Inhalt
Einleitung 1
1. Das Super Nanny Konzept - wer oder was ist die Super Nanny? 3
2. Elternverhalten und intrafamiliäre Interaktionen
- warum sie in der Erziehung so wichtig sind 5
2.1. Psychosoziale Grundwerte menschlichen Zusammenlebens nach Tausch und
6
Tausch
2.2. Förderliche Haltungs- und Verhaltensdimensionen nach Tausch und Tausch 7
8
2.3. Lerntheorien
2.3.1. Behavioristisches Lernen
- die operante Konditionierung 8
2.3.2. Soziales Lernen
- Lernen am Modell 9
2.3.3. Vorzüge des Lernens am Modell verglichen mit operanter
Konditionierung 10
3. Das Verhalten der Super Nanny in Interaktion mit den Familien
(am Beispiel der Familie Wedlich) 13
3.1. Welche Methoden empfiehlt die Super Nanny den Eltern zum Umgang mit
13
den Kindern?
3.2. Welche Aktionen widersprechen den von Tausch und Tausch empfohlenen
f örderlichen Haltungs - und Verhaltensdimensionen und welche sprechen
15
daf ür?
3.2.1. Die erste Dimension - Achtung, Wärme, Rücksichtnahme 16
3.2.2. Die zweite Dimension - vollständig einfühlendes Verstehen 17
3.2.3. Die dritte Dimension - Echtheit, Übereinstimmung und Aufrichtigkeit 17
3.2.4. Die vierte Dimension - fördernde nicht-dirigierende Tätigkeiten 18
4. Fazit 19
Quellenverzeichnis
2
Einleitung
Seit der Erstausstrahlung am 19.09.2004 zählt die Doku-Soap „die Super Nanny“ immer noch zum wöchentlichen Abendprogramm von RTL, und ebenso wenig wie die Popularität, hat die Debatte um das dahinter stehende Format nicht nachgelassen. Es wurden zahlreiche kritische Stimmen laut, unter anderem vom Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) oder auch von der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF). Diese kritisieren vor allem die Zur-Schau-Stellung der Kinder, welche durch eine Ausstrahlung des aufgezeichneten und mit Sicherheit auch publikumsorientiert zugeschnittenen Materials Schaden nehmen können oder diese im Nachhinein möglicherweise nicht befürworten würden. Die Sendung „verletzte […] grundlegende ethische Maßstäbe, wenn Kinder in der gezeigten Form „vorgeführt“ würden“ 1 , so der DGSF. Ebenso werden die Erziehungsmethoden der Super Nanny als „Gehorsamkeitserziehung und Disziplinierung“ 2 beschrieben, welche unter den Begriff des autoritären Erziehungsstils zu fassen sind 3 und sich vielen Methoden der Konditionierung, unter anderem der Bestrafung, bedienen 4 .
Doch inwieweit verhält sie sich die Super Nanny innerhalb der im Fernsehen ausgestrahlten Szenen in der Interaktion mit den Eltern und Kindern wirklich? Wie agiert sie als Pädagogin? Zu welcher Art Erziehung rät sie den Eltern? Mit dem Versuch, diese Fragen zu beantworten oder zumindest Einstiege in eine umfangreichere Analyse des pädagogischen Verhaltens der Super Nanny zu geben, befasst sich diese Arbeit.
Das erste Kapitel erläutert das Konzept der Sendung, dazu gehören sowohl der strukturelle Aufbau, als auch der genaue Inhalt sowie das Ziel, welches durch RTL auf der sendereigenen Homepage formuliert wird.
1 http://www.dgsf.org/meldungen/News_Item.2005-01-06.1859256699
2 http://www.kinderschutzbund-nrw.de/StellungnahmeSuperNanny.htm
3 Vgl. ebd.
4 Vgl. http://bildungsklick.de/a/13098/keine-patentrezepte-gegen-kleine-monster/
3
Im darauf folgenden Kapitel wird die Wichtigkeit gesunder Interaktionsprozesse innerhalb der Familie erläutert, sowie ihre Wirkung auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern. Ebenso wird verdeutlicht, welche Vorzüge das Lernen am Modell als soziale Lernform im Vergleich zu behavioristischen Lerntheorien wie dem operanten Lernen hat. Das dritte Kapitel versucht die vorliegenden Interaktionen zwischen der Super Nanny Katja Saalfrank und der von ihr besuchten Familie anhand einer ausgewählten Beispielfolge zu beschreiben, und mit den in Kapitel zwei genannten förderlichen Aspekten zu vergleichen. Ähnlichkeiten und Widersprüche werden aufgezeigt und mit Lerntheorien in Verbindung gebracht.
