Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................... 2
1. Einleitung 3
2. Freuds Interpretation der Tragödie „König Ödipus“ und deren Verwendung für die Theorie
des „Ödipus- Komplexes“ 6
2.1. Die Tragödie „König Ödipus“ eine Zusammenfassung 6
2.2 Freuds Deutung des Dramas „König Ödipus“ und die Perspektive der
Literaturwissenschaft auf diese Tragödie 7
2.3 Der Chor 9
2.4 Das Orakel 10
2.5 „König Ödipus“ eine Schicksalstragödie? 11
3. Die Kritik an Freuds Interpretation der Tragödie „König Ödipus“ 13
3.1. Eigene Gedanken zur Kritik der Freudschen Interpretation 13
3.2. Kritik aus der literaturwissenschaftlichen Forschung 16
4. Die psychoanalytische Literaturwissenschaft und ihre Methoden 18
4.1 Die autororientierte Interpretation 19
4.2 Die werkorientierte Interpretation 27
4.3 Die leserorientierte Deutung 27
4.4 Freuds Interpretation der Tragödie „König Ödipus“ eine leserorientierte Deutung? 30
5. Schlusswort 32
6. Literaturverzeichnis 35
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1. Einleitung
Ich behandle in meiner Hausarbeit zwei Themenbereiche: Einerseits die Deutung der Tragödie „König Ödipus“ des Sophokles durch den berühmten Wiener Nervenarzt Sigmund Freud, und andrerseits die Methoden der Literaturdeutung der psychoanalytischen Literaturwissenschaft im Allgemeinen.
Die Fragen, denen ich im Zuge dieser Hausarbeit nachgehen möchte, sind folgende:
1. Wie interpretiert Freud die antike Tragödie „König Ödipus“ des Sophokles? Wie und warum verwendet Freud gerade dieses Drama, um seine Theorie des „Ödipus- Komplexes“ zu belegen? Könnten durch eigene Gedanken bezüglich der Freudschen Interpretation der Tragödie „König Ödipus“ Kritikpunkte angeführt werden? Wie argumentieren die Kritiker aus der literaturwissenschaftlichen Forschung?
2. Welche Methoden wendet die psychoanalytische Literaturwissenschaft zur Deutung der Literatur an? Und wie werden diese bewertet?
Meines Erachtens ist es nämlich wichtig, zuerst dieses konkrete Beispiel für die psychoanalytische Literaturdeutung anzuführen, bevor ich die Frage nach den Methoden der Literaturinterpretation der psychoanalytischen Literaturwissenschaft im Allgemeinen darzustellen und zu erörtern versuche. Schließlich kann der Leser der Arbeit besser folgen, wenn ich zuerst einmal dieses Beispiel einer psychoanalytischen Deutung darstelle und untersuche, als wenn ich die Methoden gleich an den Anfang dieser Arbeit stellte. Der Grund ist, dass dann nämlich schon gezeigt wurde, wie eine psychoanalytische Literaturinterpretation gestaltet ist.
Ich habe mir die Deutung der Tragödie „König Ödipus“ des Sophokles durch Freud als ein Thema meiner Hausarbeit ausgewählt, weil mich die Verbindung von Literatur und Psychoanalyse interessiert. Sie ist deswegen von Bedeutung, weil dadurch eine andere Sichtweise auf die Literatur gewonnen werden kann. Diese Thematik ist aber auch deswegen attraktiv, weil an dieser Stelle gezeigt werden kann, dass und wie die Literatur und die Literaturwissenschaft von gesellschaftlich bedingten Erscheinungen beeinflusst wird und umgekehrt. Dies ist meiner Ansicht nach deswegen wichtig zu zeigen, weil dadurch erkannt werden kann, dass die Literatur und Literaturwissenschaft sich nicht (nur) mit schöngeistigen Dingen beschäftigt, sondern auch und vor allem mit den schwierigen und auch furchtbaren Seiten der menschlichen Existenz befasst.
