Inhalt
1 EINLEITUNG 3
2 SOZIALE MILIEUS 3
3 POLITISCHE KULTUR 5
4 GEMEINSCHAFT UND GESELLSCHAFT 6
5 TENDENZPRESSE 7
5.1 LIBERALE PRESSE 7
5.2 KONSERVATIVE PRESSE 7
6 EINORDNUNG DER ZU UNTERSUCHENDEN ZEITUNGEN 8
6.1 B Z. AM MITTAG 8
6.2 BERLINER LOKAL-ANZEIGER 9
7 LESERSCHAFT 9
7.1 B Z. AM MITTAG 10
7.2 BERLINER LOKAL-ANZEIGER 11
8 HYPOTHESE 11
9 VORGEHENSWEISE 12
10 ANALYSE DER ZEITUNGEN 13
10.1 REICHSTAGSWAHLEN (20. MAI 1928 ) 13
10.2 HUGENBERG WIRD DNVP VORSITZENDER (20. OKTOBER 1928 ) 14
10.3 VORLEGUNG DES YOUNG-PLANS (7. JUNI 1929 ) 14
10.4 TOD STRESEMANNS (3. OKTOBER 1929 ) 14
10.5 ANNAHME DER YOUNG VERTRÄGE (12. MÄRZ 1930 ) 15
10.6 REICHSTAGSWAHLEN (14. SEPTEMBER 1930 ) 15
10.7 BANKENKRISE IN DEUTSCHLAND (13. JULI 1931 ) 16
10.8 GENFER ABRÜSTUNGSKONFERENZ (2. FEBRUAR 1932 ) 16
10.9 REICHSTAGSWAHLEN (31. AUGUST 1932 ) 16
11 ERGEBNIS 17
12 BIBLIOGRAPHIE 18
13 ANHANG 20
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1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit behandelt die Tagespresse in den letzten Jahren der Weimarer Republik. Dabei wird die Frage aufgeworfen worin die Gründe für die in der ersten deutschen Republik tragische Abwanderung der Wählerschaft der demokratischen Parteien hin zu den Nationalsozialisten liegen. Wieso sind liberale Wählerschichten für Anreize der Nationalsozialisten zugänglich geworden?
Ein Ansatzpunkt zur Beantwortung dieser Frage soll die liberale und die konservative Presse in Berlin sein. Exemplarisch dafür sollen die „B.Z. am Mittag“ und der „Berliner Lokal-Anzeiger“ untersucht werden. Hierfür ist es zunächst nötig einige theoretische Vorarbeit zu leisten: Es gilt die Begriffe des „sozialen Milieus“ und der „Politischen Kultur“ zu klären. Im folgenden wird ein kurzer Überblick über die liberale und konservative Presse und deren Leserschaft gegeben.
Um der Inhaltsanalyse der Zeitungen eine Grundlage zu bieten wird in Abschnitt 8 die oben gestellte Frage zur Hypothese formuliert. Der Zeitraum der zu untersuchenden Zeitungen erstreckt sich von 1928 bis 1932, dem Jahr, in dem die Nationalsozialisten zum ersten mal die stärkste Fraktion im Reichstag bildeten.
2 Soziale Milieus
Das Milieu, ein Begriff der Soziologie, dient als Erklärungsansatz in der Wahlforschung. Dabei wird in erster Linie die Milieugebundenheit und die Verwurzelung von Parteien in Milieus untersucht. Der Heidelberger Soziologe M. Rainer Lepsius führte 1966 das Paradigma der sozialmoralischen Milieus in die politikwissenschaftliche Diskussion ein. Demnach bestehen vier Milieus: das katholische, das konservative, das liberale und das sozialdemokratische. Lepsius’ These ist, dass „das deutsche Parteiensystem wesentlich Ausdruck struktureller Konflikte war, die bereits vor der Gründung des Kaiserreiches [also vor der Gründung der wichtigsten Parteien] bestanden“. 1 Das impliziert die Vermutung, dass die Stärken der einzelnen Parteien relativ konstant sind, da sie die grundlegenden Konfliktli-
1 Zit.nach Lepsius, Rainer M.: Parteiensystem und Sozialstruktur. Zum Problem der Demokratisierung der deutschen Gesellschaft, in: Ritter (Hrsg.), Gerhard A.: Die deutschen Parteien vor 1918, Köln 1973, S. 62.
