Philosophisches Seminar der
Philosophischen Fakultät der CAU Kiel
Unterstufenseminar: Die Meditationen des Descartes
WiSe 2005/2006
Schriftliche Ausarbeitung zum mündlichen Referat vom 07.11.2005
zur Erlangung eines Leistungsnachweises:
René Descartes – „Die erste Meditation: Woran man zweifeln kann“
vorgelegt von:
Sebastian Bernhardt
Abgabetermin: 02.02.2006
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung Seite 2
2 Das Widmungsschreiben an die Sorbonne und das Vorwort an die Leser Seite 3
3 Die erste Meditation – Woran man zweifeln kann Seite 4
3.1 Anzweifelung der ersten Prinzipien Seite 4
3.2 Die Idee des Traumes Seite 7
3.3 Vom Betrügergott zum genius malignus Seite 9
4 Die narrativen Elemente als Anlegung eines Interaktionsfeldes Seite 12
5 abschließende Stellungnahme Seite 14
6 Literaturverzeichnis Seite 16
1 Einleitung
In seinen im Jahre 1641 veröffentlichten „meditationes de prima philosophia“ strebt Descartes an, den Beweis der Existenz Gottes sowie der Unterschiedenheit des Körpers von der Seele vorzulegen. Seine streng rationale Methode möchte er zudem als allgemein zuverlässige Möglichkeit in ihrer Anwendung präsentieren und etablieren.
In der ersten Meditation baut er dabei zunächst auf dem „radikalen Zweifel“ auf, allerdings steht dieser Skeptizismus keinesfalls in der antiken Tradition, es handelt sich vielmehr um einen methodischen Zweifel.
Ziel ist es, durch Anzweifelung der „ersten Prinzipien“1 zunächst sämtliche Irrtümer auszuschließen, indem alles, woran sich ein Grund zum Zweifeln finden lässt, als falsch behandelt, und sobald etwas Unbezweifelbares gefunden ist, darauf aufgebaut wird. Die ersten Prinzipien stützen sich auf die sinnliche Wahrnehmung, die ihrerseits jedoch anzweifelbar ist, da die Sinne Täuschungen erliegen können.
Descartes zweifelt darauf aufbauend nun die Existenz der Außenwelt an, da ihre Existenz nicht unbezweifelbar ist, weil wir sie lediglich sinnlich erfassen können.
Dieser Abstoßpunkt mündet in seinem zweiten Argument, der Idee, dass alles Außenweltliche wie auch alles unmittelbar Körperliche lediglich aus einem Traum erwachse.2
Indem er auch die Bezweifelbarkeit selbst der Naturwissenschaften ohne außenweltliche Referenz darlegt3, gelangt er bereits zu seinem dritten Argument des Betrügergottes. Dabei fragt er sich, ob nicht vielleicht Gott den Menschen bewusst und ständig täuscht!4 Weil das aber nicht mit Gottes allgütiger Natur vereinbar wäre, betrachtet er die Option, dass nicht Gott, sondern ein „genius malignus“, ein „böser Geist“5 uns die Täuschungen bezüglich der Außenwelt eingibt.
Die Meditation ist gerahmt und durchzogen von narrativen Elementen, die jeweils den Argumentationsstrang zu einem hyperbolischen Kunstgriff werden lassen, der den Lesenden zum Denkhandeln anleitet.
Diese Ausarbeitung wird sich zunächst in einem Kapitel mit Descartes Intentionen in diesem Werk beschäftigen, die in aller Kürze aus den Vorreden gearbeitet werden.
Darauf folgt ein längeres Kapitel, welches sich mit seinen drei Hauptargumenten und dem Verlauf der Argumentationskette befasst. Hierbei bieten sich interessante Analyseaspekte, wie zum Beispiel bewusste Brüche innerhalb des Argumentationsganges, rhetorische Kunstgriffe und hyperbolische Darstellungen. Es wird dabei auch herausgestellt, welches Verhältnis Descartes zu seinem radikalen Zweifel hat, den er in der Meditation vertritt.
