Sportmedizinisch-orthopädische Aspekte des Trampolinturnens
Thomas Springub
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung ... 3
1. Charakterisierung der leistungsbeeinflussenden Faktoren ... 4
1.1 Allgemeine Charakterisierung ... 4
1.2 Spezielle Leistungsbeeinflussende Faktoren ... 5
2. Allgemeine Pathologie des Trampolinturnens ... 8
2.1 Pathophysiologie, erste Hilfe und Therapie der häufigen Verletzungen ... 9
2.1.1 Kopf ... 9
2.1.2 Obere Extremitäten ... 9
2.1.3 Rumpf/ Wirbelsäule ... 10
2.1.4 Untere Exremitäten ... 10
2.2 Pathophysiologie und Therapie der häufigen Schäden ... 11
2.2.1 Rumpf/ Wirbelsäule ... 11
2.2.2 Untere Extremitäten ... 12
2.3 Terminologie der Ursachen ... 12
2.3.1 Ätiologie der Verletzungen ... 12
2.3.2 Ätiologie der Schäden ... 13
2.4 Überlegungen zur Prophylaxe ... 14
2.4.1 Gesaltung des Lerntrainings ... 15
2.4.2 Verbindungs- und Übungstraining ... 15
2.4.3 Kraftraining ... 16
2.4.4 Beweglichkeitstraining ... 17
2.4.5 Generelles zur Prophylaxe ... 17
3. Spezielle Beispiele ... 18
3.1 Inversionstrauma am oberen Sprunggelenk ... 18
3.1.1 Funktionelle Anatomie des OSG ... 18
3.1.2 Biomechanik des instabilen OSG ... 19
3.1.3 Diagnose und erste Hilfe ... 21
3.1.4 Klinik/ Therapie ... 21
3.1.4.1 Nachbehandlungsschema ... 22
3.1.5 Prophylaxe ... 23
3.2 Spondylolyse/ -listhesis ... 24
3.2.1 Anatomie der WS ... 24
3.2.2 Pathophysiologie und Ätiologie ... 25
3.2.3 Diagnose, Therapie und Prophylaxe ... 26
Literaturangabe ... 29
0. Einleitung
Trampolinturnen wurde in den vergangenen Jahrzehnten häufig als besonders gefährliche Sportart bezeichnet. Bezogen ist diese Behauptung auf die angebliche Unfallträchtigkeit, als auch auf anscheinende Überlastungsschäden der Wirbelsäule. Dazu ist zu sagen, daß Trampolinturnen sehrwohl gefährlich sein kann, aber keineswegs zwingend sein muß. Von entscheidender Bedeutung in dieser Hinsicht sind die direkt Verantwortlichen; die Übungsleiter und Lehrer. Sind sie umfassend ausgebildet, und wissen um die besonderen sportmedizinischen Aspekte im Trampolinsport, so ist diese Sportart mitnichten gefährlicher als andere.
Auf diese sportmedizinischen Besonderheiten möchte ich in dieser Arbeit eingehen. Es wird zunächst darum gehen, die leistungsbeeinflussenden Faktoren zu bestimmen, um das Trampolinturnen aus physiologischer Sicht etwas näher kennenzulernen. Im zweiten Teil werden zu Beginn die nach Erfahrungswerten und Literatur1 häufigsten Schäden und Verletzungen kurz vorgestellt. Natürlich habe ich mich nur um die direkt auf dem Gerät entstehenden Läsionen gekümmert, denn die bei der Erwärmung o.ä. auftauchenden Versehrungen sind sehr allgemein, und sprengen den Rahmen. Auch den bei mangelnder Kenntnis nicht ungefährlichen Auf- bzw. Abbau der Trampoline habe ich außenvor gelassen. Wichtig sind in diesem zweiten Abschnitt Diagnose und erste Hilfe (←nur bei Verletzungen). Die Ausführungen sind nicht sehr lang, da nur ein Orientierungsmodell entstehen sollte, nach dem erste Schritte eingeleitet werden können. Um muskuläre Verletzungen, wie Muskelkater, Muskelzerrung, Muskelriß oder Muskelkrampf, habe ich mich nicht gekümmert, da sie zum einen nur geringe Bedeutung haben (selten und zumeist nicht schwerwiegend), und zum anderen nicht besonders trampolinspezifisch sind. Im Folgenden gehe ich auf die Ursachen und Prophylaxe solcher Gesundheitsbeeinträchtigungen ein, um zu zeigen, daß diese weitgehend einschränkbar sind. Der dritte Teil meiner Arbeit beschäftigt sich dann mit zwei spezifischen Beeinträchtigungen, welche mir aus mehreren Gründen (Häufigkeit, allgemeines Mißverständnis, ...) wichtig erscheinen.
