Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
I. Goethe und die deutsche Sprache. 3
II. Wortbildungen in Johann Wolfgang von Goethes „Faust“ 5
1 Wortbildungen des jungen Goethe 5
a) Substantivbildung. 6
b) Adjektivbildung. 7
c) Bildung von Verben 8
2. Wortbildungen des klassischen Goethe 11
a) Substantiv- und Adjektivbildung nach dem Muster der antiken Sprachen. 11
b) Bildungen von Verben 12
3. Wortbildungen des alten Goethe 13
a) Verbbildung durch Präfigierung 14
b) Adjektivbildung durch Suffigierung 14
c) Goethes Streben nach größtmöglicher Kürze im Ausdruck. 15
III. Goethes Einfluss auf den deutschen Wortschatz 21
Literaturverzeichnis. 22
Prim ärliteratur 22
Sekund ärliteratur. 22
W örterbücher 23
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I. Goethe und die deutsche Sprache
Es ist bekannt, dass Johann Wolfgang von Goethe, wie dieses Zitat aus den ‚Venezianischen Epigrammen’ deutlich zeigt, zeitweise über die Mängel der deutschen Sprache seufzte. Diese Klagen beginnen in der Zeit, in der Goethe versucht mit dem italienischen Singspiel zu wetteifern, und eine Zeitlang ist sein Unmut so groß, dass er behauptet er würde lieber in der italienischen als in seiner eigenen Sprache dichten. 2
Arthur Hübner nennt die Sprache des Dichters einen kostbaren Wertstoff, und vergleicht sie mit dem Stein des Bildhauers. 3 Dieses Bild zeigt meiner Meinung nach sehr deutlich, dass es Aufgabe des Dichters ist, sein „Material“, d.h. die Sprache, zu bearbeiten und so zu gestalten, dass es ihm möglich wird durch sie das auszudrücken, was er auszudrücken wünscht. Dadurch dass Johann Wolfgang von Goethe stets versucht, sein „Material“ zu bearbeiten, überwindet er die Schwierigkeiten, die ihm seine Muttersprache bereitet, es gelingt ihm, seinem Ausdruck Schärfe und Bestimmtheit zu verleihen 4 .
Diese Arbeit des Dichters an seinem „Material“, führt dazu dass Goethe eine sehr bedeutende Rolle in der Entwicklung der deutschen Sprache übernimmt, insbesondere in der Festigung der nationalen Literatursprache.
1 zit. n. Döring, Brigitte: „Denn ich bin ein Mensch gewesen, und das heißt ein Kämpfer sein“. Johann Wolfgang von Goethe zum 150. Todestag. In: Sprachpflege, Jg. 31 (Leipzig 1982), H.3, S. 35
2 vgl. Pniower, Otto: Zu Goethes Wortgebrauch. In: Goethe Jahrbuch 29 (1908), S. 147 - S. 148
3 vgl. Hübner, Arthur: Goethe und die deutsche Sprache. In: Hübner, Kleine Schriften zur deutschen Philologie. Berlin 1940, S. 254
4 vgl. Pniower, Otto: Zu Goethes Wortgebrauch, S. 149
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Seine Sprache umfasst nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens seiner Zeit, einer Zeit, die geprägt ist durch große gesellschaftliche, technische, industrielle, religiöse und geistige Umwälzungen. Wie Wolfgang Schadewaldt hervorhebt, bedeutet Goethe den Übergang von der Sprache des Pietismus und der Aufklärung zum „modernen“ Deutsch des 19. und 20. Jahrhunderts. 5 Die Sprache des Einzelnen ist jedoch nichts Festes, sie entwickelt sich mit dem Menschen selbst, und die Sprache Goethes hat in seinem langen Leben einen vielfältigen Wandel durchgemacht. Die Verschiedenartigkeit seiner Sprache, lässt sich am Deutlichsten an seinen einzelnen Werken nachweisen. So haben z.B. der ritterliche „Götz von Berlichingen“ und der schwärmerische „Werther“ in der Sprache fast nichts gemeinsam. In „Wilhelm Meisters Lehrjahren“ gelangt Goethes Stil, bis dahin ohne festen Halt, zur Ruhe und Festigkeit, und in der „Iphigenie auf Tauris“ triumphiert die antike Feinheit, die stille