Inhalt
1. Einleitung 3
2. Von den Grenzen des Wachstums zur nachhaltigen Entwicklung: Die Agenda 21 4
3. Umweltbildung im Zeichen der Nachhaltigkeit
6
3.1. Ökologie braucht politische Bildung 6
3.2. Politik braucht ökologische Bildung 8
4. Nachhaltige Entwicklung zu Beginn des 21 Jahrhunderts: Deutschland und Pakistan 10
4.1. Lokale Agenda 21 in Deutschland am Beispiel Darmstadt 10
4.2. Lage des Agendaprozesses in Pakistan 13
5. Fazit 15
Literatur 17
2
1. Einleitung
„Die Menschheit steht an einem entscheidenden Punkt ihrer Geschichte. Wir erleben eine
Festschreibung der Ungleichheiten zwischen und innerhalb von Nationen, eine
Verschlimmerung von Armut, Hunger, Krankheit und Analphabetentum sowie die
fortgesetzte Zerstörung der Ökosysteme, von denen unser Wohlergehen abhängt. Eine
Integration von Umwelt- und Entwicklungsbelangen und die verstärkte Hinwendung auf
diese wird indessen eine Deckung der Grundbedürfnisse, höhere Lebensstandards für alle,
besser geschützte und bewirtschaftete Ökosysteme und eine sicherere Zukunft in größerem
Wohlstand zur Folge haben. Keine Nation vermag dies allein zu erreichen, während es uns
gemeinsam gelingen kann: in einer globalen Partnerschaft im Dienste der nachhaltigen
Entwicklung.“ 1
So umreißt die Präambel der Agenda 21 die Situation, in der wir uns heute befinden und lenkt den Blick auf die Größe und Tragweite unserer Aufgabe. Die Agenda 21, das Leitpapier zur nachhaltigen Entwicklung für das 21. Jahrhundert, ist das Produkt der „Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen“ in Rio de Janeiro 1992 (dem sog. „Erdgipfel“).
Vertreter von 179 Staaten sowie – ein Novum – zahlreiche Nichtregierungsorganisationen (NGOs) waren an der Ausarbeitung beteiligt. Heute, über eine Dekade später, gibt es noch viel zu tun. Zwar hat die Agenda 21 weltweit für ein Umdenken gesorgt, jedoch sind wir auf dem Weg zur Erreichung ihrer Ziele nur sehr wenig vorangekommen. Im Gegenteil: Immer neue Gefahren tun sich für das Ökosystem auf und gleichzeitig scheint der Elan der Staatenwelt, Änderungen des status quo herbeizuführen, nicht sonderlich groß zu sein. Gleichzeitig verblasst die Agenda 21 und ihr Ziel Nachhaltigkeit zunehmend in der öffentlichen Wahrnehmung. Grundeinsicht der Agenda 21 ist ohnehin, dass die Staatengemeinschaft nicht allein dazu in der Lage ist, die Welt in einen Zustand der Nachhaltigkeit zu überführen. Die Zivilgesellschaft muss dabei mithelfen und von sich aus Anstrengungen unternehmen um dieses Ziel zu erreichen.
1 UNCED 1992, S. 1.
3
Aufgabe der Bildung ist es dabei, dafür zu sorgen, dass das Thema Nachhaltigkeit wieder verstärkt ins öffentliche Bewusstsein gelangt. Neben dieser Kommunikationsfunktion hat die Bildung aber auch die Funktion, die Zivilgesellschaft für nachhaltiges Handeln zu qualifizieren. Das bedeutet auch, der Zivilgesellschaft sich selbst bewusst zu machen. Den Menschen zu zeigen, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind, und dass – und wie – sie zusammen etwas erreichen können. Wie genau Umweltpädagogik in diesem Zusammenhang zu verstehen ist, darauf geben Armin Kremer und Hilmar Westholm in ihren Beiträgen für das XVII. Friedrich Jahresheft Auskunft. Ihre Positionen sollen hier kurz dargelegt werden (Kap. 3). Anhand der Betrachtung der Agendaprozesse in Deutschland und Pakistan soll festgestellt werden, inwieweit die Realität den Erwartungen der beiden Autoren entgegen kommt (Kap. 4). In einem Fazit sollen schließlich diesen Beobachtungen Folgerungen für die Aufgabe der Bildung in diesem Prozess folgen (Kap. 5). Zunächst aber soll ein kurzer Überblick geben werden, wie es zur Agenda 21 kam, und was darunter genauer zu verstehen ist.
2. Von den „Grenzen des Wachstums“ zur nachhaltigen
Entwicklung: Die Agenda 21
Für die öffentliche Wahrnehmung der Umweltproblematik bedeutete der 1972 vom Club
of Rome veröffentlichte Bericht "Die Grenzen des Wachstums" 2 eine Zäsur. War man
vorher davon ausgegangen, dass der technische Fortschritt die durch ihn entstandenen Probleme im nächsten Schritt auch gleich selbst lösen könnte, so wurde dies hier nun deutlich verneint und stattdessen als düsteres Zukunftsszenario der Zusammenbruch der menschlichen Entwicklung skizziert. Damit war die Frage aufgeworfen, wie man diesen Zusammenbruch verhindern könne. Anfangs war die Diskussion geprägt durch die Vorstellung, die Knappheit der Ressourcen würde die Entwicklung begrenzen. Erst
2 Meadows et al. 1972.
4
später wurde erkannt, dass die Belastbarkeit der Umwelt unter Umständen noch engere Grenzen setzt.
1987 schließlich veröffentlichte die „Weltkommission für Umwelt und Entwicklung“
(die sog. Brundtland-Kommission) ihren Bericht 3 , der Grundlage für den Erdgipfel
wurde. Eine nachhaltige Entwicklung definierte dieser Bericht so:
“Humanity has the ability to make development sustainable – to ensure that it meets the
needs of the present without comprising the ability of future generations to meet their own
needs.“ 4
Die Agenda 21 gibt Antwort darauf, wie diese vage Forderung konkret zu verstehen ist. Sie definiert Nachhaltigkeit als das gleichzeitige und weitgehend gleichberechtigte Erreichen von ökologischen sowie auch ökonomischen und sozialen Zielen. Wichtigstes ökologisches Ziel ist dabei die Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre auf einem Niveau, auf dem kein für den Menschen gefährlicher Klimawandel zu erwarten ist. Das wichtigste soziale Ziel ist die Armutsbekämpfung, wohinter sich aber eine ganze Reihe von Unterzielen verbergen, neben gleichem Zugang zu Land und natürlichen Ressourcen etwa auch eine Verbesserung von Bildung und Ausbildung und die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Primäre Ziele im Bereich der Wirtschaft sind die Förderung einer umweltverträglichen Produktion sowie die Förderung einer verantwortungsbewussten
Unternehmerschaft. 5
Wichtig dabei ist, dass im Grunde keiner der drei Bereiche (Umwelt/ Wirtschaft/ Soziales) isoliert von den anderen angegangen werden kann. Eine Beschränkung des Begriffs Nachhaltigkeit auf ökologische Aspekte wäre somit nicht Sinn der Sache.
3 Im Internet nachzulesen unter
http://www.are.admin.ch/imperia/md/content/are/nachhaltigeentwicklung/brundtland_bericht.pdf
4 Brundtland-Bericht 1987, S. 24.
5 vgl. Lexikon der Nachhaltigkeit.
5
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Vincent Steinfeld, 2005, Ökologie braucht politische Bildung - Politik braucht ökologische Bildung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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