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Vorgelegt von: Bettina Stade Geboren am: 05.08.1976 In: Erfurt Fachsemester: 4.
Erfurt, den 22.06.1999
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Einleitung
I. Leben und Bedeutung Maria Montessoris
II. Grundlagen der Montessori-Pädagogik
1. Die Psychologie des Kindes 1.1 Der geistige Embryo 1.2 Der absorbierende Geist 1.3 Die Entwicklungsphasen 1.4 Die sensiblen Perioden 1.4.1 Erste Periode (0-6 Jahre) - die Zeit des Aufbaus 1.4.2 Zweite Periode (7-12 Jahre) 1.4.3 Dritte Periode (12-18 Jahre)
2. Die Erziehung des Kindes 2.1 Die vorbereitende Umgebung 2.2 Deviation und Normalisation 2.3 Der Arbeitsbegriff 2.3.1 Freiheit 2.3.2 Freiarbeit 2.4 Die didaktischen Materialien
3. Montessoris Verständnis des kindlichen Lernens 3.1 Die Polarisation der Aufmerksamkeit 3.2 Die Struktur des Lernvorgangs 3.3 Der Lernrhythmus
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4. Kinderhaus und Schule 4.1 Das Montessori-Kinderhaus 4.2 Die Montessori-Schule 4.3 Die Montessori-Lehrerin
5. Frieden und Erziehung
6. Kosmische Erziehung 6.1 Aufgaben der Kosmischen Erziehung 6.2 Konzeption einer Kosmischen Erziehung
Schlußfolgerung
Literaturverzeichnis
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Die italienische Ärztin und Pädagogin Maria Montessori (1870 - 1952) hat in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts eine internationale reformpädagogische Bewegung hervorgerufen, die bis heute lebendig ist. Mit der Gründung des Montessori-Kinderhauses („Casa dei bambini“) 1907 in Rom schuf sie eine Erziehungsinstitution, die sich stark auf zielgerichtetes, methodisiertes frühkindliches Lernen konzentriert und sich als Stätte kindlicher Selbsttätigkeit und Selbsterfahrung sieht 1 . Die Bedürfnisse des Kindes werden hierbei konsequent berücksichtigt, die kindliche Entwicklung und die Arbeit mit dem Kind - das gemeinsame Leben - sind die Orientierungspunkte für die erzieherische Arbeit. Ihre Methode, die auf der aufmerksamen Beobachtung von Kindern und deren Entwicklungsbedürfnissen fußt, ist in der gemeinsamen Arbeit mit Kindern entstanden 2 .
In der vorliegenden Arbeit sollen diese Grundgedanken der Pädagogik Maria Montessoris etwas näher betrachtet und erläutert werden.
Im ersten Teil möchte ich ihr großartiges pädagogisches Wirken und Leben in die pädagogische Historiographie einordnen.
Im zweiten Teil werde ich mich dann intensiv mit den Grundpositionen ihrer Pädagogik befassen. An geeigneten Stellen werde ich die Prinzipien der Montessori-Pädagogik mit praxisnahen Beispielen belegen.
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Maria Montessori wurde am 31.08.1870 in Chiaravalle bei Ancona geboren, 1875 übersiedelte die Familie nach Rom. Ihr großes Interesse an der Mathematik und der Wunsch, Ingenieurin zu werden, veranlaßten sie, eine technische Schule zu besuchen, die bis dahin den Jungen vorbehalten war 3 .
Ihre Universitätsstudien hatte Maria Montessori mit Biologie und Mathematik begonnen, um dann die Medizin zu ihrem Schwerpunkt zu machen. Sie studierte aber auch intensiv Philosophie und Psychologie und mit einem gewissen Nebeninteresse Pädagogik. Mit 26
1 Vgl. Erlinghagen 1979, S. 140.
2 Vgl. Eichelberger 1998, S.7.
3 Vgl. Böhm 199, S. 41 f., Eichelberger 1998, S. 10.
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Jahren promovierte sie als erste Frau Italiens zum Doktor der Medizin und Chirurgie, sie wurde für zwei Jahre Assistenzärztin an der Psychiatrischen Klinik der Universität Rom und begann ihre Laufbahn mit der Betreuung und Erziehung defektiver Kinder. Maria Montessori verwandte Methoden der französischen Arztpädagogen Itard und Séguin, die sich mit der Erziehung von geistig behinderten Kindern wissenschaftlich befaßt hatten. Sie modifizierte diese Methoden für die Unterrichtung zurückgebliebener, besonders sinnesgestörter Kinder, wobei sie sich vor allem an zwei Prinzipien hielt: Ermutigung der kindlichen Initiative und Selbstbetätigung sowie Kompensation der Behinderungen mit Hilfe eines speziellen Trainingsmaterials. In der Folgezeit richtete sie eine Schule für geistig behinderte Kinder ein, an der sie auch Lehrer für diese Kinder ausbildete. Ihr erzieherischer Erfolg bei den geistig behinderten Kindern entwickelte ihr Interesse für Pädagogik, sie begann ein intensives Studium der Hauptwerke der damaligen Erziehungswissenschaft, vornehmlich Rousseau, Pestalozzi und Fröbel. Als die eigentliche Geburtsstunde ihrer Pädagogik wird das Jahr 1907 angesehen. Hier bekam Montessori die Gelegenheit, mit gesunden Kindern zu arbeiten, ihr Kinderhaus in einem armen Arbeiterviertel Roms wurde gegründet. Diese Arbeit wurde die Basis zur Entwicklung ihrer Methode.
