Inhalt:
1. Einleitung 02
2. Ernst Tröltsch zur Bedeutung der Englischen Revolution 03
2.1 Die Geschichtlichen Ereignisse vor und
w ährend der Revolution 03
2.2 Die Folgen der Revolution 06
3. Geschichtliches 08
3.1 Zum Protestantismus in England im 17. und
Anfang der 18. Jh. 09
3.2 Zur Englischen Revolution 14
4. Eigene Einschätzung 16
4.1 Geschichtliches 16
4.2 Zusammenfassung (Resümee) 19
Literatur S. 23
1
1. Einleitung
Mit seinem Buch „Protestantisches Christentum und Kirche in der Neuzeit“ versuchte Ernst Tröltsch den geschichtlichen Wandel des Protestantismus von seinem Beginnen an, bis hin zur Neuzeit, darzustellen. Dabei geht es ihm vor allem um eines: Er will deutlich machen, dass es zwischen dem Protestantismus eines Luther, Zwingli oder Calvin und demjenigen, welchen er in seiner Zeit vorfand, eindeutige Unterschiede gibt. Dies wird schon deutlich bei seiner Wortwahl. Das was der Protestantismus zu seinen Anfängen war, bezeichnet er als „Altprotestantismus“ und das was er in der Neuzeit darstellte, wird von ihm als „Neuprotestantismus“ gekennzeichnet. Aber diese Wortwahl macht auch einen weiteren Punkt deutlich. Beide Formen des Protestantismus sind nicht zwei gänzlich unterschiedliche Arten der Religion, bei denen nur noch eine Beziehung in der Namensgleichheit besteht. Vielmehr versucht er deutlich zu machen, dass zwischen beiden eine eindeutige Beziehung zu finden ist. So stand für ihn fest, dass auch schon der Altprotestantismus jenen modernen Geist in sich trug, der dann im Zuge der Aufklärung zur vollen Blüte kommen konnte. So hat der Protestantismus die religiöse Gemeinschaftsbildung auf das Prinzip der Freiwilligkeit übertragen und er hat ein völlig emanzipiertes weltliches System neben sich anerkannt, auf dessen Beeinflussung der Neuprotestantismus, im Gegensatz zum Altprotestantismus, verzichtet. 1 So wird der Neuprotestantismus fester Bestandteil der modernen Welt und er vermag es mit der neuen, emanzipierten und weltlichen Kultur in Wechselbeziehung zu treten. 2
Das alles ging freilich nicht ohne innere und äußere Kämpfe vonstatten. Der Altprotestantismus hat seine Versuche, auch weiterhin Kultur, Politik, Recht usw. unter seine Kontrolle zu stellen, trotz aller gesellschaftlichen Entwicklungen, nicht kampflos aufgegeben. Aber Tröltsch betont auch, dass den protestantischen Kirchen die größten Schwierigkeiten erspart geblieben sind, da sich der Übergang von den alten und vertrauten Strukturen hin zu den neuen, modernen gesellschaftlichen Institutionen nur sehr allmählich vollzogen hat. 3 Der Protestantismus stand also nicht vor der unlösbaren Aufgabe, von einem Augenblick auf den nächsten mit einer völlig neuen Welt zurechtkommen zu müssen. Dennoch gibt es für Tröltsch durchaus einschneidende geschichtliche Ereignisse, welche für den Wandel des
1 Vgl. Drehsen, Volker in Tröltsch, Ernst S. 13
2 Vgl. ebd. S. 12
3 Vgl. Tröltsch, Ernst S. 344
2
Protestantismus, aber auch des Staates, der Kultur usw. von entscheidender Bedeutung waren. Diese Ereignisse lokalisiert Tröltsch im 17. Jahrhundert und die dadurch ausgelösten Veränderungen und die damit verbundene Umwälzung der gesamten europäischen Kultur, werden von Tröltsch im 18. Jahrhundert festgemacht. Den Beginn dieser allumfassenden Veränderungen markiert demnach die Englische Revolution des 17. Jahrhunderts, die Folgen sind in der so genannten Aufklärungsbewegung zu finden. 4 Die mittelalterlichen supranaturalen Ideen sind aufgehoben und „das Christentum steht vor einer neuen Welt und muss zu einem neuen Verhältnis zu ihr suchen“. 5
In dieser Arbeit soll es nun hauptsächlich um zwei Dinge gehen. Zum einem sollen die Ausführungen Tröltsch zur Englischen Revolution und deren, seiner Meinung nach, gravierenden Einschnitte für die europäische Kultur und vor allem für den Protestantismus zusammengefasst dargestellt werden, um dann im Weiteren zu untersuchen, ob man diesen Einschätzungen folgen kann. Die Frage des zweiten Teils wird also sein: Kann man sagen, dass die Englische Revolution tatsächlich den europäische gesellschaftlichen Umschwung derart forciert hat, wie Tröltsch dies einschätzt? Dabei soll auf die rein geschichtlichen Ereignisse der Revolution nur in soweit eingegangen werden, als dies für diese Fragestellung von Bedeutung ist.
