Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Die Turmgesellschaft 4
2.1. Turmgesellschaft / Freimaurer 4
2.1.1. Goethes Verhältnis zur Freimaurerei 5
2.2. Turmgesellschaft als Gemeinschaft 7
2.2.1. Mitglieder der Turmgesellschaft 8
2.2.2. Funktion der Turmgesellschaft - Lenkung von Wilhelms Leben? 11
2.3 Programm / Projekt der Turmgesellschaft 13
2.3.1 Maximen 13
2.3.2 Lehrbrief 14
3. Zusammenfassung 15
4. Literaturliste 16
2
1. Einleitung
Diese Seminararbeit befasst sich mit der Turmgesellschaft in den Lehrjahren des Wilhelm Meister. Da die Turmgesellschaft in den Lehrjahren eine besondere, bedeutungsvolle Rolle einnimmt, lohnt es sich, diese näher zu untersuchen. Schon Schiller hat sich über die Turmgesellschaft der Lehrjahre geäußert und erkannt, dass „ein verborgen wirkender, höherer Verstand, die Mächte des Turms“ Wilhelm Meister begleiten. 1 In der Forschung treten verschiedene Interpretationen der Turmgesellschaft auf, die zeigen, wie vielschichtig und komplex dieses Thema ist. Einige Aussagen aus der Forschung werden auch in diese Arbeit hineinfließen. Die drei wichtigsten Aspekte der Arbeit werden darauf beschränkt sein, welche sinngebende Rolle bzw. Funktion die Turmgesellschaft im Roman hat, wie sie agiert, welche Ziele sie verfolgt und wie die Auswirkungen der Turmgesellschaft auf den Romanprotagonisten Wilhelm Meister sind.
Obwohl die Turmgesellschaft erst gegen Ende des Romans im 7. und 8. Buch in den Vordergrund tritt, ist sie doch über den ganzen Romanverlauf hin von Anfang an präsent. Wilhelm erfährt erst sehr spät, dass er bisher von der Turmgesellschaft überwacht worden ist und in der Turmszene wird ihm bewusst, in welcher Form das geschehen ist. Die vier Gestalten der Turmgesellschaft, die so genannten Emmisäre, treffen an verschiedenen Stellen des Romans wie zufällig auf Wilhelm Meister und versuchen ihn durch Gespräche und Mahnungen zu beeinflussen. Dem Leser wird erst gegen Ende des Romans bewusst, dass alle die vorherigen Begegnungen Wilhelms mit den Emmiseren in einem Zusammenhang zu der Turmgesellschaft am Ende des Romans stehen und dass die Geschehnisse keine Zufälle, sondern von der Turmgesellschaft gewollt waren.
Die wichtigsten Mitglieder der Turmgesellschaft sind der Abbé, Lothario und Jarno. Zu diesen drei wichtigen Figuren sowie den Emmiseren komme ich im 2.Teil der Arbeit. Im Anschluss an diesen Teil geht es um das Programm der Turmgesellschaft und was es mit der geheimen Lenkung Wilhelms auf sich hat. In diesem Zusammenhang werden auch die Maximen der Turmgesellschaft zum Thema Bildung und Erziehung genauer betrachtet. Da Goethe selbst Mitglied einer so genannten Freimauergesellschaft war, ist es auch im Hinblick auf das Auftreten der Turmgesellschaft in den Lehrjahren sinnvoll zu untersuchen, warum Goethe die Turmgesellschaft einführt? Finden sich Elemente der Freimaurerei auch in der Turmgesellschaft? Diese Fragen werden ebenfalls unter Punkt 2 der Arbeit behandelt.
1 Bahr, Eberhard, S. 279; Barner, Wilfried, S.90
3
Im dritten Teil der Arbeit werden das „Programm“ der Turmgesellschaft und der Lehrbrief näher untersucht. Dort stellt sich dem Leser die Frage, inwieweit der Lehrbrief und auch die Maximen der Turmgesellschaft Einfluss auf die Entwicklung Wilhelms gehabt haben.
