1. Einleitung 3
2. Definition von Masse 4
3. Das Phänomen der Masse nach Gustave Le Bon 5
3.1 Die sogenannte Massenseele 5
3.2 Klassifizierung von Massen 6
3.3 Machfaktor / Führerprinzip 7
4. Theorie der Massenpsychologie von Sigmund Freud 10
4.1 Suggestion 10
4.2 Identifizierung / Idealisierung / Hypnose 10
4.3 Der Herdentrieb versus der Urhorde 11
5. Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Freud und Le Bon 13
6. Schlusswort 15
Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Psychologie der Massen und skizziert hierzu zwei der diesbezüglich bekanntesten Theorien: von Gustav Le Bon und Sigmund Freud mit dem Ziel, einen Vergleich zwischen beiden Ansätzen anzustellen.
Nach einigen einführenden Erläuterungen zum Thema „Masse“ und „Massenpsychologie“ wird zunächst die Theorie des jeweiligen Autors in ihren wesentlichen Zügen dargestellt. Als Grundlage hierzu dienen die entsprechenden Originalschriften: „Psychologie der Massen“, das wohl wichtigste Werk des französischen Arztes und Soziologen Le Bon, erschienen 1895, sowie „Massenpsychologie und Ich-Analyse“, ein Essay, den Freud 1921 veröffentlichte.
Anschließend werden die gemeinsamen und trennenden Momente der beiden Theorien genannt und diese dann miteinander verglichen. Um den hierfür vorgesehenen Rahmen nicht zu sprengen, müssen andere zum Thema der Massenpsychologie existierende Erklärungsmodelle, von denen die von Tarde, Sighele, oder McDougall zu den bekanntesten zählen dürften, unberücksichtigt bleiben.
Es kann allenfalls darauf verwiesen werden, dass sich eine Reihe von Autoren mehr oder minder intensiv mit der Psychologie der Massen beschäftigt haben, wobei hierfür als Kernzeit Ende des
19. Jh. bis Anfang des 20. Jh. angesehen werden mag. Dass die Herangehensweise an das Thema dabei auf höchst unterschiedliche Arten erfolgte, dürfte nicht zuletzt in einer fehlenden einheitlichen Einordnung der Massenpsychologie innerhalb der übrigen psychologischen Disziplinen Ausdruck finden. Diese erfolgte teils innerhalb der Sozialpsychologie, teils wurde die Psychologie der Massen eindeutig von dieser getrennt. In der modernen psychologischen Forschung hat der Begriff „Massenpsychologie“ gänzlich ausgedient. Eine Fortsetzung findet zum Teil auf dem Gebiet der Umweltpsychologie unter dem Namen des „Crowding“ statt, wenngleich jeglicher Bezug zur klassischen Psychologie der Massen fehlt.
2. Definition von Masse
Zunächst soll der Begriff der Masse definiert und gegenüber anderen für Menschenmengen verwendeten Bezeichnungen abgegrenzt werden. Hierbei zeigt sich allerdings, dass es in der einschlägigen Literatur an einer eindeutigen Abgrenzung fehlt.
So ist nach Roger W. Brown die Masse gleichrangig mit der Menge und dem Mob sowie Publikum übergeordnet. (Vgl. Studienbrief 03251, S. 151).
Hofstätter setzt dagegen den Plural auf die oberste Stufe, den er in Familie, Klasse und Menge untergliedert. Unter der letzteren sind dann die Abstufungen Gruppe und Masse zu finden (Hofstätter, 1957)
Lück nennt die Masse eine „aktive Menge“, wobei ihr die letztere übergeordnet ist (zitiert nach Asanger & Wenninger, 1999, S. 265)
Fischer und Wiswede nehmen eine klare Abgrenzung der Masse gegenüber anderen Gruppengebilden vor (so wird Menge als eine Personenmehrheit charakterisiert, die sich zufällig in räumlicher Nähe befindet) und stellen folgende Definition auf: „Als Masse wird eine emotionalisierte Menge angesehen (z.B. ein aufgepeitschtes Fußballpublikum), das im Zuge von Ansteckwirkungen zu kollektiven Aktionen neigt.“. (Fischer & Wiswede, 1997, S. 555).
In seiner Einführung zu „Psychologie der Massen“ von Gustav Le Bon bietet Moede zwar keine explizite Definition der Masse, bezeichnet dafür aber die Psychologie der Massen als „die Wissenschaft von der Mehrzahl“. (1938, zitiert nach Le Bon, S. I.).
Moscovici nennt die Masse „[...] ein transitorisches Ensemble von gleichrangigen, anonymen und ähnlichen Individuen, innerhalb dessen die Ideen und Emotionen eines jeden dazu neigen, sich spontan auszudrücken.“ (Moscovici, 1984, S. 13). Dass sich auch modernere Autoren mit einer eindeutigen Definition ein wenig schwer tun, soll folgendes Zitat belegen: „Da es Massen sehr verschiedener Herkunft, Eigenart und Bewußtseinslage gibt, vor allem aber Massen sehr verschiedener Affektivität, erweist es sich als problematisch, zu einer verläßlichen Wesensbestimmung zu gelangen.“ (Amann, 1983, S. 15).
