Erwerbstätigkeit ist in einer Arbeits- und Leistungsgesellschaft wie unserer die wichtigste Quelle für den Lebensunterhalt und die Vorsorge für Krankheit und Alter.
Geht diese verloren, hat das nicht nur finanzielle sondern auch psychische Folgen für die Betroffenen. Identitätsverlust und schwere Depressionen können häufig Folgen von eintretender und eventuell länger andauernder Arbeitslosigkeit sein. Somit ist sie individuell wie gesellschaftlich ein großes Problem.
Das oberste Ziel der aktiven Arbeitsmarktpolitik ist die Arbeitsförderung.
Die Bundesanstalt für Arbeit ist darauf ausgerichtet Arbeitslosigkeit zu verhindern, bereits eingetretene zu beseitigen und Betroffene finanziell abzusichern.
Doch trotz dieser Ziele steigen die Arbeitslosenzahlen und bei lang anhaltender Arbeitslosigkeit droht der finanzielle, wie auch der soziale Abstieg des Betroffenen.
Ist es nicht Aufgabe der Sozialpolitik mit dem sozialen Sicherungssystem solche sozialen Notlagen zu lindern und/oder zu beseitigen?
Oder ist sie dazu da, soziale Notlagen systematisch zu zulassen?
Die historische Entwicklung der staatlichen Sozialversicherung zeigt, dass es dem Staat damals nicht um die Beseitigung sozialer Notlagen ging.
Denn die ab 1883 eingeführten Staatsgesetze galten zunächst lediglich der besonders „qualifizierten und deshalb privilegierten Schicht männlicher Arbeiter“.
(Wolf Wagner 1991:47)
Zunächst stellt sich jedoch die Frage wie das soziale Sicherungssystem funktioniert. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Das Haus der sozialen Sicherung
1.1 Die Versorgungsleistungen
1.2 Die Versicherungsleistungen
1.1.1 Die gesetzliche Krankenversicherung (SGB V)
1.1.2 Die gesetzliche Pflegeversicherung (SGB XI)
1.1.3 Die gesetzliche Rentenversicherung (SGB VI)
1.1.4 Die gesetzliche Unfallversicherung (SGB VII)
1.1.5 Arbeitslosenversicherung (SGB III)
2. Sozialpolitische Intentionen am Beispiel des Arbeitsförderungsgesetzes
2.1 Historische Entwicklung des Arbeitsförderungsgesetztes
2.2 Grundsätze des Arbeitsförderungsgesetzes (SGB III)
2.3 Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe
2.3.1 Anspruchs und Bezugsbedingungen
2.3.2 Dauer und Höhe der Leistungen
2.4 Vom Arbeitslosengeld in die Sozialhilfe
3. Folgen des Abstiegs
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die sozialpolitischen Intentionen hinter dem deutschen Sicherungssystem, insbesondere am Beispiel der Arbeitsförderung nach dem SGB III. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob das Ziel einer Linderung oder Beseitigung sozialer Notlagen tatsächlich verfolgt wird, oder ob das System den sozialen Abstieg in die Sozialhilfe systematisch in Kauf nimmt.
- Struktur und Funktionsweise der sozialen Sicherung ("Haus der sozialen Sicherung")
- Analyse sozialpolitischer Zielsetzungen und Instrumente der Arbeitsförderung
- Untersuchung der Anspruchs- und Bezugsbedingungen für Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe
- Bewertung des Zusammenhangs zwischen Arbeitslosigkeit, Leistungsdruck und sozialem Abstieg
- Reflektion über die psychischen und sozialen Folgen der Langzeitarbeitslosigkeit
Auszug aus dem Buch
2.4 Vom Arbeitslosengeld in die Sozialhilfe
Die Anspruchs- und Bezugsbedingungen, sowie Dauer und Höhe von Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe zeigen, dass diese weder den Lebensunterhalt für alle Arbeitslosen, noch für die gesamte Dauer der Arbeitslosigkeit oder in ausreichender Höhe sichern.
Folglich besteht zwischen Arbeitslosigkeit und Armut ein enger Zusammenhang.
Somit ist die Zielsetzung der Sozialpolitik, Arbeitslosigkeit zu lindern oder zu beseitigen nicht zu erkennen.
Denn bei länger andauernder Arbeitslosigkeit besteht ein langsamer aber sicherer Abstieg in die Sozialhilfe.
