Inhalt
1. Marilyn, Liz und Jackie und die Bilder des Todes. 2
2. Die „Desaster Serie“ - Die Kehrseite des „American Way of Life“ 3
3. Warhols Weg zu einer neuen Technik. 5
3.1. Siebdruck. 5
3. 2. "Factory" - Ausdruck für eine neue Herangehensweise an die Kunst 6
4. „Tunfisch-Desaster“ 7
4.1. Die Geschichte des „Tunfisch-Desaster“ 7
4.2. Massenmedien - Konsum - Tod. 8
5. „12 Elektrische Stühle“ 8
5.1. The „Electric Chair“ - The „American Way of Death 9
6. „Neun Jackies“ 9
6.1. Die trauernde Jackie als Symbol einer trauernden Nation 10
7. Andy Warhol und der durch die Massenmedien verbreitete Tod. 11
8. Literaturverzeichnis. 13
1
1. Marilyn, Liz und Jackie und die Bilder des Todes
In der folgenden Arbeit möchte ich mich mit dem Künstler Andy Warhol und seiner um 1962 entstandenen „Desaster Serie“ auseinandersetzen. Dabei werde ich Bezug auf die Massenmedien nehmen, die als Quelle der Bildmotive dienten. Ich habe explizit drei Werke ausgewählt, die repräsentativ für die gesamte Serie stehen und exemplarisch die verschiedenen Kategorien verdeutlichen sollen. Bei der „Desaster Serie“ handelte es sich um den Beginn einer neuen Schaffensphase Warhols. Die Idee zu den Arbeiten der Serie entstand einer Anekdote zur Folge im Sommer ´62 bei einem Zusammentreffen von Andy und seinem Freund Henry Geldzahler. Geldzahler machte Andy auf die schicksalhaften Todesfälle aufmerksam, die täglich die Seiten der Boulevardpresse füllen und trotzdem kaum von der konsumorientierten Gesellschaft wahrgenommen werden. - „(…) der Tod, entrückt als ein Phänomen der Massenmedien und andererseits doch so alltäglich nahe.“ 1 Als Warhol begann, sich mit dem Tod auseinander zu setzen, begann er gleichzeitig seine Werke auf eine neue Art und Weise zu „produzieren“. Er schuf seine Werke mit Hilfe des Siebdrucks. Mit dieser Technik konnte er seine Bilder so oft vervielfältigen, wie er es für angebracht hielt. Der Künstler reproduzierte Bilder, die er den Massenmedien entnommen hatte, um sie der Gesellschaft erneut zu zu führen. Diesmal aber nicht als Pressebericht der Medien über das Unglück eines Schicksals, sondern als Kunst, geprägt durch die Medien. Die Massenmedien als Kunst für den massenhaften Medienkonsum der Gesellschaft.
In der Arbeit soll deutlich werden, welche Kriterien Warhol dazu veranlassten gerade diese, aus den Massenmedien stammenden, Motive zu einer Serie zusammen zu fassen. Betrachtet man die Werke der Serie ohne Hintergrundwissen, liegt die Frage
1 Lothar Romain: Andy Warhol, München 1993, 111.
2 Stefana Sabin: Andy Warhol, Reinbek bei Hamburg 1992, 9.
2
nahe, was die Bilder von Marilyn, Jackie und Liz mit den Bildern der Autounfälle, Atombomben, Lebensmittelvergiftungen und elektrischen Stühle gemeinsam haben.
2. Die „Desaster Serie“ - Die Kehrseite des „American Way of Life“
Die „Desaster bzw. Todes- Serie“ begann 1962 mit dem Werk „129 Die in Jet“. Die Anregung kam von Henry Geldzahler, einem Freund des Künstlers. Er zeigte Warhol die Titelseite einer Zeitung, auf der das Bild eines Flugzeugabsturzes mit 129 Toten abgebildet war. Diese Titelseite gab den Anstoß zu der „Desaster Serie“ und war gleichzeitig Warhols letztes Hand gemaltes Werk. .
„Ich glaube es war das Bild des Flugzeugunglücks auf dem Titel einer Zeitschrift: „129 Die“ - 129 starben. Ich malte gleichzeitig die Marilyns. Ich erkannte, dass alles, mit dem Tod zusammenhängt. Es war Weihnachten oder Labor-Day - ein Feiertag - und immer, wenn man das Radio anstellte, sagten sie ungefähr das gleiche: „4 Millionen werden sterben“. Das hat es ausgelöst. Aber wenn du ein grausames Bild immer wieder siehst, verliert es schließlich seinen Schrecken.“ 3 Dieses Bild führte zu weitern Bildern, die Selbstmorde, Autounfälle, Massenunfälle, Vergiftungsopfer, Rassenunruhen, atomare Katastrophen und elektrische Stühle zeigen. Warhol verarbeitete das Thema Tod in immer neuen Variationen. Die Vorlagen der „Desaster Serie“ stammen meist aus den Massenmedien, wie Zeitungen und Illustrierte. Warhol benutzte für seine Kunst, aus Zeitungsberichten isolierte Bilder und Meldungen, die er reproduzierte und repetierte. Durch die Vervielfältigung der meist äußerst abschreckenden Zeitungsfotos von anonymen Unfallopfern oder Selbstmördern ereichte der Künstler eine Verharmlosung der Realität, ein Abstumpfen gegenüber den traurigen Schicksalen. Ein anderes Ziel war es die Betrachter seiner Werke dazu zu bringen, über das Schicksal eines ihm unbekannten Menschen nachzudenken.