Ihr pädagogisches Konzept wurde gemeinsam mit und während der Arbeit mit Kindern entwickelt, es waren die Kinder, die Montessori ihre Methode lehrten: „...die unmittelbare Beobachtung an den Kindern, denen Freiheit gewährt wurde, hat mir bestimmte Gesetze ihres inneren Lebens offenbart,...die Kinder waren es, die aus eigenem Antrieb den Weg, der zur Kraft führt, gesucht uns mit sicherem Instinkt herausgefunden haben.“ 4
Montessoris römisches Kinderhaus wurde sehr schnell sehr bekannt. Die wesentlichen Grundlagen ihrer Pädagogik entwickelte sie in den hierauffolgenden Jahren. Im Zentrum ihres Forschungsinteresse standen das wissenschaftliche Studium der Aufmerksamkeit und die experimentelle Untersuchung der Anregungsbedingungen. Neben den Forschungsarbeiten von Itard und Séguin bezog sie einen weiteren Faktor mit ein: das Studium der Entwicklung des Kindes als Beobachtung kindlicher Selbstäußerung unter Gewährung von Entwicklungsfreiheit in konkret gestalteten pädagogisch-didaktischen Situationen 5 .
4 Vgl. Eichelberger 1998, S. 10 f., Böhm 1991, S. 41 f., Erlinghagen 1979, S. 141 f., Helming 1994, S. 11 f., Biewer 191992, S. 18.
5 Eichelberger 1998, S. 11 f.
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Anwendung fand dieses Konzept im römischen Kinderhaus und brachte eine Entdeckung, die zum Kristallationspunkt der weiteren Forschung und der gesamten Montessori-Pädagogik wurde: die Polarisation der Aufmerksamkeit 6 .
Das Ziel aller Erziehungsbemühungen ist für Maria Montessori die aktive Förderung kindlicher Unabhängigkeit und Selbständigkeit durch Selbsttätigkeit, sie umschreibt diese Erziehungsabsicht als „Meister seiner selbst zu sein“. Ihre Erziehung beruht auf der Achtung vor der Persönlichkeit des Kindes und auf dem Bestreben, dessen natürlichen Tätigkeitstrieb frei walten zu lassen 7 .
Mit dem Erscheinen ihres ersten Buches über die pädagogische Methode (1909) nahm Montessoris Leben eine neue Richtung: sie widmete sich ausschließlich der Verbreitung ihrer Methode, gab Kurse zur Einführung in ihre pädagogische Lehre und Praxis in verschiedenen Ländern und veröffentliche in der Folgezeit eine Vielzahl wissenschaftlicher Werke. Der Zweite Weltkrieg störte die Weiterentwicklung ihrer Pädagogik in Europa. In Indien fand ihre Pädagogik große Resonanz, hier fand 1945 der erste Montessori-Kongreß statt. Nach dem Krieg hielt sie zahlreiche Ausbildungskurse und Vorträge ab, es folgten weitere Kongresse. Maria Montessori starb im Mai 1952 in Noordwijk aan Zee (Holland) und fand dort ihre letzte Ruhestätte 8 .
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Auf der Grundlage von Beobachtungen und der Entdeckung der „Gesetze des inneren Lebens“ leitete Maria Montessori die Grundlagen ihrer Pädagogik ab 9 , die im folgenden intensiver betrachtet werden sollen.
6 Ebd.
7 Ebd.
8 Vgl. Helming 1994, S. 13 f., Olowson 1996, S. 12f.
9 Eichelberger 1998, S. 11.
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Aus einem Vergleich mit der Entwicklung der Tiere beschreibt Montessori die Besonderheiten beim Menschen, sie spricht hier von zwei embryonalen Perioden 10 : „ eine ist pränatal und ähnelt der der Tiere - und die andere ist postnatal und tritt nur beim Menschen auf. Dadurch erklärt sich das Phänomen, das den Menschen vom Tier unterscheidet: die lange Kindheit“ 11 .
Im Laufe der ersten Zeit seiner Entwicklung ist das Kind mit einer besonderen Form des Geistes ausgestattet. Während der Erwachsene die Umwelt nur in seinem Gedächtnis aufnimmt, paßt sich das Kind seiner Umwelt an. Es inkarniert Dinge, die es hört und sieht, diese Dinge werden Teil seiner Psyche. Im Kind besteht für alle Dinge, die es umgeben eine absorbierende Sensitivität: nur durch das Beobachten und Absorbieren der Umwelt ist die Anpassung möglich, diese Form der Aktivität offenbart eine unbewußte Kraft, die nur dem Kind zu eigen ist 12 .
Montessori sieht die erste Lebensperiode als eine Periode der Anpassung: „ Denn während der Erwachsene der alten Zeiten sich nicht an die modernen Zeiten anpassen könnte, paßt sich das Kind an das Kulturniveau, das es vorfindet, an, wie immer es auch sei, und es gelingt ihm, einen Menschen aufzubauen, der seiner Zeit und seinen Sitten angepaßt ist“ 13 .
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Es besteht im Kind eine unbewußte Geistesform, die eine schöpferische Kraft besitzt, von Montessori als „ absorbierender Geist“ bezeichnet. Der absorbierende Geist baut nicht mit Hilfe von Willensanstrengungen, sondern unter der Führung innerer Sensibilitäten das Gedächtnis auf. Nur indem es lebt, absorbiert das Kind aus der Umgebung, die Eindrücke
10 Biewer 1992, S.19.
11 Montessori 1991, S. 55.
12 Vgl. Oswald/ Schulz-Benesch 1997, S. 54.
13 Montessori 1991a, S. 60.
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Arbeit zitieren:
Bettina Stade, 1999, Erziehung zum Menschen - Grundgedanken der Pädagogik Maria Montessoris, München, GRIN Verlag GmbH
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