Inhalt
I Einleitung 3
II Das Schwert in der Bronzezeit 4
a Grundformen der Unterscheidung: Der Griff
b Bedeutung des Schwertes
III Aufkommen von Schwertern und chronologische Einordnung 6
a Ägäis und Balkanraum (Südosteuropa)
b Ungarn (Theißgebiet und Karpatenbecken)
IV Vollgriffschwerter in Mitteleuropa 9
a Süddeutschland
b Norddeutschland Dänemark und Südskandinavien
c Diskussion der Zusammenhänge
V Zusammenfassung und Schlussbetrachtung 13
VI Literaturverzeichnis 14
VII Abbildungen 15
VIII Abbildungsverzeichnis 21
2
I. Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Aufkommen und der Verbreitung von Schwertern in Mitteleuropa zur Zeit der Bronzezeit.
Es soll die Frage geklärt werden, wann und in welchem Umfang die ersten Schwerter in Mitteleuropa aufkamen. Diese Frage soll sowohl quantitative als auch qualitative Aspekte berücksichtigen.
Als Erstes werde ich einige allgemeine Definitionen aufstellen und diese, soweit möglich und nötig, auch erörtern. Des Weiteren soll kurz auf die Bedeutung und den Zweck von Schwertern in der bronzezeitlichen Gesellschaft eingegangen werden.
Das Augenmerk wird dann in Richtung Südosteuropa gelenkt; der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt aber auf der Betrachtung der Verbreitung und des Auftretens von Schwertern in Mitteleuropa, wobei hier in erster Linie die Regionen Deutschland und Südskandinavien bearbeitet werden. Kernpunkt der Untersuchung bilden hier im Speziellen die Vollgriffschwerter, wobei auf jene mit organischen Griffen weniger eingegangen werden soll. Ebenso wird die Forschungsgeschichte für die Beziehungen zwischen dem nordischen Raum und das Donaugebiet in Süddeutschland unter der Berücksichtigung der Verwandtschaftsverhältnisse der Vollgriffschwerter betrachtet werden.
3
II. Das Schwert in der Bronzezeit
a. Grundformen der Unterscheidung: Der Griff
Bei Schwertern lassen sich grob solche mit organischen und solche mit metallenem
(bronzenem) Griff unterscheiden. 1 Jene mit organischen Griffen unterteilen sich weiter in Griffplatten-, Griffangel- und Griffzungenschwerter.
Griffplattenschwerter besitzen eine trapez-, parabelförmige oder abgerundete Platte, in welcher Nietstifte in Nietlöchern oder –kerben sitzen. Der in der Regel aus einem Stück geschnitzte, aus organischem Material bestehende geschlitzte Griff wurde auf die Griffplatte aufgeschoben und dann vernietet. Die Klingen der Griffangelschwerter laufen oben in eine im Querschnitt unterschiedlich dicke, vierkantige oder runde Angel aus. Diese ragt weit in den organischen Griff hinein oder durchdringt in völlig, so dass das Angelende aus dem Griff herausragen kann und gelegentlich umgebogen oder platt geschlagen wird. Griffzungen- schwerter hingegen haben ein Schwertheft, welches mit einer Einziehung in die parallelseitige oder gebauchte Griffzunge übergeht, die normalerweise Ränder von unterschiedlicher Höhe hat. Die zumeist hörnerartig auslaufenden Zungenstege sind in der Regel länger als die Zungenbrücke. Auf Griffzunge und Heft werden beidseitig Platten aus organischem Material aufgelegt, die üblicherweise mit Pflocknieten fest verbunden werden. Zwischen den Platten und der Zunge kann in einem Hohlraum Blei verfüllt werden, um Klinge und Griff in Bezug
auf das Gewicht anzugleichen. 2 Vollgriffschwerter sind als solche zu bezeichnen, wenn deren Klinge und Griff aus Metall (hier: Bronze) bestehen. Klinge und Griff sind am Heft miteinander verbunden, da beide einzeln gegossen werden. Die etwa faustbreite, sich über dem Heft befindende Griffstange wird von der Knaufplatte abgeschlossen. Vollgriffschwerter unterscheiden sich in der ornamentalen Ausgestaltung des Griffes, die bei älteren Vollgriffschwertern nach dem Gießen
aufgebracht wird; bei jüngeren Vollgriffschwertern sind sie mitgegossen. 3 Schwerter eignen sich als Hieb- und Stichwaffen. Bei Stichwaffen sind die Klingen eher schilfblattförmig, bei Hiebwaffen dagegen weidenblattförmig. Auch die Konstruktion des Griffes lässt Rückschlüsse auf die Funktion zu. Hier ist insbesondere die Stabilität zu untersuchen; der Übergang vom Heft zu Griff ist dafür ein guter Indikator.
