Gliederung
1. Inhalt
2. Begriffserklärungen
2.1 Urbanisierung und Städteentwicklung
2.2 urbane Landwirtschaft - Definition
2.3 urbane Landwirtschaft - Umfang und Ausmaß
3. Formen und Ausprägungen
3.1 urbaner Pflanzenbau
3.2 urbane Tierhaltung
4. Akteure urbaner Landwirtschaft - Struktur und Funktion
5. Rahmenbedingungen - Stadt und Staat
5.1 rechtliche Situation
5.2 städtebauliche Strukturen
6. Probleme und Chancen
7. Wandel und Aussicht
8. Fazit
II
Abbildungsverzeichnis
1. - Prognose Entwicklung Weltbevölkerung und Anteil urbaner Bevölkerung…………...S.3
2. - Betriebssysteme urbaner Landwirtschaft, „Microfarming-system“……………………S.6
3. - Bedürfnispyramide nach Maslow……………………………………………………....S.11
4. - Einteilung einer Stadt in unterschiedliche Betriebszonen……………………………...S.16
5. - Einwege-Nährstofffluss in die Stadt……………………………………………………S.18
Tabellenverzeichnis
1. - Vergleich der Schlüsselcharakteristika zwischen ruraler und urbaner Landwirtschaft...S.4
2. - Weltweite Beschäftigung in der urbanen Landwirtschaft………………………………S.5
3. - Anteil des Gemüsekonsums in asiatischen Städten aus urbaner Produktion……...……S.6
4. - Hauptquellen für Gemüse urbaner Haushalte……………………………………...…...S.7
5. - Häufigste Hausgartenprodukte in den Armenvierteln Lukasas……………………...…S.8
6. - Kulturpflanzen des Regenfeldbaus in Lukasa 1992/1993……………………………...S.8
7. - Nutzen und Gefahren urbaner Tierhaltung……………………………………………..S.9
8. - Landwirtschaftliche Beschäftigung im Zeitverlauf nach Eintreffen in der Stadt………S.11
9. - Gründe für urbanen Landbau aus Haushaltssicht………………………………………S.13 10.- Funktionen der städtischen Tierhaltung für die ärmeren Bevölkerungsschichten…….S.14
III
1. Inhalt
Erstes Ziel dieser Arbeit ist es, das Thema der urbanen Landwirtschaft, welches in der Literatur vor allem unter ökonomischen sowie transformationsökonomischen Gesichtspunkten dargestellt wird, in weitestgehender Weise sozioökonomisch zu ordnen und dementsprechend zu charakterisieren.
Ein Hauptproblem aus Sicht der Akteure urbanen Landbaus ist, dass die meisten administrativen Ebenen urbane Landwirtschaft eher ignorieren bis unterdrücken. Daher ist es das weitere Anliegen dieser Arbeit die Perspektive der Anbauer auszuleuchten. Zuerst deren Motivation für das Betreiben urbanen Landbaus herauszustellen und aus dieser Sicht die sozioökonomische Bedeutung abzuleiten. Aus dem Konfliktbereich von städtebaulichen sowie städteplanerischen Ansprüchen an urbanen Raum und der landwirtschaftlichen Nutzung der Stadt ergeben sich Spannungsfelder, welche sich auf Form, Umfang und Ausprägung von urbaner Landwirtschaft auswirken. Der informelle Charakter der städtischen Bewirtschaftung beeinflusst diese also in unterschiedlicher Weise und ist zudem durch fortschreitende Urbanisierung und sich ausweitende städtische Verarmung stärker werdenden strukturellen Zwängen ausgesetzt. Der Wandel urbaner Landwirtschaft in den Tropen und Subtropen von einer halblegalen und höchstens geduldeten Aktivität in Richtung eines voll integrierten Teils der staatlichen Agrarordnung wird auf administrativer Ebene initiiert sowie durch internationale Zusammenarbeit unterstützt, was anhand von Beispielen dargestellt werden wird. Ebenfalls sind Problembereiche der urbanen Landwirtschaft und deren Chancen für die Menschen in der Stadt Themen, welche diese Arbeit aufgreift.