Größe sowie die Hoheit des Gedankens und der Form. 6 Es ist aber Goethes Lebenswerk, der „Faust“, welcher die universale Individualität des Dichters am treuesten wiedergibt. In diesem Werk findet man sowohl das Feuer der Jugendjahre, wie auch die berechnende Ruhe und Behaglichkeit in der Form 7 , denn als Goethe sein Faustdrama zu schreiben beginnt, steht er mitten in der Bewegung des Sturm und Drang. Später wird das Werk den neuen Ansprüchen des der griechischen Schönheit zustrebenden Dichters angepasst. Noch ein Vierteljahrhundert später, bei der Wiederaufnahme der Faustarbeit, strebt der Dichter danach, den Ausdruck von allem Überflüssigen und Unbedeutenden zu entlasten, und ihm dadurch gedrängte Kraft und Würde zu verleihen. 8
Somit werde ich mich für die Untersuchungen von Goethes Wortbildungen auch ausschließlich auf dieses Werk zurückgreifen, da es den Dichter fast durch sein ganzes Leben begleitet hat, und dadurch einen guten Überblick über seine Sprache zu geben vermag. Hinzu kommt, dass nach Otto Behagels Zählung, der Faust der Höhepunkt des schöpferisch-aktiven Wortbildens des Dichters ist, denn in diesem Werk kommen auf 2200 verschiedene einfache Wörter etwa 1200 verschiedene Zusammensetzungen. 9
5 vgl. Schadewaldt, Wolfgang: Zu Goethes Sprache. Das Goethe-Wörterbuch. Eine Denkschrift. In: Schadewaldt: Goethestudien. Artemis Verlag, Zürich 1963. S. 398
6 vgl. Lehmann, Johann August O.L.: Goethe’s Sprache und ihr Geist. Allgemeine Deutsche Verlags-Anstalt. Berlin 1852, S. 2 - S. 3
7 vgl. ebd. S. 3 - S. 4
8 vgl. Witkowsky, Georg (Hrsg.): Goethes Faust. Zweiter Band. E.J. Brill. Leiden: 1950, S. 137; S. 146
9 vgl. Maurer, Friedrich: Zur Sprache Goethes. In: Maurer: Volkssprache. Gesammelte Abhandlungen. Pädagogischer Verlag Schwann. Düsseldorf: 1964, S. 131
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Für die Beispiele werde ich ausschließlich folgende Ausgabe benutzen: Trunz, Erich (Hrsg.): Goethe. Faust. Sonderausgabe. Verlag C.H. Beck München: 1998. Die jeweiligen Verse werden in den Klammern nach den zitierten Versen angegeben, bei denen mit einem „UF“ gekennzeichneten Versen handelt es sich um einen Vers aus dem Urfaust.
II. Wortbildungen in Johann Wolfgang von Goethes „Faust“
1 Wortbildungen des jungen Goethe
Die Geniesprache des jungen Dichters ist die Form, mit der er, nach Arthur Hübner, am tiefsten in das Leben der deutschen Sprache eingegriffen hat. 10 In seiner Jugendzeit wurde Goethe von verschiedenen Sprachauffassungen beeinflusst, doch es ist zweifellos Friedrich G. Klopstock, welcher am stärksten auf die Sprache des jungen Dichters eingewirkt hat. Nach Konrad Burdach bringt Klopstock, dadurch dass er ein feines Gefühl für das musikalisch-rhythmische Leben der Sprache besitzt, einen ganz neuen Ton in die deutsche Poesie, und findet bei Goethe damit den mächtigsten Wiederhall. 11
Als Goethe sein Faustdrama zu schreiben begann, stand er mitten in der Bewegung des Sturmes und Dranges. In dieser Zeit folgt er hauptsächlich seinem Vorbild Herder, und bemüht sich in seinem künstlerischen Schaffen um Einfachheit und Lebendigkeit. Herder wünscht sich „Abkehr vom rational logischen Ausdruck“ und „Zurückgreifen auf ursprüngliche Kräfte unserer Sprache“. 12 Bei ihren Wortbildungen versuchen die Stürmer allgemein, das Wort mit möglichst starkem Gefühl zu erfüllen. Sie haben die Absicht, künstlich zusammengesetzte, und in ihrer Besonderheit unwiederholbare Vorstellungen und Assoziationen zu schaffen. 13
10 vgl. Hübner, Arthur: Goethe und die deutsche Sprache.