Dieser Aspekt leitet bereits zum vierten Kapitel über, welches sich noch kurz dem narrativen Charakter der ersten Meditation, die keinesfalls der passiven Rezeption, sondern vielmehr der aktiven Reflexion bezüglich der geschilderten Gedanken dienen soll, widmet.
Die abschließende Stellungnahme gibt dann noch einen Ausblick auf den heutigen Umgang mit den skeptizistischen Aspekten der ersten Meditation, in dem dann unter anderem auch auf lebensweltlich erfolgreiche Filme wie „Matrix“ eingegangen wird.
2 Das Widmungsschreiben an die Sorbonne und das Vorwort an die Leser
Das Widmungsschreiben richtet sich an die theologische Fakultät der Sorbonne und beinhaltet die Bitte um Approbation, die allerdings nicht erfolgte. Descartes präsentiert sein Ziel, die wichtigsten Argumente zum Beweis Gottes zusammenzustellen sowie den ontologischen Dualismus zwischen Leib und Seele zu beweisen, um somit auch die Ungläubigen zu überzeugen.6 Dabei räumt er ein, eine sehr kleine Zielgruppe zu haben, weil seine Meditationen durch ihre Komplexität und die Notwendigkeit eines von Vorurteilen freien Geistes die Allgemeinheit überfordern.7
Es lässt sich daraus direkt folgern, dass keinesfalls der Versuch unternommen wird, die breite Masse durch Fakten zu überzeugen, viel eher hofft Descartes, indem er sich auf eine Autorität wie die theologische Fakultät der Sorbonne berufen kann, durch eben diese Reputation seine Gegner zum Schweigen bringen zu können.8
[....]
1 René Descartes – Meditationen über die Grundlagen der Philosophie (mit den sämtlichen Einwänden und Erwiderungen, hrsg. Von Arthur Buchenau, Hamburg 1994, Seite 12. Der Begriff Prinzipien (von lat. Principium = der Anfang, die Grundlage) ist hierbei zu verstehen als das tatsächliche Fundament all unserer Annahmen und Überzeugungen.
2 a.a.O., Seite 13-14
3 a.a.O., Seite 14. Descartes stellt heraus, dass Naturwissenschaften ohne außenweltliche Referenz (z.B. Arithmetik) in uns etwas von „zweifelloser Gewissheit enthalten“, außer uns jedoch deshalb falsch sein könnten, weil Gott hier eine Täuschung in unserem Geist angelegt habe könnte.
4 a.a.O., Seite 15
5 a.a.O., Seite 16
6 a.a.O., SeiteXIII. Der Lateran hatte zu dieser Zeit dazu aufgerufen, die Existenz Gottes und die Unsterblichkeit der Seele zu beweisen. Jedoch bemerkte Descartes bei seiner Arbeit, dass ihm der zweite Teil des Beweises nicht gelingen würde und änderte die Vorgabe ab in die „Unterschiedenheit des Körpers von der Seele“.
7 a.a.O., Seite XIV
8 Christiane Schildknecht interpretiert Descartes Bemühen um Approbation anders. Sie geht davon aus, dass er Angesichts der Verurteilung Galileos und des kirchlichen Dogmatismus seiner Zeit eine Absicherung gegen die kirchlichen Sanktionen suchte. „Zu diesen „Sicherungsmaßnahmen“ gehört das Widmungsschreiben an die Sorbonne, das den „Meditationes“ vorangestellt ist, ebenso wie die wiederholte Aufforderung Descartes’ an seine Zeitgenossen, ihm mögliche Einwände gegen seine Philosophie mitzuteilen“ (Christiane Schildknecht – Philosophische Masken, Stuttgart 1990, Seite 76). Sie behauptet, dass Descartes bewusst die Philosophie des Aristoteles überwinden wollte, was in damaligen Zeiten der kirchlich geschützten aristotelischen Meinungen mit großer Gefahr verbunden gewesen wäre.
Quote paper:
Sebastian Bernhardt, 2006, René Descartes – „Die erste Meditation: Woran man zweifeln kann“, Munich, GRIN Publishing GmbH
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