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nien zwischen den Milieus spiegeln. 2 Allerdings geht Lepsius davon aus, dass die beste Zeit der Milieus bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts vorbei war. Häufig wird den Milieus die Verantwortung für den tragischen Verlauf der Geschichte der Weimarer Republik zugewiesen: Fragmentierung und Polarisierung der Gesellschaft, sowie Begünstigung von intoleranten Einstellungen und Verhaltensweisen, die einen versöhnlichen Pluralismus unter den verschiedenen Gruppen verhinderte. 3
Verhältnismäßig gut erforscht sind das katholische und das sozialdemokratische Milieu, die durch ein ganzes Netzwerk kultureller und gesellschaftlicher Organisationen gekennzeichnet sind, einer Institutionalisierung, durch die „das sozialmoralische Milieu nach innen verfestigt, nach außen abgegrenzt wird“. 4 Als relativ problematisch erweist sich dagegen die Untersuchung der konservativen und liberalen Milieus, da diese nicht über Organisationsbezüge eindeutig zu ermitteln sind. 5 Genau in diesen Bevölkerungsteilen aber sieht Lepsius die Erklärung des Erfolges der Nationalsozialisten. Die fehlende Zugehörigkeit zu den Massenverbänden der Parteien gilt als Grund für eine schwache Parteienbindung, an ihre Stelle stehen gesellschaftliche Leitfiguren, so dass Karl-Heinz Naßmacher bei den konservativen, wie liberalen Milieus von „personenzentrierten“ Milieus spricht. 6 Anders als bei Katholiken und Sozialisten zeichnen sich daher keine einheitlichen Beziehungen zwischen Milieu und Partei ab. Diese Milieus setzen sich sozial sehr heterogen zusammen, die Parteibindungen sind wenig verbindlich. Dennoch lässt sich sagen, dass die Wählerschaft der liberalen und konservativen Parteien vor allem im Bürgertum, bei Angestellten, (höheren) Beamten, Akademikern, Gewerbetreibenden, Pensionären und im Bauerntum, bei Groß-und Mittelgrundbesitzern, Landadel sowie Gutsbeamten zu finden ist.
2 Vgl. Borchert, Jens: Die Politik der Milieus und das Milieu der Politik, in: Dürr, Tobias, Walter (Hrsg.), Franz: Solidargemeinschaft und fragmentierte Gesellschaft. Parteien, Milieus und Verbände im Vergleich, Opladen 1999, S. 74.
3 Vgl. Walter, Franz, Matthiesen, Helge: Milieus in der modernen deutschen Gesellschaftsgeschichte. Ergebnisse und Perspektiven der Forschung, in: Schmiechen-Ackermann, Detlef: Anpassung Verweigerung Widerstand. Soziale Milieus, Politische Kultur und der Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Deutschland im regionalen Vergleich, Berlin
1997, S. 47.
4 Zit. nach Lösche, Peter: Parteienstaat Bonn - Parteienstaat Weimar?. Über die Rolle von Parteien in der parlamentarischen Demokratie, in: Kolb, Eberhard, Mühlhausen (Hrsg.), Walter: Demokratie in die Krise, München 1997, S. 64.
5 Vgl. Walter, Franz, Matthisen, Helge (Anm. 3), S. 56.
6 Vgl. Naßmacher, Karl-Heinz: Zerfall einer liberalen Subkultur. Kontinuität und Wandel des Parteiensystems in der Region Oldenburg, in: Kühr (Hrsg.), Herbert: Vom Milieu zur Volkspartei. Funktionen und Wandlungen der Parteien im kommunalen und regionalen Bereich, Meisenheim 1979, S. 106.
4
3 Politische Kultur
Politische Kultur-Forschung hat in den letzten Jahrzehnten Einzug in verschiedenste Forschungsrichtungen von Politik- und Geschichtswissenschaften über Soziologie und Psychologie bis hin zur Massenkommunikationsforschung gehalten. David Elkins und Richard Simeon verstehen unter „Politischer Kultur“ ein vom Individuum zu abstrahierendes, grundsätzlich kollektives Phänomen. 7 Als das Ensemble fundamentaler Annahmen, Werthaltungen und Einstellungen von sozialen Gruppen in Bezug auf die Rolle der politischen Ordnung, des politischen Systems für die Interaktion in diesen Gruppen und mit der Gesamtgesellschaft wird der Begriff „Politische Kultur“ von Patrick verstanden. 8
Für diese Arbeit soll die Definition von Rohe gelten, die „Politische Kultur“ als das „politisch relevante Weltbild“ versteht. 9 In Abgrenzung zur Definition von Patrick stellt Rohe klar, dass es nicht um Einstellungen, sondern um Vorstellungen geht. Politische Kultur ist also eine Art „Theorie des Politischen“, die Einstellungen und Wertungen vorgeschaltet ist. Die kollektive Eigenschaft wird, wie bei Elkins und Simeon, betont, indem Rohe von allgemein geteilten, „bewussten/unbewussten Grundannahmen über die politische Welt“ spricht. 10
Politische Kultur hat nach Rohe prozessualen Charakter, der Verwurzelung in Tradition und kollektiver „Realitätserfahrung“ hat. 11 So wird zum Beispiel Politische Kultur von Politik geprägt und gleichzeitig prägt Politische Kultur die Politik. Beim Studium von Zeitungsartikeln muss man sich darüber bewusst sein, dass diese meistens keine Direktaussagen über Milieus und deren „politisch relevantes Weltbild“ enthalten. Es sind vielmehr Texte, die durch die Brille einer bestimmten segmentierten Politischen Kultur von Redakteuren verfasst wurden. Die Semiotik und Semantik dieser Texte ist häufig symbolisch überformte Aussage entsprechend den Vorstellungen der Texter. Diese
7 Vgl. Seck, Wolfgang: Politische Kultur und Politische Sprache. Empirische Analysen am Beispiel Deutschlands und Großbritanniens, Frankfurt a. M., Bern, New York, Paris 1991, S. 24.
