Inhaltsverzeichnis:
I Einleitung 3
II Ausgangssituation der chinesischen Energiesituation 5
II 1 Chinas Energiemix 5
II 2 Die Vorkommen fossiler Rohstoffe in China 5
II 3 Prognosen zum Bedarf 7
III Empirische Befunde 8
III 1 Zielländer chinesische Investitionen und mögliche Konflikte 8
III 2 Die Transportproblematik 11
III 3 Besonderheiten der chinesischen Strategie 12
III 4 Fallbeispiel Afrika 13
IV Theoretische Deutung 16
V Zusammenfassung 18
VI Anhang 21
VII Literaturverzeichnis: 22
2
I. Einleitung
China ist in aller Munde. Das bevölkerungsreichste und flächenmäßig viertgrößte Land der Erde zeigt der Welt ein einmaliges Wirtschaftswunder. Seit 1978 hat sich das Bruttoinlandsprodukt mehr als verzehnfacht. Nach Pro-Kopf-Einkommen und Kaufkraftparität (purchase power parity, PPP) ist das Land zwar noch weit hinter den OECD-Staaten zurück – auf Platz 109 zwischen Algerien und der Ukraine – allerdings liegt das BIP in PPP ermittelt bereits hinter den USA auf Rang zwei, bezieht man die EU als gemeinsamen Wirtschaftsraum nicht mit ein. 1 All diese Zahlen und Vergleich sind bei uns im Westen mittlerweile so etwas wie Allgemeinwissen. Die sozialen Unruhen und Spannungen gehören noch nicht dazu. Jedoch kommt es landesweit immer häufiger zu Protesten von Arbeitslosen, Rentnern, Bauern und anderen Bevölkerungsgruppen. 2
Diese Entwicklungen scheinen das Land erneut vor eine Zerreißprobe zu stellen, wie sie es in der chinesischen Geschichte häufig gegeben hat. Derzeit scheint die Regierung die Situation noch kontrollieren zu können. Ein Grund dafür liegt sicherlich in dem enormen wirtschaftlichen Wachstum seit den Reformen Deng Xiaopings, das offensichtlich seine Schattenseiten hat, aber immerhin auch viele Millionen Menschen aus der Armut befreien konnte. Die Lebenserwartung stieg auf über 72 Jahre, die Kindersterblichkeit sank auf 23 Fälle pro 1.000 Lebendgeburten. 3
Nun ist ein zweistelliges Wirtschaftswachstum nicht zum Nulltarif zu haben. Die chinesische Wirtschaft benötigt riesige Energiemengen, um dieses Wachstum zu generieren. Dabei ist die Energieeffizienz im Vergleich zu entwickelten Industrieländern extrem schlecht. So braucht China pro Einheit BIP fünf Mal so viel Energie wie die nicht gerade als energiebewusst bekannten Amerikaner und zwölf Mal so viel wie Japan. 4 Da aber die heimischen Reserven an fossilen Brennstoffen abgesehen von Kohle relativ gering sind, ist die chinesische Regierung gezwungen, international aktiv zu werden, um die Versorgung der Wirtschaft mit den dringend benötigten Rohstoffen sicherzustellen. Damit garantiert sie zunächst einmal den anhaltenden Wirtschaftsboom, zum anderen aber auch ihr eigenes Überleben. Denn mit der ökonomischen Liberalisierung und politischen Entideologisierung ging auch der Maoismus
1 CIA 2006: „World Factbook 2006“. Internet: http://cia.gov/cia/publications/factbook/
2 Le monde diplomatique 2006: „Atlas der Globalisierung“ S. 162
3 CIA 2006
4 International Energy Agency (IEA) 2000: „China´s Worldwide Quest for Energy Security“ S. 17
als Herrschaftslegitimation der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) verloren. Was bleibt, ist die Legitimation über Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und des Friedens sowie die Aussicht auf ökonomisches Wachstum. Damit soll zunächst nicht gesagt sein, dass die KPCh automatisch entmachtet oder China in einem Bürgerkrieg versänke, wenn dies nicht mehr gegeben sei, aber vorstellbar ist es allemal. Wenn man diese Argumentation akzeptiert, ist es wohl offensichtlich, welch entscheidende Rolle der Energieaspekt in diesem Zusammenhang spielt.