1
2. Begriffserklärung und Grundstrukturen 2.1 Urbanisierung und Stadtentwicklung
Vorab soll nun der Begriff der Urbanisierung erklärt werden. Wenn von urbaner Landwirtschaft die Rede ist muss eine Definition der Städteentwicklung dargelegt sein. Im elementaren Sinne bezieht sich der Begriff Urbanisierung auf den Anteil der Bevölkerung, der in als urban bezeichneten Regionen lebt. (STREN R.E.1992). Z.B. wird nach amerikanischer und kanadischer Festlegung nicht die Fläche der Stadt sondern nur die Bevölkerungszahl zur Definition herangezogen. Eine Siedlung mit mindestens 1000 oder 5000 Menschen kann in diesem Fall schon urban genannt werden. Folgt man dieser Definition, so ist der Urbanisierungsgrad eines Landes desto höher, je mehr Menschen in Städten leben. Ein Problem dieser Einteilung beim Versuch einen Vergleich der Länder zu machen liegt darin, dass unbedingt darauf zu achten ist, ob bei einer Erhebung die Vororte mit hinzugezählt werden oder nicht. So wirft diese starre Form der Definition Probleme bezüglich der Vergleichbarkeit auf. Dieses eindimensionale Begreifen von Stadt im Sinne von Ballung der Bevölkerung als alleiniges Kriterium wird der komplexen Wirklichkeit des urbanen Raumes als dynamische Verflechtung der verschiedenen Aspekte einer Gesellschaft nicht gerecht. Eine dynamischere Form eines Erklärungsversuchs ist, die Stadtentwicklung als einen gesamtgesellschaftlichen Prozess zu begreifen: „Die Urbanisierung als eine Synthese aus geplanter Städteplanung und ungeplantem Wachstum. Dieser Prozess beinhaltet ökonomische, soziale sowie territoriale Transformationen. In diesem Sinne muss die Stadt als ein komplexes, interaktives System verstanden werden“ (STREN R.E.1992). Eine ganzheitliche Betrachtung lässt für die Vorstellung Raum, dass Stadt nicht alleiniges Territorium des sekundären, tertiären Sektors und der Wohnraumnutzung ist, sondern auch im sozioökonomischen Sinne eine Grundlage für eine angepasste Nutzung durch den primären Sektor liefern kann. Diese zweite Form Stadt zu begreifen, ist auch die Basis für das Selbstverständnis der Betreiber urbaner Landwirtschaft, wohingegen die Antagonisten des Betriebssystems, die Stadt in der statischen Form erkennen. Aus diesem Sachverhalt leitet sich auch deren Haltung der Ablehnung urbaner Landwirtschaft als Form eines vermeintlich ruralen Resthabitus ab. Auf dieses soziale Spannungsverhältnis bezüglich des Wertes der urbanen Landwirtschaft für die Betroffenen wird später im Text abermals eingegangen. Festzuhalten an dieser Stelle sei ebenfalls dass, Stadt keine fixe Größe, sondern vielmehr ein Prozess auf Grundlage sozialen Konsenses ist, welcher Entwicklungen offen lässt, die sich auch in einer Anpassung der Sektoren aneinander in einem Fortschritt im Sinne eines positiven Wandels ausdrücken könnten.
2
Wichtig für die Betrachtung des im Folgenden zu vertiefenden Themas der urbanen Landwirtschaft ist, zu verstehen, dass die in diesem Zusammenhang relevanten Siedlungen große urbane Ballungszentren mit einer Mindestbevölkerungszahl von 200.000 Menschen sind. Hier finden sich unterschiedliche städtebauliche Strukturen, auf die verschiedene Formen der agrikulturellen Bewirtschaftung fußen und eine differenzierte Betrachtung ermöglichen.
