Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Theoretische Grundlagen der politischen Kultur 4
3. Die Altlasten der Bundesrepublik Deutschland - politische Kultur zwischen der
Weimarer Republik und 1945 6
4. Entwicklung der politischen Kultur in Westdeutschland nach 1945 8
5. Die politische Kultur der DDR 12
6. Politische Kultur im vereinten Deutschland 14
7. Fazit 17
8. Literatur 18
2
1. Einleitung
Politiker, Pessimisten, Publizisten, allgemein sämtliche ernsthaft an der weiteren politischen und gesellschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland Interessierte horchen auf und heben gegebenenfalls den Zeigefinger, wenn sie im Zusammenhang mit dem 1949 gegründeten demokratischen Staat Begriffe wie Politikverdrossenheit, Akzeptanzkrise, Ostalgie oder Rechts- und Linksextremismus hören. Begriffe also, die regelmäßig und in unterschiedlichen Intervallen zumeist von Medien oder Politikern selber, an die Öffentlichkeit gebracht werden. Grund hierfür ist der Sonderweg, den Deutschland in den vergangenen Jahrhunderten, bezogen auf ihre Politik, Ordnung sowie Werte und Normen, im Vergleich zu den westlichen Nationen eingeschlagen hat. Denn trotz eines sozioökonomisch oder kulturell hohen Entwicklungsstandes fand in Deutschland über viele Jahre keine politische und gesellschaftliche Modernisierung statt, was schließlich dazu führte, dass alte Traditionen die Weiterentwicklung verhinderte und autoritären Herrschaftssystemen den Vorzug gab. Die Demokratie als modernste Staatsform ist der Bundesrepublik vor 1945 jedoch keineswegs fremd, doch setzte sie sich nicht gegen deutsche Extreme und gesellschaftliche Traditionen, haftend an der Weimarer Republik, durch. Die Hauptursache hierfür schreiben viele Forscher und Historiker der fehlenden Kongruenz zwischen der politischen Kultur und dem politischen System zu. Die politische Kultur stellt dabei die subjektive Dimension des politischen Systems, in Form von Werten, Einstellungen und Meinungen, dar. Die fehlende Kongruenz scheint nach heutigem Forschungsstand und vorherrschenden Theorien notwendig für die Stabilität des politischen Systems zu sein.
Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, ob sich die Geschehnisse der Weimarer Republik als einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik erweisen oder ob die Gefahr einer Wiederholung besteht. Genauer geht es darum herauszufinden, ob trotz der unterschiedlichen Sozialisationsformen nach dem 2.Weltkrieg in Ost- und Westdeutschland eine Dekade nach der Einheit eine gesamtdeutsche politische Kultur vorherrscht, die dem politischen System seine notwendige Stabilität verleiht.
Da die politische Kultur stets von historischen Ereignissen und Entwicklungen geprägt ist, erscheint es hierzu wichtig, nach einer genauen Betrachtung des Begriffes der politischen Kultur, seines Forschungsgegenstandes, der Methoden und wesentlichen Theorien, auf die Weimarer Republik und den Übergang zum Nationalsozialismus einzugehen, um darauf aufbauend später Schlüsse ziehen zu können. Ferner werden im Punkt vier und fünf die unterschiedlichen Sozialisationen und Entwicklungen der Bundesrepublik und der DDR
3
betrachtet, um im Anschluss näher auf die politische Kultur des vereinten Deutschlands einzugehen. Im letzten Teil soll, aufbauend auf die Punkte zwei bis sieben, die hier gestellte Frage plausibel nachvollziehbar beantwortet werden.
2. Theoretische Grundlagen der politischen Kultur
Unter der politischen Kultur versteht man die Summe aller politisch relevanten Meinungen, Einstellungen und Wertorientierungen der Bevölkerung einer Gesellschaft in Bezug auf ihr politisches System und seine Institutionen. Somit stellt sie die subjektive Seite der Politik und der politikwissenschaftlichen Analyse dar. 1 In einem, wie in dieser Arbeit verwendet, wissenschaftlichen Kontext, findet der Begriff einen wertfreien Gebrauch. Umgangssprachlich wird er, nach dem Anstieg seiner Popularität, häufig normativ verwendet. 2 Dieses geschieht zumeist im Sinne der Beschreibung des Stils politischer Auseinandersetzungen. 3
Zwar existiert die Erforschung der politischen Kultur in bestimmten Formen bereits seit den Anfangsjahren der Politikwissenschaften, doch erfuhr sie in den 50er und 60er Jahren eine gründliche Neu- und Umgestaltung durch Gabriel Almond und Sidney Verba. 4 In Aufsätzen und Werken wie „The Civic Culture“ (1963), denen empirische Untersuchungen voraus gingen und folgten, sorgten sie für eine Modernisierung des Begriffs und für seinen deutlichen Beachtungs- und Bedeutungszuwachs. 5 Antrieb der Erforschung der politischen Kultur war der erneute Systemwandel Deutschlands, der Zusammenbruch der Weimarer Republik, der Nationalsozialismus und die Gründung des demokratischen westdeutschen Staates. 6 Es bestand ein starkes Interesse dafür, zu klären, warum andere demokratische Staaten über Jahrhunderte durch Stabilität gekennzeichnet waren, das deutsche, in Form der Weimarer Republik, jedoch scheiterte und zusammenbrach. Almond stellte darauf antwortend eine der Hauptthesen der politischen Kulturforschung auf, indem er die Kongruenz von politischer Struktur und politischer Kultur als notwendig für die Stabilität eines Staates bezeichnet. Das bedeutet, dass sowohl die politische Ordnung als auch Werte, Normen, Regeln und Strukturen eines Systems im politischen Bewusstsein der Bevölkerung akzeptiert
