Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Das Parteiensystem nach Herbert Kitschelt 3
2.1 Wettbewerbsdimensionen 3
2.2 Level-Changes. 4
3 Cleavages - Konfliktlinien 5
3.1 Katholizismus vs. Kommunismus. 5
3.2 Norden und Süden 6
3.3 Neue Cleavages 7
4 Der Transformationsprozess zwischen 1992 und 1994. 8
4.1 democrazia bloccata - blockierte Demokratie 8
4.2 Der Umbruch 1992. 9
4.3 Das Entstehen neuer Parteien 10
4.3.1 Lega Nord, Forza Italia und Alleanza nazionale. 11
4.3.2 Nachfolgeparteien der ehemaligen Staatsparteien DC, PCI und PSI. 12
4.3.3 Kleine Parteien: „La rete“ und „i verdi“ 13
4.4 Wahlbündnisse und Machtwechsel 14
4.4.2 Polo vs. Ulivo. 14
5 Schlussfolgerungen 16
Literatur - und Quellenverzeichnis. 18
II
Abkürzungsverzeichnis
AN Alleanza nazionale CCD Centro dei cristiani democratici CGIL Confederazione generale italiana del lavoro CISL Confederazione italiana sindacati lavoratori CS Cristiani lavoratori DC Democrazia cristiana DS Democratici di sinistra FDS Federazione democratici socialisti FI Forza Italia MSI Movimento sociale italiano PCI Partito comunista italiano PDS Partito democratico di sinistra PLI Partito liberale italiano PPI Partito popolare italiano PRI Partito repubblicano italiano PSDI Partito socialisti democratici italiano PSI Partito socialista italiano RF Rifondazione comunista
III
1 Einleitung
Da ich persönlich sehr viel mit Italien verbinde, und mich das Land samt seiner Einwohner schon immer fasziniert hat, habe ich mich entschlossen das italienische Parteiensystem zum Thema dieser Arbeit zu machen. Italien hat seit Ende des II. Weltkrieges bereits über fünfzig verschiedene Regierungen durchlaufen und bis heute gelang es den Politikern nicht wirklich, dieser Instabilität Herr zu werden. Doch sind es nicht nur die instabilen Regierungen, die meiner Ansicht nach Italien auf politischer Ebene zu etwas besonderem machen.
Die Thematik meiner Arbeit beschäftigt sich vorwiegend mit Ereignissen, die bereits zehn Jahre und länger zurückliegen, aber aus politikwissenschaftlichen Blickwinkeln äußerst interessant erscheinen - jene Veränderungen, die das italienische Parteiensystem in den Jahren zwischen 1992 bis 1994 durchlaufen hat.
Kommt man mit Italienern und Italienerinnen ins Gespräch über die Politik und die Parteien ihres Landes, so könnte man durchaus den Eindruck gewinnen, das Desinteresse an den dortigen Geschehnissen überwiege, diesen Aspekt möchte ich später noch genauer beleuchten. Diejenigen, die sich allerdings dafür interessieren, meinen meist, dass sich im Grunde nie etwas geändert habe und bei der Durchsicht der zahlreich vorhandenen Literatur zu diesem Thema stieß ich des öfteren auf folgenden Satz aus Tomasi di Lampedusas „Gattopardo“ :
„Wenn wir wollen, dass alles bleibt wie es ist, dann ist es nötig, dass alles sich verändert.“
Diesen Satz in Hinblick auf den Transformationsprozess, der zwischen 1992 und 1994 stattgefunden hat, im Vorhinein zu interpretieren würde für mich bedeuten, dass sich nach innen sehr viel, nach außen hingegen nur sehr wenig verändert hat, die italienische Bevölkerung sieht sich nach wie vor von jenem System umgeben, dass bereits jahrzehntelang um sie war.
Italien hat in den Jahren von 1992 bis 1994 einen gravierenden Wandel durchlaufen, und um zu versuchen herauszufinden, welcher Art dieser Wandel war, möchte ich die Kriterien von Herbert Kitschelt aus seinem Artikel „European Party Systems: Continuity and Change“ aus dem Jahr 1996 anwenden. Dafür ist es in erster Linie nötig, die cleavages, welche die italienische Gesellschaft spalten, zu definieren. Um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen, wurde dies allerdings darauf beschränkt, die zwei wichtigsten cleavages zwischen
1
Katholizismus und Kommunismus sowie jenes zwischen Norden und Süden zu beschreiben. Außerdem wird die italienische Problematik des postmateriellen cleavages beleuchtet und ein Versuch unternommen, ob es neue cleavages gibt, an denen sich die italienische Gesellschaft heute spaltet.