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Es ist wichtig, dies aufzuzeigen, weil dadurch dem Vorurteil vorgebeugt wird, die Literatur und die Literaturwissenschaft befassten sich hauptsächlich mit den angenehmen und leichten Situationen des menschlichen Lebens. So ist es nämlich möglich zu zeigen, dass die Literatur und die Literaturwissenschaft sich ganz im Gegenteil mit sehr wichtigen und ernsten Fragen und Themen der menschlichen Existenz beschäftigen.
Die Frage nach den Methoden der Literaturinterpretation zu stellen, halte ich deswegen für bedeutsam, weil die psychoanalytische Literaturwissenschaft nur dann einer Beurteilung unterzogen werden kann, wenn deren Methoden zuvor untersucht wurden. Schließlich kann die Frage danach, ob und inwieweit die psychoanalytische Literaturwissenschaft auch tatsächlich wissenschaftlich ist, also, ob ihre Ergebnisse verallgemeinerbar sind, nur dann beantwortet werden, wenn deren Methoden selbst zuvor einer Untersuchung unterzogen wurden. Ein anderer wichtiger Punkt ist meiner Ansicht nach in diesem Zusammenhang, dass bestimmte Methoden der Literaturdeutung die Voraussetzungen für gewisse Ergebnisse einer literaturwissenschaftlichen Richtung bilden. Schließlich hat Freud sich selbst, in seinem Text „Die Traumdeutung“ (1900), in dem er die Tragödie „König Ödipus“ des Sophokles analysiert, nicht ausdrücklich zu der von ihm verwendeten Methode geäußert. Außerdem ist zu bedenken, dass sich die Methoden der psychoanalytischen Literaturwissenschaft weiterentwickelt haben. Die Methoden der psychoanalytischen Literaturwissenschaft sind heutzutage also anders als zu Freuds Zeiten. Ein weiterer Grund dafür, dass ich die Methoden der psychoanalytischen Literaturwissenschaft im Allgemeinen in meiner Arbeit behandle ist, dass sie meiner Ansicht nach nur auf diese Weise ein abgerundetes Bild ergibt, weil sie sowohl einen praktischen Teil, nämlich die psychoanalytische Deutung der Tragödie „König Ödipus“ durch Sigmund Freud, als auch einen theoretischen Abschnitt, nämlich die Frage nach den Methoden der psychoanalytischen Literaturinterpretation im Allgemeinen, enthält. Insofern besteht die Verbindung dieser beiden Themenbereiche meiner Hausarbeit darin, dass beide die psychoanalytische Deutung der Literatur zum Gegenstand haben, und der zweite Themenbereich den ersten insofern ergänzt, insofern dieser sich auf die allgemeine Frage nach den Methoden der psychoanalytischen Literaturwissenschaft bezieht. Ich versuche am Ende meiner Hausarbeit, die psychoanalytische Deutung der Tragödie „König Ödipus“ des Sophokles durch Sigmund Freud, einer der drei von mir vorgestellten Methoden der psychoanalytischen Literaturinterpretation zuzuordnen. Außerdem schneide ich in diesem Zusammenhang kurz die Frage an, welche Bedeutung die Tragödie „König Ödipus“ des Sophokles für Sigmund Freud, persönlich gehabt hat.
