Ludwig-Maximilians-Universität München
Hauptseminararbeit
am Institut für die Wirtschaft und Gesellschaft Japans
Industrien und Unternehmen in Japan
Wintersemester 2006/2007
„Probleme des Wissenstransfers bei grenzüberschreitenden Kooperationen“
von:
Manuel Rimkus
Studiengang BWL
8. Semester
Abgabetermin: 22. November 2006
Inhaltsverzeichnis
Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis II
1. Einleitung, Systematisierung und Zielsetzung der Arbeit 3
2. Theoretische und empirische Untersuchungen zu Problemen für den Wissenstransfer bei grenzüberschreitenden Kooperationen 7
2.1. Problemfelder des Wissenstransfers in multinationalen Unternehmen
2.2. Gefahren des Wissensabflusses bei grenzüberschreitenden Kooperationen 11
3. Fazit und Managementimplikationen 15
Literaturverzeichnis 17
Anhang 24
„If HP knew what HP knows, we would be three times as proftibale.“ 1
(Lew Platt, Geschäftsführer von Hewlett-Packard)
1. Einleitung, Systematisierung und Zielsetzung der Arbeit
Durch die voranschreitende Globalisierung der Weltwirtschaft und der Kapital-, Güter-, Arbeits- sowie Informationsmärkte, die Auflösung von Branchengrenzen und die Substituierbarkeit von Unternehmensleistungen spielt das Management von Wissensressourcen als Wettbewerbsfaktor für multinationale Unternehmen eine immer wichtigere Rolle.2 Die Symbiose von Wissen und Organisation führt nach Neumann (2000) zu einer Reformulierung der Theorie der Unternehmung: „Während zunächst Transaktionskosten und die Differenz von Markt und Hierarchie die Fassung von Unternehmen bestimmten, nehmen heute verstärkt verhaltenstheoretische, soziologisch geprägte systemtheoretische, ressourcen-theoretische und eben wissenstheoretische Überlegungen Einfluss auf die Betrachtung von Unternehmen und die Generierung von Wettbewerbsfaktoren.“3
Der strukturelle Wandel zur Wissensgesellschaft und die rasante Entwicklung von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK) verleihen der Ressource Wissen im Rahmen der neuen internationalen Arbeitsteilung eine besondere Relevanz gegenüber arbeits- und kapitalintensiven Aktivitäten (siehe Abb.1).4 Bereits seit den 80er Jahren setzen sich Wissenschaftler wie Polanyi (1985), Nonaka und Takeuchi (1995) oder Szulanski (1996) mit der Problematik des Wissenstransfers in Organisationen auseinander.5 Holtshouse (1998) nennt den Wissenstransfer als eines der wichtigsten Forschungsgebiete im Bereich Wissensmanagement und bemerkt dazu:
„In business today, there is a growing awareness and urgency for a more systematic approach to the sharing of knowledge in order for it to be quickly leveraged, grown, and expanded.“6
Die wissenschaftliche Literatur systematisiert zahlreiche Klassifikationen von Wissensarten und verschiedene definitorische Abgrenzungen des Wissensbegriffs. 7 Krogh (1998) unterscheidet grundlegend zwischen der kognitivistischen Perspektive, die Wissen als ein objektives Abbild der Realität begreift, und der konstruktivistischen Perspektive, bei der das Wissen auf der subjektiven Wahrnehmung des Individuums von seiner Umwelt beruht.8 Darüber hinaus herrscht in der Management-Praxis ein utilitaristisches Verständnis von Wissen vor, das Senge et al. (1999) als Voraussetzung für effektives Handeln charakterisieren.9 Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird auf die ebenfalls pragmatische Begriffsdefinition von Hippner (2005) zurückgegriffen:
„Wissen entsteht durch die Vernetzung von Informationen anhand bestehender Erfahrungen, wobei diese Erfahrungen im Gedächtnis von Mitarbeitern oder in Datenbanken, Regeln etc. hinterlegt sind.“10
Demnach muss nach Felbert (1998) ein modernes Wissensmanagement die sozialen Interaktionsmechanismen in einer Unternehmung beachten und das kreative Wissenspotential aller Mitarbeiter optimal nutzen.11
Abb. 1: Bedeutungszunahme der Ressource Wissen
Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Neumann, R. (Organisation als Wissen 2000), S.17; North, K. (Unternehmensführung 2002), S.15.
[...]
Zu den wichtigsten Wissensarten zählen Neumann (2000), Thiel (2001) oder Haun (2002) die Differenzierung nach transferrelevanten Kriterien in explizites versus implizites Wissen sowie artikulierbares gegenüber nicht artikulierbares Wissen.12 Dieses steht dann auf individueller oder kollektiver Ebene den Transferpartnern in Form von theoretischem oder praktischem Wissen zur Verfügung (siehe Abb.2).13
[....]
1 Vgl. Almashari/Zairi/Alathari (Impact of Knowledge 2002), S.74.
2 Vgl. Picot/Reichwald/Wigand (Unternehmung 2003), S.2ff; Meyer/Kantsperger (Kundenzufriedenheit 2004), S.219f; Bamberger/Wrona (Ressourcenansatz 1996), S.130ff.
3 Neumann, R. (Organisation als Wissen 2000), S.4.
4 Vgl. North, K. (Unternehmensführung 2002), S.14ff; Bullinger/Wagner/Ohlhausen (Intellektuelles Kapital 2000), S.75ff; Haun, M. (Wissensmanagement 2002), S.5ff.
5 Vgl. Polanyi, M. (Implizites Wissen 1985); Nonaka/Takeuchi (Knowledge-Creating Company 1995); Szulanski, G. (Exploring Internal Stickiness 1996).
6 Holtshouse, D. (Knowledge Research 1998), S.278.
7 Für einen Überblick vgl. Schreyögg, G. (Wissen in Unternehmen 2001), S.7ff; Neumann, R. (Organisation als Wissen 2000), S.62ff; Kalmring, D. (Performance Measurement 2003), S.14ff; Weissenberger-Eibl, M. A. (Unternehmensnetzwerke 2000), S.30f.
8 Vgl. Krogh, G. v. (Knowledge Creation 1998), S.134ff.
9 Vgl. Senge et al. (Change 1999); Thiel, M. (Implementierung des Wissenstransfers 2001), S.13f.
10 Hippner, H. (CRM 2005), S.127; In Abgrenzung dazu versteht Hippner (2005) unter Informationen subjektiv interpretierte Daten bzw. Fakten, vgl. Hippner, H. (CRM 2005), S.127.
11 Vgl. Felbert, D. v. (Wissensmanagement 1998), S.122.
12 Vgl. Neumann, R. (Organisation als Wissen 2000), S.62ff; Thiel, M. (Implementierung des Wissenstransfers 2001), S.16ff; Haun, M. (Wissensmanagement 2002), S.183ff.
13 Vgl. Thiel, M. (Implementierung des Wissenstransfers 2001), S.16ff.
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cand. rer. oec. Manuel Rimkus, 2007, Probleme des Wissenstransfers bei grenzüberschreitenden Kooperationen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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