8 Vgl. Schumann, Hans-Gerd: „Nationalkultur“ zwischen Einheitlichkeit und Segmentierung. Methodologische Anmerkungen zur historischen Erforschung „Politischer Kultur“, in: Lehnert, Detlef, Megerle (Hrsg.): Politische Teilkulturen zwischen Integration und Polarisierung. Zur politischen Kultur in der Weimarer Republik, Opladen 1990, S. 20.
9 Vgl. Rohe, Karl: Politische Kultur und ihre Analyse. Probleme und Perspektiven der Politischen Kulturforschung, in: Historische Zeitschrift 250 (1990), S. 333.
10 Vgl. Rohe, Karl: Zur Typologie politischer Kulturen in westlichen Demokratien. Überlegungen am Beispiel Großbritanniens und Deutschlands, in: Dollinger, H., Gründer, H., Hanschmidt (Hrsg.), A.: Weltpolitik Europagedanke Regionalismus, Münster 1982, S. 581-596.
11 Vgl. Seck, Wolfgang (Anm. 7), S. 25.
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symbolischen Aussagen gilt es zu analysieren um Rückschlüsse auf das „politisch relevante Weltbild“ der Autoren - und somit der entsprechenden Milieus - zu ziehen.
4 Gemeinschaft und Gesellschaft
Um durch die „Brille“ der Politischen Kultur-Forschung von Quellen auf Vorstellungen zu schließen bedarf es einer Verschärfung des Blickes, einer Fragestellung, die Texte interpretierbar macht. Hier soll das die Frage nach den Vorstellungen vom Zusammenleben der Menschen sein, da das Problem des Miteinanders in einer Gesellschaft allen politischen Konflikten zugrunde liegt. Diese Vorstellungen wurden zur Zeit der Weimarer Republik häufig unter den Begriffen „Gemeinschaft“ und „Gesellschaft“ verhandelt. Eine wertende Gegenüberstellung der beiden Vergesellschaftungsformen „Gemeinschaft und Gesellschaft“ geht auf das gleichnamig Buch von Ferdinand Tönnies aus dem Jahre 1887 zurück. 12 Gemeinschaft ist für Tönnies eine Sozialform, in der die Menschen auf der Grundlage enger persönlicher und um ihrer selbst willen bejahter Beziehungen verbunden sind. Sie beruht auf der Betonung des Gemeinsamen, ist geprägt von Nähe, Intimität, Rückhaltlosigkeit und Wärme und wird getragen von sinnstiftenden Instanzen wie Eintracht, Sitte und Religion. Gesellschaft dagegen stellt für Tönnies ein bloßes Nebeneinander getrennter einzelner Individuen, ein künstliches Zusammenleben dar. 13 Dieses ist gekennzeichnet durch Egoismus und „potentielle Feindseligkeit“, Gesellschaft ist das Ergebnis eines modernen Rationalisierungsprozesses, der die traditionalen Strukturen auflöst. 14 War Tönnies’ Buch bis zur zweiten Auflage 1912 nahezu unbeachtet geblieben, fand es während der Weimarer Republik eine ungeheure Verbreitung und Popularität. Dies ging so weit, dass Helmuth Plessner, ein zeitgenössischer Kritiker der Gemeinschaftsideologie, von Gemeinschaft als einem „Idol dieses Zeitalters“ spricht. 15 Gemeinschaft und ihre Werte werden idealisiert, alte politische und soziale Widersprüche verdeckt, es entsteht ein „heroischer Gemeinschaftskult“, ein Gemeinschaftsradikalismus. 16 Otto Gerhard Oexle spricht
12 Vgl. Gangl, Manfred: Grenzen der Gesellschaft und Grenzen der Gemeinschaft. Zur philosophischen Anthropologie bei Ferdinand Tönnies und Helmuth Plessner, in: Bialas, Wolfgang, Stenzel (Hrsg.), Burkhard: Die Weimarer Republik zwischen Metropole und Provinz, Weimar, Köln, Wien 1996, S. 201.
13 Vgl. Gebhardt, Winfried: „Warme Gemeinschaft“ und „kalte Gesellschaft“. Zur Kontinuität einer deutschen Denkfigur, in: Meuter, Günter, Otten (Hrsg.), Henrique Ricardo: Der Aufstand gegen den Bürger. Antibürgerliches Denken im 20. Jahrhundert, Würzburg 1999, S. 169.
14 Vgl. Gangl, Manfred (Anm. 12), S. 201.
15 Vgl. ebd., S. 202.
16 Vgl. Gebhardt, Winfried (Anm. 13), S. 172.
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Florian Werner, 2001, Politische Kultur in der 'B.Z. am Mittag' und im 'Berliner Lokal-Anzeiger', Munich, GRIN Publishing GmbH
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