Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort 3
2 Die schwedische Fremdenpolitik 19381945 6
2.1 Die Aufnahme der Flüchtlinge in Schweden 8
3 Internierungs- und Disziplinierungslager in Schweden 10
3.1 Die Lagerordnung am Beispiel Langmorå und Smedsbo 12
4 Nachwort 16
Literaturverzeichnis 19
2
1 Vorwort
Nach der Machtübernahme Hitlers 1933 begannen in Deutschland systematisch Über-
grie auf politisch Andersdenkende und die jüdische Bevölkerung. Ein Boykottaufruf jüdischer Geschäfte, Anwälte und Ärzte sowie das am 7. April 1933 ausgefertigte Ge-
setz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und das Gesetz über die Zulassung
zur Rechtsanwaltschaft grien tief in die beruiche Existenz des jüdischen Bürgertums
ein. Weitere antisemitische Übergrie und Erlasse, wie die Nürnberger Rassegesetze vom 15. September 1935 und die Pogrome in der sogenannten Reichskristallnacht 2
vom 9./10. November 1938 lieÿen die Zahl der Emigranten steigen.
Auch die politischen Gegner des NS-Regimes wurden verfolgt und verhaftet, repräsen-
tierten sie doch die in Deutschland zum Schweigen verurteilte Opposition. Nach der
Gleichschaltung aller unerwünschten politischen Parteien und Organisationen, sowie
nach dem Ausrufen des Ausnahmezustands nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar
1933, wurde die illegale politische Arbeit immer schwieriger. Vielen blieb als einziger
1 Grossmann 1951, 5
2 Die Ereignisse in der Nacht vom 9./10. November wurden bereits 1938 von Tätern, Augenzeugen und Betroenen sehr verschieden bezeichnet. Vor allem seit ihrem 50. Jahrestag 1988 wurde der verbreitete Begri (Reichs)-Kristallnacht zunehmend problematisiert, da der Ausdruck widersprüchliche Mitbedeutungen anklingen lässt, die man nur bei Kenntnis der Begrisentstehung versteht. Besonders gegenüber Opfern des Nationalsozialismus wirkt dieser Begri zynisch, so als seien damals nur Fensterscheiben zu Bruch gegangen. Die Debatte um die richtige Bezeichnung hält an.
3
Ausweg nur noch die Flucht. Insgesamt sahen sich [...] nach 1933 etwa 500.000 Menschen dazu gezwungen, Deutschland, Österreich und das Sudetenland zu verlassen [...]. Etwa zehn Prozent von ihnen waren politische Flüchtlinge, während die übrigen 90 Prozent von der nationalsozialistischen Rassengesetzgebung betroen waren. (Müssener, 1991, 93)
Vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges emigrierten nur wenige deutsche Flüchtlinge nach Schweden, lediglich etwa 1% von ihnen suchte dort Zuucht. Nach Ausbruch des Krieges erwies sich das neutrale Schweden neben der Schweiz und Groÿbritannien jedoch als eines der letzten Länder, in denen Exilanten Zuucht nden konnten. (Lorenz, 1998, 11)
Ein Blick auf die Flüchtlingszahlen veranschaulicht diese Bedeutung Schwedens: so wurde es für etwa 5.500 deutschsprachige politische und jüdische Exilanten, die am Ende des Krieges dort lebten, zu einer der letzten Zuuchtsstätten in Europa [...]. (Bohn, 1997, 138) Solche Zahlen, wie die Historikerin Ingrid Bohn sie nennt, sind jedoch mit Vorsicht zu betrachten, da sie eine hohe Dunkelzier aufweisen. So wurden Flüchtlinge ohne Aufenthaltsgenehmigung und Kinder vielfach nicht mitgerechnet. Die absolute Zahl der deutschen Flüchtlinge in Schweden ist somit nur schwer festzustellen, unter den Flüchtlingen mit einer Aufenthaltsgenehmigung waren am 1. April 1945 5.594 Deutsche registriert. (SOU, 1946, 33)
Dabei wurde diese Zuuchtsstätte oftmals zu einem weiteren Ort der Auseinandersetzung mit dem Schicksal als Flüchtling, denn die Devise der protektionistischen Fremdenpolitik Schwedens, die bereits in den 1880er Jahren in den ersten Fremdengesetzen zum Ausdruck kam, hieÿ: 'Schweden den Schweden'. Hierbei galt es nicht nur den gespannten Arbeitsmarkt, sondern auch die 'schwedische Rasse' vor einer drohenden Überfremdung zu schützen. Vor allem Juden und Kommunisten aus Osteuropa und Deutschland wurden dabei als Bedrohung angesehen.
Eine Verfügung vom 16. Februar 1940 ermöglichte schlieÿlich die Einrichtung von Lagern, in denen ab März 1940 nicht nur Kommunisten sondern auch andere 'unbequeme' Flüchtlinge interniert wurden, deren Ausweisungsbeschlüsse beispielsweise nicht verwirklicht werden konnten. Paradoxerweise galt der Vorwand der Schutzhaft: sowohl die schwedische Bevölkerung sollte vor den Inhaftierten - mehr noch - die Inhaftierten vor dem Zugri der deutschen Behörden geschützt werden (vgl. Sveriges Television, 2006).
