Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung. 3
B. London - Kulisse der Great Exhibition. 4
1.1 Das viktorianische London 4
1.2 Leben und Sterben im London von Charles Dickens 8
C. Die Vorgeschichte der Weltausstellung 11
2.1 Die Society of Arts. 11
2.2 Prinz Albert und die Royal Commission 13
D. The Great Exhibition of 1851. 15
3.1 Der Crystal Palace. 15
3.2 Die Exponate und die teilnehmenden Länder. 17
E. Resumée 20
Anhang. 23
Literaturverzeichnis. 32
Internet. 33
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A. Einleitung
„Mensch-Natur-Technik - Eine neue Welt entsteht“. Unter diesem Motto präsentierte sich die Weltausstellung zum ersten Mal auf deutschem Boden in Hannover. Die Expo2000 stellte sich als Medienspektakel erster Güte vor, mit über 180 teilnehmenden Nationen. 1
Die Idee einer Weltausstellung war jedoch nicht neu. Vielmehr lagen zwischen der Expo2000 und der ersten Weltausstellung in London 18 weitere Ausstellungen und fast 150 Jahre. Ebenso staunend wie die Besucher vor 6 Jahren durch das Gelände in Hannover gestreift sind und die Exponate bewundert haben, liefen auch 1851 die Besucher der Great Exhibition durch den Crystal Palace. Doch wie sah die Hauptstadt des British Empire, London, unter der Regentschaft Königin Victorias aus? Wie gestalteten sich die Lebensbedingungen der einzelnen sozialen Schichten? Wie wurde die Idee einer Weltausstellung überhaupt geboren? Dies alles sind Fragen, die ich mir im Rahmen dieser Arbeit stelle. Ich werde zudem, neben den historischen Hintergründen über das viktorianische London, auch die organisatorischen Hürden beleuchten, die bis zur Eröffnung der Weltausstellung von 1851 aufgetreten sind. Ebenso werde ich die Ausstellung selbst schildern und die Neuerungen die sie mit sich gebracht hat.
Mein Hauptaugenmerk soll jedoch auf der Frage liegen, ob die Great Exhibition London architektonisch und/oder sozial geprägt hat. Gab es Veränderungen für das Leben in der Metropole, die es ohne die Weltausstellung vielleicht nicht gegeben hätte? Hat die Weltausstellung London einer Stadt der Industriemoderne näher gebracht?
1 http://www.expo2000.de/expo2000/geschichte/detail.php?wa_id=21&lang=2; zuletzt aufgerufen am 21.06.2006.
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B. London - Kulisse der Great Exhibition
1.1 Das viktorianische London
1837 wurde ein 18jähriges Mädchen die Herrscherin einer Weltmacht. Obwohl Alexandrina Victoria - so der Taufname von Königin Victoria - erst an dritter Stelle in der Thronfolge stand, wurde sie dennoch, im Hinblick auf die Kinderlosigkeit ihrer ihr vorstehenden Onkel, für die Rolle der Königin erzogen. 2 Man ahnte nicht, dass ihr Name ein ganzes Zeitalter prägen würde. Drei Jahre später heiratete sie ihren gleichaltrigen Cousin mütterlicherseits Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Die Ehe war von extrem großer gegenseitiger Zuneigung und Loyalität geprägt und Victoria legte nach dem Tod des Prinzgemahls 1861 Zeit ihres Lebens die schwarze Witwentracht nie wieder ab. 3
Mitte des 19. Jahrhunderts war London sowohl die größte und bevölkerungsreichste, als auch die politisch und wirtschaftlich einflussreichste Stadt der Welt. Das explosionsartige Bevölkerungswachstum, welches London zu einer Megapolis mit über 2,6 Millionen Einwohnern anschwellen lies, brachte jedoch einige Veränderungen für die Stadt und ihr soziales Gefüge mir sich. 4 Gegen Anfang des 19. Jahrhunderts wurde London drastisch umgebaut. Der Architekt John Nash baute im Auftrag von König Georg IV. die fast drei Kilometer lange Regent Street, den Trafalgar Square, den Picadilly Circus und plante den Umbau des Buckingham Palace. Nash prägte den so genannten Regency Style, der auf dem europäischen Festland eher als Neoklassizismus tituliert wird. Doch um Platz zu schaffen für Prachtboulevards wie Regent Street, mussten alte Häuser und Gassen aus den vorangegangenen Jahrhunderten weichen. Infolge dessen und des allgemeinen Platzmangels wurden neue Viertel erschlossen, die heute aus der britischen Hauptstadt nicht mehr wegzudenken wären. 1840 wurde eines der heutigen Londoner Kultviertel geboren. Notting Hill war bis zu jenem Zeitpunkt ein ländliches Randviertel gewesen, auf dem Ziegen und Schafe weideten. 1840 begann man jedoch auf den einstigen Weideflächen Villen für die gehobene Mittelschicht der