Die Anspruchsdauer des Arbeitslosengeldes zeigt beispielsweise, dass diese sich lediglich auf verschiedene Bevölkerungsschichten bezieht, da sie wie o. g. abhängig von der versicherungspflichtigen Beschäftigungszeit und vom Lebensalter ist.
Ist also der Anspruch auf Arbeitslosengeld ausgeschöpft, besteht zwar unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Arbeitslosenhilfe, doch diese fällt viel geringer aus.
Desweiteren wird sie jährlich nach dem um 3% geminderten Anpassungsfaktor bemessen, was die Folge der Herabsetzung hat.
Das bedeutet also, dass die Leistungen des Arbeitsamtes immer weiter sinken und so in die Nähe der Sozialhilfe geraten. ( vgl. Wagner 1991:107)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Haus der sozialen Sicherung: Erläutert das dreistufige Prinzip der Sozialpolitik, bestehend aus Versorgungs-, Versicherungs- und Fürsorgeleistungen.
2. Sozialpolitische Intentionen am Beispiel des Arbeitsförderungsgesetzes: Untersucht die historischen Hintergründe und die Ausrichtung der Arbeitsmarktpolitik auf wirtschaftliche Strukturwandel statt auf soziale Notlagen.
3. Folgen des Abstiegs: Beleuchtet die Konsequenzen der Leistungskürzungen, wie den sozialen Abstieg, die Ausgrenzung und die psychischen Belastungen für die Betroffenen.
Schlüsselwörter
Sozialpolitik, Soziale Sicherung, Arbeitsförderung, SGB III, Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe, Sozialhilfe, Armut, Soziale Notlagen, Solidaritätsprinzip, Äquivalenzprinzip, Langzeitarbeitslosigkeit, Soziale Ausgrenzung, Leistungsgesellschaft, Existenzminimum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Funktionsweise des deutschen sozialen Sicherungssystems und hinterfragt kritisch, ob dessen staatliche Maßnahmen tatsächlich soziale Notlagen lindern oder beseitigen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die verschiedenen Leistungsarten der sozialen Sicherung, die arbeitsmarktpolitischen Instrumente der Bundesanstalt für Arbeit und die Mechanismen, die zum sozialen Abstieg von Arbeitslosen führen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass die aktuelle Sozialpolitik weniger auf die Bekämpfung von Notlagen ausgerichtet ist, sondern wirtschaftspolitische Zwecke verfolgt und den sozialen Abstieg in Kauf nimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse gesetzlicher Rahmenbedingungen (SGB III, etc.) und einer kritischen Auseinandersetzung mit sozialpolitischen Theorien, insbesondere der Position von Wolf Wagner.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Struktur der sozialen Sicherung, die historische Entwicklung des Arbeitsförderungsgesetzes, die konkreten Bezugsbedingungen von Arbeitslosenleistungen sowie die Mechanismen, die zu einem Übergang in die Sozialhilfe führen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist primär durch Begriffe wie Sozialpolitik, Arbeitsförderung, Leistungsdruck, sozialer Abstieg, Existenzminimum und Armutsgefährdung charakterisiert.
Warum gilt die Sozialversicherung als "sozial"?
Im Gegensatz zur Privatversicherung zeichnet sich die gesetzliche Sozialversicherung dadurch aus, dass Familienmitglieder beitragsfrei mitversichert sind und sich die Beitragshöhe am individuellen Einkommen statt am persönlichen Risiko orientiert.
Welche Rolle spielt die Zumutbarkeitsregelung im SGB III?
Die Zumutbarkeitsregelung dient als Steuerungsinstrument des Arbeitsamtes, um den Druck auf Arbeitssuchende zu erhöhen, jede verfügbare Beschäftigung anzunehmen und so die Belastung der Sozialkassen zu minimieren.
Wie bewertet der Autor den Übergang vom Arbeitslosengeld in die Sozialhilfe?
Der Autor interpretiert diesen Übergang nicht als Zufall, sondern als ein vom Gesetzgeber in Kauf genommenes oder gar gewolltes Instrument, um Arbeitslose durch den drohenden sozialen Abstieg zu mehr Eigenaktivität zu motivieren.
- Quote paper
- Jennifer Arnscheidt (Author), 2002, Mit dem SGB III in die Sozialhilfe?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7210