zahlenmäßig bedeutende Bevölkerungsgruppe eine maßgebliche politische Rolle erhielt. „Die Flotte erwies sich so als Vehikel zur Durchsetzung der Demokratie.“ 4 Die hohen Kriegsverluste führten in der Folgezeit in beiden miteinander rivalisierenden Poleis zu einer ständigen Reduzierung der Zahl vollberechtigter Bürger. In Sparta entwickelte sich daraufhin eine straff organisierte Oligarchie und der Mangel an Soldaten machte eine Änderung des Heeressystems notwendig. An Stelle der Wehrpflicht wurde die Ausbildung von Berufssoldaten und die Anwerbung von Söldnern eingeführt. Obwohl Spartas militärische Stärke noch einige Zeit sichtbar blieb, hatte es seinen politischen Zenit bereits überschritten. In Athen folgte mit dem Beginn der Herrschaft der 30 Tyrannen das Ende der Demokratie. Gleichzeitig entfremdete die bedeutende Verringerung der Bürgerschaft die Masse der Athener vom Heerdienst, so dass die Abschaffung der Demokratie und die Beseitigung der allgemeinen Wehrpflicht, mit dem Verfall des politischen Einflusses des Stadtstaates Hand in Hand gingen. 5
Das Beispiel des römischen Reiches, in dem das Militär einen festen Bestandteil der Politik darstellte, zeigt, dass der Übergang von der Wehrpflicht zum stehenden Heer jedoch nicht zwangsläufig in einer Phase des machtpolitischen Niedergangs stattfinden muss. Zwar markierte die Etablierung eines Berufsheeres das Ende der republikanischen Verfassung, gleichzeitig war dies jedoch der Ausdruck einer umfassenden Kriegführung, die für die Sicherung und Erweiterung eines Weltreiches notwendig war. Zur Kaiserzeit entwickelte sich das straff organisierte Berufsheer zunehmend zum tragenden Element der kaiserlichen Regierung mit der doppelten Aufgabe des Schutzes des Reiches gegen äußere Feinde und der Herrschaftssicherung im Inneren. 6
Durch die Anwerbung von germanischen Söldnern, verlor das römische Heer jedoch seinen national-römischen Charakter und begann allmählich in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen ein Eigenleben zu entfalten und seine Bindung an die römische Gesellschaft zu lösen. Mit der Verselbstständigung des Heeres ging dessen, von Machiavelli so hoch bewertete, Treue gegenüber dem Staatswesen verloren. Dies führte wiederum zu einem Zerfall des Militärs in rivalisierende Gruppierungen, die gewaltsam um die Macht stritten. Die
4 Barceló, Pedro (1994), S. 83.
5 Kernic, Franz (2001), S. 123-135.
6 Vgl. Machiavelli, Niccolo (1977), 160ff.
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militärische Gewalt richtete sich damit gegen das Imperium Romanum selbst und beschleunigt seinen Untergang.
Für alle demokratischen Entwürfe besteht damals wie heute zudem das besondere Dilemma zwischen der zentralen Aufgabe des Militärs, die Freiheit des jeweiligen Volkes wirksam zu verteidigen und dem Militärdienst, der häufig als unerträgliche Einschränkung der demokratischen Freiheit empfunden wird. So stand der militärische Drill, mit dem die Soldaten zu absolutem Gehorsam und uhrwerkhafter Präzision erzogen werden sollten, bereits im 18. Jahrhundert im strengen Gegensatz zu den freiheitlich-demokratischen Vorstellungen des aufgeklärten Bürgertums.
Das revolutionäre Frankreich hat sich als erster Staat der Neuzeit gegen den „unfreien Soldaten“ des stehenden Heeres und für die Durchsetzung von Freiheit und Demokratie in der Armee entschieden. Der Schutz der Revolution wurde der Nationalgarde, einer anfangs demokratisch organisierten Ordnungstruppe zugedacht. Obwohl es kaum gelang, die für einen minimalen Dienstbetrieb notwenige Ordnung aufrecht zu erhalten, wurde lieber Ungehorsam gegenüber Vorgesetzten in Kauf genommen, als die Integration der Armee in die freiheitliche bürgerliche Gesellschaft zu behindern.
Angesichts der Misserfolge der Nationalgarde seit der Kriegserklärung Österreichs und Preußens 1792, die gegnerische Armeen auf französischen Boden zogen, wurde im August 1793 die „levée en masse“, die allgemeine Wehrpflicht, verkündet. In der Folgezeit erwies sich der revolutionäre Enthusiasmus für Freiheit und Demokratie als eine bisher nicht gekannte Antriebskraft für die Massenheere der Revolution. Zudem dürfen die neuen Aufstiegschancen für Unteroffiziere und einfache Soldaten durch die Abschaffung des Adelsprivilegs bei der Besetzung von Offiziersstellen als Antriebskraft nicht unterschätzt werden. Clausewitz zog hieraus den Schluss, dass der Krieg als ein Instrument der Politik „notwendig ihren Charakter tragen“ 7 muss.
Spätestens seit der Doppelschlacht von Jena und Auerstädt 1806 waren sich Teile der geistigen Eliten Preußens bewusst, dass die bisherige Heeres- und Staatsform dem
7 Clausewitz, Carl von (2000), S. 690.
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Magister Artium Benjamin Kleemann, 2005, Militär und Politik - eine allgemeine Betrachtung, München, GRIN Verlag GmbH
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