usw. herauszufiltern waren mit der Garantie, daß sie keinerlei von Bestrafung zu fürchten hätten, buchstäblich keine Grenzen gesetzt. Auch schlossen sich noch weitere Gruppen den Schülern und Studenten an: Courtois nennt hier (S. 578) rachehungrige Funktionäre, Opportunisten, Arbeiter mit Forderungen nach Lohnerhöhungen und festen Arbeitsverträgen etc., die sich eigentlich nur in dem Wunsch, alle Autoritäten zu attackieren, einig waren. Das führte bald zu heftigen Kämpfen zwischen Fraktionen, die sich nicht anders definieren konnten als dadurch, daß sie gegen etwas waren.’ (vgl. Courtois S. 577)
In Courtois’ Text wird (nur am Rande) noch ein weiterer Akteur außerhalb der Roten Garden angesprochen: Lin Biao. Zwar spricht ihm Courtois keine Schlüsselrolle zu - eher verwendet er im Zusammenhang mit dessen Person die Attribute ‚mittelmäßig’, ohne eigene Ideen’, ‚ohne den erforderlichen politischen Rückhalt’ (vgl. S. 574), aber er befand sich immerhin in einer Schlüsselposition als zweiter Mann hinter Mao in der Parteihierarchie und als Oberster Befehlshaber der VBA. In der Kulturrevolution sah er die Chance, ‚das Militär und seine eigene Position zu einer neuen Funktion im politischen Kräftefeld zu führen.’ (vgl. Spengler 1976, 134.)
Auch Jiang Qing, Maos dritte Frau, wurde durch persönliches Machtbestreben angetrieben. Ihr gab die Kulturrevolution die Chance, sich endlich auch vor einer breiten Öffentlichkeit zu profilieren: erstens als Künstlerin (als Schauspielerin war ihr in jungen Jahr der Erfolg verwehrt geblieben 1 ) und zweitens als politische Persönlichkeit, war sie doch jahrelang eifersüchtig auf Deng Yingchao und (insbesondere) Wang Guangmei, die ihre Ehemänner Liu Shaoqi und Zhou Enlai auch bei wichtigen politischen Ereignissen meist an ihrer Seite hatten und die sich immer größer werdender Beliebtheit erfreuen konnten, während sie selbst mehr und mehr in Vergessenheit geriet. Während man die Roten Garden mit der Zerstörung der ‚Alten Vier’ in Verbindung bringt, fühlte sich Jiang Qing zur Schaffung einer neuen, revolutionären Kultur berufen. Zunächst dabei von Lin Biao unterstützt, beanspruchte auch sie bald, das Erbe Maos anzutreten, und ein Kampf um die Nachfolge entbrannte zwischen ihr, Lin Biao und Zhou Enlai.
Daß Mao naturgegebenermaßen keine Interessen neben den seinen dulden konnte - er verstand es immer dann einzugreifen, wenn ihm ein ‚Werkzeug’ zu eigenständig geworden war, schließlich fiel er sogar seiner Frau in den Rücken, indem er heimlich einen anderen zu
1 Vgl. SPENCE 2001, 706.
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Rike Pätzold, 2006, Überlegung zur Kulturrevolution, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Die Kulturrevolution und ihre Akteure: Lin Biao, Jiang Qing und die Ro...
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