2 Strachey, Lytton; Queen Victoria; London 1948; S. 15-41.
3 Bolitho, Hector; The Reign of Queen Victoria; London 1949; S. 57-62, 86-89, 187-189.
4 Ackroyd, Peter; London; Die Biographie; München 2002; S 583.
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Stadt zu bauen. Die Beliebtheit des Viertels schwankte bis in die 90er Jahre des 20.Jahrhundert und mit ihr auch die Bebauung und die soziale Struktur der Bewohner. Um die Zeit der Weltausstellung, war Notting Hill jedoch der Wohnort der wohlhabenderen Mittelschicht. 5 Die reichere Upperclass siedelte sich in Sydenham oder Penge an. 6 Die Villen die sie sich bauen ließen folgten der architektonischen Mode, die die Einheitserschließung der Zeit vorgab. Diese typisch englischen Stadthäuser hatten einen Vorgarten und einen Garten hinter dem Haus. Man folgte bei dem Entwurf dem Leitsatz „rus in urbe“, was gleichbedeutend damit ist, sich durch die kleinen, das Haus umrahmenden Gärten, ein Stück vom Landleben in die Stadt zu holen. 7 Das auch heute noch berühmte Vergnügungsviertel Soho war im 19. Jahrhundert fest in der Hand französischer Einwanderer und wurde als Kleinfrankreich tituliert. Während den Protestantenverfolgungen im 16. Jahrhundert siedelten sich immer mehr Hugenotten in Soho an und betrieben dort Geschäfte, Restaurants und sogar französische Schulen. Wer als Brite im viktorianischen London in Soho ein Geschäft betrat wurde sogar erstaunt angestarrt. Die meisten Einwanderer im London des 19. Jahrhunderts kamen jedoch aus Irland, da dort zwischen 1846 und 1851 eine große Hungersnot ausbrach, der die Bevölkerung zu entfliehen versuchte. 8 Die ärmere Bevölkerung zog in den Norden Londons oder wurde in Slums und Elendsviertel abgedrängt. Somit wurde die Londoner Innenstadt nicht mehr zum primären Wohnort, sondern zum Geschäftszentrum, in das man pendelte um seiner Arbeit nachzugehen. Charles Dickens beschrieb dies folgendermaßen: „Die frühen Büro-Menschen aus Somers Town und Camden Town, Islington und Pentonville strömen eilig in die City oder lenken ihre Schritte zur Chancery Lane und den Inns of Court. Männer mittleren Alters, deren Salär beileibe nicht in demselben Maße gewachsen ist wie ihre Familie, stapfen stetig voran, scheinbar kein anderes Ziel vor Augen als ihr Kontor.“ 9
Durch den Umbau Londons, vor allem der Innenstadt, vermittelte sich den Besuchern der Stadt der Eindruck, dass sich die Lebensumstände der Bevölkerung und auch die Bevölkerung selbst verbessert hätten. Dieser Schluss trog jedoch, da das Elend nur nicht mehr so offensichtlich wie vorher war, sondern erst hinter den Fassaden der prächtigen Regierungsgebäude, Museen und Theater begann. Donald Olsen beschrieb die
