INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 1
2. CHARAKTERISTIKA DER „HERRSCHENDEN“ BWL - KLASSISCHE ANSÄTZE. 2
3. DIE AOEWL ALS GEGENPOSITION ZUR BWL. 4
4. KRITIK VON SEITEN DER BWL 14
5. SCHLUSSBEMERKUNG - DIE AOEWL HEUTE. 16
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1. EINLEITUNG
Sieht man sich als Student der Betriebswirtschaftslehre (BWL) mit der Frage von Außenstehenden nach dem Inhalt seiner Fachrichtung konfrontiert, kann die Beantwortung dieser Frage genauso einfach wie nichts sagend sein. Was studiert jemand, der BWL studiert? Und was unterscheidet beispielsweise die Betriebs- von der Volkswirtschaftslehre? Diese zunächst trivial wirkenden Fragestellungen, denen sich im 20. Jahrhundert zahlreiche Fachvertreter innerhalb der deutschen BWL aus unterschiedlichsten Blickwinkeln genähert haben, sollen im erweiterten Zentrum dieser Arbeit stehen: dazu werden unter Punkt 2 zunächst einige Wesenszüge der „traditionellen“ BWL dargestellt: mit Eugen Schmalenbach, Wilhelm Rieger und Heinrich Nicklisch - die in diesem Kontext gemeinhin als die „herausragenden Wegbereiter“ 1 gelten - werden in prägnanter Form drei unterschiedliche Ansätze vorgestellt, die die gegenwärtige BWL entscheidend geprägt haben.
So verschiedenartig diese Konzepte im Kern auch sein mögen, eint sie laut den Verfassern der hier vornehmlich präsentierten „Arbeitsorientierten Einzelwirtschaftslehre“ (AOEWL) insbesondere die Vernachlässigung der Arbeitnehmerinteressen 2 : Dieses in den 70er Jahren entstandene Konzept, das sich als bewusstes Kontrastprogramm gegenüber der BWL sieht und in erster Linie deren einseitige Orientierung auf Kapitalinteressen kritisiert, wird unter Punkt 3 anhand von Entstehungsgeschichte, Charakteristika und konkreten Umsetzungsvorstellungen skizziert.
Punkt 4 nennt im Anschluss daran Kritikpunkte, die wiederum gegenüber der AOEWL geäußert wurden, bevor unter Punkt 5 die gewonnenen Erkenntnisse kurz zusammengefasst und aus heutiger Sicht bewertet werden.
1 Schanz, Günther: „Wissenschaftsprogramme der Betriebswirtschaftslehre“ in Bea, Franz Xaver/ Dichtl, Erwin/ Schweitzer, Marcell (Hrsg.): „Allgemeine Betriebswirtschaftslehre“, Band 1: Grundfragen (1988), S. 49-114, S. 62.
2 Eine Ausnahme in dieser Aufzählung stellt zweifelsohne Nicklischs Ansatz dar, der den Gedanken von der Bedürfnisorientierung der in Betrieben tätigen Menschen bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgriff.
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2. CHARAKTERISTIKA DER „HERRSCHENDEN“ BWL - KLASSISCHE
ANSÄTZE
Um die heutige BWL zu charakterisieren, ist zunächst festzuhalten, dass „es die Betriebswirtschaftslehre [schlechthin] eigentlich gar nicht gibt.“ 3 Tatsächlich existiert nämlich innerhalb dieser Disziplin eine Vielzahl von unterschiedlichen Ansätzen und Konzepten, die allesamt im Laufe des 20. Jahrhunderts aufgekommen sind. 4 Um dennoch die verschiedenen Grundzüge dieser Lehre zu skizzieren, sollen mit Eugen Schmalenbach, Wilhelm Rieger und Heinrich Nicklisch zunächst die „herausragenden Wegbereiter“ 5 und deren Ansätze vorgestellt werden.
Eugen Schmalenbach (1873-1955), der dem Fach seinen heutigen Namen gab, vertrat die Schule der so genannten pragmatisch-orientierten oder praktisch-normativen Betriebswirtschaftslehre: der inhaltliche Leitgedanke bei ihm war die Idee der Wirtschaftlichkeit bzw. das (typisch ökonomische) Prinzip der möglichst sparsamen Mittelverwendung. 6 Er prägte den Begriff der „Kunstlehre“: die BWL sollte praxisorientiert sein und nützliche Instrumente für eine zielgerichtete und effiziente Unternehmensführung entwickeln.