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Die erste Frage, die ich in dieser Hausarbeit zu beantworten versuche, ist die danach, wie Freud die antike Tragödie „König Ödipus“ des Sophokles interpretiert, also, wie er diese Tragödie versteht und welche Eigenschaften dieses berühmten literarischen Werkes er in seiner Deutung hervorhebt. Ich stelle diese Frage direkt an den Anfang meiner Arbeit, weil es mir logisch erscheint, zuerst die Freudsche Interpretation anhand der Gedanken und Argumente, die Freud für seine Sichtweise anführt, darzustellen, bevor ich zu der Frage komme, wie er die Tragödie „König Ödipus“ des Sophokles für seine Theorie des „Ödipus-Komplexes“ verwendete. Schließlich muss erst einmal die Freudsche Interpretation dargestellt werden, bevor die speziellere Frage beantwortet werden kann, warum Freud gerade diese antike Tragödie und keine andere, für seine Theorie des „Ödipus-Komplexes“ verwendete. Ich werde in dieser Arbeit allerdings nicht die Plausibilität dieser Theorie untersuchen, weil dies kein Untersuchungsgegenstand der Literaturwissenschaft ist, sondern eher anderer Disziplinen, wie der Soziologie, der Psychologie und der Psychiatrie. Abschließend behandle ich die Kritik an der Freudschen Deutung der Tragödie „König Ödipus“ des Sophokles, in der ich sowohl meine eigenen Gedanken und Argumente darstelle, als auch die Ansichten und Erkenntnisse der Literaturwissenschaftler, wie beispielsweise Peter von Matts und Bernard Knoxs. Peter von Matts und Bernard Knoxs Einsichten fand ich deswegen wichtig in dieser Hausarbeit anzubringen, weil Peter von Matt in seinem Werk „Literaturwissenschaft und Psychoanalyse“ bestimmte Aspekte der Freudschen Deutung der Tragödie „König Ödipus“ eher unterstützt, während Bernard Knox in seinem Essay „Die Freiheit des Ödipus“ im Gegenteil behauptet, die Freudsche Deutung dieser Tragödie sei unter literaturwissenschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet ziemlich mangelhaft. Und mir ist es eben ein Anliegen gewesen, sowohl die zustimmenden als auch die ablehnenden Gedanken hinsichtlich der Freudschen Deutung dieses Dramas anzuführen, um zu gewährleisten, dass diese Arbeit zu einer ausgeglichenen Sichtweise auf die Freudsche Deutung der Tragödie „König Ödipus“ des Sophokles beiträgt.
Im Zusammenhang mit der Frage nach den Methoden der psychoanalytischen Literaturinterpretation ist das Werk „Einführung in die psychoanalytische Literaturwissenschaft“ von Walter Schönau für meine Hausarbeit sehr hilfreich gewesen. Denn Schönau stellt die Interpretationsmethoden der psychoanalytischen Literaturwissenschaft sehr genau dar und bewertet diese.
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2. Freuds Interpretation der Tragödie „König Ödipus“ und deren
Verwendung für die Theorie des „Ödipus- Komplexes“
2.1. Die Tragödie „König Ödipus“ - eine Zusammenfassung
Ödipus ist die Hauptfigur des gleichnamigen antiken Dramas des Dichters Sophokles. Er wird im Säuglingsalter ausgesetzt.
Das Orakel prophezeite nämlich Ödipus` Vater, König Laios, dass sein Sohn ihn eines Tages umbringen werde. Ödipus wird vor dem sicheren Tode bewahrt, kommt an einen Königshof und wird dort aufgezogen. Eines Tages plagen Ödipus Zweifel und er befragt selbst das Orakel, nämlich wegen seiner Herkunft. Das Orakel antwortet ihm, er solle seine Heimat meiden, denn ansonsten müsse er zum Mörder seines Vaters und zum Ehemann seiner Mutter, Jokaste, werden. Daraufhin macht sich Ödipus auf den Weg, um seiner vermeintlichen Heimat zu entsagen, und trifft während dieser Reise auf den König Laios. Diesen erschlägt er in Folge eines Streits. Er gelangt nach Theben. Dort löst er die Rätsel, der ihm den Weg versperrenden Sphinx, einem weiblichen Ungeheuer. Aus Dankbarkeit darüber wird er von den Einwohnern Thebens zum König gewählt. Und er wird für sein erfolgreiches Lösen der Rätsel belohnt, indem er Jokaste zur Frau nehmen darf. Soweit verläuft alles gut für Ödipus:
Er regiert friedlich, zeugt mit Jokaste, der ihm noch unbekannten eigenen Mutter, zwei Söhne und zwei Töchter. Schließlich bricht eine Pest in Theben aus. Und deswegen befragen die Thebaner das Orakel. Die Boten überbringen an das Volk die Nachricht, die Pest werde zu stoppen sein, wenn der Mörder des König Laios aus dem Land vertrieben worden sei. Allerdings müsse dieser erst gefunden werden. Allmählich wird im Verlauf des Stücks „König Ödipus“ deutlich, dass Ödipus es war, der den König Laios mordete und dass dieser der Sohn des Ermordeten und der Jokaste ist. Sowohl die Verzweiflung über die unwissentlich begangenen Taten als auch das Erschrecken über sich selbst treiben Ödipus dazu, sich selbst zu blenden. Er erblindet. Blind, aber sich seiner schrecklichen Taten bewusst, verlässt Ödipus die Heimat.
