Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 3
2. Die Ursachen der Deutschen Inflation 4
2.1. Kriegsfinanzierung 4
2.2. Kriegsfolgelasten und Übergangswirtschaft 6
Übergangswirtschaft und Produktionsaufbau 6
Handelsbilanz 8
2.3. Finanzpolitik 9
Die Valuta-Diskussion 1919 9
Reichsfinanzen 11
Kriegsanleihen 11
Attentismus 12
Die „Erzbergersche“ Finanzreform 13
Diskontpolitik der Reichsbank 14
Außenwertverlust der Reichsmark 15
VorNNNNNNN und Nachteile der Finanzpolitik 17
2.4. Reparationsverhandlungen 18
3. Fazit 20
Bibliographie 21
Quellen: 21
Darstellungen: 21
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1. Einleitung
„There is no subtler, no surer means of overtuning the existing basis of society than to debauch the currency. The process engages all the hidden forces of economic law on the side of destruction, and does it in a manner which not one man in a million is able to diagnose.“ (J.M. Keynes) 1
Dieses Zitat von John Maynard Keynes verdeutlicht, dass selbst ein so renommierter Wirtschaftswissenschaftlers der Inflation zur Zeit der 20er Jahre ohnmächtig gegenüber stand. Auch heutzutage wird Inflation - auch aufgrund der Erfahrungen in den 1920er Jahren - von einem Großteil der Bevölkerung als etwas Negatives und Bedrohliches angesehen, das möglichst vermieden werden sollte. Unter Wirtschaftswissenschaftlern ist man sich jedoch einig; Inflation kann nicht nur wirtschaftliche Nachteile, sondern auch Vorteile mit sich bringen. Auch zur Zeit der Deutschen Inflation von 1918 bis 1923 können diese volkswirtschaftlichen Vorteile nachgewiesen werden. Obgleich sie von den großen volkswirtschaftlichen Schäden des Krieges und den durch die Hyperinflation entstandenen Verlusten überschattet werden. Diese Schäden waren verheerend für die deutsche Wirtschaft, ihre Auswirkungen waren noch in der Weltwirtschaftskrise von 1929 zu finden. Jedoch sollen die wirtschaftlichen Vorteile dieser Inflation nur indirekt Gegenstand dieser Arbeit sein, da sie die Frage aufwerfen, ob die Inflation eine natürliche oder eine künstliche Entwicklung war.
Viele Quellen lassen darauf schließen, dass die inflationäre Entwicklung von den führenden Eliten aus Wirtschaft und Politik jener Zeit durchaus hingenommen und gebilligt, wenn nicht sogar gefördert wurde.
Die Arbeit soll die wieder auflebende Forschungsdiskussion über die Inflationstheorie der Deutschen Inflation von 1918-1923 aufgreifen. Die gegensätzlichen Forschungspositionen der rationalistischen und irrationalistischen Inflationstheorie 2 sollen hierbei als Grundlage dienen. Schwerpunkt dieser Arbeit ist der Zeitabschnitt vom Kriegsende 1918 bis zum Londoner Ultimatum im Jahre 1921. Dieser Zeitabschnitt ist geprägt durch die Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg und die damit verbundenen Schwierigkeiten in Politik und Wirtschaft. Das Londoner Ultimatum ist das Ende der Reparationsverhandlungen
1 KEYNES, John Maynard: The Economic Consequences of the Peace; London 1920; S. 220.
2 Die rationalistische Theorie geht von einer bewussten ‚Steuerung’ der inflationären Entwicklung durch wirtschafts- und finanzpolitische Maßnahmen der Verantwortlichen - im besonderen in den Reichsregierungen und der Reichsbank - aus, während die irrationalistische Inflationstheorie den Verantwortlichen weitestgehende Unkenntnis über die inflationären Prozesse unterstellt.
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und leitete eine neue Politik der Reichsregierungen ein, die vorwiegend durch die Last der Reparationen und deren außenpolitische Auswirkungen, wie die Ruhrbesetzung 1923, gekennzeichnet ist.
Die Phase bis zum Londoner Ultimatum ist vor allem interessant, weil hier die wirtschafts-und finanzpolitischen Ursachen der Deutschen Inflation zu finden sind. Entsprechend des derzeitigen Forschungsstandes, einer ambivalenten Sichtweise, werden rationalistische (Specht, Petzina) und irrationalistische (Holtfrerich, Kerstingjohänner) Forschungspositionen miteinander verknüpft, um diese Ambivalenz auf Tauglichkeit zu überprüfen.
