Inhaltsverzeichnis:
1. Biographisches zu Roman Ingarden
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2. Einleitung
4
3. Das literarische Werk
5
3.1. Die Schicht der Gegenständlichkeiten
5
3.2. Die Schicht der schematisierten Ansichten
8
3.3. Die Rolle der Schicht der schematisierten
Ansichten im literarischen Werk 10
3.4. Die Rolle der Gegenständlichkeiten
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4. Kritische Betrachtung der Philosophie Ingardens
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Literaturverzeichnis
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1. Biographisches zu Roman Ingarden
Roman Witold Ingarden wurde am 05.02.1889 in Krakau geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Lwów von 1903 bis 1911 schrieb er sich im Herbst 1911 an der Universität in Lwów ein und begann sein Studium der Philosophie unter Jan Kazimierz, das allerdings nur ein Semester andauerte. Ende April 1912 zog es ihn nach Göttingen, wo er sich zunächst der Psychologie widmete, gleichzeitig jedoch einen an der Universität angebotenen Lektürekurs bei Edmund Husserl in Anspruch nahm, der ihn schließlich dazu ermutigte, sich in den nächsten sechs Jahren der Philosophie, der Mathematik sowie der Physik zuzuwenden. Ingarden begegnete Husserl das erste Mal am 11.Mai 1912. Wenig später zog er in Betracht, seinen Doktor unter der Führung Husserls zu machen - dieser war einverstanden. Nach dessen Umzug nach Freiburg folgte ihm sein Schüler in die neue Umgebung und es entwickelte sich ein inniges Verhältnis zwischen den beiden. Nach kurzem Aufenthalt in Krakau kehrte Ingarden 1917 nach Freiburg zurück, um seine fertiggestellte Dissertation mit dem Titel ,,Intuition und Intellekt bei Henri Bergson. Darstellung und Versuch einer Kritik“ einzureichen. 1918 ging Ingarden nach Polen, um wenig später i n einem Brief an Edmund Husserl Kritik an dessen Idealismus auszudrücken. Während der Arbeit zu seiner Dissertation beschäftigte sich Ingarden über Jahre hinweg mit Überlegungen der Wahrnehmung und damit verbundenen, möglichen Problemen der Ontologie. Seine Habilitationsschrift von 1923 mit dem Titel ,,Essentielle Fragen. Ein Beitrag zum Wesensproblem“, die 1924 im ,,Jahrbuch für Philosophie und phänomenologische Forschung“ veröffentlicht wurde, bringt diese Überlegungen zum Ausdruck. Im Jahre 1927 begann er seine Arbeit an dem Großwerk ,,Das literarische Kunstwerk“, das er 1928 in Paris fertigstellte. Ingarden stand hierbei in regem Kontakt mit Husserl aber auch anderen Phänomenologen wie Kaufmann, Becker und Landgrebe.
1 J.W.Goethe, ,,Betrachtungen im Sinne der Wanderer“
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2. Einleitung
Roman Ingarden betreibt in seinem 1931 veröffentlichten Werk ,,Das literarische Kunstwerk“ neben einer Ontologie im Sinne der Kunstrezeption sowohl eine rein strukturelle als auch existentiell-ontologische Untersuchung literarischer Werke, um sie darüber hinaus in Bezug auf das Idealismus-Realismus-Problem in Frage zu stellen. Parallelen zu Husserls Phänomenologie lassen sich in verschiedener Weise erkennen. Besonders tritt hier die Idee einer rein intentionalen Gegenständlichkeit hinsichtlich eines Textes bzw. einer Gruppe zusammenhängender Sätze auf. Der Ausgangspunkt, auf den Ingarden seine Überlegungen gründet, geht maßgeblich von der bereits von Edmund Husserl formulierten Frage aus, wie die aus reiner Subjektivität geschaffenen Gegenständlichkeiten, die als ideale Objekte einer idealen ´Welt´ bezeichnet werden könnten, sich in der als real anzusprechenden Kulturwelt in einem zeitlich-räumlich gebundenen Dasein manifestieren. Nach Ingarden sind derartige Gebilde aus dem Bereich der Idealitäten aus der realen Welt auszuschließen. Während Husserl in seinem Werk ,,Formale und transzendentale Logik“ alle bisher angenommenen idealen Gegenstände für intentionale Gegenstände besonderer Art hält, so vertritt Ingarden die Unterscheidung in ideale Begriffe, ideale individuelle Gegenstände, Ideen und Wesenheiten.
