Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 1
2. Die Ringe des Saturn- Eine englische Wallfahrt Seite 2
3. Die Saturnische Melancholie in Sebalds Werk Seite 3
4. Gefährten im Gemüt Seite 5
5. Der Wanderer im Zeichen des Saturn Seite 6
6. Geschichte des Zerstörerischen und der Zerstörung- Landschaften der
Zerstörung Seite 7
7. Fazit Seite 9
II
1. Einleitung
Das literarische Werk des Autors Winfried Georg Maximilian Sebald stellt eine Besonderheit der deutschen Nachkriegsliteratur dar. Mit seinen Mitteln zerrte er die menschliche Zerstörungsgeschichte schonungslos ans Tageslicht und grub gleichsam einem Archäologen Fragmente der Erinnerung aus. Nach seinem zunächst wenig beachteten Einstand mit „Nach der Natur- Ein Elementargedicht“ im Jahre 1988 erwarb er sich binnen kurzer Zeit vor allem im englischsprachigen Ausland Ansehen.
Sebalds Schriften sind niemals rein fiktional, denn er verstand sich meisterhaft darauf, Fragmente der Geschichte, ihre zentralen Gestalten und Schicksale einzubetten in ein von ihm erstelltes Erzählmosaik und nicht selten tritt hinter der Maske des Ich- Erzählers etwas von Sebald selbst hervor. Seine Motive sind vielfältig und gehen unter die Haut. „Er erzählt vor allem von den Leiden an Heimatverlust und Exilierung, aber auch von der Erinnerung an das jüdische Alltagsleben in Deutschland“ (SCHEDEL, S. 9, 2004), jedoch auch von der menschlichen Zerstörungsgeschichte und ihren allgegenwärtigen Spuren. Im Rahmen dieser Arbeit setze ich mich mit ausgewählten Aspekten seiner dritten Novelle Die Ringe des Saturn- Eine englische Wallfahrt auseinander, welche 1995 erstmals im Eichborn Verlag erschien.
Zunächst werde ich einen kurzen Abriss über Handlung und Thematik des vorliegenden Buches geben um mich dann der Melancholie im Zeichen des Saturn zu widmen, in der Sebald sich selbst und die Tragödie der Phylogenie des Menschen offenbart.
Was genau ist es, dass Sebald seinen Ich- Erzähler entdecken lässt und worin besteht das Verstörende? Wie äußert sich das Saturnische in Sebalds Ich -Erzähler und was versteht man unter dem saturnischen Melancholiebegriff? Woher entlehnte Sebald die saturnische Ringmetapher?
Im nächsten Schritt beschäftige ich mich eingehender mit dem namenlosen Ich- Erzähler. Wie viel von W.G. Sebald steckt in ihm? Aus welchen Beweggründen heraus macht sich der Erzähler auf Wanderschaft und welcher Gestalt ist diese Wanderschaft? Welche Ziele verfolgt er und wie entwickelt er sich?
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In diesem Zusammenhang werde ich mich den Gefährten im Geiste zuwenden, welche dem Erzähler auf seiner Reise durch Suffolk immer wieder begegnen.
Anschließend setze ich mich mit Sebalds Verständnis von Natur und Landschaft als einen durch historischen und kulturellen Wandel unterworfenen Raum auseinander, um die Motive Zerstörung, Erinnerung und Vergessen herausarbeiten zu können.
2. Die Ringe des Saturn- Eine englische Wallfahrt
In Die Ringe des Saturn berichtet ein auktorialer Ich-Erzähler rückblickend von einer Wanderung durch die Grafschaft Suffolk im Osten Englands. Insofern ließe sich von einer Art Reisebericht sprechen, der jedoch erweitert wird durch die sensiblen und verstörenden Beobachtungen des Erzählers und plötzlich nichts mehr von einem typischen Reisebericht zu haben scheint. Gleichzeitig bewegt sich der Reisende auch durch die Geschichte selbst. In der Heide- und Marschlandschaft, an der Küste, in Ortschaften oder auf den typischen feudalen Landsitzen entdeckt der Wanderer Zeugnisse menschlicher Interventionen in den Naturraum. Die verschiedenen Stationen evozieren gedankliche Exkursionen in zurückliegende Epochen. Dort begegnet er unter anderem Persönlichkeiten, wie dem Maler Rembrandt, Thomas Browne sowie dem Vicomte de Chateaubriand, deren Biografien er entfaltet und in Beziehung setzt mit der Sozial- und Kulturgeschichte der Menschheit, die weit über die Grenzen Englands hinausreicht. Der einsame Wanderer begibt sich jedoch nicht bloß auf eine Fußreise durch Englands Osten. Vielmehr verrät der Untertitelt des vorliegenden Buches - Eine englische Wallfahrt, dass es sich hier um eine Art Pilgerreise geht. Triebfedern für eine Wallfahrt ist zunächst die Bitte um Hilfe in der Not. Eine Wallfahrt ist auf das Ziel der Erlösung hin ausgerichtet, welches vom Erzähler benannt wird, indem er seinen Bericht folgendermaßen beginnt: „Im August 1992, als die Hundstage ihrem Ende zugingen, machte ich mich auf eine Fußreise durch die ostenglische Grafschaft Suffolk in der Hoffnung, der nach dem Abschluß einer größeren Arbeit in mir sich ausbreitenden Leere entkommen zu können.“ (SEBALD, 1995, S. 9).
McCulloh stellt nun die entscheidende Frage „Why the title?“ (MCCULLOH, 2003, S. 67). Der Saturn findet gleich zu Beginn des Buches Erwähnung. Unter den drei Zitaten vor Beginn des ersten Teils findet sich ein Eintrag der Brockhaus
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Catharina Lizio, 2006, Eine literarische Wanderung gegen das Vergessen - Eine literaturwissenschaftliche Untersuchung am Werk: Die Ringe des Saturns - Eine englische Wallfahrt von Winfried Georg Maximilian Sebald, Munich, GRIN Publishing GmbH
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