2. Die Turmgesellschaft
Die Turmgesellschaft der Lehrjahre ist ein Zusammenschluss von Menschen mit aufgeklärten Idealen, die soziale Veränderungen herbeiführen möchten. Sie lenken Wilhelm Meisters Leben in eine neue Richtung, in dem sie ihn weg vom Theater hin zu einem tätigen Leben führen möchten. Diesem Zweck dienen die Begegnungen Wilhelms mit den vier Vertretern der Turmgesellschaft in den ersten 5 Büchern. Auch der Lehrbrief, den Wilhelm vom Abbé im 7.Buch/9.Kapitel erhält und der die Kunst und das Leben zum Thema hat, sollen Wilhelm Aufschluss über den Sinn der Turmgesellschaft geben und ihn dazu bewegen, der Theater-Kunst den Rücken zu kehren. 2
2.1. Turmgesellschaft / Freimaurer
Zu der Zeit, als Goethe „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ verfasst hatte, spielten geheime Verbindungen wie die Freimaurer eine ganz besondere Rolle. Die Institution der Freimauer stammte aus England und holte sich ihre geistigen Ziele und Inhalte aus der englischen Freidenkerbewegung. Toleranz und Freiheit waren ihre Ideale und sie dienten der Geselligkeit und gegenseitigen Unterstützung sowie dazu, sich selbst und die Menschheit zu erziehen. In Deutschland war das Interesse an der Freimaurerei in Adelskreisen sehr groß und so erzeugte bei dort ein Streben nach höherer Erkenntnis. Rosemarie Haas bezeichnet die Freimaurerei als eine „Vereinigung vernünftiger Geister zum Zwecke der Selbstbestimmung und als Hort althergebrachter übernatürlicher Geheimnisse,..., in dem sie zugleich das Verlangen nach Aufklärung und die Wundersucht befriedigt...“. 3
2 Wundt, Max, S. 34
3 Haas, Rosemarie, S.7
4
2.1.1. Goethes Verhältnis zur Freimaurerei
Um sich ein Bild davon zu machen, warum Goethe die Turmgesellschaft in den Lehrjahren 4 auftreten lässt, ist es sinnvoll, die eigene Logenzugehörigkeit Goethes und seine freimaurerischen Verbindungen von 1777 bis 1796 zu betrachten. Wilhelm Meisters Lehrjahre sind 1795/96 erschienen. Zu dieser Zeit war Goethe kein aktives Mitglied einer Loge und distanzierte sich durch etliche Äußerungen 5 von dieser. Haas schreibt, dass Goethe sich nach seiner Italienzeit gegenüber Karl Philipp Moritz über die Freimaurerei folgendermaßen geäußert haben soll: „Mein Gott, auch Sie können noch so schwach seyn, darinn etwas zu suchen“. 6 Als Grund für Goethes distanzierte Haltung zur Loge „Anna Amalia“ nennt Haas die sog. „Systemstreitigkeiten“ der Loge im Jahre 1782. Goethes erster Kontakt zur Loge „Anna Amalia“, gegründet am 26.Mai 1764, sei dadurch zustande gekommen, dass durch das Zusammentreffen mit seinen freimaurerischen Freunden Diethelm Lavater, Friedrich Schmoll, Christoph Kayser und Antonius Ott sein Interesse an diesem Bund geweckt worden ist. Goethe hatte aber schon vorher Kontakt zu anderen Logen, als 15-jähriger bewarb er sich um die Aufnahme in die „Arcadische Gesellschaft in Philandria“ bewarb, wurde aber wegen seinem jugendlichen Alter abgelehnt. 7 Ein halbes Jahr, nachdem Goethe sein Aufnahmegesuch in die Weimarer Loge „Anna Amalia“ aufgegeben hatte, wurde er als Lehrling im Juni 1780 aufgenommen und bat schon ein Jahr danach um Beförderung in höhere Grade. 8
Von 1782 bis 1808 war Goethe nicht aktives Mitglied der Loge „Anna Amalia“ und verlor auch zusehends das Interesse an der Freimaurergesellschaft. Zwar sah er die Freimaurergesellschaft als eine Organisation an, deren Bestreben es war, religiöse und gesellschaftliche Entwicklungen im Sinne der Aufklärung zu unterstützen, doch er distanzierte sich zusehend von der Gesellschaft als Institution und äußerte sich zeitweise auch abweisend über die Freimaurerei. 9 Die Forschung zeigt ganz deutlich, dass Goethes Interesse an der Loge in den 80 er Jahren nicht der Kenntnis der Geheimnisse gerichtet war, sondern dass es ihm vielmehr darum ging, gesellschaftliche Verbindungen zu pflegen. Besonders
4 „Wihlem Meisters Lehrjahre“ von Johann Wolfgang Goethe, erschienen 1795/1796, nach fast 20-jähriger Entstehungszeit
