Dresden, den 17.3.1999
Erziehungswissenschaften/ Sozialpädagogik
Seminar: Autobiographien als Quelle der Erziehungsgeschichte
Autobiographie
Mohandas Karamchand Gandhi:
Eine Autobiographie
oder
Die Geschichte meiner Experimente mit der Wahrheit
Stefanie Fischer
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Historische Quellen
2.1. Über den Umgang mit Quellen
2.2. Die Autobiographie als Quelle
3. Kurzer biographischer Überblick
4. Einleitung zur Autobiographie Gandhis
5. Gandhis Glaube
6. Persönliche Entwicklung
7. Zusammenfassung
Literaturverzeichnis
1. Vorwort
Unter dem Namen Mahatma Gandhi wurde der Mann berühmt, der Indien einen friedlichen Weg aus der kolonialen Vorherrschaft Englands zeigte.
Der Name, mit dem er auf die Welt kam, ist Mohandas Karamchand Gandhi, unter welchem er auch seine Autobiographie: "Eine Autobiographie oder Die Geschichte meiner Experimente mit der Wahrheit" veröffentlichte.
Seine Autobiographie ist moralisch, tief geprägt von dem Wunsch, es anderen Menschen zu ermöglichen, ihm auf seinem Weg zu folgen. Dieser Eindruck drängt sich bereits nach den ersten Kapiteln des Buches auf. Und diese pädagogische Absicht ebenso wie philosophische Betrachtungsweisen über die Moral ziehen sich wie rote Fäden durch sein gesamtes Werk.
Sein Weg war Ahimsa*, der Weg des Friedens - seine Suche war die Suche nach der Wahrheit, nach der endgültigen, alles durchdringenden Wahrheit, die Suche nach Gott. "Was ich erreichen möchte - wofür ich diese dreißig Jahre hindurch gekämpft und gelitten habe -, ist Selbstverwirklichung, Gott von Angesicht zu Angesicht zu sehen, Moksha** zu erlangen."1
Mahatma kommt aus dem Indischen "maha atman", die große Seele. Es ist ein Ehrentitel, der "hochsinnigen" Männern verliehen wird.
"Meine Experimente auf dem Felde der Politik sind heute nicht nur in Indien, sondern in gewissem Ausmaß in der "zivilisierten" Welt bekannt. Für mich haben sie keinen besonderen Wert. Und der Titel Mahatma, den sie mir eingetragen haben, hat deshalb noch weniger Wert. Oft hat mich dieser Titel tief gepeinigt. Ich kann mich keines Augenblicks erinnern, in dem es hätte heißen können, er habe einen Reiz für mich."2
So sei es mir denn gestattet, dem Mann mit der großen Seele im Laufe meiner Arbeit seinen wirklichen Namen zu belassen - Mohandas K. Gandhi.
Zu Beginn dieser Arbeit werde ich theoretisch erarbeiten, wie Autobiographien als historische Quellen genutzt werden können. Vor diesem Hintergrund sollen dann Lebensstationen und Entwicklungen Gandhis nachvollzogen werden unter dem Gesichtspunkt, wie Gandhi zu dem Menschen geworden ist, den wir Mahatma nennen und welchen Einfluß sein kultureller Hintergrund hat.
Aufgrund des Umfangs von Gandhis Autobiographie (422 Seiten)kann dies nicht erschöpfend geschehen, vielmehr werden Anregungen gegeben, in welche Richtungen interpretative Gedankengänge möglich sind.
2. Historische Quellen
2.1. Über den Umgang mit Quellen3
Um historische Ereignisse begreifen zu können, ist es notwendig, möglichst viele verschiedenartige historische Quellen aus der fraglichen Zeit heranzuziehen.
Doch was sind Quellen? "Historische Quellen (...) (sind) alle nicht weiter ableitbaren Gegebenheiten, aus denen man historische Erkenntnisse gewinnt."4
Oder nach der Definition von Paul Kirn sind Quellen "alle Texte, Gegenstände oder Tatsachen, aus denen Kenntnis der Vergangenheit gewonnen werden kann."5
Die Schwierigkeit in der historischen Aufarbeitung liegt wohl am ehesten darin, historische Quellen, die für die jeweilige Fragestellung Erklärungsmöglichkeiten bereithalten, zu finden. Andererseits besteht die gesamte Welt aus Quellen, wir leben sozusagen mit unseren bestehenden Traditionen, Ansichten, Wertvorstellungen, unseren Bauwerken, Institutionen und unseren uns umgebenden Gegebenheiten in einer Quelle, die historisches Leben aufzeigt. All unsere Lebensweise konstituiert sich aus Überlieferungen. Sie ist aus der Geschichte hervorgegangen und zeigt uns historische Entwicklung auf.
Als Quelle kann alles dienen, was Zeugnis von der Geschichte und historischer Entwicklung ablegen kann, ungeachtet der Tatsache, daß möglicherweise noch andere Quellen, die unter Umständen aussagekräftiger, präziser oder verlässlicher sind, zur Verfügung stehen. Doch in der Praxis sieht es eher so aus, daß es nicht möglich ist, die verschiedenen Quellen aus einem überreichlichen Angebot herauszuziehen und somit nur die perfekteste aller Quellen nutzen zu müssen. Zum anderen besteht ein unschätzbarer Wert einer Quelle darin, die Neugier des Fündigen zu wecken und ihn anzuregen, Fragen zur Geschichte zu stellen auf dass er dadurch den Ehrgeiz entwickle, andere und möglicherweise präzisere Quellen
zu suchen. Je mehr der Suchende oder Historiker wissen will, je größer sein Wunsch ist, historische Ereignisse oder Entwicklungen verstehen zu können, desto mehr Fragen, desto konkretere Fragen wird er stellen. Je präziser die Fragestellung ist, desto genauer müssen die Quellen sein, aber desto genauer wird auch die Antwort auf die Frage sein.
[...]
1 M. K. Gandhi: Eine Autobiographie oder die Geschichte meiner Experimente mit der Wahrheit 1984, S. 12
2 ebd. S.12
3 vgl. Volker Sellin: Einführung in die Geschichtswissenschaft, Göttingen 1995, S.44-53
4 ebd. S.44
5 zitiert nach Sellin, S.44
Quote paper:
Stefanie Fischer, 1999, Autobiographie: Mohandas Karamchand Gandhi. Eine Autobiographie oder Die Geschichte meiner Experimente mit der Wahrheit, Munich, GRIN Publishing GmbH
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