4
Mit der Situation deutscher Internierter in schwedischen Internierungslagern soll sich diese Arbeit beschäftigen. Dabei werde ich zuerst die schwedische Fremdenpolitik 19381945, sowie die Aufnahme der Flüchtlinge im Land, von der Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis bis zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt bzw. der Einweisung in Lager, kurz beleuchten. Danach werde ich mich den Internierungslagern zuwenden. Mein Augenmerk möchte ich dabei auf folgende Fragen richten: Welche Motivationen führte die Regierung zur Einrichtung solcher Lager? Wie sahen die Lebensbedingungen für Internierte in diesen Lagern aus? Welche Möglichkeiten hatten die Inhaftierten gegen ihre Lage zu protestieren? Wie reagierte die schwedische Öentlichkeit auf diese Lager?
Die Quellenlage hierzu ist leider nach wie vor dürftig und besteht im Groÿen und Ganzen aus Forschungsansätzen. Dass es vorkam, dass deutsche Flüchtlinge in Schweden interniert waren, wird dabei keineswegs bestritten, lediglich häug übergangen oder verharmlost (vgl. Geijerstam, 1951). Später haben Historiker auf die Auswirkungen der Fremdenpolitik und auf das Leben der betroenen Flüchtlinge, die die schwedischen Internierungslager sogar populistisch als 'Konzentrationslager' betitelten, aufmerksam gemacht. Über die Lebensumstände in diesen Lagern, die genaue Anzahl der eigentlich Inhaftierten und deren Schicksal ist trotzdem noch recht wenig bekannt. Pionierarbeit in umfangreicher Form hat hier der Historiker Dr. Jörg Lindner mit seinem Aufsatz Diskriminierung, Degradierung, Disziplinierung. Deutschsprachige Flüchtlinge in schwedischen Internierungslagern während des zweiten Weltkriegs geleistet, welcher ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit sein wird. Darüber hinaus ist anzunehmen, dass die Internierung deutscher 'unerwünschter' Personen nicht ohne einen Blick auf die Repressalien gegen schwedische Kommunisten untersucht werden kann, wie sie auch bei Karl Molin in Hemmakriget. Om den svenska krigsmaktens åtgärder mot kommunister under andra världskriget beschrieben werden.
5
2 Die schwedische Fremdenpolitik
19381945
Die Bedeutung Schwedens als Exilland kristallisierte sich mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs heraus. Obwohl aufgrund seiner geographischen Lage und der herrschenden politischen Verhältnisse als relativ sichere Zuuchtsstätte angesehen, verhinderte die restriktive Asylpolitik einen Zuzug von Ausländern in groÿem Maÿe. In den 1880er Jahren entstanden, also weit vor den Ereignissen, die zu einer Migrationswelle in Europa führen sollten, war die Fremdengesetzgebung vor allem durch die Furcht vor dem 'Anderem', dem 'Fremden' geprägt. Unkontrollierte Einwanderung, die den Arbeitsmarkt überschwemmen könnte, wurde genauso gefürchtet, wie die Verfremdung der eigenen Rasse und mögliche Unterwanderung durch ausländische Spione. Diese allgemeine Xenophobie war laut Einhart Lorenz und Hans Uwe Petersen Ausdruck einer nationalen Strömung, die sich u.a. in der Idealisierung und Romantisierung der Bauern widerspiegelte (Petersen und Lorenz, 1998, 18) - vermischt mit einer Vielzahl rassistischer Gesichtspunkte. Die Stimmung war geprägt von einer groÿen Naivität und einem Nicht-Wissen-Wollen, schlieÿlich sah man in Deutschland immer noch das Land der Dichter und Denker, und nicht das der Richter und Henker (Müssener, 1991, 94). Darüber hinaus hatte die Weltwirtschaftskrise von 1929 das Land schwer getroen; die Zahl der Arbeitslosen stieg ständig, Lohnsenkungen und Preiserhöhungen führten zu Spannungen unter den Arbeitern. Kein Klima also, in dem man gewillt war, ausländischen Arbeitssuchen den eigenen Markt zu önen. In der Folge wurde 1927 ein Fremdengesetz eingeführt, dass zwar die Möglichkeit zu einem dreimonatigen Aufenthalt bot, aber den Passzwang einführte. Darüber hinaus wurden die Zuständigkeitsbereiche der einzelnen Behörden neu aufgeteilt: das Auÿenministerium entschied nun über Visafragen und Einreisegenehmigungen; Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen wurden von der Sozialbehörde (Socialstyrelse) vergeben. Dennoch konnte die Einrei-
6
Quote paper:
Patricia Patkovszky, 2006, Deutschsprachige Flüchtlinge in schwedischen Internierungslagern während des Zweiten Weltkrieges, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 35 Pages
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 15 Pages
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 20 Pages
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Termpaper, 14 Pages
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Script, 46 Pages
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 39 Pages
Patricia Patkovszky's text Deutschsprachige Flüchtlinge in schwedischen Internierungslagern während des Zweiten Weltkrieges is now available as a printed book
Patricia Patkovszky has published the text Deutschsprachige Flüchtlinge in schwedischen Internierungslagern während des Zweiten Weltkrieges
Patricia Patkovszky has uploaded a new text
Erster Weltkrieg. Zweiter Weltkrieg
Ein Vergleich. Krieg, Kriegser...
Bruno Thoß, Hans-Erich Volkmann
Grundkurs deutsche Militärgeschichte 2. Das Zeitalter der Weltkriege 1...
Völker in Waffen
Ernst Willi Hansen, Karl-Volker Neugebauer
Deutsche Kommandeure im 2. Weltkrieg
Waffen-SS, Luftwaffe und Marin...
Gordon Williamson, Malcolm McGregor
Archäologie des II. Weltkrieges am Mittelrhein
Bodendenkmäler, Bauten und Rui...
Wolfgang Gückelhorn
Illustriertes Lexikon der Waffen im 1. und 2. Weltkrieg
Vladimir Dolinek, Vladimir Francev, Jan Sach
0 comments