5 Briefe an Christoph Kayser 1781/82 und 1789 an Karl August, siehe Haas, Rosemarie, S.23f.
6 Karl Friedrich Klisching, Erinnerungen aus den zehn letzten Lebensjahren meines Freundes Anton Reiser, Berlin 1794, S.52
7 Bahr, Wilfried, S.172
8 Haas, Rosemarie, S.21
9 ebd. S.23f.
5
Quote paper:
Keziban Karaaslan, 2007, Die Turmgesellschaft in Wilhelm Meister´s Lehrjahren, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Bildungsideen der Turmgesellschaft in Johann Wolfgang Goethes Roman Wi...
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
Goethes: Wilhelm Meisters Lehrjahre - Die Turmgesellschaft
Die Turmgesellschaft und ihre ...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 35 Pages
Gotthilf Heinrich Schubert und E.T.A. Hoffmann. Die Bedeutung der roma...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 16 Pages
Die Ritterfiguren in Konrad von Würzburgs Herzmaere und Heinrich von K...
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 14 Pages
Von Austin zu Searle: Die Entwicklung der Sprechakttheorie
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 19 Pages
Das Wort vom leidenden Gottesknecht im Kontext der Botschaft Deuteroje...
Examination Thesis, 78 Pages
Der Genie-Gedanke in der deutschen Literatur des Sturm und Drang und d...
German Studies - Modern German Literature
Diploma Thesis, 133 Pages
"Kehrt um und lauft nach Santiago" - Der Jakobsweg als Merkm...
Examination Thesis, 161 Pages
Zu: Paul Gerhardts "O Haupt voll Blut und Wunden"
Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 20 Pages
Zu: Friedrich Schillers "Wallenstein"
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 20 Pages
Baum des Lebens - Baum der Erkenntnis
Theology - Didactics, Religion Pedagogy
Scholary Paper (Seminar), 31 Pages
Die Macht der Minne und die Gewalt der Ehe: Am Beispiel der Erzählung ...
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholary Paper (Seminar), 20 Pages
Claudio - Leben eines Toten. Analyse des Dramas "Der Tor und der ...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 32 Pages
"Wir harren eines neuen Himmels und einer neuen Erde" - Gesc...
Theology - Systematic Theology
Diploma Thesis, 124 Pages
Die geheime Lenkung in „Wilhelm Meisters Lehrjahren“ und im „Foucaults...
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 27 Pages
Zur Entwicklung des organischen Charakters der menschlichen Seele in C...
Philosophy - Philosophy of the 19th Century
Termpaper, 15 Pages
Höfische Freundschaft: Der Löwe im "Iwein" von Hartmann von ...
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholary Paper (Seminar), 19 Pages
>>Von deinem Gott war die Rede, ich sprach/ gegen ihn<<: A...
Theology - Systematic Theology
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 21 Pages
Keziban Karaaslan has published the text Die Turmgesellschaft in Wilhelm Meister´s Lehrjahren
Keziban Karaaslan has uploaded a new text
The Works of Thomas Carlyle: Volume 23, Wilhelm Meister S Apprenticesh...
Thomas Carlyle, Johann Wolfgang von Goethe, Henry Duff Traill
Wilhelm Meisters Lehrjahre. Erläuterungen und Dokumente
Johann Wolfgang von Goethe, Ehrhard Bahr
0 comments