2. Die Ursachen der Deutschen Inflation
2.1. Kriegsfinanzierung
Die Finanzierung des Ersten Weltkrieges gilt als eine der Hauptursachen der Deutschen Inflation. 3 Alle am Krieg beteiligten Staaten hatten mit der „kriegsbedingten Teuerung“ zu kämpfen, die auf Güterknappheiten zurückzuführen ist. Das Deutsche Reich nimmt aber eine Sonderstellung ein, da nicht nur kriegsbedingte Knappheiten, sondern auch die Kriegsfinanzierung ursächlich für die Inflation waren.
Das Deutsche Kaiserreich musste aufgrund seines föderalen Steuersystems alternative Finanzierungsmethoden nutzen, um eine effiziente Kriegsführung zu gewährleisten. So wurde am 4. August 1914 die Golddeckungspflicht der Reichsbank aufgehoben. Dadurch war die Reichsbank nunmehr in der Lage, durch die so genannten Schatzanweisungen (kurzfristige, unverzinsliche Kredite), das Reich je nach Bedarf mit Finanzierungsmitteln auszustatten. 4 Sowohl die Schatzanweisungen als auch die später gegründeten Darlehenskassen, die Kredite an die Privatwirtschaft vergaben, waren vom realen Wirtschaftsprozess abgekoppelt und konnten nahezu ungehindert Geld drucken. Um jedoch eine vorzeitige Erhöhung der Geldmenge durch diese zwei Finanzierungsmethoden zu verhindern, wurden als weiteres Finanzierungsmittel Kriegsanleihen ausgegeben. Die Kriegsanleihen wurden aus politischen Gründen einer Steuerreform vorgezogen und sollten den Kern der ordentlichen Einnahmen des Reiches während des Krieges bilden. Die Kriegsanleihen waren nur kurzweilig von Erfolg gekrönt. Bereits nach der Vierten, von
3 BLAICH, FRITZ: Der Schwarze Freitag: Inflation und Wirtschaftskrise; 2. Aufl.; München 1990, S.19-22, 34-37, und KERSTINGJOHÄNNER, HELMUT: Die deutsche Inflation: 1919-1923, Politik und Ökonomie; Frankfurt am Main 2004, S. 27-40, sowie SPECHT, AGNETE VON: Politische und wirtschaftliche Hintergründe der deutschen Inflation 1918-1923; Frankfurt am Main 1982, S. 9.
4 Vgl. SPECHT: Wirtschaftliche Hintergründe, S. 9; BLAICH: Der schwarze Freitag, S. 34-35 und KERSTINGJOHÄNNER: Politik und Ökonomie, S. 30
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insgesamt neun ‚Zeichnungswellen’, erstarb das Vertrauen der Bevölkerung in die Zahlungsfähigkeit des Reiches. Die weiteren ‚Zeichnungswellen’ waren defizitär, da die Einnahmen hinter dem Zinsendienst zurückblieben. Ab 1916 wurden sogar Kriegsanleihen von der Reichsbank als Schatzanweisungen übernommen. Durch diesen Prozess wurde schließlich der Ausgleich zwischen inflationären Finanzierungsmethoden
(Schatzanweisungen und Darlehenskassenscheine) und deflationären Methoden (Kriegsanleihen, Steuern und kurzfristigen Schuldtiteln an die Privatwirtschaft) unterbrochen. Dennoch versuchte die Reichsbank bis 1916 die Deckungsvorschriften für die Geldmenge einzuhalten.
Das Jahr 1916 scheint daher den Wendepunkt in der Kriegsfinanzierung des Deutschen Reiches darzustellen. Fortan war die Geldschöpfung die einzige, noch funktionierende Einnahmequelle. Der Zahlungsmittelbedarf wurde von da an durch die Notenpresse befriedigt. Allerdings stellt sich die Frage, ob dieser Prozess von der Reichsregierung eingedämmt, oder sogar hätte verhindert werden können.
Der Reichsregierung kann zu diesem Zeitpunkt zumindest noch keine Inflationsstrategie vorgeworfen werden, auch wenn die Finanzierungsmethoden die weitere Entwicklung der Inflation förderten. Bis 1916 und sogar noch darüber hinaus versuchte die Regierung und die Reichsbank die Erhöhung der Geldmenge zu verhindern. Selbst die Kriegsanleihen erfüllten lange Zeit ihren Zweck eine übermäßige Preisinflation einzudämmen. Ihre Struktur und ‚Kurspflege’ lassen sogar auf ein hohes Maß an Sicherheitsvorkehrungen schließen. Außerdem wurde 1916 die Kriegsgewinnsteuer und noch 1917 eine Stelle zur Förderung bargeldlosen Zahlungsverkehrs eingeführt.