Deshalb will ich in dieser Arbeit der Frage nachgehen, welche Strategien die chinesische Politik verfolgt, um den Zugang zu fossilen Energieträgern zu sichern, sowie Erklärungsansätze für ihr außenpolitisches Handeln liefern. Da China selbst relativ große Kohlevorkommen besitzt, werde ich mich auf Erdöl und Erdgas beschränken, auch, weil es für die internationalen Beziehungen das brisantere Thema ist. Denn das Versiegen der Öl- und Gasquellen werden wir wohl in wenigen Jahrzehnten erleben, wohingegen die Kohlevorkommen noch etwas länger reichen werden. Zunächst werde ich die Ausgangslage darstellen, mit der sich auch die chinesische Führung befassen muss, nämlich den Energiemix des Landes, sowie den im Land lagernden Ressourcen und den Prognosen zum künftigen Bedarf. Danach werden die wichtigsten Prinzipien der chinesischen Erschließungspolitik behandelt, sowie die sich daraus ergebenden Probleme. Dies sind zum einen logistische Herausforderungen, zum anderen politische Konfrontationen, die sich immer ergeben können, wenn ein so heikles Thema wie die Energieversorgung auf der Tagesordnung steht. Am Fallbeispiel Afrika wird die Anwendung der Strategien exemplarisch dargestellt. Im vierten Teil wird die chinesische Politik im größeren Rahmen der Internationalen Beziehungen betrachtet und anhand theoretischer Modelle zu erklären versucht. Abschließend werden die wichtigsten Punkte noch einmal zusammengefasst.
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II. Ausgangssituation der chinesischen Energiesituation
II.1. Chinas Energiemix
Die Zusammensetzung des Energiemix ist von besonderem Interesse, wenn man strategische politische Entscheidungen treffen, beziehungsweise in unserem Falle, analysieren will. Er gibt Auskunft darüber, welcher Primärenergieträger zu welchem Anteil in einem Land zur Stromerzeugung, Heizung, Verkehr und anderen Anwendungen verbraucht wird. Offensichtlich schränkt eine zu starke Konzentration auf nur wenige (fossile) Energieträger ein Land in seiner Entscheidungsfreiheit ein und führt zu problematischen Abhängigkeitsverhältnissen.
Betrachtet man nun den Energiemix Chinas (vgl. Abbildung 1), so sieht man, dass das Land zu über 80% von fossilen Brennstoffen abhängig ist. Knapp 62% der Primärenergie kommt dabei allein von Braun- und Steinkohle, Erdöl macht ungefähr 20%, Erdgas noch einmal 2,6% aus. Vergleicht man diese Werte mit ähnlich starken Volkswirtschaften, so zeigt sich, dass der Anteil der fossilen Energieträger beispielsweise in den USA oder Deutschland mit 86% bzw. 83% ähnlich hoch ist, jedoch ein größeres Gleichgewicht hinsichtlich der Aufteilung in Kohle, Öl und Gas herrscht. China ist also vergleichsweise überproportional von Kohle als Energieträger abhängig. 5 Nun ist es wie bereits erwähnt kein Geheimnis, dass eine starke Abhängigkeit von einem oder wenigen Rohstoffen sehr schnell zu politischen Abhängigkeiten führen kann, sofern man nicht mit großen und günstig zu fördernden Lagern gesegnet ist. Sollte dies nicht nicht der Fall sein, so muss es vernünftigerweise Ziel der Regierung sein, den Energiemix zu diversifizieren und sich neue, stabile Zugänge auf dem Weltmarkt zu sichern. Bevor Chinas Bemühungen um eine solche Diversifizierung näher betrachtet werden, soll aber eine Bestandsaufnahme der im Land selbst lagernden Vorkommen gemacht werden.