Abschließend wird ein Fazit zu der eingangs gestellten Fragestellung gezogen, sowie erläutert, wo eventuell Probleme durch diese Art der Erziehungsberatung entstehen können.
4
1. Das Super Nanny Konzept - wer oder was ist die Super Nanny?
Das TV Format der Super Nanny des Fernsehsenders RTL hat ein recht einfaches Konzept. Die vierfache Mutter und ausgebildete Diplom- Pädagogin Katja Saalfrank alias „die Super Nanny“ versucht mit direkten Erziehungstipps, Übungen und Gesprächen, einer Familie mit verschiedenen Problemen zu helfen.
Um sich zuerst ein Bild von eben diesen Problemen zu verschaffen, zieht sie bei der Familie ein und beobachtet die Interaktionen und das Verhalten der Familienmitglieder genau. Ebenso erarbeitet sie mehr oder weniger gemeinsam mit der gesamten Familie einen Vorgehensplan, der sowohl die Wünsche und Verbesserungsvorschläge der einzelnen Familienmitglieder selbst, als auch ihre eigenen Verhaltensvorgaben berücksichtigt. Anhand dieses Plans werden die Regeln von den Teilnehmern gemeinsam mit Katja Saalfrank eingeübt und immer wieder in Gesprächen thematisiert und durch Hinweise ihrerseits wiederholt. Für diese Analyse und das anschließende Training plant der Sender eine Woche Zeit ein. Im Anschluss daran sollten die Veränderungen immerhin schon so gut verinnerlicht worden sein, dass die Familie nun weitere sieben Tage Zeit hat, alleine fortzuführen, was sie gelernt hat. Um abschließend zu bewerten, wie gut oder schlecht die Familie das Erlernte umgesetzt hat und wo weiterhin Defizite bestehen, kehrt die Super Nanny noch einmal in das zu Hause und den Alltag der Familie zurück und äußert Lob oder auch abschließende Ratschläge 5 . Problem-sowie Ursachenanalyse durch Beobachtung,
Verhaltenstraining und Evaluation in drei Wochen Realzeit und knapp 60 Minuten Sendezeit inklusive Werbeunterbrechungen. Ein klares Konzept, von dem viele Kritiker behaupten, es sei in erster Linie dazu da, die Zuschauer mit den vermeintlichen Problemkindern zu unterhalten, statt ernsthafte Erziehungshilfe zu gewährleisten.
Die Familien, die an der Doku-Soap teilnehmen, müssen sich zuvor bei RTL bewerben und ein unbekanntes Auswahlverfahren mit ebenso
5 Vgl. http://www.rtl.de/ratgeber/familie_874387.php
5
unbekannten Kriterien durchlaufen. Laut RTL hat die Sendung jedenfalls das Ziel, Familien mit Problemen eine direkte Anlaufstelle zu bieten, aber auch dem Fernsehpublikum „anhand von unterschiedlichen Fällen Lösungsansätze für Probleme in der eigenen Familie aufzeigen“ 6 . Doch schon die Titel der Sendungen wie zum Beispiel „Kleiner Pascha: Marcel lässt alle nach seiner Pfeife tanzen“ oder „Null-Bock-Stimmung: Daniel hängt durch und terrorisiert alle“ 7 klingen weniger nach seriöser Dokumentation, als viel mehr nach theatralischer Soap.
Doch unabhängig davon, wer nun grundsätzlich Recht hat - ob RTL oder die Kritiker der Sendung - wird von dem Sender der Anspruch erhoben, „eine fundierte Analyse, Besprechung der Erziehungssituation und eine individuelle pädagogische Beratung für die Eltern“ 8 zu gewährleisten, welche von Katja Saalfrank durchgeführt werden. Somit übernimmt sie innerhalb dieses Formats die Rolle einer Erziehungsberaterin während einer intensiven und öffentlichen Interaktion mit einer Familie.
6 http://www.rtl.de/ratgeber/familie_874467.php
7 http://www.rtl.de/ratgeber/familie_876804.php
8 http://www.rtl.de/ratgeber/familie_874467.php
6
Arbeit zitieren:
Christina Menge, 2006, Das Verhalten der Super-Nanny als Pädagogin im Kontext von Erkenntnissen der pädagogischen Psychologie, München, GRIN Verlag GmbH
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