1 H. Wüstemann, Dolche und Schwerter – Der Waffenschmied und seine Technik. Arch. Deutschland,
Sonderheft 1994, 87.
2 P. Schauer, Die Schwerter in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz I (Griffplatten-, Griffangel- und
Griffzungenschwerter). PBF IV, 2 (München 1971) 3.
3 W. Krämer, Die Vollgriffschwerter in Österreich und der Schweiz. PBF IV, 10 (München ....) 1.
4
b. Bedeutung des Schwertes Die primäre Funktion eines Schwertes liegt wohl in der Nutzung als Waffe. Je nach Beschaffenheit des Schwertes kommt eine Funktion als Hieb-, Stich- oder Hiebstich- kombinationswaffe in Frage. Besondere Aufmerksamkeit ist hier auf die Verbindung Heft- klinge und die Klinge selber zu legen. Eine rapierartige Klinge, die also lang und dünn ist, eignet sich nur als Stichwaffe, eine weidenblattförmige Klinge dagegen eher als Hiebwaffe. Dabei ist auch noch an die Konstruktion des Griffes mit seiner Verbindung zum Heft zu denken; es ist zu untersuchen, ob die Verbindung fest genug ist, um das Schwert als Hiebwaffe einzusetzen oder ob die Gefahr des Bruches der Klinge am Heft oder einer anderen Stelle gegeben ist.
Schwerter können auch eine Stellung als Prestigeobjekt inne gehabt haben. Schwerter mit Griffen und Knäufen aus Elfenbein oder Halbedelsteinen und prächtig verzierten Klingen werden wohl eher als Repräsentationswaffen gedient haben. Ebenso ist eine Verwendung als Kultgegenstand denkbar; so wurden z.B. Schwerter geweiht und als „Opfer“ in Flüssen und Mooren niedergelegt. 4
4 I. Kilian-Dirlmeier, Die Schwerter in Griechenland (außerhalb der Peloponnes), Bulgarien und Albanien. PBF
IV, 2 (Stuttgart 1993) 7, 130ff.
5
III. Aufkommen von Schwertern und chronologische Einordnung
a. Ägäis und Balkanraum (Südosteuropa)
Die Schwerter der Bronzezeit können in sechs unterschiedliche Formgruppen aufgegliedert werden. Die in zeitlicher Abfolge stehenden Gruppen überschneiden sich aber so, dass immer mindestens zwei verschiedene Typen zeitgleich auftreten. Die Merkmale, die für die Einteilung der Schwerter in Typen bedeutsam sind verändern sich immer so, dass sie eine konsequente Weiterentwicklung in der Herstellungstechnik und Kampfwert aufzeigen. Die ältesten Schwerter des Typs A (Schwerter mit gerundeten Schultern und schmaler, flacher
Griffzunge) sind die beiden Schwerter aus dem Palast von Malia 5 , die sich in das 19. Jh. v. Chr. (MMII) datieren lassen. Diese beiden Schwerter sind aber nicht die ältesten Belege für
den ägäischen Raum. Die Schwerter von Naxos und Kos 6 bezeugen eine vorhergehende erste frühbronzezeitliche Phase der Schwertproduktion.