II.2. Die Vorkommen fossiler Rohstoffe in China
China ist weltweit größter Produzent von Steinkohle, mit 2.226 Millionen Tonnen (Mt) im Jahr 2005. Zum Vergleich, auf Platz zwei und drei folgen die USA und Indien mit 951Mt,
5
Anmerkung: Dies ist nun nicht nur problematisch in Bezug auf politische Abhängigkeiten, sondern
auch, was die Umweltverschmutzung angeht, sind doch die Schäden, die sich unmittelbar aus Abbau,
Verbrennung und Verstromung gerade von Braunkohle ergeben, aufgrund des geringeren Wirkungsgrades noch
gravierender als bei Öl und Gas.
5
beziehungsweise 398 Mt. In der Rangfolge der größten Exporteure liegt es allerdings nur auf dem fünften Platz. Dies spricht zum einen für den enormen eigenen Bedarf, zum anderen aber auch für die Gewissheit der chinesischen Führung, dass man mit den eigenen Reserven relativ sparsam haushalten muss, um gegenüber anderen Ländern bei steigenden Rohölpreisen und zunehmender Verknappung nicht zu sehr ins Hintertreffen zu geraten. 6 Zwar sind die Reserven verschiedenen Quellen zufolge immens, jedoch lagert der größte Teil davon – ungefähr drei Viertel - im relativ schwer zugänglichen und unerschlossenen Teil Chinas im Norden und Nordwesten, dazu in relativ großen Tiefen. 7 Daraus resultieren lange und teure Transportwege in die über 3.000 km entfernten Ballungsräume im Osten und Süden des Landes. 8
Der Abbau der Kohle ist somit nicht nur eine große Umweltbelastung, sondern auch wirtschaftlich nicht immer rentabel – zumindest bisher. Eine andere Statistik weist auch noch auf einen weiteren problematischen Aspekt der Kohleförderung hin. Von 2000 bis 2005 starben bei Industrieunfällen in China - wohlgemerkt nach offiziellen Zahlen – 6.476 Menschen, davon alleine 5.493 im Bergbau. 9 Damit ist China mit weitem Abstand alleiniger Spitzenreiter.
Abbildung 2 zeigt die Erdölvorkommen in China sowie im Ost- und Südchinesischen Meer. Nach aktuellen Angaben ist das Tarim-Becken im Westen des Landes das größte Ölfeld innerhalb der eigenen Staatsgrenzen. Frühere Schätzungen gingen davon aus, dass die dort lagernden Reserven die von Saudi-Arabien übersteigen würden. Diese Hoffnung hat sich allerdings nicht bewahrheitet, die Schätzungen mussten im Laufe der Zeit immer weiter nach unten korrigiert werden. Wie dem auch sei, der entscheidende Zeitpunkt ist in dieser Angelegenheit das Jahr 1993, als China seine lange währende Ära der autarken Energieversorgung aufgeben musste und zum Nettoimporteur von Öl wurde. 10 Selbst im unwahrscheinlichen Fall, dass noch größere Lagerstätten innerhalb Chinas gefunden werden sollten, würden diese wohl kaum ausreichen, den ständig wachsenden Bedarf der
6
World Coal Institute 2006: Coal Fact Card 2006. Internet: http://www.worldcoal.org/ 7 Ji Chengjun und Nan Yue 2004: Energieprobleme in China – Ein kurzer Überblick. Internet: www.tu- berlin.de/foreign-relations/archiv/tui_55/nan_yue.PDF 8 Umbach, Frank 2001: „ Geostrategische und Geoökonomische Aspekte der chinesischen Sicherheits- und Rüstungspolitik zu Beginn des 21. Jahrhunderts – Die Verknüpfung traditioneller Sicherheitspolitik mit Ressourcenfragen im geopolitischen Denken Chinas“ S. 388 9 Le monde diplomatique 2006, S. 163 10 IEA 2000: S. 7ff.
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Pascal Zimmer, 2007, Wie lässt sich die Politik der Volksrepublik China bezüglich der Sicherung des Zugangs zu fossilen Brennstoffen erklären?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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