Institut für Politikwissenschaft Heidelberg Proseminar „Europäische Integration“ bei Dr. Rolf Steltemeier SS 2000, Sonja Breining
I) Einleitung: 1
II) Begriffsklärung: 2
1.) Die Europäische Integration: 2 2.) Die Theorie in der Politikwissenschaft: 2 3.) Fazit: Was Integrationstheorien leisten sollen: 3
III) Hauptteil: 3
1.) Die realistische Theorie: 3 2.) Die föderalistische Theorie: 7 3.) Die funktionalistische Theorie: 9
IV) Schluss: 13
V) Literaturverzeichnis: 15
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„Die Europäische Union darf nicht länger hinter ihren eigenen Anforderungen zurückstehen. Für die F.D.P. ist die Grundrechte-Charta ein entscheidendes Element für eine Europäische Verfassung (...).“ 1 „Wir müssen so etwas wie die Vereinigten Staaten von Europa schaffen.“ 2 Die Forderung an die Europäische Integration sind damals wie heute ein heiß diskutiertes Thema. Antworten auf die Frage, welche Aufgaben die Europäische Union im Zuge der Integration erfüllen muss, suchen nicht nur Politiker wie Sabine Leutheusser-Schnarrenberger oder Winston Churchill. Doch bevor es möglich ist, Ziele zu erkennen und zu formulieren, muss man zumindest eine Vorstellung davon haben, wie eine Europäische Integration zustande kommen und funktionieren kann. Darüber haben sich Vertreter verschiedener Theorierichtungen wie Hans J. Morgenthau oder David Mitrany Gedanken gemacht und mit ihren Schriften zur politischen Diskussion beigetragen.
Die „Blütezeit“ der daraus entstandenen Schulen erstreckt sich von Mitte der 40er Jahre bis in die 70er Jahre hinein. Doch da es im Zusammenhang mit der Europäischen Integration um die großen Themen des 20. Jahrhunderts 3 wie Krieg und Frieden, Souveränität oder Staatenbildung geht, lohnt es sich, die Theorien der Europäischen Integration näher zu untersuchen und sie auf ihre Zweckmäßigkeit hin zu überprüfen.
Hierfür ist jedoch die eindeutige Definition der Begriffe „Theorie“ und „Europäische Integration“ vonnöten, da ihre Bedeutungen im politischen Zusammenhang noch differenzierter als im alltäglichen Gebrauch zu verstehen sind. Diese Klärung soll in Teil II geschehen. Im Hauptteil werden die drei wesentlichen Theorie-Richtungen, nämlich der Realismus aus der ökonomischen Theorietradition und aus der soziologischen der Funktionalismus und der Föderalismus vorgestellt. Zum Schluss (Teil IV) soll überprüft werden, ob die verschiedenen Schulen ihr Ziel gemäß ihrer Definition erfüllen und somit für die Politik nützlich sind.
1 Leutheusser-Schnarrenberger, Sabine (16.05.2000), aus: „ F.D.P. fordert Verbindlichkeit der Europäischen Grundrechte Charta“ , Deutscher Bundestag, Berlin 2 Churchill, Winston (1946) aus „ Europa – Dokumente zur Frage der europäischen Einigung, München 1962, in Egner, Anton (1984): „ Gemeinschaftskunde 10, Gymnasium, Baden- Württemberg“ , Schroedel Schulbuchverlag GmbH, Hannover, S. 134 3 Deppe, Frank (1999): Politisches Denken im 20. Jahrhundert, VSA-Verlag, Hamburg, S. 24-31
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1.) Die Europäische Integration
Der Begriff „ Integration“ ist lateinischen Ursprungs: Das Verb „ integrare“ heißt „ wiederherstellen“ oder „ ergänzen“ , das Eigenschaftswort „ integralis“ bedeutet „ ein Ganzes ausmachend“ . Der Duden übersetzt „ Integration“ mit „ Vervollständigung, Zusammenschluss, Vereinigung, Summierung“ . In Bezug auf Staaten jedoch umfasst das Substantiv „ Integration“ noch spezifischere Bedeutungen. In diesem Zusammenhang versteht man die Integration als Prozess, als dessen Ergebnis aus zwei oder mehreren nationalstaatlichen Akteuren ein neuer supranationaler Akteur gebildet wird. 4 Der Integrationsprozess umfasst im wesentlichen drei Dimensionen: Die institutionelle Dimension als Ort der politischen Entscheidungsfindung, die sozialpsychologische Dimension, verstanden als gemeinsames Bewusstsein und schließlich die Dimension der Transaktionen, worunter man die gesellschaftliche Verflechtung versteht 5 . Die drei Theorierichtungen beschäftigen sich jedoch hauptsächlich mit der institutionellen und der Dimension der Transaktionen. Als Unterdimensionen dieser kann man die Integration als Prozess beobachten und dessen Fortschrittsgeschwindigkeit feststellen oder die Integration als erreichtes Ergebnis beurteilen. Diese Unterdimensionen spielen in den drei Schulen eine eher untergeordnete Rolle. Im Vordergrund stehen stattdessen die Gründe für das Fortschreiten oder Scheitern des europäischen Integrationsprozesses.
