Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
4 2. Eltern-Kind-Beziehungen im Familienkontext
10 3. Eltern-Kind-Beziehungen im kulturellen Kontext
13 4. Abschluss und Ausblick
15 Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Ein typisches Merkmal der Spezies Mensch ist die, im Gegensatz zu vielen anderen Lebewesen, intensive und überaus lange Pflege und „Aufzucht“ seiner Nachkommen. Während manche Tierarten ihren Nachwuchs sofort nach der Geburt abstoßen oder ihre Eier gar in Fremde Nester legen, kümmern sich beim Menschen hingegen die Eltern über viele Jahre hinweg um ihre Kinder. Durch bewusste Erziehung wie sie beim Vermitteln von Werten, Einstellungen und Normen geschieht, aber auch unbewusst durch den alltäglichen Umgang zwischen Eltern und Kind erfolgt somit eine Prägung, die einen entscheidenden Einfluss für das weitere Leben aller Beteiligten hat, natürlich vorrangig auf das Kind. „Kinder, die geliebt werden, werden Erwachsene, die lieben“, besagt ein Sprichwort. In der Tat werden Erfahrungen aus der eigenen Kindheit sowie der Umgang mit und das Verhältnis zu den Eltern später meist auch auf die eigenen Kinder übertragen. Das kennt wohl jeder aus eigener Erfahrung. Die Qualität der Beziehung zwischen beiden Seiten hat aber nicht nur Einfluss auf Handlungsweisen, die übernommen werden, sondern auch auf den allgemeinen Umgang anderen Menschen gegenüber und auf die eigene Psyche. Darum versuchen Soziologen und Entwicklungspsychologen im Rahmen der familialen Sozi-alisationsforschung bereits seit mehreren Jahrzehnten Licht ins Dunkel der Beziehung zwischen Eltern und ihren Sprösslingen zu bringen und vor allem aus dem alltäglichen Umgang miteinander beobachtbare und bekannte Tatsachen wissenschaftlich zu erforschen und zu erklären.
Die vorliegende Arbeit versucht, die grundlegenden bisherigen Erkenntnisse über die Relevanz von Eltern-Kind-Beziehungen zusammenzutragen. Besonderes Augenmerk sei dabei auf einen kulturvergleichenden Standpunkt gelegt. Zahlreiche beobachtbare Unterschiede im alltäglichen Leben verschiedener Kulturen veranlassen zu der Annahme, dass diese kulturell bedingten Verschiedenheiten der Völker auch Niederschlag im gegenseitigen Umgang von Eltern und Kindern miteinander und deren Beziehung haben. Wenn dem so ist, ist es wichtig, diese Differenzen zu kennen und sie bei fortführenden kulturvergleichenden Forschungen und vor allem bei der Interpretation derer Ergebnisse zu berücksichtigen. Denn nur so ist es möglich, zu reliablen Erklärungen für psychologische und soziale Phänomene und Zusammenhänge zu gelangen und ferner ein besseres Verständnis für die Gegebenheiten verschiedener Kulturen zu entwickeln.
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2. Eltern-Kind-Beziehungen im Familienkontext
Die Thematik der Eltern-Kind-Beziehungen ist eines der am häufigsten erforschten Gebiete in der Entwicklungspsychologie. Zahlreiche Studien verschiedenster Art wurden über viele Jahrzehnte hinweg angestellt um der Frage auf den Grund zu kommen, welche Faktoren Einfluss auf das innerfamiliäre Verhältnis zwischen jung und alt haben und vor allem welche Einflussnahme dieses Verhältnis auf Eltern und Kinder hat.
Eines ist auf jeden Fall klar: Eltern-Kind-Beziehungen unterscheiden sich prinzipiell von Familie zu Familie. Dennoch sind auch kulturspezifische Gemeinsamkeiten und Unterschiede festzustellen. Doch solch eine Beziehung ist darüber hinaus nicht ein feststehender Zustand. Da sich sowohl Eltern als in besonderem Maße auch die Kinder im Prozess des sozialen Wandels, der mit dem fortschreitendem Alter einhergeht verändern, wandelt sich natürlich auch die Eltern-Kind-Beziehung über die Jahre hinweg. Die Kinder werden erwachsen und bauen ihr eigenes Leben und ihre eigene Existenz auf. Doch selbst wenn die Kinder weder körperlich noch gesellschaftlich mehr von ihren Eltern abhängig sind, dauert die Verbindung zu Mutter und Vater meist ein Leben lang an. Erfahrungen und Erlebnisse aus jungen Jahren prägen und hinterlassen ein Leben lang Spuren - sowohl positive, doch leider auch oft negative. Störungen des Verhältnisses zwischen Eltern und Kindern stellen in der Regel auf beiden Seiten eine psychische Belastung dar.
Um jedoch Eltern-Kind-Beziehungen überhaupt erst bewerten oder gar vergleichen zu können, bedarf es einer Definition eben dieser.