Roman Ingarden spricht sich in seinem Werk explizit gegen eine psychologistisch gefärbte Wesensinterpretation literarischer Kunstwerke aus und distanziert sich somit von einer Fülle von Literaturkritikern, die das Zurückführen von Literatur auf ihren Kern mit dem für sie unausweichlichen psychologischen Ursprung der Zusammenhänge und deren Auflösung in Verbindung bringen. Damit schlägt er wiederum eine Brücke zu Edmund Husserl, der fordert, daß jemand, der Phänomenologie betreibt, sich von allen ,,natürlichen Wissenschaften“ frei machen muß und nichts voraussetzen darf, was für jene laut Husserl den Beginn ihrer Untersuchungen prägt: ,,Und wieder liegt darin, daß die reine Philosophie innerhalb der gesamten Erkenntniskritik und der ,,kritischen“ Disziplinen überhaupt von der ganzen in den natürlichen Wissenschaften und in der wissenschaftlich nicht organisierten natürlichen Weisheit und Kunde geleisteten Denkarbeit absehen muß und von ihr keinerlei Gebrauch machen darf.“ 1 Mit Hilfe
1 E.Husserl, ,,Die Idee der Phänomenologie“, Hamburg 1986
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seiner im ersten Kapitel genannten Ausgangsprobleme steckt er sich einen thematischen Rahmen, in dem sich die darauffolgenden Untersuchungen bewegen. So ergibt sich zuerst das Problem der Einreihung literarischer Werke in die Kategorien Idealität bzw. Realität und die damit verbundene Frage, ob das vorliegende Werk nicht in zwei Daseinsebenen, sprich einer sowohl für den Autor lediglich im Bewußtsein befindlichen wie auch für den Leser durch die Rezeption erfahrenen Daseinsebene, existiere und somit eine unüberschaubare Anzahl von Exemplaren entstünde. Des weiteren ergibt sich die Schwierigkeit, eine exakte Lokalisierung der Gegenstände eines Werkes zu bestimmen, da die Gegenständlichkeiten im Bewußtsein des Autors, wenn sie als die eigentlichen bestimmt würden, aus der psychischen in die materielle Ebene der uns umgebenden Welt herausgelöst werden müßten.
Ingarden schlägt zur Untersuchung dieser Problematik den bereits von Edmund Husserl verfolgten Weg der Epoché vor, um sich in einer ,,Selbstvergessenheit“ der erwünschten Objektivität der Urteilsbildung zu nähern: ,, „Objektiv“ ist nur das, was für jedes beliebige Erkenntnisobjekt und bei dessen völliger Passivität, sonst aber unter beliebigen subjektiven Bedingungen des Erkennens sich immer als Eigenschaft eines Gegenstandes gibt.“ 1 Ziel meiner Arbeit soll es nun sein, Grundgedanken von
Ingardens Werk ,,Das literarische Kunstwerk“ zu erörtern und diese in objektiven Sinn darzustellen. Ich beschränke mich hierbei auf den Bereich der Gegenständlichkeiten und deren Ansichten.
3. Das literarische Werk
3.1. Die Schicht der Gegenständlichkeiten
Grundlegend ist für Ingarden die Tatsache, daß die dargestellten Gegenständlichkeiten ihrem Gehalt nach rein intentionalen Gegenständlichkeiten entsprächen und deshalb zwischen Gehalt und intentionaler Gegenstandsstruktur unterschieden werden müsse. Die dargestellten Gegenstände liegen seiner Meinung nach nie isoliert vor, sondern bringen immer e ine Seinssphäre, einen Hintergrund mit sich, der jedoch nicht
1 R.Ingarden, ,,Das literarische Kunstwerk“, 4.Auflage, Tübingen 1972
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Quote paper:
Martin Endres, 2001, Roman Ingarden - Das Literarische Kunstwerk, Munich, GRIN Publishing GmbH
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