2.) Die Theorie in der Politikwissenschaft
„ Theoria“ heißt gemäß der griechischen Urbedeutung die „ reine Schau der Dinge“ . 6 Im modernen Sinne versteht man unter Theorie, dass man durch Denken zu einer Erkenntnis gelangt, mit deren Hilfe man Tatsachen und Zusammenhänge erklären kann. Ausgangspunkt sind Hypothesen, die verifiziert und systematisiert werden 7 . Theorien haben nach Woyke eine vierfache Funktion: Gelingt es, die wesentlichen und relevanten Daten auswählen, ist
4 Woyke, Wichard (Hrsg., 1990): Handwörterbuch Internationale Politik, 4. Auflage, Leske und Budrich, Opladen, Augsburg, S. 481 5 Weidenfeld, Werner (Hrsg., 1985): Die Identität Europas, Carl Hanser Verlag, Darmstadt, S. 113ff 6 Albrecht, Ulrich (1999): Internationale Politik, 5. Auflage, R. Oldenbourg Verlag, München, S. 23 7 Hrsg: Lexikon–Institut Bertelsmann, „ Das neue Taschen Lexikon“ , Band 16, S. 79
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die Selektionsfunktion erfüllt. Weiterhin ist unterscheidet man zwischen der Ordnungsfunktion, deren Aufgabe darin besteht, die Informationen in geeigneter Weise zu strukturieren, der Erklärungsfunktion und der operativen Funktion, worunter man versteht, dass das gewonnene Wissen auf die Forschung und politische Praxis anwendbar sein muss. Klaus Beyme spricht außerdem von der Möglichkeit, Hypothesen über künftige Ereignisse und Veränderungen zu bilden. 8 Da eine Theorie jedoch auch nach hundert Bestätigungen noch falsifiziert werden kann 9 und Hypothesen keine immer gültigen Fakten sind, ist es nicht verwunderlich, dass es auch verschiedene Theorierichtungen gibt. Trotzdem kann man Laut U. Druwe 10 die Erklärungskraft von Theorien anhand folgender Fragen überprüfen: 1.) „ Kann die Theorie die Wirklichkeit angemessen beschreiben?“ 2.) „ Wie allgemein sind die Aussagen der Theorie?“ 3.) „ Ist die Argumentation logisch aufgebaut?“ 4.) „ Sind alle logischen Schlüsse auch empirisch wahr?“ Kann eine der Fragen verneint werden, so wird der Wert der Theorie für die Analyse internationaler Politik deutlich gemindert.
3.) Fazit: Was Integrationstheorien leisten sollten
Theorien der europäischen Integration sollten durch ihre gut aus Fakten ausgewählte, logische, gut strukturierte und empirisch ausgerichtete Darstellung erklären, wie der Europäische Integrationsprozess, nämlich die Übertragung von nationalstaatlicher Souveränität an einen supranationalen Akteur, zu-stande kommt und gegebenenfalls Prognosen liefern.
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1.) Die realistische Theorie
„ So halte ich ein fortwährendes und rastloses Verlangen nach immer neuer Macht für einen allgemeinen Trieb der gesamten Menschheit, der nur mit
8 Beyme, Klaus (1992): Die politischen Theorien der Gegenwart, 7., neubearbeitete Auflage, Westdeutscher Verlag, Opladen, S. 11 9 Beyme, Klaus (1992): Die politischen Theorien der Gegenwart, 7. Auflage, Opladen, Lengerich, S.11 10 Druwe, U., Hahlbohm, D., Singer, A. (1995): Theorien der Internationalen Politik, in: Druwe, U., Halhlbohm, D., Singer, A.: Internationale Politik, Neuried, S. 85
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Sonja Breining, 2000, Theorien der Europäischen Integration, Munich, GRIN Publishing GmbH
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