1 Vgl. Nohlen 2003: 397
2 Vgl. von Beyme 1999: 68
3 Vgl. Berg-Schlosser/ Schissler 1987: 11
4 Vgl. Berg-Schlosser/ Schissler 1987: 27
5 Vgl. von Beyme 1999: 68
6 Vgl. Berg-Schlosser/ Schissler 1987: 12
4
und gestützt werden müssen. 7 Durch eine solche Akzeptanz wird das politische System eines Staates dazu befähigt, Krisensituationen zu bewältigen und leistungsfähig zu bleiben. 8 In der Theorie wird der Bezugsraum der politischen Kultur aus praktischen Gründen zur Vereinfachung der komplexen Realität klassifiziert. Somit lässt sich feststellen, dass sich die Gefühle, Wahrnehmungen, Bewertungen und Verhaltenstendenzen der Bürger und Bürgerinnen auf drei Dimensionen der Politik (polity, politics, policy) beziehen. 9 Von Bedeutung sind somit sowohl die Einstellungen zur politischen Ordnung, zum Entscheidungsbzw. Prozesssystem und zum Output des politischen Systems, also den Leistungen des Staates und seiner Institutionen. 10
Ferner klassifizierte Almond zwischen drei verschiedenen Idealtypen der politischen Kultur. Diese werden durch jeweils andere Orientierungen und Erwartungen gegenüber dem politischen System charakterisiert. Als parochialer Typ der politischen Kultur wird eine Gesellschaft bezeichnet, die keinerlei Orientierung gegenüber dem System selbst und seinem In- und Output besitzt. Der Untertanentyp hingegen ist lediglich am Output orientiert. Als partizipative Kultur wird eine Gesellschaft bezeichnet, die gegenüber allen drei Bereichen Orientierungen und Erwartungen besitzt. 11 Aus der Sicht Almonds ist eine Mischform der drei Typen denkbar. 12 Diese bezeichnet er als Voraussetzung für eine stabile Demokratie. Er sieht sie in den westlichen Demokratien am ehesten, jedoch niemals ihrem Ideal erreichend, verwirklicht. 13 Die Mischform wird mit dem Begriff „Civic Culture“ oder „Staatsbürgerkultur“ bezeichnet. Der Ausgleich der drei Reintypen wirkt systemstabilisierend und -unterstützend. 14
Als wichtige Indikatoren zur Ermittlung der politischen Kultur, seines damit verbundenen Bewusstseins, der Akzeptanz, Unterstützung und Stabilität des politischen Systems ist u.a. die Partizipation der Bevölkerung (als Maß der politischen Involvierung und Bindung der Politik an den Willen der Bürger) zu bezeichnen. 15 Zu ermittelnde Teilbereiche der Partizipation sind das politische Interesse, die subjektiven politischen Kompetenzen und das Effektivitätsbewusstsein. 16 Ferner seien in diesem Zusammenhang die Politikverdrossenheit,
7 Vgl. Gabriel/ Hoffmann 2005: 462
8 Vgl. Sontheimer 1990: 19
9 Vgl. Gabriel/ Hoffmann 2005: 466
10 Vgl. von Beyme 1999: 68
11 Vgl. Gabriel/ Hoffmann 2005: 467
12 Vgl. Weidenfeld 1989: 237
13 Vgl. Andersen et al. 2003: 9
14 Vgl. Weidenfeld 1989: 237
15 Vgl. Gabriel/ Hoffmann 2005: 470
16 Vgl. Weidenfeld 1989: 242
5
Arbeit zitieren:
Florian Borck, 2007, Ein Deutschland - Zwei politische Kulturen? Einstellungen zur Demokratie im vereinigten Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Direkte Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland
Volksentscheide als Mittel geg...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit, 23 Seiten
Wettbewerb und Regulierung auf dem deutschen Elektrizitätsmarkt
Diplomarbeit, 66 Seiten
Die Didaktik der ökonomischen Bildung
Unter besonderer Berücksichtig...
BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik
Seminararbeit, 16 Seiten
Internationaler Tag der Menschenrechte - Umsetzung im Unterricht
Gemeinschaftskunde / Sozialkunde
Hausarbeit, 18 Seiten
Volksentscheide auf Bundesebene
Ein Mittel zur Revitalisierung...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit, 26 Seiten
Florian Borck hat den Text Ein Deutschland - Zwei politische Kulturen? Einstellungen zur Demokratie im vereinigten Deutschland veröffentlicht
Florian Borck hat einen neuen Text hochgeladen
Die Wirtschafts- und Sozialordnung der Bundesrepublik Deutschland im R...
Albrecht Bossert, Heinz Lampert
Altern in Deutschland Band 8. Altern: Familie, Zivilgesellschaft und P...
Jürgen Kocka, Martin Kohli, Wolfgang Streeck
Die öffentliche Verwaltung in der Demokratie der Bundesrepublik Deutsc...
Edwin Czerwick, Wolfgang H. Lorig, Erhard Treutner
Bundesrepublik Deutschland - Politisches System und Globalisierung
Eine Einführung
Rüdiger Robert
0 Kommentare