„Es ist nun einmal so, dass die Leute daran vorbeigehen und es ihnen im Grunde gleichgültig ist, dass da ein Unbekannter umgekommen ist. Also
3 Andy Warhol zitiert nach: David Bourdon: Andy Warhol. Ein Buch zur Ausstellung im
Kunsthaus Zürich, Bern 1978, 142.
3
dachte ich mir, dass es hübsch wäre, wenn die Leute an diese Unbekannten erinnert würden, und zwar genau diejenigen, die normalerweise keinen Gedanken an sie verschwendet hätten.“ 4 Die „Todes-Serie“ bestand aber nicht nur aus Bildern über anonyme Schicksale. Für Warhol bestand die „Desaster Serie“ aus zwei Kategorien: Die der anonymen Opfer und die der Berühmten.
Die Marilyn-Bilder Warhols entstanden kurz nach dem Selbstmord des berühmten Sexsymbols im August 1962. Warhol benutzte ein Pressefoto aus den fünfziger Jahren, von dem er den unteren Teil weg ließ, um das Bild mit Hilfe des Siebdrucks unzählige Male in unterschiedlichen Variationen zu reproduzieren. Auch die Schicksale anderer berühmter Frauen der damaligen Zeit dienten Warhol als Gegenstand seiner Kunst. Liz Taylor und Jackie Kennedy wurden zu Motiven der „Desaster Serie“. Fotos von Liz wurden für den Künstler interessant, als der berühmte Star ernsthaft erkrankte und alle Welt davon überzeugt war, sie würde nicht überleben. Die First Lady, Jackie, wurde nach dem Tod ihres Ehemanns zum Motiv der Serie.
Ein weiterer dominierender Teil der „Desaster Serie“ sind die elektrischen Stühle. Diese Bilder schockierten Anhänger als auch Gegner Warhols. Andy reproduzierte das Foto eines „Electric Chair“ und vervielfältigte es in allen erdenklichen Farben und verharmloste so dieses Sinnbild des Schreckens für den Betrachter. Das Bild des „Electric Chair“ und auch die anderen Werke der „Desaster Serie“ wurden durch die Repetition der Motive in ein und demselben Bild massenhaft konsumierbar. „Er hat ganz einfach erreicht, dass wir alle die Welt mit neuen Augen sehen. Überdies ist es ihm gelungen, mit einer schier unheimlichen Treffsicherheit Bildinhalte aufzugreifen, die bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren haben. In seiner Hand wurden die unvermittelt direkten, schockierenden einfachen Bilder, die er gewöhnlich Zeitungen und Zeitschriften entnahm oder in Fotografien entdeckte, zu zeitlosen, schlüssigen Zeichen, die sich den meisten von uns unauslöschlich eingeprägt haben.“ 5
4 Andy Warhol zitiert nach: Bourdon, 1978, 143.
5 Kynaston McShine: Einführung in: Andy Warhol. Retroperspektive, München 1989, 11.
4
Arbeit zitieren:
Anna Winterhoff, 2006, Videokunst - Andy Warhol - 'Ich erkannte, dass alles mit dem Tod zusammenhängt.', München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Der Zweitspracherwerb von Kindern mit Migrationshintergrund
Examensarbeit, 95 Seiten
Filmsemiotik, Filmische Codes und Filmsprache: Die visuelle Übermittlu...
Romanistik - Allgemeines u. Fächerübergreifendes
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Memento - wenige Darsteller, aber viele Gesichter
Eine Figurenanalyse am Beispie...
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Seminararbeit, 15 Seiten
Funktion und Bedeutung der Migrationsliteratur im deutschsprachigen Ra...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Diplomarbeit, 79 Seiten
Die Sprachlichkeit des Films im Verhältnis zu den geschlechtsspezifisc...
Referenzfilm: “Blonde Venus” (...
Diplomarbeit, 136 Seiten
Das Ideal der romantischen Liebe im Roman Lucinde von Friedrich Schle...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 15 Seiten
Der Doppelgänger im Neoliberalismus - Eine Motivanalyse - dargestellt ...
Magisterarbeit, 150 Seiten
Von Dracula bis zu dem Ding aus dem Sumpf - Eine medienwissenschaftlic...
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Hausarbeit, 20 Seiten
Geschichte der Schrift - ein kurzer Abriss
Medien / Kommunikation - Mediengeschichte
Referat (Ausarbeitung), 16 Seiten
Der Ausstieg aus dem Bild - Vom White Cube zur Black Box
Kunst - Installationen, Aktionskunst, 'moderne' Kunst
Hausarbeit, 35 Seiten
Das Zuschauermodell der psychoanalytischen Filmtheorie und des Neoform...
Hausarbeit, 16 Seiten
Welche Auswirkungen hat die Erfindung der Fotografie auf die Kunst? (N...
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Seminararbeit, 16 Seiten
Die Zuschauer im Fernsehen: Fernsehen macht glücklich - glückliche Fer...
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Hausarbeit, 20 Seiten
Anna Winterhoff hat den Text Videokunst - Andy Warhol - 'Ich erkannte, dass alles mit dem Tod zusammenhängt.' veröffentlicht
Anna Winterhoff hat einen neuen Text hochgeladen
Andy Warhol: The Early Sixties
Gemälde und Zeichnung 1961-196...
Nina Zimmer, Bernhard Mendes Bürgi
0 Kommentare