5 Ackroyd, Peter; London; Die Biographie; München 2002; S 530 ff.
6 Ackroyd, Peter; London; Die Biographie; München 2002; S 535.
7 Sheppard, Francis; London; A History; Oxford 1998; S. 276.
8 Ackroyd, Peter; London; Die Biographie; München 2002; S 537 ff.
9 Ackroyd, Peter; London; Die Biographie; München 2002; S 534.
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Viertelbildung in seinem Buch ‚The Growth of Victorian Britain’ so: „Das 19. Jahrhundert erlebte die systematische Einteilung Londons in homogene, auf einen einzigen Zweck spezialisierte Stadtviertel. Bei jeder neuen Entwicklung wurde die strikte Trennung der sozialen Schichten zur Vorbedingung des Erfolgs.“ 10
Ein Treffpunkt für fast alle sozialen Schichten war jedoch die Lebensader Londons, die Themse. Der englische Handel florierte durch die Binnenschifffahrt und London war einer der größten Warenumschlagsplätze der Welt. Um diesem Schiffsaufgebot gerecht werden zu können wurden im 19. Jahrhundert die riesigen und beeindruckenden Docks gebaut. Die Themse war jedoch nicht nur für die An- und Ausschiffung von Handelsgütern bekannt. Sie war auch die größte Kloake Londons und gleichzeitig der größte Friedhof der Stadt. Nicht nur Selbstmörder stürzten sich von den Themsebrücken in den Fluss, auch Leichen die in der Umgebung des Gewässers gefunden wurden, entsorgte man darin. Diese Praktiken riefen Krankheiten wie Cholera in der armen Bevölkerungsschicht unweigerlich hervor, da diese das verunreinigte Wasser tranken. Erst 1855 wurde ein Abwassersystem in London gebaut, um die Choleraepedemien der vorangegangenen Jahre einzudämmen. 11
Um 1840/1850 boomte das Baugewerbe und der Erfindungsreichtum der viktorianischen Gesellschaft. Allein im Baugewerbe waren 1851 circa 66.000 Menschen beschäftigt. 12 In diesen Jahren reifte auch der Plan einer Untergrundbahn um den Verkehr auf Londons Strassen zu entlasten. Die Strassen der Stadt waren überfüllt mir Menschen, die zu Fuß gingen. Kutschen und Droschken waren der Luxus der höheren Schichten, doch auch sie verstopften die Verkehrsadern. Schließlich fuhren noch insgesamt 3000 von Pferden gezogene Omnibusse durch die Stadt. Ein immenses Verkehrsaufkommen also, jedoch für eine Stadt mit über 2,5 Millionen Einwohnern nicht allzu verwunderlich. Der Plan einer Untergrundbahn stieß jedoch zunächst auf Skepsis und Ablehnung, da man befürchtete, dass die Tunnel unter der Last des darüber liegenden Straßenverkehrs zusammenbrechen würden. Nach langen Diskussionen war man aber doch bereit das Risiko einzugehen, und somit konnte man 1863 auf die erste gelungene Probefahrt der Untergrundbahn anstoßen. 13 1837 wurde London auch