Wilhelm Rieger (1878-1971) ging es in seiner theorieorientierten Privatwirtschaftslehre um die wertfreie Erkenntnis von wirtschaftlichen Zusammenhängen: Kern seines Werkes war die Idee der Rentabilität: für ihn war das Gewinnstreben einziges Charakteristikum einer Unternehmung - die bei ihm gar als bloße „Geldfabrik“ 7 erscheint; um den Gewinn als absolute Größe jedoch vergleichbar machen zu können, müsse dieser in Relation zu dem eingesetzten Kapital gesetzt werden. 8
3 Schanz, Günther: „Wissenschaftsprogramme der Betriebswirtschaftslehre“ in Bea, Franz Xaver/ Dichtl, Erwin/ Schweitzer, Marcell (Hrsg.): „Allgemeine Betriebswirtschaftslehre“, Band 1: Grundfragen (1988), S. 49-114, S. 49.
4 Als „Geburtsstunde“ der BWL wird meist das Jahr 1898 genannt, in dem die ersten Handelshochschulen (in Leipzig, St. Gallen, Aachen und Wien) gegründet wurden.
5 Schanz, Günther: „Wissenschaftsprogramme der Betriebswirtschaftslehre“ in Bea, Franz Xaver/ Dichtl, Erwin/ Schweitzer, Marcell (Hrsg.): „Allgemeine Betriebswirtschaftslehre“, Band 1: Grundfragen (1988), S. 49-114, S. 62.
6 Vgl. ebenda, S. 62ff.
7 Ebenda, S. 67.
8 Vgl. ebenda, S. 66ff.
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Heinrich Nicklisch (1876-1946) schließlich prägte demgegenüber die wertorientierte oder ethisch-normative Betriebswirtschaftslehre 9 : ihm ging es in erster Linie um die gesellschaftlich-verantwortliche Gestaltung und Lenkung von Unternehmungen. Er nennt es als zentrale Aufgabe der BWL, aus allgemeingültigen ethischen Grundwerten Normen für wirtschaftliches Handeln abzuleiten.
Was die hier kurz skizzierten Programme - und damit weite Bereiche des betriebswirtschaftlichen Denkens - eint, ist laut den Verfassern der AOEWL die Vernachlässigung der Arbeitnehmerinteressen und die einseitige Orientierung auf Kapitalinteressen. Sie unterstellen der „traditionellen“ BWL und der betrieblichen Praxis eine ausschließlich „kapitalorientierte“ Rationalität. 10
Eine solche „Kapitalorientierung“ kennzeichnet hierbei das vorrangig auf das Kapitalverwertungsinteresse ausgerichtete Handeln 11 : hier sind die Größen, die in die Bewertung von Mitteln und Zwecken eingehen, quantifizierbar: das bedeutet, dass sowohl die eingesetzten Mittel - also das Kapital - als auch das erzielte Ergebnis in monetären Größen gemessen und ausgedrückt werden können. Da der Gewinn (bzw. Verlust) im Vordergrund steht, wird die (vermeintliche) Rationalität einer bestimmten Entscheidung relativ einfach feststellbar: solange eine rentable Produktion möglich und die Kapitalverwertung gesichert ist, sei die Qualität der Mittel und Ziele gar von untergeordneter Bedeutung. 12 Dem stellt die AOEWL eine (noch zu erläuternde) „arbeitsorientierte“ Rationalität gegenüber und versteht sich damit als Kontrastprogramm zur BWL insgesamt. Im Folgenden soll dargelegt werden, wie sich die Kritik an der Disziplin konkret äußert und welche Verbesserungsvorschläge gemacht werden.
9 Vgl. Schanz, Günther: „Wissenschaftsprogramme der Betriebswirtschaftslehre“ in Bea, Franz Xaver/ Dichtl, Erwin/ Schweitzer, Marcell (Hrsg.): „Allgemeine Betriebswirtschaftslehre“, Band 1: Grundfragen (1988), S. 49-114, S. 68ff.
10 Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut des Deutschen Gewerkschaftsbundes GmbH (Hrsg.): WSI-Studie zur Wirtschafts- und Sozialforschung Nr. 23: „Grundelemente einer arbeitsorientierten Einzelwirtschaftslehre“, (1974), S.11.