Im ersten Kapitel meiner Arbeit werde ich den Begriff der Wettbewerbsdimensionen und der level-changes nach Herbert Kitschelts Kriterien klären. Anschließend wird der Begriff „cleavage“ definiert und die oben bereits erwähnten cleavages genauer erläutert sowie ihre Bedeutung für das italienische Parteiensystem beleuchtet.
Im dritten Teil dieser Arbeit betrachte wird auf die wesentlichen Entwicklungen des italienischen Parteiensystems, die Zeit der „democrazia bloccata“ - die blockierte Demokratie - eingegangen, als eine Partei von 1946 bis 1992 kontinuierlich an der Macht war, ohne das jemals ein „echter“ Machtwechsel stattfand. Dies ist nötig, um ein besseres Verständnis der großen Veränderungen, die anschließend stattfanden, zu gewährleisten. Ebendiese Veränderungen, die Transformation des Parteiensystems während der Jahre 1992 bis 1994 werden im darauf folgenden Kapitel beschrieben. Es wird versucht, die Bedeutung des Zusammenbruchs des Kommunismus, die Affäre der „tangentopoli“ sowie die Wahlrechtsreform mit den dazugehörigen Referenden werden dahingehend analysiert, wie weit sie zum Niedergang des alten Parteiensystems beigetragen haben. Im letzten Kapitel werden schließlich jene Parteien vorgestellt, die sich nach dem Zusammenbruch des alten Systems als neue Parteien etabliert haben. Handelt es sich wirklich um neue Parteien oder sind es nur wiedergeborene Konstruktionen mit neuen Namen, die sich nach wie vor an den alten Konfliktlinien orientieren.
Als Quellen für diese Arbeit dienten in erster Linie einzelne Artikel aus politikwissenschaftlichen Fachzeitschriften sowie einige Fachbücher der Institutsbibliothek. Die Recherche im Internet verlief in dieser Hinsicht nicht sehr erfolgreich, allerdings ist zu diesem Thema ausreichend wissenschaftliche Fachliteratur vorhanden, so dass es keine Schwierigkeiten gab, sich der Thematik zu stellen.
2
2 Das Parteiensystem nach Herbert Kitschelt
Ich werde, wie bereits einleitend erwähnt, das italienische Parteiensystem nach Herbert Kitschelt untersuchen. Bei Kitschelts Analyse geht es nicht in erster Linie darum, aus welchen Gründen neue Parteien entstanden sind, sondern ob es diesen Parteien gelang, ihre Botschaft den neuen Anforderungen der Wählerschaft anzupassen. Kitschelt teilt die politischen Systeme Westeuropas in Wettbewerbsdimensionen ein, auf welche ich anschließend kurz eingehen werden. Darauffolgend werde ich die System Level Changes - Level I, Level II und Level III change - definieren. Die Beschreibung der Wettbewerbsdimensionen und er Levelchanges in diesem Kapitel wurden ausschließlich dem Text „European Party Systems: Continuity and Change“ von Herbert Kitschelt aus dem Jahr 1996 entnommen.
2.1 Wettbewerbsdimensionen
Um ein Parteiensystem zu unterscheiden, reicht es nicht nur, die cleavages zu identifizieren, sondern man sollte feststellen, wie die bestehenden cleavages miteinander verflochten sind und sich gegenseitig überlagern. Wenn zum Beispiel zwei cleavages die selbe Gruppe gegeneinander ausspielen (religiöses Bürgertum gegen Arbeiterschaft) so spricht man von eindimensionalem Wettbewerb. Gibt es allerdings innerhalb der cleavages gespaltene Gruppen (religiöses Arbeiterschaft gegen säkulare Arbeiterschaft und religiöses Bürgertum gegen säkulares Bürgertum) so spricht man von mehrdimensionalem Wettbewerb. Eindimensionaler Wettbewerb:
Hier reihen sich die Parteien entlang einer cleavage Linie von links nach rechts ein (meist das Klasse Cleavage). Zwar gibt es cleavages, die diese Linie überlagern, allerdings sind sie meist zu schwach, um eigene Parteien hervorzubringen. Mehrdimensionaler Wettbewerb:
Hier wird das klassische Cleavage von einem anderen Cleavage so überlagert, dass sich auch entlang des anderen Cleavages spezifische Parteien bilden. Das einzige wirklich mehrdimensionale Parteiensystem in Europa ist laut Kitschelt das belgische, in welchen sich Parteien entlang zwei Cleavages, dem Klasse cleavage und dem linguistischen gebildet haben.
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Arbeit zitieren:
Regina Bianchi, 2003, Eine Analyse der Entwicklung und der Transformation des italienischen Parteiensystems nach Herbert Kitschelt – Level I, Level II oder Level III change?, München, GRIN Verlag GmbH
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