Wie aus Abbildung 1 hervorgeht werden in Jahr 2025 über zwei drittel der Weltbevölkerung in urbanen Systemen aufzufinden sein. Die Tastsache dass in Afrika um 1930 nur etwa 4% der Bevölkerung in Städten lebten, wobei es nach Schätzungen um 2020 bei 64% sein dürften, macht die explosionsartige Entwicklung der Verstädterung deutlich (SMIT 1999). Mit diesem Bevölkerungswachstum einhergehend nimmt der Anteil der armen Bevölkerung in Städten, welcher sich in den vergangenen zwölf Jahren verdoppelte, immer mehr zu. Der wachsende Anteil der armen Bevölkerung begründet sich im Export der klassisch Ländlichen Unterernährung von der dörflichen Umgebung in die Stadt, sowie der fortschreitenden Verarmung der Städter selber. Diese Verarmung wird vor allem auch von den Auswirkungen der Strukturanpassungsprogramme der Weltbank verursacht (UNDP 1996). Abb.1 : Prognose Entwicklung Anteil der urbanen Bevölkerung an Gesamtbevölkerung bis 2025
Quelle: Quelle: Dionys Forster „Vom Abfall zu Nahrungsmitteln“ Sandec - EAWAG April 2003
2.2. Urbane Landwirtschaft - Definition
Da aufgrund der großen Vielfalt der Ausprägungsformen keine allgemeingültige Definition existiert, soll nun ein Versuch gemacht werden die Kernpunkte urbaner Landwirtschaft herauszustellen. Wenn von urbaner Landwirtschaft die Rede ist, dann wird hier auf ein weites Feld gedeutet. Der Begriff urbane Landwirtschaft umfasst viele Komponenten der meist eher einkommensunterstützenden Bewirtschaftung in städtischen Ballungszentren. Es können aber vorab in einige Haupttypen unterschieden werden. In reine Subsistenzproduktion, Verarbeitung auf Haushaltsebene, semi-kommerzielle Systeme, bei dem die Überschüsse
3
verkauft werden und kommerzielle, die eher im peri-urbanen Raum angesiedelt sind . Unter dem Sammelbegriff der urbanen Landwirtschaft sind nicht nur die Ziergärten der entwickelten Länder, sondern auch vor allem in den Entwicklungsländern die Aufzucht von Vieh, Wassermanagement und die Verwertung von organischen Abfall zu finden. Der Versuch einer Definition wird auf Basis eines modifizierten Auszugs der Erklärungsmodelle von MOUGEOT, STREIFFLER und AGUILA 12 gemacht : „Urbanes Landwirtschaften ist intra-urban oder periurban in Städten und Siedlungen zu finden, oft auf Böden, der nicht für landwirtschaftliche Nutzung ausgewiesen ist, auf Brachen, Zwischenräumen, öffentlichem Land, in Hausgärten oder auf Hausdächern. Zum Großteil werden dazu menschliche und materielle Ressourcen aus der näheren Umgebung verwendet. Häufig handelt es sich dabei um geringe Produktionsmengen, die von den Produzenten selbst konsumiert, verkauft oder verschenkt werden“ (ARNDT, HAIDLE 2004). Eine andere Art den Begriff urbaner Landwirtschaft zu definieren, ist der direkte Vergleich mit der ruralen Form von Bewirtschaftung. In Tabelle 1 sei darum eine Auflistung der Schlüsselmerkmale dieser beiden Formen der Landwirtschaft zur Veranschaulichung gegenübergestellt.
Quelle : CAMPILAN, DRECHSEL, and JÖCKER (2001), Methods for monitoring and evaluation and their adaptation to urban agriculture
1 (Homepage Aguila übersetzt durch I.Haidle)
2 Red Latinoamericana de Investigaciones en Agricultura Urbana
4
Arbeit zitieren:
Sebastian Rasch, 2007, Betriebssystem der urbanen Landwirtschaft in den Tropen und Subtropen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Landwirtschaft in Ostdeutschland in Vergangenheit, Gegenwart und Z...
Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie
Seminararbeit, 31 Seiten
Rechte und soziale Stellung der Frau in Indien - Betrachtung unter k...
Frauenstudien / Gender-Forschung
Hausarbeit, 48 Seiten
Unternehmensstrategie und Risikomanagement
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Seminararbeit, 20 Seiten
Die Gesundheit des Individuums - Utopie oder erreichbares Ziel?
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Seminararbeit, 19 Seiten
Sebastian Rasch's Text Betriebssystem der urbanen Landwirtschaft in den Tropen und Subtropen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Sebastian Rasch hat den Text Betriebssystem der urbanen Landwirtschaft in den Tropen und Subtropen veröffentlicht
Sebastian Rasch hat einen neuen Text hochgeladen
Die Kulturpflanzen der Tropen und Subtropen
Anbau, wirtschaftliche Bedeutu...
Sigmund Rehm, Gustav Espig
0 Kommentare