2. Ernst Tröltsch zur Bedeutung der Englischen Revolution 6 2.1 Die geschichtlichen Ereignisse vor und während der Revolution Für Tröltsch nahm die Entwicklung der Kirche von England einen ganz
eigentümlichen Verlauf, sodass er dieser Entwicklung ein eigenes Kapitel widmet. Gerade hier sieht er staatliche und kirchliche Interessen so eng miteinander verwoben, dass man sagen kann, dass jede der beiden Seiten die jeweils Andere in erheblichen Maße beeinflusst hat. Aus der Verbindung von politischen oder auch machtpolitischen Fragen mit dem Wertegang der Kirche hat sich, so Tröltsch, eine ganz eigene Religions- oder Kirchenform herausgebildet, die sich scharf gegen die Kirchen des Kontinentes abgrenzte. Ihre Organisation war auch nach der Trennung von Rom streng hierarchisch aufgebaut, der Kultus und die Gewänder blieben katholisch, nur wurde alles, was mit dem neuen, gemäßigt calvinistischen Dogma
4 Vgl. Tröltsch, Ernst S. 305-310
5 ebd. S. 307
6 Soweit nicht anders verwiesen wird, baut dieser Abschnitt ausschließlich auf Tröltsch, Ernst S. 288-308, „Der Anglikanismus und Independentismus“ auf.
3
nicht in Einklang zu bringen war (Fegefeuer, Heiligenkult usw.), sowie die Messe aus diesem Kultus, entfernt.
Viele aber, denen die Reformation in England bzw. der Kirche von England nicht weit genug ging, sahen diese Kirche nach wie vor „papistisch verunreinigt“. Jene „calvinistische Partei“, die sich von da an, so Tröltsch, Puritaner zu nennen pflegten, wurden durch Verfolgung teilweise zur Auswanderung in die Niederlande gezwungen, wo sie wiederum mit den dortigen Religionsgemeinschaften, u.a. dem Täufertum in Berührung kamen. Diese Kontakte führten zu einer nicht unerheblichen Wandlung der puritanischen Ideen, wie zum Beispiel der Freiheit der Gemeinden vom Staat, die Selbstbestimmung der Einzelgemeinden oder der Beseitigung jeder feststehenden Liturgie in Berührung kamen. Von der calvinistischen Lehre behielt man die strenge christliche Lebensweise des Einzelnen bei und eine Verbindung mit dem Staat wurde insoweit aufrecht erhalten, als dass man von diesem erwartete, dass er die christlichen Ideale, insbesondere die christliche Ethik zu verteidigen habe. Bereits an dieser Stelle kann man in der Darstellung von Tröltsch festhalten, dass die Entwicklungen in England zwar eine eigentümliche (Tröltsch), dennoch aber nicht gänzlich vom Kontinent unabhängige war.