Die Währungsgesetze und die dadurch entstandenen Finanzierungsmethoden werden von Kerstingjohänner treffend als „finanzielle Mobilmachung“ 5 bezeichnet. Ziel der Reichsregierung war es zunächst eine, in wirtschaftlicher Hinsicht, effiziente Kriegsführung zu gewährleisten. Hierzu musste zum Einen der Liquiditätsbedarf des Reiches und der Privatwirtschaft gestillt werden, um die Leistungsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft auf einem weiterhin hohen Stand halten zu können. Schließlich stieg die Nachfrage nach Kaufkraft ungebremst bis in die Nachkriegszeit an. Zum Anderen musste, ebenfalls im Zeichen der Kriegsführung, die Kreditwürdigkeit des Reiches sichergestellt werden. In der Finanzpolitik des Reiches während des Krieges können dennoch erhebliche Fehlentscheidungen nachgewiesen werden. An erster Stelle muss die künstliche Geldschöpfung genannt werden, welche jedoch als notwendig für den Erhalt der
5 KERSTINGJOHÄNNER: Politik und Ökonomie, S. 28.
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wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit erachtet werden kann. Durch diesen künstlichen Eingriff wurde nicht nur die Öffentlichkeit getäuscht, sondern auch eine ‚Finanzierungsblase’ ohne realen Gegenwert geschaffen. Die Geldmenge wurde allein durch den Geldbedarf der Reichsregierung vorgegeben. Ein weiterer Misserfolg war die Höchstpreispolitik des Reiches. Um die Lieferungen der notwendigen Güter sicher zu stellen, wurden meist zu hohe Preise von der Reichsregierung bezahlt, die den Wirtschaftskreislauf mit noch mehr Geld übersättigten und die Teuerung weiter vorantrieben.
Die Verantwortlichen in Regierung und Reichsbank handelten demnach vernunftgemäß. Ihnen waren die möglichen Konsequenzen ihres Handelns durchaus bewusst, jedoch hatte die Notwendigkeit der effizienten Kriegsführung Vorrang. Durch diese „politischen Zwangsläufigkeiten“ 6 wurde nicht nur die Geldmenge erheblich erhöht sondern auch eine erhebliche Staatsverschuldung geschaffen, welche die Politik der Nachkriegsjahre in hohem Maße bestimmte.
2.2. Kriegsfolgelasten und Übergangswirtschaft
Die junge Republik übernahm als eine ihrer ersten Amtshandlungen die gesamte Verantwortung für die Niederlage des Deutschen Kaiserreichs. Das Reich war höchst verschuldet. Der Krieg war verloren. Millionen von heimkehrenden Soldaten mussten wieder in den Wirtschaftsprozess eingegliedert, die Volkswirtschaft von Kriegs- auf Friedenswirtschaft umgestellt, die Versorgung der Not leidenden Bevölkerung sichergestellt werden. Das Reich hatte Reparationen an die Siegermächte zu leisten und musste nun auch noch die zunehmende Inflation bekämpfen.
Übergangswirtschaft und Produktionsaufbau
Die Kriegswirtschaft war eine vom Staat der Privatwirtschaft auferlegte Zwangswirtschaft, um vorrangig kriegsnotwendige Güter herzustellen. Diese hatte drastische Folgen für die Privatwirtschaft. Die „Überspannung aller wirtschaftlichen Kräfte während des Krieges“ 7 hat zu erheblichem Kapitalverschleiß geführt. Es ist ein abgeschlossenes Wirtschaftssystem geschaffen worden, das in einem langwierigen Prozess in eine funktionierende Marktwirtschaft umgestaltet werden musste. Marktmechanismen waren durch Höchstpreisregelungen und Subventionen ausgeschaltet worden. 8 Die staatlich gelenkte Zwangswirtschaft hatte eine ineffiziente, destabilisierte Volkswirtschaft hinterlassen.
6 KERSTINGJOHÄNNER: Politik und Ökonomie, S. 40.
7 Vgl. PETZINA, DIETMAR: Die deutsche Wirtschaft in der Zwischenkriegszeit; 1. Aufl.; Wiesbaden 1977, S. 80.
8 Vgl. BLAICH: Der schwarze Freitag, S. 19f.
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Markus Mill, 2006, Die Ursachen der Deutschen Inflation - Vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zum Londoner Ultimatum, Munich, GRIN Publishing GmbH
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