10 Ackroyd, Peter; London; Die Biographie; München 2002; S 528.
11 Ackroyd, Peter; London; Die Biographie; München 2002; S 553-560.
12 Sheppard, Francis; London; A History; Oxford 1998; S. 274.
13 Ackroyd, Peter; London; Die Biographie; München 2002; S 574, 596.
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innerhalb Englands insofern zum absoluten Knotenpunkt, da die Eisenbahn in der Stadt Einzug hielt und der erste Bahnhof Londons eröffnet wurde. Die Euston Station. In wenigen Monaten und Jahren folgten die Waterloo, King’s Cross, Paddington, Victoria, St. Pancrass und Liverpool Station. 1840 wurde London auch im wahrsten Sinne des Wortes erleuchtet. Man stattete die Stadt mit Gaslaternen aus und Besucher befanden, dass London bei Nacht ein Erlebnis sei, welches man in keinem Fall verpassen dürfe. 14
Mitte des 19. Jahrhunderts änderte sich das architektonische Gesicht der Kapitale. Der Neoklassizismus wurde von der Neugotik abgelöst. Als das Parlament 1834 abbrannte, wurde es im neugotischen Stil neu gebaut und die berühmteste Glocke der Welt, Big Ben, wurde 13 Jahre später in einen Uhrenturm im selben Stil eingeweiht. Ab 1860 lösten die Schnörkel und Spitzbögen die klassischen Säulen und Giebel endgültig ab und sogar Vorstadtvillen wurden wie mittelalterliche Schlösser errichtet, woraus sich der landestypische Begriff Wimbledon-Gotik entwickelte. Ackroyd: „[...] die dekorative Symmetrie der georgianischen Architektur wurde verdrängt von der imperialistischen neugotischen oder neoklassizistischen Wucht viktorianischer öffentlicher Bauten. Sie verkörperte die Beherrschung des Raumes ebenso wie die Zeit.“ 15
Diese stetig wachsende Megapolis des viktorianischen Zeitalters mit all ihren Facetten wurde von Zeitgenossen immer häufiger mit mächtigen Städten der Antike verglichen. Die häufigste Assoziation mit London war das antike Babylon. So schrieb Henry James nach einem Besuch in London: „London ragte vor mir auf, mystisch und wunderbar wie das assyrische Babylon und ebenso voller unerhörter Dinge und großer Entschleierungen.“ 16 Diese Vergleiche und Parallelen lagen nahe. Das untergegangene Babylon war ebenso rasant und zwielichtig gewachsen wie das viktorianische London. Man fürchtete durch das Wissen um die Antike, dass die viktorianische Megapolis ebenso explodieren und untergehen könnte, wie die frühgeschichtlichen Vorgänger. Denn ein Ende des Wachstums der Stadt war um die Zeit der Weltausstellung keineswegs in Sicht und Abhilfe für die Lebensumstände der Massen ebenso wenig.
14 Ackroyd, Peter; London; Die Biographie; München 2002; S 594, 452.
15 Ackroyd, Peter; London; Die Biographie; München 2002; S 581, 586, 660.
16 Ackroyd, Peter; London; Die Biographie; München 2002; S 582.
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1.2 Leben und Sterben im London von Charles Dickens
Im viktorianischen London herrschte, wie im ganzen British Empire, ein ausgeprägtes Klassensystem, das in keinem Fall vermischt werden sollte. So wurde die arme Bevölkerung, die den größten Teil der Einwohner Londons ausmachte, durch die baulichen Verschönerungsmaßnahmen immer mehr in Slums und Elendsviertel gedrängt, wie zum Beispiel in das berüchtigte Whitechapel im East End oder nach Spitalfields. 17
Die Wohnsituation in diesen Vierteln war verheerend. Durch das explosionsartige Bevölkerungswachstum herrschte ein akuter Wohnungsmangel, was wiederum zu einem Anstieg der Mietpreise führte. Somit waren Großfamilien gezwungen aufeinander gepfercht in einem kleinen Zimmer zu hausen. In Tottenham Court Road zum Beispiel, welche nicht durch ein klassisches Slum verlief, lebten 485 Personen in nur 27 Häusern. In den Jahren von 1841 bis 1847 stieg die Anzahl von Hausbewohnern von durchschnittlich 24 Menschen pro Haus auf 40. Wer die Miete für eine ständige Unterkunft nicht aufbringen konnte, miete für einige Stunden ein Bett oder eine Pritsche oder schlief unter Brücken, in Hauseingängen oder Parks. 18
Die hygienischen Umstände in den Elendsvierteln waren ebenso verheerend wie die Wohnsituation. Die wenigsten Wohnhäuser verfügten über Toiletten, die wenn sie überhaupt vorhanden waren von allen Bewohnern des Hauses oder der Etage genutzt wurden. Wie bereits erwähnt bestand bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts kein Abwassersystem in London. Die Armen tranken somit das kontaminierte Wasser der Themse und erlagen reihenweise den Krankheiten, mit denen sie sich durch die darin befindlichen Fäkalbakterien infizierten. 19 Diese unzumutbaren Zustände lösten in den Reihen der Regierung einen Hygieneboom aus. 1848 wurden die Public Health Acts erlassen, die zum ersten Mal eine gewisse Infrastruktur in ein entstehendes rudimentäres Gesundheitssystem bringen sollten. 20 Eine weitere Gesetzeskette von ähnlicher Art waren die in den 1860er Jahren erlassenen Contagious Diseases Acts, die durch die Frauenrechtlerin Josephine Butler in das öffentliche Interesse gerückt wurden.