2.1. Indikatoren von Eltern-Kind-Beziehungen
Wie bereits erwähnt, ist die Eltern-Kind-Beziehung ein wichtiger Teil familialer Sozialisation mit Folgen für die Entwicklung der Kinder. Ihre Qualität wird in der Literatur durch verschiedene Merkmale empirisch erfasst, so zum Beispiel durch Indikatoren der objektiven, hauptsächlich jedoch subjektiven Messung.
Als ein solcher Indikator anzuführen wäre zunächst die Partizipation von Kindern an Entscheidungen in der Familie. Es ist davon auszugehen, dass eine hohe Partizipation für eine bessere Qualität der Eltern-Kind-Beziehung spricht als eine niedrigere. Die Ausprägung der Beteiligung der Kinder liegt hier zwar hauptsächlich im Einflussbereich der Eltern, also inwieweit sind sie an der Meinung ihrer Kinder interessiert und was zählt ihre Stimme bei Familienentscheidungen, jedoch hängt es selbstverständlich auch davon ab, ob das Kind überhaupt Interesse daran hat, sich in die Familie einzubringen. Wird ein Kind von Anfang an mit in Entscheidungen und Gespräche zur Entscheidungsfindung mit einbezogen, wird es also als vollwertiges Familienmitglied mit Stimmrecht angesehen, so wird es in seiner späteren
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Entwicklung natürlich mehr Partizipation und Aktivität bei Entscheidungssituationen zeigen und das nicht nur in der Familie, sondern beispielsweise auch im Freundeskreis. An dieser Stelle ist bereits zu erkennen, dass die Prägung durch die Eltern im Kindesalter in ihren Auswirkungen nicht nur auf die Familie beschränkt ist, sondern auch in andere Bereiche des sozialen Lebens der Kinder mit einfließt.
In engem Zusammenhang mit der soeben beschriebenen Partizipation steht auch das Ausmaß an Selbständigkeit, welches Eltern ihren Kindern gewähren. Wird das Kind frühzeitig angehalten, selbständig zu handeln, wird sich diese Selbständigkeit auch lebensspannenübergreifend in seiner Persönlichkeit niederschlagen.
Diese beiden Indikatoren, also das Ausmaß an Partizipation und Selbständigkeit, sind Möglichkeiten, die dem Kind von Seiten der Eltern eingeräumt werden. Im Gegenzug dazu werden die Kinder ihren Eltern entsprechendes Vertrauen entgegenbringen, sie beispielsweise aufsuchen wenn sie Rat oder Trost benötigen. Als weiteren Indikator nennt Trommsdorff (2001) die Art und Häufigkeit von Interaktionen. Hierunter sind sowohl positive Interaktionen wie Familieausflüge und gemeinsame Freizeitgestaltung zu sehen als auch Interaktionen negativer Natur wie zum Beispiel die Häufigkeit von innerfamiliären Konflikten. Kommt es in der Familie selten zu Konflikten, mag das an einem hohen Ausmaß an Übereinstimmungen von Eltern und Kindern sowohl im Verhalten als auch in Ansichten und Werten liegen. Denn nicht gerade selten schaffen unterschiedliche Lebensauffassungen von Eltern und ihren heranwachsenden Kindern vor allem in der Pubertät ausreichend Konfliktpotential und fördern nicht ein harmonisches Miteinander. Anhand dieser Indikatoren erfolgt dann eine gegenseitige oder einseitig durch Eltern oder Kinder vollzogene Bewertung der Beziehungsqualität, die selbstverständlich subjektiver Art ist. Hierbei müssen die Bewertungen von Eltern und Kindern jedoch keinesfalls übereinstimmen.
Um diese Indikatoren empirisch zu erfassen, erfolgen meist Befragungen von Eltern und Kindern, aber auch von außenstehenden Dritten wie Bekannten oder Lehrern. In seltenen Fällen werden die Eltern-Kind-Interaktionen auch in einem einigermaßen natürlichen Kontext beobachtet. Die Daten von Befragung und Beobachtung ergeben dabei jedoch keineswegs übereinstimmende Ergebnisse (Rothbaum und Weisz, 1994), was wohl daran liegt, dass beim Beantworten mehr auf soziale Erwünschtheit Wert gelegt wird als im tatsächlichen Verhalten.
2.2. Aufgaben der Familie
Wie bereits klar geworden sein dürfte, bildet die Familie für ihre Mitglieder, besonders für die sich in der Entwicklung befindenden Kinder, einen Kontext mit bestimmten Ressourcen und Anforderungen. Je nach Potential für Unterstützung, Anregung, Aufgaben und Problemsitua-
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Nicole Fleischmann, 2004, Eltern-Kind-Beziehungen aus kulturvergleichender Sicht, Munich, GRIN Publishing GmbH
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