3. Das Phänomen der Masse nach Gustave Le Bon
3.1 Die sogenannte Massenseele
Le Bons unterscheidet zwischen einer Masse im Sinne einer beliebigen Menschenmenge und der psychologischen Masse, für die eine Reihe von Kriterien erfüllt sein müssen. Das wichtigste dürfte die Herausbildung völlig neuer Eigenschaften darstellen, an denen es den einzelnen Mitgliedern vor der eingegangenen Verbindung mangelte.
Der Prozess wird wie folgt eingeleitet: unter der Wirkung bestimmter Reize schwindet die bewusste Persönlichkeit und die Gedanken und Gefühle richten sich alle in die gleiche Richtung. Dabei sei es nicht notwendig, dass sich die einzelnen Individuen alle an einem Ort befinden müssen, ausschlaggebend sei hierfür die Beschaffenheit und der Wirkungsgrad des Reizes. An dieser Stelle können die neu entstandenen Merkmale beobachtet werden, die Le Bon in allgemeine sowie besondere trennt. Während die ersteren für alle in seiner Interpretation gemeinten psychologischen Massen gelten, werden die letztgenannten von der jeweiligen Zusammensetzung der Menschenmenge, aber auch von der Art und Ausprägung des die Transformation ausgelösten Reizes bestimmt. Beide Arten machen das Wesen der Massenseele aus. Von nun an unterliegt nach Le Bon die zu einem Wesen verschmolzene Menge von Menschen einem Gesetz, welches er „Gesetz der seelischen Einheit der Massen“ nennt. (Le Bon, S. 10)
Dabei geht Le Bon davon aus, dass sich in den alltäglichen Verhaltensweisen eines einzelnen Menschen durchaus ungewohnte Züge einstellen können, wenn entsprechende äußere Voraussetzungen gegeben sind. Es entstehe quasi eine spontane Anpassung an die Umwelt oder in Le Bons Worten: „[...] die Gleichförmigkeit der Umgebung schafft die sichtbare Gleichartigkeit der Charaktere“ (Le Bon, S. 12).
Ferner seien die Gemütsveränderungen unabhängig von der bisherigen Lebensweise oder der Intelligenz der jeweils Betroffenen. Allein die Tatsache, von einem Einzelwesen zum Bestandteil der Masse geworden zu sein, sei dafür ursächlich, dass sich Denkweise, Affekte und das Handlungspotential gravierend ändern können. Noch einen Schritt weiter geht Le Bon, wenn er behauptet, dass manche Gefühle und Ideen überhaupt erst innerhalb der Masse möglich sind (Le Bon, S. 13).
Quote paper:
Gisela Bsdok, 2006, 'Die Psychologie der Massen' - ein Vergleich der Erklärungsansätze von Le Bon und Freud, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Massenpsychologie und Ich-Analyse mit einer kritischen Betrachtung nac...
Psychology - Social Psychology
Termpaper, 23 Pages
Zu: Gustav Le Bon - Die Psychologie der Massen
Sociology - Classics and Theoretical Directions
Termpaper, 10 Pages
Wo bestehen Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Massenpsychologie ...
Psychology - Social Psychology
Scholary Paper (Seminar), 25 Pages
"Der werdende Vater" - Der Übergang zur Vaterschaft aus psyc...
Psychology - Personality Psychology
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Sigmund Freuds ,,Massenpsychologie und Ich-Analyse"
Psychology - Social Psychology
Termpaper, 19 Pages
Exilliteratur: Stefan Zweig 'Castellio gegen Calvin'
Oder: Ein Gewissen gegen die ...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 27 Pages
Massenkultur und Propaganda - Kulturpolitik im 3. Reich
History Europe - Germany - National Socialism, World War II
Scholary Paper (Seminar), 27 Pages
Chancen(un)gleichheiten im Bildungswesen
Pedagogy - School System, Educational and School Politics
Scholary Paper (Seminar), 20 Pages
Doppelhaus Le Corbusier der Weissenhofsiedlung Stuttgart
Art - Architecture / History of Construction
Essay, 14 Pages
Immanuel Kants Analytik des Schönen
Cultural Studies - Basics and Definitions
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Das Frauenbild in Erich Kästners lyrischen Werken
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Geschlechtsunterschiede im Spracherwerb? Versuch eines Forschungsüberb...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 33 Pages
Auswirkungen der vaterlosen Gesellschaft auf die Schule
Termpaper, 80 Pages
Gisela Bsdok's text 'Die Psychologie der Massen' - ein Vergleich der Erklärungsansätze von Le Bon und Freud is now available as a printed book
Gisela Bsdok has published the text 'Die Psychologie der Massen' - ein Vergleich der Erklärungsansätze von Le Bon und Freud
Gisela Bsdok has uploaded a new text
Disenchanting Les Bons Temps: Identity and Authenticity in Cajun Music...
Charles J. Stivale
0 comments