17 Ackroyd, Peter; London; Die Biographie; München 2002; S 527 ff.
18 Porter, Roy; London; A social History; Cambridge, Massachusetts 1995; S. 268 ff.
19 Wohl, Anthony S; Endangered Lives: Public Health in Victorian Britain; Cambridge, Harvard 1983; S. 1 f.
20 Porter, Roy; London; A social History; Cambridge, Massachusetts 1995; S. 261.
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Die Contagious Diseases Acts sahen die Erfassung und Untersuchung von Prostituierten vor, um erkrankte Frauen unter Quarantäne zu stellen. Die Idee für solche Gesetze reifte nach dem Krimkrieg, da die Hälfte der britischen Armee an Geschlechtskrankheiten wie Syphilis litt und somit die Kampfesstärke erheblich litt. Die Schuld für die Infektion der Männer gab man den weiblichen Prostituierten. 21
Die allgemeine Situation der Armen verbesserte sich jedoch nicht merklich durch die neuen Gesetzgebungen. Viele verdingten sich in Arbeitshäusern, die Zuchthäusern teilweise in nicht viel nachstanden. 1834 hatte das Poor Law Amendment Act die staatlichen Zuschüsse an arbeitsfähige Personen abgeschafft. Nachdem das Arbeitshaus eine Alternative war, die es zu vermeiden galt, erhöhten sich die Löhne nicht und die finanzielle Situation der Ärmsten blieb ebenso schlecht, wie sie war. 22
Doch nicht jeder wollte und konnte sein Geld auf ehrbare und legale Weise verdienen. Prostitution zum Beispiel war in London zwar nicht verboten, jedoch ein gefährliches und zwielichtiges Unterfangen. Die meisten Prostituierten der Unterschicht konnten von ihrem Gewerbe auch nicht leben, sondern benutzten die verdienten Pennys um sich ihren Alkoholismus zu finanzieren. Ebenso waren Bettler und Diebe dem Gin verfallen. In den Pubs konnte man für ein paar Münzen und durch den hochprozentigen Wacholderschnaps wenigsten einige Stunden lang alle Sorgen vergessen. 23 Betteln war jedoch verboten, genauso wie Diebstahl.
Die Armut trieb die Menschen der Unterschicht oft zum Begehen von Verbrechen. Man bestahl bummelnde Leute auf der Straße, Botenjungen, Betrunkene und Ladenbesitzer. Frauen lockten oftmals Botenjungen und Küchenmägde, Kinder die nur ein paar Jahre alt waren, von ihren Besorgungsgängen in dunkle Gassen, um ihnen die Kleider die sie anhatten zu rauben. Diese Kleider und anderes Diebesgut wurden entweder von ihnen selbst feilgeboten oder an Hehler verkauft. 24 Eine besonders abscheuliche Unterart der Diebe bildeten jedoch die Resurrection Men oder auch Body Snatcher genannt. Sie exhumierten Leichen oder stahlen diese direkt aus Spitälern oder Anstalten, um sie
21 Fisher, Trevor; Prostitution and the Victorians; New York 1997; S. 80-94.
22 Wood, Anthony; Nineteenth Century Britain 1815-1914; Longman, Harlow (Essex) 1982; S. 104 f.
23 Walkowitz, Judith R.; Prostitution and the Victorian society; Women, class and the state; Cambridge 1980; S. 13-31.
24 Mayhew, Henry and others; The London Underworld in the Victorian Period; Authentic First-Person Accounts by Beggars, Thieves and Prostitutes; Mineola, New York 2005; S. 122 ff.
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Stephanie Guillen Niubo, 2005, London und die Weltausstellung 1851, München, GRIN Verlag GmbH
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