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2.2 Freuds Deutung des Dramas „König Ödipus“ und die Perspektive der Literaturwissenschaft auf diese Tragödie
Sigmund Freud vertritt in seinem Werk „Die Traumdeutung“ (in dem Abschnitt D. „Typische Träume“), die Ansicht, dass die Handlung des Dramas „König Ödipus“ in der Bewusstwerdung besteht, dass Ödipus zum Mörder seines eigenen Vaters, König Laios, und zum Ehemann seiner Mutter, Jokaste, geworden ist. Freud vergleicht in diesem Zusammenhang diesen Akt der Bewusstwerdung, der sich im Handlungsverlauf der Tragödie einstellt mit der Arbeit, die in der Psychoanalyse geleistet wird, insofern in dieser unbewusste Aspekte der Psyche des Analysanden zutage treten und bewusst gemacht werden, so dass ein Heilungsprozess des diagnostizierten Leidens stattfinden kann. Der Zusammenhang zwischen dem Drama des „König Ödipus“ des Sophokles und der Arbeit in einer Psychoanalyse besteht meiner Ansicht nach aber auch darin, dass in beiden Fällen das Auftauchen tabuisierter, also verbotener Wünsche thematisiert wird, die wiederum eine Grundlage der psychoanalytischen Theorie darstellen. Sie stellen insofern die Grundlage der psychoanalytischen Theorie dar, als Freud vor allem die Träume seiner Patienten untersuchte, um genauer über den Ursprung ihrer seelischen Konflikte und Leiden aufgeklärt zu werden, zu dem Zweck, sie wirklich von ihren seelischen Leiden heilen zu können.
In der Tragödie „König Ödipus“ des Sophokles werden meiner Ansicht nach zwei verbotene Wünsche realisiert, erstens der Wunsch mit der eigenen Mutter sexuell zu verkehren, und zweitens, der Wunsch, den eigenen Vater umzubringen. Dieser erste Wunsch ist insoweit als „verbotener Wunsch“ zu bezeichnen, als ihnen in allen mir bekannten Kulturen ein Verhalten des Kindes, das diesen Wünschen Ausdruck zu verleihen versucht, mit schärfsten erzieherischen Maßnahmen begegnet wird, damit es zu keinem Inzest, also dem Geschlechtsverkehr zwischen direkten Verwandten, kommt. Der zweite Wunsch, den eigenen Vater zu töten, ist, insofern als ein verbotener Wunsch zu betrachten, als in allen mir bekannten Kulturen besonders der Mord an den Eltern oder einem Elternteil Gegenstand besonderer gesellschaftlicher Ächtung ist. Zur Stützung meiner These möchte ich eine Erkenntnis des Literaturwissenschaftlers Peter von Matt anführen: „ Im Stück des Sophokles nun wird der Ur-Wunsch des Menschen, der in der zeitlosen Gegenwart des Unbewussten gespeichert liegt, objektiviert, er wird für den Zuschauer auf der Szene erfüllt.“ 1
1 Peter von Matt, Literaturwissenschaft und Psychoanalyse, S.24, Freiburg, 1972
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Quote paper:
Caroline Boller, 2007, Die Freudsche Interpretation des "König Ödipus" als ein Beispiel für die psychoanalytische Deutung der Literatur, die Kritik an dieser Deutung sowie die Interpretationsmethoden der psychoanalytischen Literaturwissenschaft, Munich, GRIN Publishing GmbH
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