Es geht mit in der Arbeit neben den pathophysiologischen Gegebenheiten hauptsächlich um deren Ursache und Prophylaxe. Nur selten kann ich dabei auf Untersuchungen o.ä. in der Literatur zurückgreifen. Meistens stammen meine Erkenntnisse bzw. Vermutungen aus eigenen Erfahrungswerten. Diese Erfahrung ist z.T. aktiver und z.T. passiver Natur. Neben den mehr als 15 Jahren als (Leistungs-) Turner, ziehe ich meine Kenntnisse aus dem Trainerdasein und aus Gesprächen mit anderen erfahrenen Fachleuten. Diese Kenntnisse über Bewegungsabläufe u.a. versuche ich hier mit den Schäden und Verletzungen in logische Zusammenhänge zu bringen.
1. Charakterisierung der leistungsbeeinflussenden Faktoren
1.1 Allgemeine Charakterisierung
Das wesentlichste Kriterium für die Leistung im Trampolinturnen, sowie in anderen technischen Sportarten, ist das Ausführen und Beherrschen von Bewegungen mit besonderer Genauigkeit.
Grundlage für diese Leistung ist ein gesunder und spezifisch ausgebildeter bzw. entwickelter Organismus. Besonders entwickelt und beansprucht werden daher die im Folgenden aufgeführten organismischen Zustandsgrößen. Um eine gute Bewegungskoordination und Fertigkeitsaneignung zu erreichen, ist ein Funktionsoptimum des Nervensystems, welches die Bewegungssteuerung und -regelung gewährleistet, erforderlich. Gerade im Lernprozeß ist desertieren die Ausprägung der Gedächtnisfunktion von besonderer Bedeutung. Die Art der Bewegung im Raum, z.B. bei großen Rotationsgeschwindigkeiten, bedarf ein differenziertes Lage- und Bewegungsempfinden. Infolgedessen ist die Sensibilisierung der Analysatoren bzw. Sinne, besonders des vestibulären und des kinästhetischen, geboten. Ferner wirken sich auch psychische Merkmale auf die Leistung aus. Volger spricht beispielsweise von einer „Ich- Haftigkeit“ ,welche „die sachliche Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Hauptziel (...) behindert (...)“ (s. auch 2.1.4). Kraft ist die Grundlage von Beschleunigungen (dynamische Kraft) und Haltungen (statische Kraft). Im Trampolinturnen geht es vor allem um Schnellkraft, welche besonders im Bereich der unteren Extremitäten und des Rumpfes obligat ist, um die optimale Sprunghöhe und die verschiedenen Salto- und Schraubenrotationen zu gewährleisten. Der Stoffwechsel erfolgt also vorwiegend anaerob, lediglich bei längeren Trainingseinheiten erreichen Trampoliner den aeroben Bereich. Die Energieabsicherung ist beim Doppelminitramp-Turnen allein durch ATP und Creatinphosphat gegeben (Übungsdauer <10sec). Bei Übungen auf dem Großgerät findet z.T. zusätzlich lactacider Stoffwechsel statt (Übungsdauer 15-40sec). Um eine Vielzahl motorischer Aktionen (Ganzkörper- bzw. Teilkörperbewegungen) in kürzester Zeit zu realisieren, ist Schnelligkeit eine unabdingbare Arbeitsweise des Nerv-Muskel-Systems. Auch eine ausgeprägte Beweglichkeit ist für das Trampolinturnen in mehrfacher Hinsicht von großer Wichtigkeit. Sowohl für die Bewertung, als auch zur Vermeidung von Schäden und Verletzungen ist die Beweglichkeit in den großen Gelenken (Hüfte, Schulter) und der Wirbelsäule (in allen Ebenen) unverzichtbar2.
[...]
1 eher unterstützende Funktion: hauptsächlich Riehle 1979 und Klimt 1992
2 Vergleiche auch 3.2.3
Quote paper:
Thomas Springub, 1996, Sportmedizinisch-orthopädische Aspekte des Trampolinturnens, Munich, GRIN Publishing GmbH
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