Die Schwerter vom Typ B stellen eine jüngere, nicht von Typ A abhängige Form von Griffzungenschwertern mit eckigen Schultern und Randleisten dar. Dieser Typ ist im Vorkommen räumlich auf das Festland begrenzt und wird in die Zeit des 16. Jhs. v. Chr. datiert (SHI). Typ B geht auf minoische Arbeiten zurück, die sich wiederum auf syrische Dolche mit Griffzungen und Randleisten beziehen; somit lässt sich ein Techniktransfer und Importbeziehungen durch minoische Handwerker von der Levante über Kreta bis hin zum
Festland rekonstruieren. 7 Bronzefunde mykenischer Art und/oder Verwandtschaft treten, weg von der ägäischen Küstenzone, im griechischen, jugoslawisch-makedonischen und thrakischen Landesinnern auf und ziehen sich bis Bulgarien hin. Die Schwertfunde dieser Regionen leiten typologisch von den mykenischen Rapieren ab. Aufgrund des Fundmaterials lässt sich aussagen, dass sowohl ägäische Erzeugnisse die Region erreicht haben als auch ägäische Erzeugnisse kopiert und weiterentwickelt worden sind. Die absolute Datierung ist noch spekulativ, lässt sich aber grob
in die frühmykenische Zeit (16. Jh. v. Chr.) einordnen. 8
b. Ungarn (Theißgebiet und Karpatenbecken)
Stich- und Hiebwaffen finden sich schon in dem kupferzeitlichen Fundmaterial von Ungarn. Zum Ausgang der Kupferzeit wurden in Ungarn größere Metalldolche erzeugt. Die einzigen
5 Abb. 1.
6 Abb. 2.
7 Kilian-Dirlmeier, Schwerter in Griechenland 164ff.
8 H. Müller-Karpe, Handbuch der Vorgeschichte. IV, 2 (München 1980) 152f.
6
Quote paper:
Marco Chiriaco, 2005, Das Schwert in der Bronzezeit - Entstehung, Verbreitung und Beziehungen im mitteleuropäischen Raum, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Die Große Griechische Kolonisation: Einflüsse und Bedeutung von Religi...
History - World History - Early and Ancient History
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 17 Pages
Giorgio Vasaris Schilderung der Bauten Leon Battista Albertis für Sigi...
Exzerpt / Zusammenfassung eine...
Art - Architecture / History of Construction
Excerpt, 3 Pages
Heidelberger Versammlung und Frankfurter Vorparlament
History Europe - Other Countries - Modern Times, Absolutism, Industrialization
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Die deutsche Rückwanderung aus Amerika im 19. Jahrhundert
Ethnology / Cultural Anthropology
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 36 Pages
Die Repressionspolitik des Deutschen Bundes zwischen 1830 und 1832
History Europe - Other Countries - Modern Times, Absolutism, Industrialization
Scholary Paper (Seminar), 12 Pages
Marco Chiriaco's text Das Schwert in der Bronzezeit - Entstehung, Verbreitung und Beziehungen im mitteleuropäischen Raum is now available as a printed book
Marco Chiriaco has published the text Das Schwert in der Bronzezeit - Entstehung, Verbreitung und Beziehungen im mitteleuropäischen Raum
Marco Chiriaco has uploaded a new text
Befestigungsanlagen Im Griechischen Raum in Der Bronzezeit Und Ihre En...
Georgios Kalogeroudis
Kunst im öffentlichen Raum Steiermark. Art in Public Space Styria
Projekte / Projects 2007-2008
Werner Fenz, Evelyn Kraus, Birgit Kulterer
Öffentliche Kunst, Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich, Band 9...
Katharina Blaas-Pratscher, Jonathan Quinn, Christopher Roth, David Westacott
Das Deuteronomium. Entstehung, Gestalt Und Botschaft - Deuteronomy: Or...
N. Lohfink, Lohfink an
Roger Boltshauser - Elementares zum Raum | A Primer of Space
Bauten und Projekte | Building...
Aita Flury
Die Entstehung einer Weltreligion I
Von der koranischen Bewegung z...
Markus Groß, Karl-Heinz Ohlig
0 comments