11 vgl. Burdach, Konrad: Die Sprache des jungen Goethe. Vortrag. In: Vorspiel, Bd. 2 (1926), S. 52
12 vgl. Maurer, Friedrich: Zur Sprache Goethes. S. 122
13 vgl. Sigal, Nina A.: Sprache und Stil des jungen Goethe. In: Weimarer Beiträge, Jg. 6 (Leipzig: 1973), H. 2, S. 243
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a) Substantivbildung
So wendet sich Goethe verstärkt der gefühls- und affektbetonten Volkssprache zu und man bemerkt in seiner Sprache eine Vorliebe für Wörter mit bestimmten Suffixen, die eine gefühlsmäßige Nebenbedeutung haben.
So zeigt der junge Goethe z.B. eine gewisse Vorliebe für Verkleinerungsformen des Hauptworts 14 : • Bildungen mit dem Diminutivsuffix „-chen“
„Hätt’ ich nur sieben Stunden Ruh’, / Brauchte den Teufel nicht dazu, / So ein Geschöpfchen zu verführen.“(2642 - 2644)
Hier handelt es sich um eine Bezeichnung für eine junge, reizvolle, naiv-erfahrene Person. 15 Das Substantiv „Geschöpf“ wird verkleinert, indem das Suffix „-chen“ an das Hauptwort angefügt wird.
Diese Wortbildung ist u.a. bei Goethe und Lessing belegt. 16
„Da seh’ ich junge Hexchen nackt und bloß, / Und alte die sich klug verhüllen.“(4046 - 4047) Auch bei dem vom lüsternen Mephisto als Kosewort verwendeten „Hexchen“ handelt es sich um eine Verkleinerung eines Substantivs. Anders als bei dem vorherigen Beispiel, wo das Wort von dem man ausgeht unverändert bleibt, entfällt hier bei der Suffigierung der auslautende Vokal „e“ von „Hexe“ „Es konnte kaum ein herziger Närrchen sein.“(2994)
In diesem Beispiel bewirkt das Anfügen des Diminutivsuffixes „-chen“ den Umlaut des Hautvokals „a“ von „Narr“ • Bildungen mit dem Diminutivsuffix „-lein“
„Du übersinnlicher sinnlicher Freier, / ein Mägdelein nasführet dich.“(UF1226 - 1227) „Wie konnt’ ich sonst so tapfer schmälen, / wenn tät ein armes Mägdlein fehlen“ (UF1268) Die Verkleinerungsform von „Magd“ findet sich in Goethes Faust sowohl mit wie auch ohne das Fugenelement „e“. Wie schon vorher bei „Närrchen“, bewirkt auch hier das Suffix „-lein“ den Umlaut des Basisvokals.
14 vgl. Maurer, Friedrich: Zur Sprache Goethes. S. 122
15 Goethe Wörterbuch, Bd. 4, Sp. 57
16 Grimm, Deutsches Wörterbuch, Bd. 5, Sp. 3957
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Sylvie Langehegermann, 2004, Wortbildungen in Johann Wolfgang von Goethes "Faust", München, GRIN Verlag GmbH
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