11 Vgl. ebenda.
12 Vgl. Schanz, Günther: „Wissenschaftsprogramme der Betriebswirtschaftslehre“ in Bea, Franz Xaver/ Dichtl, Erwin/ Schweitzer, Marcell (Hrsg.): „Allgemeine Betriebswirtschaftslehre“, Band 1: Grundfragen (1988), S. 49-114, S. 95.
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3. DIE AOEWL ALS GEGENPOSITION ZUR BWL
Im Anschluss an diese kurze Skizzierung von Grundzügen der „etablierten BWL“ steht im Folgenden das Konzept der Arbeitsorientierten Einzelwirtschaftslehre (AOEWL) im Vordergrund. Nach einführenden Bemerkungen zum institutionellen und historischen Entstehungsumfeld werden die wichtigsten Charakteristika und Programmpunkte dieses Ansatzes sowie konkrete Umsetzungsmöglichkeiten vorgestellt.
Entstehungsgeschichte
Im Gegensatz zu anderen betriebswirtschaftlichen Wissenschaftsprogrammen entstand das der AOEWL außerhalb des Hochschulbereichs: im Zeichen eines „allgemeinen Aufbruchs- und Reformdenkens der 68er Generation“ 13 widmete sich eine zusammengesetzte“ 14 Gruppe im Wirtschafts-und „interdisziplinär
Sozialwissenschaftlichen Institut des DGB - bestehend aus Betriebs- und Volkswirten, Politologen und Soziologen - von April 1972 bis September 1973 diesem Projekt, dessen Ergebnis einen „Beitrag zur politischen Ökonomie der Unternehmung“ 15 darstellen sollte. Die Entstehung einer solchen Lehre innerhalb des DGB legt die Vermutung nahe, dass man sich dort seinerzeit eine angemessene Vertretung gewerkschaftlicher Anliegen weder durch die üblicherweise an den Hochschulen geführte Grundlagendiskussion 16 noch durch die herkömmliche Betriebswirtschaftslehre versprach. 17 Ziel der AOEWL war es in erster Linie, auf die Umsetzungsschwierigkeiten von Arbeitnehmerinteressen im einzelwirtschaftlichen Bereich zu reagieren und gleichzeitig den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften die Vernachlässigung gerade dieser Interessen vor Augen zu führen. 18
13 Metz, Thomas: „Das Projekt der Arbeitsorientierten Einzelwirtschaftslehre (AOEWL) - Ein Blick zurück nach vorn auf die Möglichkeit kritischer Betriebswirtschaftslehre“ in Breisig, Thomas (Hrsg.) „Mitbestimmung - gesellschaftlicher Auftrag und ökonomische Ressource“, (1999), S. 163-182, S. 165.
14 Koubek, Norbert: „Arbeitsorientierte Einzelwirtschaftslehre (AOEWL), Mitbestimmung und Gewerkschaftspolitik“ in Gewerkschaftliche Monatshefte, Heft 11, 24. Jahrgang (1973), S. 687-697. S. 687.
15 So der Untertitel der Studie.
16 Vgl. Wächter, Hartmut: „Die Arbeitsorientierte Einzelwirtschaftslehre - eine Herausforderung an die Betriebswirtschaftslehre“ in: Wirtschaftswissenschaftliches Studium (WiSt), Heft 7 (1976), 5. Jahrgang, S. 310-316, S. 310.
17 Schanz, Günther: „Wissenschaftsprogramme der Betriebswirtschaftslehre“ in Bea, Franz Xaver/ Dichtl, Erwin/ Schweitzer, Marcell (Hrsg.): „Allgemeine Betriebswirtschaftslehre“, Band 1: Grundfragen (1988), S. 49-114, S. 94.
18 Vgl. Metz, Thomas: „Das Projekt der Arbeitsorientierten Einzelwirtschaftslehre (AOEWL) - Ein Blick zurück nach vorn auf die Möglichkeit kritischer Betriebswirtschaftslehre“ in Breisig, Thomas (Hrsg.) „Mitbestimmung - gesellschaftlicher Auftrag und ökonomische Ressource“, (1999), S. 163-182, S. 165.
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Arbeit zitieren:
Michael Wilhelmi, 2005, Das Konzept der arbeitsorientierten Einzelwirtschaftslehre (AOEWL), München, GRIN Verlag GmbH
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