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"mystischen" Effekt "Partizipation". Der "primitive" Mensch fühle eine mystische Identität
mit seinem Totem, er fühle eine Identität mit dem Tier oder dem Gegenstand, in dem er
seine Aussenseele lokalisiert hat, er fühle eine Identität mit dem Ding, das er gemacht hat,
dem Fetisch. Daher habe er eine "prälogische Mentalität", und diese sei für uns prinzipiell unverständlich.
Die Unverständlichkeit, die "primitivem Denken" innewohne, wird 1920 von Karl Jaspers als zentrales Kriterium für den Wahn und Wahnvorstellungen wiederentdeckt (p. 183). 1911 hatte Bleuler das "autistische Wunschdenken" als typisches Symptom der Schizophrenie angesehen, ein Denken, das der Schizophrene mit "dem Neger" teile (p. 305). In schönster evolutionistischer Manier wird das Denken Schizophrener auch bei Storch 1922 (1965, p. 20) und Kretschmer 1939 (p. 86) als Regression in des prälogische Denken Primitiver, wie es Lévy-Bruhl beschrieben hat, angesehen. So wundert es denn auch nicht, dass in den sogenannten Eutanasieprogrammen der Nazis die Kinder von schwarzen französischen Soldaten, die nach dem Ersten Weltkrieg im Rheinland gewesen waren, also von "Negern", das Schicksal Schizophrener teilten.
Für Leo Frobenius haben Kinder und "Naturvölker" die Fähigkeit, sich neben der Wirklichkeit einer - Zitat - "zweiten Erscheinungswelt hinzugeben, indem das Menschlein oder der Mensch sich von einer Erscheinung, die ausserhalb seiner natürlichen Beziehungen und ihrer selbstverständlichen Ursachen liegt, ergreifen lässt."(p. 24) Als der Mensch einen Baumstamm einen Abhang herabrollen sah und daraufhin das Rad erfand, tat er das nicht, weil er das Rollen begriffen hätte, also aus Vernunft, sondern weil er von dem Rollen ergriffen wurde, fühlend, nicht logisch sondern prälogisch handelnd.
Die Azande im Südsudan glauben an Magie. Welches Missgeschick einem auch widerfährt, es wurde durch Zauberei verursacht. Evans-Pritchard, dem wir die Monographie über sie verdanken, schreibt 1937 über sich selbst (1976, p. 45): "Auf keinem Gebiet ihres Lebens war ich erfolgreicher 'schwarz zu denken', oder wie es korrekter ausgedrückt werden sollte, 'schwarz zu fühlen', als auf dem Gebiet der Magie. Auch ich pflegte bei Unglücksfällen im
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Idiom der Zauberei zu reagieren und es brauchte grosse Anstrengung, um überhaupt dieses Abgleiten in die Unvernunft zu erkennen."
"Unvernunft", magisches Denken bei den Azande wie auch bei dem Forscher, wenn er unter ihnen weilt? Um das prälogische Denken zu illustrieren, beschreibt Lévy-Bruhl folgenden Fall: Ein Mann geht während eines Sturmes durch eine Schlucht. Ein kleiner Felsen löst sich vom Rand der Schlucht, fällt herab auf seinen Kopf und tötet ihn. Seine Verwandten, die dabei waren, schreiben das Ereignis Zauberei zu. Henry Bergson, der bezweifelt, dass "kollektive Repräsentationen" für Menschen, die einer anderen Kultur angehören, tatsächlich unverständlich bleiben, weist die Annahme prälogischen Denkens in Bezug auf die Reaktion der Angehörigen 1932 zurück. Er meint, dass die Leute sicher nicht bestreiten würden, dass ein Sturm herrschte und dass der Sturm den Felsen gelöst habe, dass sie eine "natürliche Ursache" für den Fall des Felsens annehmen würden. Diese natürliche Ursache erkläre aber noch nicht, warum der Mann gerade in diesem Augenblick unter dem stürzenden Felsen gegangen wäre. Dafür wird nun eine Intention angenommen (pp. 151 - 156). Die eines Zauberers, einer Hexe, und ich füge hinzu: im christlichen Kontext z.B. der Wille Gottes.
Die Verbindung natürlicher Ursache mit Intentionen erkennt 1935 auch Bronislav Malinowski: "Der Weg der Magie und der Weg der Gartenarbeit [der Trobriander] sind untrennbar. Sie werden nie vermischt... die Einheimischen werden nie durch Magie roden oder einen Zaun mittels eines Ritus errichten", aber Sie benötigen für ihre Gärten auch Magie die darauf zielt, "unvorhergesehenem Missgeschick zuvorzukommen und unverdientes Glück herbeizuführen" (I., p. 77).
1937 bringt Evans-Pritchard sein "Getreidespeicher-Beispiel" (1976, pp. 22f.), bei dem man sich fragen muss, ob er nicht zuvor Bergson gelesen hat:. Ein Getreidespeicher erschlägt einen Mann, da seine Pfosten zusammenbrachen. Die Azande erklären das Ereignis mit Zauberei. Sie wissen, dass es Termiten waren, die die Pfosten so aushöhlten, dass sie zusammenbrechen mussten, kennen also die "natürliche Ursache", dass sich der Mann aber
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gerade im Augenblick des Zusammenbrechens darunter befand, dafür wird eine Intention, eben die des Zauberers, angenommen.
II
Die Annahme der Verbindung einer natürlichen Ursache mit einer Intention, die sicher nicht als "prälogisch" qualifiziert werden kann, lässt sich auf dem Gebiet der Medizinethnologie oder Ethnomedizin besonders gut beschreiben. Ich greife zum Beispiel der Mwera, einem mutterrechtlichen Volk in Südtanzania, bei dem ich 1983 bis 1986 arbeiten konnte. (Und ein Ethnologe ist ja im Gegensatz zu anderen Kulturwissenschaften aufgefordert, zumindest einen Teil seiner Quellen selbst zu erstellen.)
Wenn in der WHO-Constitution festgestellt wird, "health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity, so entspricht dieses Konzept auch weitgehend den Vorstellungen der Mwera über Gesundheit. Was unter physischem, mentalem oder sozialem Wohlsein jeweils verstanden wird, wird natürlich von verschiedenen Kulturen auch verschieden definiert. Etwa gelten Wurmerkrankungen bei den Mwera nicht als Erkrankung - ähnlich wie z.B. früher bei uns der Befall von Läusen - und auch nicht als Erkrankung gelten einzelne Ausnahmezustände im mentalen Bereich. Im sozialen Bereich hingegen sind die Anforderungen an das Wohlsein meist höher als bei uns: Wer Streit hat oder gar streitsüchtig ist, wer kontaktarm ist oder wer geizig ist gilt bereits als krank.
Bei der Feldforschung lassen sich kulturelle Unterschiede bei der Definition von Gesundheit und Krankheit leicht erheben und sind in der Regel auch für Europäisches Denken einsichtig. Hingegen stossen die Antworten über die Voraussetzungen von Gesundheit und die Ursachen von Krankheit bei Europäern (wie die zitierten Tylor oder Lévy-Bruhl) meist auf Unverständnis: Die Begründungen in den Antworten sind meist nicht kausal sondern gleichsam final. Nicht das "Wie" steht im Vordergrund, sondern das "Warum". Das führte zu dem Vorurteil - wir haben es kennen gelernt - schriftlose Kulturen
Arbeit zitieren:
Prof. Dr. mult. habil. Rupert Moser, 1995, Prälogisches Denken: Vernunft und Gefühl in schriftlosen Kulturen, München, GRIN Verlag GmbH
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