergleich der Mitgliederzahlen finden sich die Briten heute eher auf den unteren Rängen ein. In der Untersuchung von 1999/2000 geben nur 33,6% der Briten an, Mitglied in mindestens einem Verein zu sein, während das europäische Mittel bei 50,6% liegt. Auf der anderen Seite sind 42,3% der Briten ehrenamtlich tätig, was unter den europäischen Staaten ein sehr hohes Engagement darstellt 3 . Man muss hier allerdings die zwei Werte der Mitgliedschaft und der Ehrenamtlichkeit in Frage stellen, da alle ehrenamtlich Tätigen ja mindestens in dem Verein Mitglied sind, in dem sie das Ehrenamt tragen und somit die Zahl der Mitgliedschaften
2 vgl. Hall (2001), S.46
3 vgl. Anheier/Toepler, S.33
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nach oben oder die Zahl der ehrenamtlich Tätigen nach unten korrigiert werden müsste. Dennoch wäre die Zahl der Ehrenamtlichen im Verhältnis zur Mitgliedschaft sehr hoch. Und hier kann zum Vergleich noch eine weitere Zahl benannt werden: 1991 waren 50% der Briten Mitglied in mindestens einem Verein und auch die soziokulturelle Beteiligung in Großbritannien wird als sehr hoch eingeschätzt 4 .
Die Vereinslandschaft auf den britischen Inseln ist also gekennzeichnet von einem hohen Grad an ehrenamtlichen Engagement, allerdings sind die Mitgliederzahlen geringer als in vielen anderen europäischen Ländern. Das zeigt, dass Briten, wenn sie in einem Verein Mitglied sind, sich hier auch mit großer Wahrscheinlichkeit engagieren, aber auch, dass viele gesellschaftliche Gruppen in Großbritannien in den Vereinen fast gar nicht vertreten sind. Die britische Gesellschaft unterteilt sich in hochaktive Bürger, mit hohem Bildungsniveau und hohem Einkommen, und in kaum aktive Bürger, was hauptsächlich Arbeiter und Jugendliche sind. Das stellt vor allem insofern ein Problem dar, als die Ehrenamtlichen Einfluss auf die Sozialpolitik haben und in diesem Fall verstärkt die Interessen der gebildeten und wohlhabenden Bürger durchgesetzt werden als die der sozial Bedürftigeren. Ein weiterer negativer Punkt ist, dass das interpersonale Vertrauen in den letzten Jahrzehnten immer weiter abgenommen hat 5 . Hier könnte vielleicht eine Verbindung gesehen werden zwischen der geringen Repräsentation der Arbeiter und Jugendlichen in den Ehrenämtern und der Abnahme des zwischenmenschlichen Vertrauens. Wenn die Interessen dieser Gruppen nicht effektiv umgesetzt werden, verlieren sie das Vertrauen in andere gesellschaftliche Gruppen, deren Interessen eher beachtet werden.
Dennoch bleibt die starke ehrenamtliche Tätigkeit in Großbritannien und vor allem deren Förderung durch den Staat ein fast einzigartiges Beispiel im europäischen Vergleich.
4. Frankreich
Die zweitälteste Demokratie in der Reihe der sechs Staaten bildet Frankreich. Typisch für die Franzosen sind vor allem ständige Streiks und Blockaden. Hieraus lässt sich schon erkennen, dass Vereinigungen wie Gewerkschaften in Frankreich keinen allzu guten Stand haben und die Franzosen lieber selbst zur Tat schreiten.
4.1. Geschichtliche Entwicklung
Grund für die extremen Streiks ist der außerordentlich starke Zentralstaat in Frankreich. „Der Ursprung der Souveränität liegt in der Nation 6 “ (Hartmeier 2001, S.17) und somit ließ `le lien national´ (das nationale Band) keine Zwischenstrukturen zwischen Individuum und Nation entstehen. Das Ancien Régime hatte noch Vereinsstrukturen in seiner Staatsorganisation,
4 vgl. Gabriel/Kunz/Roßteutscher/van Deth (2002), S.47ff
5 vgl. Gabriel/Kunz/Roßteutscher/van Deth (2002), S.58
6 vgl. Hartmeier (2003), S.17
Arbeit zitieren:
Julia Völker, 2003, Zivilgesellschaften und Sozialkapital in europäischen Ländern, München, GRIN Verlag GmbH
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