Diese Ideale, vor allem das Ideal der Unabhängigkeit der religiösen Gemeinden, wurde nun zum Verbindungspunkt zu politischen Interessen der damaligen Opposition, waren diese Ideale doch nicht vereinbar mit politischen Absolutismus und dem damit verbundenen (die Kirche) katholisierenden Regiment. Diese Opposition war nach der Auffassung Tröltschs weitestgehend presbyterianisch ausgerichtet, was heisst, dass das Ideal des Staatskirchentums an diesem Punkt noch nicht aufgegeben wurde. Vielmehr sollte die Kirche von den katholischen Elementen, die sie noch immer enthielt, befreit und rein calvinistisch ausgeprägt werden. Hierzu wurde während des Bürgerkrieges (Beginn der Revolution) 7 eine große Synode einberufen, welche den Weg zu einer solchen calvinistischen Staatskirche ebnen sollte. Allerdings traten zu diesem Zeitpunkt eben diejenigen, von den holländischen Umständen beeinflussten, enthusiastischen Ideen hervor, die zwar einen Staat wollten, der das christliche Ideal und die christliche Ethik verteidigen sollte, das Staatskirchentum allerdings lehnten sie ab. Das Verhältnis zwischen Staat und Kirche sollte nach diesen Vorstellungen ein, den gegenwärtigen Verhältnissen, umgekehrtes sein. Nicht die Kirche oder die verschiedenen Gemeinden sollten dem
7 Siehe Punkt 3.2
4
Staat unterstellt sein, sondern der Staat habe sich moralisch unter das Gesetz der christlichen Ethik zu stellen.
Diese neuen religiösen Überzeugungen, waren, so Tröltsch, vor allem im Parlamentsheer verbreitet und sollten dort auch einen militärischen Führer finden, der eben diese Ideen zu verwirklichen suchte. Oliver Cromwell (1599-1658) setzte sich an die Spitze dieser neuen religiösen Bewegung(en). Die weiteren geschichtlichen Ereignisse von 1949 (Ausrufung der Republik) bis 1889 (Ende der „glorreichen Revolution“) werden von Tröltsch äußerst knapp behandelt. Zur neuen religiösen Toleranz in England, sagt er folgendes: „Hier wird […] das Ideal der einfachen aus der Bibel geschöpften Laienreligion erneuert, die Bibeldeutung abhängig gemacht von der persönlich-individuellen Erfahrung und Erleuchtung und innerhalb einer allgemeinen offenbarungsgläubigen Christlichkeit der Relativismus der theologischen Lehre proklamiert. […] Es ist die Subjektivierung des Wahrheitsbegriffes, der innerhalb eines gemeinsamen Rahmens der persönlichen Überzeugung und Erleuchtung freies Spiel lässt, in dieser Anschauung überhaupt eine neue Erscheinung in der Geschichte des Christentums, erklärbar nur aus dem bunten Enthusiasmus.“ 8 Diese Subjektivierung des Glaubens brachte nun die vielfältigsten Formen der Gemeindebildung hervor, doch galt diese Toleranz nur auf dem Gebiet des Dogmas und der Bibelauslegung bzw. des religiösen Kultes. Was die Ethik anbelangte, so war die Vorstellung, dass sich alle Gemeinden unter die christliche Sittlichkeit des Staates zu beugen haben. Man hatte sich also sittlich im christlichen Sinne zu verhalten, konnte aber auf der anderen Seite den religiösen Kult auf jeweils die Art und Weise gestalten, wie man aus der Bibel herauszulesen glaubte, dass es der richtige sei. Die darauf folgende Entstehung der „bizarrsten Exzentrizitäten und wildesten Spekulationen“ der neuen Gemeindeführer, sowie die verworrenen, anarchistischen und exzentrischen Gedanken des einfachen Volkes, machten es, Tröltsch zu folge, dem Parlament unmöglich die Führung des Landes in den Händen zu behalten, sodass die Macht ganz in die Hände Cromwells fiel. Dieser versuchte das so genannte „Reich der Heiligen“ zu errichten, einen Staat, der ganz die christliche Ethik vertreten sollte bzw. auch selbst dieser Ethik unterstellt war. Allerdings blieb von alldem nicht viel übrig, nachdem Cromwell im Jahre 1658 verstorben war. Religiöse Toleranz sollte es erst nach der „glorreichen Revolution“ im Jahre 1889 gesetzlich garantiert werden, wenn auch nur sehr eingeschränkt.
8 Ebd. S 294
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Marko Tomasini, 2006, Die englische Revolution und der Protestantismus, München, GRIN Verlag GmbH
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